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Thema: Ängste überwinden lernen

  1. #1
    Verleger Avatar von martinspin
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    Standard Ängste überwinden lernen

    Hallo zusammen

    Seit ich denken kann, hab ich Angst gespürt, der zu sein, der ich bin. Nach zwei Therapien und massiver Selbstreflexion komme ich langsam aber sicher auf die Idee, dass meine Ängste absolut gewinnbringend für mich sind. Anzeichen von Angst heisst letztlich für mich, dass ich die überwinden muss, um zu wachsen. Ich hab mich in der Vergangenheit ehrfürchtig der Angst ergeben und mir gedacht, dass die ganzen Ängste denn Sinn haben, mich auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen. Heute finde ich dieses Verhalten völliger Quatsch.

    Für mich sind Ängste so was wie tief liegende Schichten des Unbewussten, die mir aufzeigen wollen, was ich im Hier & Jetzt zu überwinden habe, um authentisch zu werden. Mein Ängste zu überwinden, bedeutet für mich, über mich hinaus zu wachsen und der zu werden, der ich bin.

    Wenn ich mir überlege, was die Ursachen all der psychischen Störungen sind, kommt mir nur die Angst in den Sinn. Es ist vordergründig die Angst vor dem Leben und im Inneren ist es die Angst, der zu sein, der ich bin.

    Wenn also Ängste überwunden werden, ist das der ultimative Schritt zu Selbstwerdung, was irgendwie das höchste der Gefühle auf diesem Planeten ist. Ich sterbe irgendwann und kehre heim zum Ursprung. Diese Tatsache macht den Suizid ziemlich verständlich. Andererseits habe ich doch auch einen Job gefasst auf diesem Planeten. Den Job, den ich mir wohl ausgesucht habe, kann ich nicht mit überbordenden Ängsten erfüllen. Ich muss frei sein von Ängsten und dann kommt es gut in meinem Leben.

    Ich wünsche euch von daher viel Kraft, eure Ängste zu überwinden
    Liebe Grüsse,Martin

    Lass sie nie enden, deine Verwandlung! Dadurch erfüllst du die Welt mit Geist, Liebe, Leben und Frieden. ***

  2. #2
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    Lieber Martin!
    Danke für deinen interessanten Beitrag.

    Die Angst davor, der zu sein, der man ist, könnte darin begründet liegen, dass eine tiefe Verunsicherung in einem herrscht. Verunsicherung, ob man die richtigen Entscheidungen getroffen hat oder treffen wird in seinem Leben, Verunsicherung darauf bezogen, ob man glücklich ist, so, wie man lebt oder ob es einer Veränderung bedarf, um wirklich glücklich zu sein / zu werden.

    Ich sehe es auch so, dass Angst als solches dazu dient, uns vor Gefahren oder möglichen Risiken zu warnen. Es gibt jedoch auch unbegründete, vielleicht situativ unpassende Ängste, die mit unbewussten Dingen in unserer Psyche zusammen hängen, meist jedoch eine ziemlich greifbare Ursache haben, an der zu arbeiten sinnvoll ist.

    Ängste zu überwinden kann helfen, selbstbewusster zu werden, sich freier zu fühlen, glücklicher zu werden. Sich etwas zutrauen, was man aus Angst bisher nicht getan hat, kann zu Glücksgefühlen führen. Dennoch sollte man sorgsam unterscheiden, welche Ängste man bearbeiten möchte und wo es vielleicht auch wirklich eher ein Schutz ist, wenn man Angst empfindet.

    Also: Welche Angst ist begründet und sinnvoll? Welche ist "nur" ein Gefühl, das vielleicht sogar unpassend oder unangemessen ist?

    Herzlichge Grüße
    Violonchelista

  3. #3
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    Hallo martinspin,

    darauf muss ich antworten. Du hast nämlich völlig Recht, Ängste weisen auf die Selbstwerdung hin, was ein sehr langer, vielleicht sogar lebenslänglicher Prozess ist.

