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Thema: Zwillingsschwester verstorben

  1. #1
    WhiteBlack
    Gast

    Standard Zwillingsschwester verstorben

    Mit 22 habe ich selbst herausgefunden, dass ich eine Zwillingsschwester hatte die einige Wochen nach der Geburt verstarb. Wodurch und warum weiß ich allerdings nicht. Einen gewissen Verdacht hegte ich bereits länger, als sich die Puzzelteile zusammen fügten war es irgendwie sogar eine Erleichterung. Ich konnte mir mein jahrelanges Gefühl des schmerzlichen Vermissens zuordnen, alle Hinweise ergaben einen Nenner und das Wichtigste, ich konnte dadurch sogar meinen Eltern ein Stück weit ihr jahrelanges mich verletzendes Verhalten verzeiehen. Vor allem das meinen Eltern dafür verzeihen können, hat mir ziemlich geholfen.

    Der Grund für den Thread, ich suche nach einer Möglichkeit wie ich für mich mit dem Thema abschließen kann. Mit meiner Familie kann ich nicht darüber reden, alle verschweigen und verdrängen es, als ob es nie passiert wäre. Es ist ihre Entscheidung damit umzugehen, was ich auch respektiere und es daher nicht weiter anspreche.

    Gibt es vielleicht irgend ein Abschieds-Ritual, das ich für mich selbst durchführen könnte?
    Ich weiß nicht, was man da machen kann, da fehlt mir zum Glück die Erfahrung. Über meine Zwillingsschwester weiß ich ja leider auch nicht sonderlich viel.

  2. #2
    Schreiberling
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    Standard

    Wenn du magst kannst du ganz einfach eine Kerze anzünden und ihrer gedenken. Du kannst auch in Gedanken mit ihr reden und sie verabschieden. Wenn du magst, kannst du ihr auch dafür danken, dass sie die Schwangerschaft eurer Mutter mit dir verbracht hat. Das muss nichts Großes sein, was man von außen sieht. Du wirst fühlen, was für dich richtig ist und darauf kommt es an. Und du kannst sowas so oft machen, wie es für dich richtig ist. Da gibt es keine Regeln.
    Füße im Humus, Kopf im Wind, Vögel in den Haaren - Buche

  3. #3
    WhiteBlack
    Gast

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    Danke Buche. Ich hatte mir das so vorgestellt, dass es irgend etwas gibt, womit ich das Thema einfach abschließen kann. Jedes Mal wenn ich an sie denke, oder mir das Bild von ihr vor die Füße fällt, kommt der Schmerz und die Sehnsucht wieder hoch. Sie fehlt mir so sehr, als ob bei ihrem Tod eine Hälfte von mir auch gestorben wäre.

    Ich möchte einfach nicht, dass es mich dann jedes Mal so herunter zieht, wenn ich an sie erinnert werde. Und ich hatte mir irgendwo etwas erhofft, womit ich den Verlust vielleicht verarbeiten kann, dass es mich nicht jedes Mal so sehr belastet.

    Kann da vielleicht ein normaler Therapeut auch daran arbeiten helfen, oder braucht es eher jemand spezielles der sich mit dem Thema Tod und Trauer gut auskennt?

  4. #4
    Schreiberling
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    Einfach abschließen halte ich für einen Mythos. Aber Frieden schließen ist gut machbar. Ich finde es ganz normal, dass du noch sehr trauerst, denn du hast sie ja eigentlich gerade erst verloren. Bis vor kurzem war da ein Schmerz, ein Verlangen oder eine Sehnsucht und du wusstest nicht, wo das herkommt. Dann hast du erfahren, dass da ein Mensch, mit dem du einmal sehr eng verbunden warst, gestorben ist. Dabei spielt es keine Rolle, dass dieser Tod schon vor 22 Jahren stattgefunden hat. Für dich ist das gerade erst passiert. Also sei bitte geduldig mit dir.

    Ich finde es gut, dass du eine Therapie machen möchtest. Da deine Familie sich ja anscheinend weigert, die Realität anzuerkennen und dich zu unterstützen (sie können es vermutlich nicht, sei ihnen nicht böse, sie tragen auch einen großen Schmerz) ist es sehr gut, wenn du dir anderweitig Hilfe holst. Die meisten normalen Therapeuten sollten in der Lage sein, dir zu helfen. Aber es gibt auch welche, die eine spezielle Ausbildung in Trauerbegleitung haben oder einfach nur auf diesem Gebiet mehr Erfahrung haben, als andere. Frage sie einfach und entscheide dann. Du musst nicht beim ersten Therapeuten bleiben, mit dem du ein Gespräch hast. Du kannst mehrer ausprobieren. Das nennt sich probatorische Sitzung. Ganz wichtig ist, dass dir die Person, die dir in der Therapie gegenübersitzt, sympathisch ist und du ihr wirklich vertrauen magst.
    Füße im Humus, Kopf im Wind, Vögel in den Haaren - Buche

