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Thema: Angst davor meine Eltern zu verlieren

  1. #1
    Neuling
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    Standard Angst davor meine Eltern zu verlieren

    Hallo liebes Forum,

    ich habe mich hier angemeldet, weil momentan so einiges in meinem Leben passiert und ich mit jemandem darüber sprechen möchte, der mich nicht kennt. Ich bin 34, habe meinen Job in der Krise verloren und meine Freundin hat auch vor einer Woche mit mir Schluss gemacht. Ich merke gerade wieder wie wenig Sicherheit das Leben bietet. Das bringt mich alles zum Nachdenken und mir wurde wieder Mal klar, dass ich vor allem eine ganz selbstverständliche, starke Stütze in meinem Leben habe - nämlich meine Eltern. Ich hatte immer wieder Mal Angst, wie ich damit umgehen würde, wenn sie Mal nicht mehr da sind. Momentan ist die Angst wieder größer, weil ich nicht weiß, ob ich in einer Situation wie im Moment vielleicht in eine Depression falen würde, wenn ich meine Eltern auch nicht mehr hätte oder sie sogar zu so einer schwierigen Zeit verlieren würde.

    Zwei Dinge machen mir besonders Angst:
    1) Dass die emotionale Unterstützung (vor allem von meiner Mutter) wegfällt, die Sicherheit, das schöne Gefühl mein schönes Heimatdorf zu besuchen, die Geborgenheit und Vertrautheit des Hauses, in dem ich aufgewachsen bin, das gute Essen, das meine Eltern zubereiten, die Ausflüge, die wir zusammen machen, Weihnachten, das wir gemeinsam feiern, die Liebe und das Interesse, das sie mir entgegenbringen. Und auch die Sicherheit zu wissen, dass wenn ich in eine finanzielle Schieflage geraten würde, sie mir aushelfen würde - was Gottseidank bisher nicht der Fall war ... Der Gedanke, dass all das irgendwann nicht mehr Teil meines Lebens sein wird, ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbar. Ich probier mich darauf gedanklich vorzubereiten, aber irgednwie halte ich diesen Gedanken nie lange aus, weil mein Verstand anscheinend nicht fähig oder willens ist, sich so eine Welt vorzustellen.

    2) Das was mir aber besonders Angst macht, ist, dass ich irgendwann bereuen könnte, nicht dieselbe Liebe an meine Eltern zurückgegeben zu haben. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Sie sind immer nett zu mir und wenn ich sie in unserer Heimat besuche, dann dreht sich alles um mich. Ich darf entscheiden, wohin wir einen Ausflug machen, wo wir essen, was meine Mutter für mich kochen soll etc. (Ich besuche meine Eltern wenn möglich 5 Mal im Jahr) Aber es ist so komisch, jedes Mal, wenn ich wieder in meine alte Heimat komme, bin ich irgendwie kalt. Irgendwie nervt mich das meiste, was meine Eltern tun oder sagen. Wenn mich meine Mutter zig Mal dasselbe fragt oder alle möglichen Optionen durchfragt, obwohl ich ihr schon von Anfang an eine klare Antwort gegeben habe. Wenn mich mein Vater wirklich jedes Mal fragt, ob ich mit dem 14:30 Zug wieder zurückfahre (Es gibt nur diesen direkten Zug und ich fahre nie indirekt. ich glaube, er findet einfach keinen anderen Weg mit mir zu kommunizieren, ist sicher auch meine Schuld). Wenn sie neben mir anfangen, wegen sinnlosen Kleinigkeiten zu diskutieren oder aneinander vorbeireden und es ständig zu Missverständnissen kommt. Es gibt andauernd eigentlich total unbedeutende Situationen, die mich aber totzdem so nerven, dass ich insgesamt immer sehr schweigsam bin und kaum persönliche Fragen stelle und eher nur kurze Antworten gebe, wenn ich was gefragt werde. Aber wir reden auch selten über Persönliches. Außer meine Mutter, mit der kann ich ganz gut über Privates reden. Mit meinem Vater ist das immer nur kurz und oberflächlich. Ich schaff es auch nicht, ihn Papa zu rufen, vielleicht Mal zum Geburtstag oder so, weil ich den Geburtstag dann quasi als Vorwand verwenden kann, dass ich ihn jetzt eine kleine Freude machen sollte... Das tut mir so Leid, ich versteh einfach nicht, wieso ich so bin. Seit Jahren versuch ich mich zu ändern und netter zu sein und ich schaff es auch hin und wieder, aber wieso ist es so ein Kampf? Warum kann ich meine Eltern nicht für ihre Marotten lieben und ihnen mehr Liebe und Interesse entgegen bringen? Ich habe solche Angst, dass ich irgendwann zu spät erkenne, dass ich netter hätte sein sollen. Manchmal, meistens bei der Verabschiedung am Bahnhof fühl ich mich dann traurig und als ob ich ein Gefangener meiner Persönlichkeit wäre. Ich möchte sagen oder zeigen, wie sehr ich schätze, was sie alles tun, aber es kann nicht raus, irgendwas hält mich gefangen. Ich bedanke mich zwar bei der Verabschiedung, aber warum kann ich es nicht schon während unserer gemeinsamen Zeit ausdrücken, durch Emotionen, durch Freude? Ich bin dort immer so emotionslos und manchmal denk ich mir, meine Eltern müssen glauben, ich bin depressiv. Irgendwas hält mich zurück. Wenn Freunde von mir oder andere Verwandte mit bei meinen Eltern sind, dann ist die Stimmung meistens besser, da red ich mehr und kann mehr Gefühle zeigen. Mein Bruder ist übrigens noch schlimmer in der Hinsicht und das ärgert mich auch, dass er sich in meinen augen noch weniger bemüht als ich. In ihm erkenne ich dann wieder meine Schwächen und manchmal hilft es mir, netter zu meinen Eltern zu sein, wenn ich sehe, wie kalt er ist.

