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Thema: Abwärtsspirale von psychisch kranker Mutter überwinden

  1. #1
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    Standard Abwärtsspirale von psychisch kranker Mutter überwinden

    Hallo allerseits,

    unsere Familie befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen und festgefahrenen Situation, daher wende ich mich an euch um Rat und etwas Klarheit zu gewinnen. Eventl war hier ja auch schon jemand in einer ähnlichen Situation und kann hier weiterhelfen.

    Es geht im großen und Ganzen um meine psychisch stark erkrankte Mutter (Anfang 50) die etwa seit Puberät / Anfang 20 an schwerwiegender psychischer Krankheit leidet. Diese zeigt sich unter anderem in bereits diagnostisch erfasster Schizophrenie, Wahnvorstellung, Verfolgungswahn, Stimmenhören und dem daraus resultierenden Missbrauch von Alkohol und Nikotin. Ihre Wohnung befindet sich auch dauerhaft in einem sehr verwahrlosten und verdreckten Zustand. Sie hat mittlerweile an die 8 Psychatrieaufenthalte hinter sich, da sie im Laufe ihres Lebens 6 Kinder (unter anderem mich) zur Welt gebracht hat, welche jeweils von unterschiedlichen Vätern stammen. Nach der Diagnose ihrer Krankheit wurde sie dann in jedem Schwangerschaftsfall zum Schutz des Kindes in die Psychatrie gebracht. Die Kinder wurden anschließend in Pflegefamilien untergebracht.

    Meine Mutter ist darüber hinaus Medikamentös eingestellt bzw erhielt in der Verangenheit Psychopharmaka die ihren Zustand stabilisiert haben. Die Medikamente hat sie Zeitenweise regelmäßig und und verlässlich eingenommen (sie musste hierfür zu einem Psychater der die Medikamente per Spritze verabreicht hat). Jedoch setzte meine Mutter die Medikamente meist einige Wochen / Monate nach einem Psychatrieaufenthalt wieder ab, was eine rapide Verschlechterung ihres Zustandes zur Folge hatte. Heutzutage wurden Ihr seit etwa 3 Jahren keine Medikamente mehr verabreicht (da sie nicht zum Psychater ging um sie verabreichen zu lassen).

    Daher befindet sich unsere Familie derzeit in einer sehr schweren Phase. Der Zustand meiner Mutter hat sich extrem verschlechtert, sie neigt wie oben beschrieben gegenwärtig zu starkem Alkohol und Nikontin missbraucht. Die "Hauptleidtragenden" dieser Situation sind neben meiner Mutter selbst vorallem meine Großeltern bei denen ich aufgewachsen bin. Insbesondere meine Großmutter leidet sehr unter der Situation, da meine Mutter meine Großeltern häufig besucht, da sie in der selben Stadt wohnen und hat mittlerweile selbst mit depressiven Phasen zu kämpfen da sie einfach keine Kraft mehr hat sich um alles zu kümmern (sie ist bereits 84 Jahre alt).
    Diese Besuche resultieren häufig in extremen Streitigkeiten zwischen allen vorhandenen Familienmitgliern und extremem Drama. Die Krankheit meiner Mutter macht ihre Anwesenheit nahezu unerträglich. Ich will jetzt nicht zu sehr in Detail gehen, aber ein normales Gespräch ist mit Ihr kaum möglich, da sie sehr viele zusammenhanglose Sätze und Aussagen unerbittlich von sich gibt, die häufig auch ins beleidigende und obszöne gehen. Regelrechte Redekaskaden ergießen sich auf jedes Familienmitglied in Reichweite, die es extrem schwierig machen sich vernünftig mit ihr zu unterhalten bzw sie zu bitten doch jetzt bitte nachhause zu gehen. Letztes Jahr musste sie auch einmal mittels Polizeieinsatz vom Haus meiner Großeltern entfernt werden, da die Situation eskalierte. Insbesondere in Kombination mit Alkohol verschlimmert sich dieses Symptom der Krankheit stark. Unglücklicherweise hat meine Mutter die Gewohnheit entwickelt zu nahezu jedem Besuch den sie bei meinen Großeltern macht, eine oder mehrere Flaschen hochprozentigen Alkohols mitzubringen, wenn sie nicht ohnehin schon Betrunken auftaucht.
    Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt ist diese Situation extrem belastend für unsere Familie und zerstört unser Familienleben. Eine der Schwestern meiner Mutter kann deswegen kaum mehr ihre Eltern besuchen, für meine andere Tante und mich sind die Besuche teils auch sehr schwer zu ertragen und sehr Kraftaufwändig.