    Wer über diese Ängste nicht bescheid weiß, der verläuft sich gehörig. Angst essen Seele auf, hab ich mal irgendwo gelesen. Oder wars ein Film? Egal, unbewusste Angste projizieren sich sofort. Wenn die auftauchen, schaltet das Gehirn sofort auf Panik. Man sucht verzweifelt nach Gründen dieser Angst und findet sogar welche, was zu Verwicklungen führt. Wenn man aber genau hinschaut, dann sind diese Ängste nicht in der Realität festzumachen, sonder diese sind endogen. Es ist die Angst der Seele vor der Individuation. Meine Erfahrung ist, diese Ängste unbedingt anzuerkennen, denn sie dienen, wie Du richtig sagst, der Selbstwerdung. Durch die Anerkennung sind sie auch nicht mehr so bedrohlich. Man kann sich auch helfen, indem man sagt oder denkt: ich habe jetzt Angst, sogar panische Angst, diese Angst ist real, aber ich weiß meine Existenz ist nicht bedroht, äußerlich ist alles in Ordnung. Im laufe der Zeit werden diese Angstattacken Teil des Lebens. Wenn sie kommen, weiß man, die Natur bzw. die Individuatuon ist an der Arbeit und das Ganze ist nicht mehr so schlimm. Dazu gehört natürlich das man seine Träume beobachtet, da kann man nämlich auch viel Erkennen. Wer das selbst nicht kann, sollte sich an einen Therapeuten der analytischen Psychologie, also "Jung" wenden.

    Die Individuation ist eine schwierige Sache, ich möchte nicht behaupten, dass das ein Selbstläufer ist, aber man kann eigentlich nicht viel machen, außer beobachten, verstehen und anerkennen, also Selbsterkenntnis. Darüber hinaus ist alles Naturvorgang. Insoweit bin ich mit Dir einer Meinung. Nur kann ich Dir nicht so ganz folgen, wenn Du den Fokus auf die Überwindung der Angst legst. Nicht überwinden, sondern anerkennen, meine ich, das ebnet den Weg für Entwicklungen um der zu werden der ich bin. Man wird nie, denke ich, frei von Ängsten sein, was vielleicht nicht einmal wünschenswert wäre.

    Aber genug, Ängste sind ein kompliziertes und vielschichtiges Thema.


    Grüße

    dialog

  4. #4
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    Violonchelista

    Hey, bist du tatsächlich Musikerin? Ich bin Pianist und unterrichte hauptsächlich!

    Danke für den Hinweis auf die gesunde Angst. Klar, die gibt es. Nur betrifft die mich weniger. Du hast das super beschrieben, was passiert, wenn Ängste überwunden werden. Das führt u.a. auch zu einer verstärkten Ausschüttung von Adrenalin, Dopamin und Endorphinen und kann bei mir bis zu euphorischen Stimmungen führen. Ich spreche vor allem von den Begrenzungen im Alltag. Sobald ich diese Ängste wahrnehme, weiss ich heute, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Denn es ist normal, dass Verhaltensänderungen von gewissen Ängsten begleitet werden. Ich bin selbstbewusster geworden und überwinde meine Grenzen mindestens ein paar Mal die Woche.

    Häufig hat es damit zu tun, dass ich innerlich nein sage zu gewissen Forderungen meiner Umwelt an mich und mich auch so verhalte. Mir scheint es so, wie eine Art Abnabelung von fremden Forderungen hin zur gesunden Selbstliebe zu sein. Ängste sind für mich ein ganz eigenes Thema und für mich der Schlüssel zu meinem persönlichen Glück und Wohlbefinden.
    Liebe Grüsse,Martin

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  5. #5
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    Hey Dialog

    Zitat Zitat von Dialog Beitrag anzeigen
    Die Individuation ist eine schwierige Sache, ich möchte nicht behaupten, dass das ein Selbstläufer ist, aber man kann eigentlich nicht viel machen, außer beobachten, verstehen und anerkennen, also Selbsterkenntnis. Darüber hinaus ist alles Naturvorgang. Insoweit bin ich mit Dir einer Meinung. Nur kann ich Dir nicht so ganz folgen, wenn Du den Fokus auf die Überwindung der Angst legst. Nicht überwinden, sondern anerkennen, meine ich, das ebnet den Weg für Entwicklungen um der zu werden der ich bin. Man wird nie, denke ich, frei von Ängsten sein, was vielleicht nicht einmal wünschenswert wäre.
    Schön, dass wir ein gemeinsames Thema haben und uns wieder einmal austauschen können