    Sorry für den langen Text, ich fühl mich richtig mies, wenn ich das alles so schreibe. Auch wenn ich mirs nicht vorstellen kann, aber vielleicht gibts ja hier jemanden, der das irgendwie nachvollziehen kann, was ich beschreibe? Was soll ich tun? wie komm ich "aus meiner Haut" heraus? Ich weiß, dass ich das, was mich heute an ihnen nervt, irgendwann vermissen werde und trotzdem, weiß ich nicht, wie ich meine Einstellung dazu ändern kann.

    Danke fürs Lesen!

  2. #2
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    Also um ehrlich zu sein, bist du zu 100% nicht der einzige der sowas fühlt und der so zu seinen Eltern ist. Es fällt Kindern wirklich schwer, vorallem wenn sie älter sind, deren Liebe zu ihren Eltern zu zeigen, wir würden für unseren Eltern alles mögliche tun aus Liebe, aber wir haben das Gefühl dass sie es nicht wissen. Glaub mir, die wissen es und die schätzen es, sie sind ja auch Kinder und waren mal in so einer Situation wie du. Es gibt ja nicht immer gemeinsame Verständnisse in der Familie, trotzdem heißt es nicht dass man sie nicht liebt. Und das was deine Eltern für dich tun, das ist selbstverständlich, die Eltern lieben ihre Kinder mehr als alles andere, wir sind alles was die haben und die machen es gerne. Was das "verlieren" angeht, du musst es akzeptieren, denkst du wenn deine Eltern gehen, sie wären glücklich drüber wenn du ins Depression fällst weil du sie verloren hast? Jeder muss mal gehen, jeder ist ein Zeitgast, was zählen wird ist dass die immer in dein Herzen leben werden und weiter durch Erinnerungen leben werden. Aber ich würde dir einfach empfehlen dass du die Zeit mit denen genießt und nicht mal an sowas denkst, geh hin und sag dass du sie liebst, oder wenigstens sei für sie da, wenn die dich brauchen das würde auch komplett ausreichen und deine Liebe beweißen.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Bauss für den sinnvollen Beitrag:

    Janiro5000 (09.06.2020)

  4. #3
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    Danke dir Bauss! Es ist gut zu sehen, dass man mit bestimmten Gedanken und Gefühlen nicht alleine ist. Ich glaube, du hast Recht damit, dass sie wissen, dass man sie liebt, auch wenn man es nicht so zeigen kann. Das vergesse ich manchmal, aber meine Mutter hat mir das bereits öfter gesagt, dass ich ihr nicht direkt sagen muss, dass ich sie liebe, sondern sie weiß, dass das so ist. Ich will mich nicht darauf ausruhen, ich möchte trotzdem an mir arbeiten und versuchen, die Zeit mehr mit ihnen zu genießen.