    Momentan versuche ich zusammen mit meiner Großmutter eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Ich studiere jedoch in einer weiter Entfernten Stadt und kann daher leider nicht alles in meiner Macht stehende tun um meiner Großmutter effektiv unter die Arme greifen zu können. Die Situation ansich ist sehr Konfus und undurchsichtig für uns, daher wende ich mich an euch.
    Momentan haben wir zwei wesentliche Hebel herausgearbeitet an denen wir arbeiten könnten um die Situation zu verbessern.

    Einerseits versuchen wir es zu schaffen, dass meine Mutter ihre Medikamente wieder regelmäßig erhält. Meine Großmutter war hierzu bei einer Psychatrischen Beratungsstelle die sie zu einem Psychater weitervermittelt haben. Dort wird sie jetzt morgen zusammen mit meiner Mutter (sofern sie kooperiert) hingehen, allerdings konnte meine Großmutter nicht genau sagen was jetzt bei diesem Psychater konkret gemacht wird (werden Medikamente verschrieben oder wird sich zuerst ein Bild vom Patienten gemacht und dann weitervermittelt?).
    -> Meine Frage die ich hier an euch hätte wäre: Wie ist der normale Verfahrensablauf zur Verschreibung und Verabreichung von Medikamenten? An wen müssen wir uns wenden wenn eine psychisch erkrankte Person die bereits früher Medikamente erhielt und in psychatrischer Behandlung war nun wieder Medikamente benötigt?

    Der zweite Ansatz den wir uns überlegt haben ist etwas an der Betreuung zu ändern. Momentan ist meiner Mutter eine staatliche Betreuerin zugeteilt. Diese sitzt wohl im Betreuungsamt und wurde vor etwa 20 Jahren per Gerichtsbeschluss mit der Betreuung meiner Mutter beauftragt. Zu ihren Aufgabenbereichen zählen laut Gerichtsentscheid auch die "Krankheitsvorsorge".
    -> Zählt hierzu auch die Kontrolle der Verabreichung der Medikamente, bzw die Sicherstellung dessen?
    Die Betreuung ansich verläuft auch nicht besonders gut. Meine Mutter hat eine sehr starke Abneigung gegen die Betreuerin. Ich weis nicht ob es in den letzten Jahren zu einem tatsächlichen Treffen zwischen Betreuerin und meiner Mutter kam. Ich habe den Eindruck die Betreuerin kümmert sich ausschließlich um die Verwaltung der Finanzen meiner Mutter und sorg für Geld auf ihrem Konto. Erfahrungsgemäß reagiert meine Mutter auch sehr negativ auf Frauen im allgemeinen, also neigt stark zu Projektionen in die andere Person hinein. In der Vergangenheit gab es einige Sozialarbeiterinnen die sich wohl etwas um meine Mutter kümmerten, mit ihr einkaufen gingen und Unternehmungen machten, jedoch verlief dies meist im Sande da meiner Mutter sie irgendwann ablehnte. Ich denke es wäre sehr gut wenn meine Mutter hier ein neuer männlicher Betreuer zugewiesen werden würde, denn die Beziehung zu ihrer jetzigen Betreuung ist komplett gescheitert.
    -> Was kann ich tun um hier einen neuen staatlichen Betreuer zu beantragen bzw einzusetzen. Meine Mutter selbst hat den starken Wunsch geäussert hier jemand anderes im Amt des Betreuers einzusetzen. Sie war daher sogar beim Betreuungsamt, diese haben sie jedoch auf nächstes Jahr vertröstet. Habt ihr hier Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation? Ist es überhaupt möglich einen anderen Betreuer beim Betreuungsamt zu verlangen? Wenn ja wie gehe ich vor um das zu erreichen, an wen muss ich mich wenden?

    Soweit sogut, ich hoffe ich konnte hier einen groben Überblick über diese komplizierte Situation geben und ich hoffe es findet sich hier jemand der sich mit solchen Situationen auskennt. Wir sind wirklich in einer großen Notlage und ich bin über jeden Tipp und Ratschlag dankbar!