    Violonchelista hat ja schon was Richtiges zur gesunden Angst erwähnt. Für mich stellt es sich wirklich so dar, dass die ungesunde Angst mich dazu auffordert, sie zu überwinden. Es geht für mich um die Unterscheidung zwischen einer gesunden und einer ungesunden Angst. Die gesunde Angst hilft mir auf jeden Fall, hohe Risiken zu vermeiden. Das Verhalten stimme ich ab auf diese Ängste. Wenn ich z.B. plötzlich das Gefühl hätte, dass mein Job komplett das Falsche für mich ist und ich vom einen auf den anderen Tag künden würde, wäre das Mass an Existenzängsten zu hoch. Wenn ich jedoch ab dem Sommer eine Coachingausbildung beginne, um mein berufliches Spektrum zu erweitern, halten sich die Ängste im Rahmen. Meine Arbeitgeber wissen z.T. dass mich noch andere Dinge interessieren wie der Musikunterricht. Ich stehe ihnen jedoch weiterhin als Arbeitskraft zu Verfügung und mach die Ausbildung neben her. Vielleicht wird der Tag kommen, wo ich den Musikunterricht etwas reduzieren und die Coachingtätigkeit ausbaue. Das sind alles dosierte Dinge und Risiken, mit denen ich gut leben kann. Insofern gebe ich dir Recht, dass Ängste ein Leben lang existieren. Was ich mit ihnen mache und was sie mir zu sagen haben, finde ich grad sehr spannend
    Liebe Grüsse,Martin

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  6. #6
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    Hallo Martin,

    In diesem Sinne sind Deine Ausführungen nachvollziehbar und völlig richtig. Mein Interesse gilt den endogenen Ängsten welche die Individuation betreffen. Mit Äußerlichkeiten wie Arbeitgeber und dergleichen brauch ich mich nicht mehr abgeben.

    Wenn die Frage erlaubt ist, dann interessieren mich Deine Coaching-Ambitionen. Ich vermute es geht in Richtung Psychologie?

    Grüße

    dialog

  7. #7
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    Dialog

    Ich mach eine Ausbildung zum Master of Coaching (ECA)

    Ich kann irgendwie nicht zwischen endogenen und exogenen Ängsten trennen. Ich glaub, dass das Aussen bloss der Spiegel meiner inneren Ängste ist. Ohne diese Spiegelung hätte ich wohl keine Chance auf Individuation. Letztlich spielt sich bei mir alles im Innen ab und das Aussen so quasi die Projektionsfläche. Wenn ich z.B. Angst habe, für mein "eigenwilliges" Verhalten im Aussen bestraft zu werden, projiziere ich diese Angst auf meine Umgebung. Vielleicht ist es auch so, dass es die Umgebung objektiv gar nicht gibt und nur in meiner Vorstellung existiert. Ein Teil von mir möchte seine Bedürfnisse leben und der andere Teil (Über-Ich) meint, ich soll mich gefälligst anpassen. Ich projiziere nun mein "Über-Ich" auf die Umgebung und bin dadurch erst in der Lage, zu differenzieren. Wer gewinnt jetzt den Kampf: Mein Ich oder mein Über-Ich? Mit einem angeschlagenen Ich und einem starken Über-Ich ausgestattet, tut es mir gut, wenn öfters mal mein Ich den Kampf gewinnt. Dass der Kampf am laufen ist, merke ich an den Ängsten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, von gesunder Selbstliebe zu sprechen, die ich anstrebe.

    Ui, tönt wieder super theoretisch, was ich da wieder nieder geschrieben habe
    Liebe Grüsse,Martin

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  8. #8
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    martinspin, wie äußert sich die Angst bei Dir? Bei mir -liegt zum Glück etliche Jahre zurück- äußerte sich meine Angst sehr phantasievoll. Beim Treppensteigen geriet ich völlig aus der Puste; in einem Café hatte ich mir gerade 1 Kännchen Kaffee bestellt, als ich plötzlich einen einzigen starken Herzschlag verspürte, wusste gleich, was das für mich bedeutete: Noch 10 Min. Zeit, um ins Office meiner Frau zu flüchten. Ich erreichte gerade noch ihr Zimmer, warf mich auf den Boden, bevor dann mein Kreislauf verrückt spielte, mir der Atem wegblieb, mich Todesängste quälten...
    Treten Deine Ängste auch so massiv auf oder ergreifen die Ängste auf subtilere Art Besitz von Deiner Seele?

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