psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Zwangshandlungen

  1. #1
    Neuling Avatar von avoider
    Registriert seit
    19.01.2010
    Ort
    Eisenach
    Beiträge
    18
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Zwangshandlungen

    Hallo zusammen!
    Ich bin noch neu hier und wollte einfach mal meine Situation kurz beschreiben:
    Ich lebe seit etwas mehr als 10 Jahren mit Ängsten und Zwängen.Bei meinen Zwängen handelt es sich zum einen um bestimmte Rituale,die ich jeden Tag gleich vollführen muß(z.B. zuerst meine Brille aufsetzen-dabei muß ich immer bis drei zählen-;dann der Rechte Fuß aus dem Bett-wieder mit "1,2,3"-;dann das gleiche mit dem linken Fuß;in den rechten Schuh-"1,2,3" usw...).
    Werde ich dabei irgendwie gestört oder unerbrochen,muss das ganze wiederholt werden-das kann manchmal echt lange dauern
    Zum andern müssen bestimmte Gegenstände immer von rechts nach links ausgerichtet werden,was ich mehrmals täglich konrollieren muß.
    Dazu kommen dann noch "spontane" Zwangsgedanken:"Du musst das jetzt so und so machen".Ein Beispiel:"Du musst dich jetzt am Kopf kratzen oder deine Brille hochschieben ..."
    Die Befürchtung dabei ist,wenn ich das alles nicht mache, etwas schlimmes passieren wird
    Manchmal konnte ich mir anfangs nicht mal mehr die Nachrichten anschauen aus Angst ich habe irgend ein schlimmes Ereigniss verschuldet!?
    Ich weiß natürlich wie dämlich das klingt/ist und das ich keinen solchen Einfluß haben kann,aber ich kann mich diesem "magischen Denken" nur selten entziehen.
    Ich hab schon ein paar Therapien hinter mir und ich nehme täglich Medikamente.Es ist schon besser geworden,aber in bestimmten Belastungssituationen und besonders wenn ich alleine bin ist es immer noch sehr schwer.
    Kennt ihr so etwas ähnliches auch?Und wie geht ihr damit um?
    Danke schonmal im Vorraus!
    Das mit dem "kurz" hat nicht ganz geklappt,Sorry!

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von LABBI
    Registriert seit
    10.11.2009
    Ort
    Oberfranken
    Beiträge
    248
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    erstmal: das ist absolut kein Quatsch und klingt auch nicht blöd oder so. Hier im Forum wirst du einige finden, die mit diesem Thema vertraut sind oder vielleicht auch selber unter Zwängen leiden. Du bist nicht alleine.

    Herzlich willkommen hier und ich hoffe, daß du dir hier viel Kraft holen kannst.

    Zu deinem Zwang-Thema, welche Therapien hast du denn gemacht (wenn ich fragen darf).

    Gruß
    " Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen " - Goethe -

  3. #3
    Neuling Avatar von avoider
    Registriert seit
    19.01.2010
    Ort
    Eisenach
    Beiträge
    18
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Labbi,

    danke zunächst für den Zuspruch!Ich freue mich sehr mich hier austauschen zu können.

    Und natürlich darfst du fragen!Ich habe zwei teilstationäre Verhaltenstherapien hinter mich gebracht.
    Die erste im PZN in Wiesloch bei Heidelberg.Dort wurde ein verhaltens-therapeutischer Ansatz verfolgt.Ich hatte einige Einzelgespräche,Ergo-und Sporttherapie,Entspannung etc.
    Ich hatte dort einiges an Werkzeug mitgenommen und es ging lange Zeit ganz gut bis es dann auf die Abschlußprüfungen meiner Ausbildung zuging-Prüfungen sind ein riesen Problem für mich!Zur gleichen Zeit sind mein Onkel und meine Oma innerhalb von 4 Monaten gestorben und das alles zusammen hat mich wieder zurückgeworfen.
    Ich hab die Prüfung verhauen und mich wieder zuhause eingeschlossen.Irgendwie hab ich es dann aber doch geschafft mich nochmal aufzuraffen und hab noch eine Therapie begonnen.Auch Verhaltens-
    therapie aber mit antroposophischer Ausrichtung.D.h. das normale Programm mit sehr viel Biografiearbeit und vielen Senffußbädern und Zitronen-Öl-Spritzen
    Danach war ich immer wieder bei ambulanten Therapeuten um mit den Zwängen und der sozialen Phobie fertig zu werden.Aber seit einem Jahr bin ich bei keinem Therapeuten mehr gewesen,aber leider ist es im Moment wieder schwierig.
    Ich überlege ,ob ich mal etwas tiefenpsychologisches versuchen soll!?