    Noch eine Anmerkung zum Schluss: Nur das ich jetzt im Text nicht herzlos oder sonstwie rüberkomme. Ich finde die Gesamtsituation meiner Mutter absolut schrecklich und würde ihr wünschen zurück in ein normales Leben zu finden. Ich finde es absolut unbefriedigend das sie so stark auf Medikamente angewiesen ist und ich würde mir wünschen das sie ohne diese Mittel ein normales Leben führen kann, jedoch sehe ich hier aufgrund des extrem festgefahrenen Zustands kaum eine Chance dieses Ziel zu erreichen. Ich bin mir nichtmal sicher, ob sie auf eine Gesprächstherapie oder ähnliches anspringen würde (ich habe selbst mehrere Jahre Erfahrung in der Psychotherapie auf Patientenseite). Ich bin mir daher bewusst das die alleinige Verabreichung von Medikamenten keine perfekte Lösung ist, aber es geht uns momentan allein um Schadensbegrenzung und auch um Selbstschutz unserer stark angeschlagenen Familie.

  2. #2
    Schreiberling
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    Standard

    Also Medikamente bekommt man auf jeden Fall von einem Psychiater verschrieben. Ich denke auch sofort. Ich gehe aber nicht davon aus, dass dies auch eine Beratungsstelle macht.

    Mit der Betreuung kenne ich mich gar nicht aus, denke aber, da das Verhältnis gestört ist, man hier sicherlich einen Weg finden wird. Ich hoffe, da bekommt ihr noch Tipps.
    Allerdings stelle ich es mir auch schwierig vor, dass man mit einer Psychose Vertrauen aufbauen kann...Die Gefahr besteht ja immer wieder, dass man keinem vertraut bzw. dass man denkt, dass man keine Tabletten braucht.
    Und eine Zwangseinweisung bekommt man ja nur, wenn man sich selber oder andere gefährdet. Jemanden Zwingen, seine Tabletten zu nehmen, kann man meiner Meinung nach sonst nicht.

  3. #3
    Bestseller Autor Avatar von Steinchen.im.Schuh
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    Standard

    Hey,

    ich kann leider auch nur bruchstückhaft Antworten, denke aber dass du vertiefende Antworten auch durch eine Internetrecherche bekommen kannst.

    Der Psychiater kann direkt Medikamente verordnen, hier liegt bei ihm persönlich, welches Vorgehen er wählt (zunächst Gespräche, später Diagnosestellung, direkte Verschreibung von Medis o.ä.). Zwangsmedikation ist aber nur mit richterlichem Beschluss möglich und kann nicht direkt in der Praxis des Psychiaters erfolgen, wenn sie sich also trotz Verschreibung gegen die Einnahme wehrt, müsste ggf. eine Eigen- oder Fremdgefährdung (nach dem PsychKG) festgestellt werden, was Zwangsbehandlung legitimiert.

    Ich bin mir recht sicher, dass ein Betreuuerwechsel möglich ist, kenne aber das genaue Vorgehen nicht. Ich würde empfehlen, dass du oder ein anderes Familienmitglied (am besten mit sehr bestimmten Auftreten) zum zuständigen Betreuungsamt geht und darum bittet. Lasst euch nicht vertrösten, die ganze Situation klingt wirklich so, als wäre ein Aufschieben absolut unpassend. Gerade wenn deine Mutter in schlechtem Zustand ist, ist eine Vertröstung sehr einfach, tritt jemand kompetent und bestimmt auf, läuft das meist (leider, leider) ganz anders.

    Ich denke, die Idee kam euch auch schon aber ich will sie trotzdem noch mal einbringen. Siehst du irgendeine Möglichkeit, dass deine Mutter in ein Wohnheim für psychisch Kranke einzieht? Ich denke, das würde euch sehr viel Last nehmen. Alternativ gibt es auch ambulant betreutes Wohnen für psychisch Kranke. Ich kenne beide Möglichkeiten nur auf Freiwilligenbasis, also wenn die kranke Person kooperiert. Evtl. gibt es dies aber auch als Zwangsmaßnahme, was dann aber wieder gerichtlich angeordnet werden muss.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und finde toll, dass du deine Großeltern best möglichst unterstützt! Ich bin selbst Tochter einer Mutter mit starker psychischer Krankheit (wurde nie diagnostiziert, tippe aber auch in Richtung Schizophrenie) und weiß, wie hart das ist.

    Alles Gute

  4. #4
    Verleger Avatar von mops
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    Standard

    Hallo,

    ob ein anderer Betreuer hilft, weiß ich nicht.

    Ich leide unter erhöhter Nervosität. Etwa so: „Du regst mich auf!“
    Wer wirkt auf mich beruhigend und wer macht mich nervös? Ich werde von den Menschen unterschiedlich akzeptiert.

    Die Frage ist die:
    Wie viele Betreuer muss man durchprobieren, bis er von dem Patienten akzeptiert wird?


    gruss mops

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mops für den sinnvollen Beitrag:

    Fisch1999 (05.06.2018)

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