  5. #5
    Nachwuchs Autor
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    Hallo WhiteBlack,

    ja es ist wichtig, dass Du um sie trauerst. Sie war ein Teil von Dir. Ich habe schon oft gehört, dass Zwillinge leiden, wenn einer von beiden geht. In der Familie habe ich 2 Fälle, wo der übrig gebliebene Zwilling
    enorm Trauerarbeit leisten musste, anders als die anderen Hinterliebenen.
    Vielleicht ist Deine Schwester auch gegangen, dass Du Leben kannst, vielleicht war sie die Schwächere. Du kannst ihr danken und sie in Deinem Herzen tragen.
    Eine Therapie würde Dich sicher unterstützen.
    Ich wünsche Dir alles Gute!
    lg AnJa21

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei AnJa21 für den sinnvollen Beitrag:

    Ringelblume (01.08.2016)

  7. #6
    WhiteBlack
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    Dankesehr euch beiden.
    Stimmt, abschließen klingt irgendwie, als ob man es in eine Schublade ablegt und nie mehr anguckt. Ich habe das noch gar nicht so betrachtet, dass sie für mich im Grunde erst vor kurzem verstorben ist als ich davon erfuhr und es mir bewusst wurde. Das erklärt auch meine momentanen Gefühle zu dem Thema, es fühlt sich wirklich keinesfalls so an als wäre es schon über 20 Jahre her.

    Es gibt ein Foto von ihr in dem Monat nach der Geburt, da waren wir glaube ich auch schon zu Hause. Für mich ist die Frage nach dem "warum starb sie" eigenartiger Weise gar nicht so wichtig. Ich habe die Sichtweise, dass alles was im Leben passiert, seinen Grund hat und vertraue auch darauf, dass es schon seinen bestimmten Sinn haben wird, auch wenn man es manchmal gar nicht verstehen- oder nachvollziehen kann.

    Zuvor habe ich mich irgendwann sogar für verrückt gehalten, denn offiziell bin ich ja als Einzelkind auf die Welt gekommen. Dennoch hatte ich diese Gefühle, und zog irgendwann tatsächlich sogar in Betracht es könnten Wahnvorstellungen oder Einbildung sein. Teilweise hatte mich das echt fast verrückt gemacht.

    Eure Worte haben mich nun auch noch ein wenig mehr darin bestätigt, dass meine Gefühle dies bezüglich normal sind und sie okay und richtig sind, so wie sie eben sind.

  8. #7
    Nachwuchs Autor
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    ich denke, Deine Gefühle snid ganz normal.
    Mich würde es wütend und traurig zugleich machen, dass man Dich in dem Glauben hat aufwachsen lassen, dass Du ein Einzelkind bist.
    Du hast etwas anderes gefühlt und so viele Jahre im Ungewissen gelebt.
    Nach so vielen Jahren sollten Deine Eltern auch nicht mehr "mauern". Nimm Deine Schwester ganz fest in den Arm, denn sie sitzt fest in
    Deinem Herzen und lebe ein unbeschwertes Leben. Das hätte sie für Dich auch getan!
    Lg AnJa21

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei AnJa21 für den sinnvollen Beitrag:

    Ringelblume (01.08.2016)

  10. #8
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    Von den Eltern war es sicher keine böse Absicht-sie dachten vielleicht sogar sie schützen dich, indem sie dir nicht von deiner Schwester erzählten und zudem haben sie den Verlust auch selbst nicht richtig verwunden, wenn sie auch heut nicht mit dir drüber reden mögen.
    Und schau-nun schützt du sie sogar selbst vor ihren Gefühlen und sprichst sie nicht weiter an.

    Ich kenne das...über 20 Jahre tot...
    Ich habe zwar keinen Zwilling verloren, aber ich habe mich jahrelang nach meinem verstorbenen Vater gesehnt-ein unbeschreibliches Gefühl und niemand konnte es verstehen, da ich ihn nicht mal kannte und keine Erinnerungen habe. Ich kam erst zur Ruhe nachdem ich wusste woran er gestorben war und nachdem ich auf dem Friedhof war-wobei ich sagen muss, dass der Friedhof nur ein einziges Mal wichtig war. Nun ist er immer bei mir-einfach so. Wenn ich sein Bild ansehe, gibt es Tage wo ich ihm zulächle und welche wo ich traurig werde oder gedanklich mit ihm rede. Es ist okay, so kann ich leben.

    Vielleicht kommt der Tag, wo deine Eltern mit dir drüber reden können noch, vielleicht müssen sie nun erst mal damit klar kommen, dass du es weisst.

    Nimm irgendwas was du festhalten kannst...etwas kleines zum festhalten beim Gedankenschweifen. Einen Stein, vielleicht als Herzform, das Bild, vielleicht einen Kettenanhänger "Zwillinge"? Und nimm dir bewusst Zeit es zu verarbeiten. Verstehst du was ich meine?

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