    Oh,mann!Schon wieder so viel Text und sonst krieg ich den Mund nicht auf
    Sorry,aber es tut gut es mal rauszuschreiben!

  4. #4
    Painter
    Gast

    Standard

    Hallo,

    interessant finde ich dass du dich für deine kurzen Statements entschuldigst!
    Hast du noch nicht viel hier herumgeschaut? Oder entschuldigst du dich immer für alles was du für dich selbst machst?

    Wenn deine Verhaltenstherapien nichts gebracht haben würde ich auf jeden Fall eine tiefenpsychologische Therapie machen, du willst den Kram ja loswerden und da sollte man, wenns nicht besser geht, schon ausprobieren was einen hilft.

  5. #5
    Neuling Avatar von avoider
    Registriert seit
    19.01.2010
    Ort
    Eisenach
    Beiträge
    18
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Andreas,

    ich bin nur von mir selbst überrascht,da ich sowas nie ausprobiert habe und sonst nicht der mann der großen Worte bin.
    Aber wenn ich mich hier so umschaue,gibts ja doch einige Romanverfasser
    Da komme ich bestimmt auch noch hin

    Ich werde mich mit dem Thema Tiefenpsychologie sicher auseinandersetzen.Auch wenn ich nicht sagen kann,daß mir die Verhaltens-
    therapie gar nichts gebracht hat.Ein paar Werkzeuge zum besseren Umgang hab ich schon immer mitgenommen.Nur gibt es halt immer wieder diese Rückschläge.

    Ich bin bisher auch noch nicht richtig dahinter gekommen was der konkrete Auslöser für meine Ängste und Zwänge war.Vielleicht komme ich da tiefenpsychologisch eher ran.
    Obwohl ich mir nicht sicher bin,ob es mir wirklich hilft die Vergangenheit wieder auszugraben!?

    LG,

    Matthias

  6. #6
    Painter
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von avoider Beitrag anzeigen
    Obwohl ich mir nicht sicher bin,ob es mir wirklich hilft die Vergangenheit wieder auszugraben!?
    Vielleicht lässt sich so aber eine Brücke zwischen dem heutigen Verhalten und der Vergangenheit schlagen. Wie auch immer, wünsche Dir, dass die entscheidende Einsicht in Ursache/n bald kommt

  7. #7
    Schreibkraft Avatar von LABBI
    Registriert seit
    10.11.2009
    Ort
    Oberfranken
    Beiträge
    248
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    danke für deine Offenheit. Hmm, ich denke du solltest vor allem überhaupt wieder was machen. Ohne das du weiter arbeitest wird es wieder schlimmer werden und deine Erfolge die du schon gemacht hast, schwinden wieder.
    Verhaltenstherapie ist eine gute Sache und analytisch ist auch gut um der Ursache auf die Spur zu kommen.

    Ich kenne einige Leute, die auch mit MRT einige gute Erfahrungen gemacht haben (Buch von Rainer Franke "Klopfen sie sich frei"). Kannst ja mal reinschauen, wenn du magst.

    Ansonsten: dranbleiben!!!!!

    Hast du schonmal ein Tagebuch geführt in diesen Situationen (Gedanken, Gefühle usw., alles was während dem Zwang durch deinen Kopf rauscht??).???

    Liebe Grüße
    Labbi
    " Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen " - Goethe -

  8. #8
    Neuling
    Registriert seit
    17.02.2010
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo avoider,

    ich kenne das Problem sehr gut.
    Irgend etwas eine bestimmte Anzahl von Malen machen müssen. Alle guten Dinge sind 3, oh Mist, 1x zu viel. also noch 2 x. das wären 6, also 2x3. 3x3 ist aber besser und beruhigt.
    Es klingt ziemlich dämlich und wie bitteschön soll man es anderen Leuten erklären, denen dieses seltsame Verhalten auffällt?
    Solche Dinge verfolgen mich seit meiner frühesten Kindheit und die mögliche Strafe für das Nichteinhalten dieser Spielregeln ist immer genau das, was mir gerade am meisten Angst macht/machte.
    An sich ist das eine spannende Sache, weil es eigentlich nicht unterbewusst abläuft, sondern sehr bewusst. Man selbst verwendet die eigenen Ängste gegen sich und legt sich damit lahm.
    Beispiele für so etwas sind: Niemals auf die Fugen zwischen den Fußbodenfließen treten. Nie auf eine Fuge treten, es sei denn es ist die 4. Das Treppengeländer genau 3 Mal berühren - und den Drang verspüren, unbedingt zurück zum Geländer gehen zu müssen wenn man diese 3 Mal nicht eingehalten hat um die perfekte Zahl zu komplettieren.
    In der Grundschule habe ich die Papierhandtücher nie in den Mülleimer geschmissen, sondern in meine Taschen gesteckt. Denn es hätte ja was passieren können, wenn ich sie ganz normal weggeschmissen hätte.
    Meine Mutter sagte damals immer: "Ich weiss genau ob du heute auf Klo warst oder nicht. Ich muss nur in deine Taschen gucken."
    Irgendwann kommt bei mir allerdings immer der Punkt, dass mir etwas zu mühseelig ist. Somit landeten die Papierhandtücher dann doch wieder im Mülleimer und ich hab mit Absicht auf die Fugen im Boden getreten.

    Ich habe mit der Zeit richtige Taktiken dagegen entwickelt.
    Die erste, sehr wirkungsvolle ist das Umleiten. Nein nicht 3 x sondern 1x. Ich muss es genau so machen wie ich es vor hatte, sonst passiert das Schlimme.
    Somit bringe ich mich in die Position, den Zwang zu kontrollieren, nicht der Zwang mich.
    Die Taktik hat den Vorteil, dass man sich somit selbst wieder in die Normalität drängt. Einfache Handlungen werden wieder einfache Handlungen und irgendwann wieder, wie es sein sollte, unbewusste und unkontrollierte Handlungen. Man denkt einfach immer weniger über diese ganz normalen Dinge nach, über die man eigentlich nicht nachdenken müsste weil sie einem ganz einfach von er Hand gehen sollten.

    Möglichkeit 2. Ein Gedanke: Ich bin Christ. Somit bin ich nicht Gott und ich werde sicherlich nicht so anmaßend sein daran zu glauben, dass etwas was ich tue, das Leben anderer auf magische Weise beeinflusst.

    Möglichkeit 3. Infos sammeln. Ich spiele pen & paper Rollenspiele. Als Erklärung: Mann setzt sich mit vielen Leuten zusammen und einer erzählt eine Geschichte. Das Besondere ist nur, dass alle Mitspieler die Geschichte beeinflussen können indem sie einen Hauptdarsteller der Geschichte übernehmen. Mein Hauptdarsteller hatte etwas schlimmes erlebt und der Spielleiter drückte mir ein Buch in die Hand. "Dein Charakter erhält eine Geistesstörung. Such dir eine aus." Ich las mir die im Rollenspielbuch angerissenen Erklärungen durch und blieb bei "Zwangsneurose" hängen. Das kannte ich, sehr gut sogar! Das Kind hatte endlich einen Namen und nun, da es einen Namen hatte, den ich bei Google eingeben konnte, hatte es irgendwie den Schrecken verloren.


    Im Moment würde ich sagen, bin ich zwar nicht frei von diesen Zwängen, sie tauchen immer mal wieder auf und klopfen im Hinterkopf an, aber sie lassen sich verdrängen - meistens. Und wenn es nicht so ist, dann lass ich sie zu - zu meinen Regeln!

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!