  5. #4
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    Hey =)

    erstmal finde ich, dass du allein durch diese Frage schon extrem viel Liebe für deine Eltern zum Ausdruck gebracht hast, das finde ich super.

    Mir geht es auch so. Meine Eltern sind hier eingewandert und leider habe ich außer ihnen und meinen Geschwistern hier keine Verwandte. Da nagt der Gedanke auch an mir, was wäre, wenn sie einmal nicht mehr sind. Aber so ist das Leben. Die Zeit läuft und irgendwann verlässt man diese Welt und zieht weiter. Dann bleibt man als Angehöriger zurück und trauert um die Erinnerungen.

    Aber muss es Trauer sein? Betrachte Glück als etwas, was zeitlich universell ist. Nur, weil es vergangen ist, heißt es nicht, dass du nicht darauf zurückgreifen kannst oder dass es nicht mehr existiert. All die schönen Momente, die du mit deiner Familie verbracht hast, sind noch existent, in deinen Erinnerungen. Schöpfe aus ihnen Kraft und nicht Trauer.

    Was dir auch helfen kann: Versuche die Liebe zu deinen Eltern zu verbildlichen. Deine Eltern haben bestimmt viel Liebe in dich investiert. Die Geburt alleine ist erstmal für die Mutter eine große Herausforderungen, dann der große Verzicht, den Eltern für ihre Kinder in Kauf nehmen müssen. Mitten in der Nacht aufstehen, wenn du als kleines Baby geweint hast, Windeln wechseln, deine Schreie ertragen, auch wenn die Augenringe ins Gesicht gestempelt waren und man morgens um 7 zur Arbeit musste. Dich versorgen, dir Spielzeug kaufen und ständig für dich da sein. All das, damit du da sein kannst und damit sie selber aus dir Kraft und Liebe schöpfen können, denn Kinder sind große Liebesspender.

    Meine Eltern haben z.B. viel aufgegeben, um uns eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Familiär, sozial, beruflich. Ich stelle mir dann all diese Dinge vor und stelle sie imaginär auf eine Waage. Auf der anderen Seite ist die Liebe, die ich meinen Eltern versuche als Ausgleich zurückzugeben. Aber ohne mich schlecht zu fühlen, wenn es mir mal nicht gelingt.

    Wir sind ja alle Menschen und zum Menschsein gehört nunmal, dass man auch mal sauer wird, man kann nicht immer liebevoll sein, sondern ist manchmal auch kalt und emotionslos. Das anzuerkennen ist besser, als sich dafür zu schämen.

    Versuche in Zukunft die Liebe zu deinen Eltern neu zu erfassen. Verbildliche sie dir und dann hast du einen völlig neuen Anreiz dafür, deine Eltern so zu behandeln, dass du glücklicher bist.

    Aber mach dir keine Vorwürfe und das machen dir deine Eltern bestimmt auch nicht.

    Was das Thema Tod angeht: Ich habe mir ein spirituelles Weltbild entworfen, dass mir diese Angst nimmt. Ich sehe den Tod als Ende des Körpers an. Aber meine Eltern und sonst alle anderen Menschen existieren als ihre Persönlichkeit weiter, nur nicht mehr auf dieser Erde. Und die Persönlichkeit ist eben das liebenswerte. Aber das ist Glaubenssache.

    Alles Gute und viel Glück!

  6. #5
    Neuling
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    Hallo Janiro,

    ich kann die Angst, die eigenen Eltern zu verlieren, sehr gut nachvollziehen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ich je ohne meine leben sollte.

    Zitat Zitat von Janiro
    Ich probier mich darauf gedanklich vorzubereiten, aber irgednwie halte ich diesen Gedanken nie lange aus
    Obwohl ich sonst nie weinen kann, so fange ich doch sofort an zu weinen, wenn ich mir vorstelle, dass meine Mutter irgendwann nicht mehr sein könnte.
    Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Man kann sich nicht auf das Schlimmste "vorbereiten". Man kann sich mit der Vorstellung quälen, man kann viele Tränen weinen, verzweifeln und alles. Und doch: Wenn das Schlimmste eintritt, ist es dennoch unglaublich schmerzhaft. Man fällt trotzdem aus allen Wolken.
    Somit ist die Beschäftigung damit wohl reinste Selbstquälerei.

    Und was ich auch festgestellt habe: Je schlechter es mir geht (wegen anderer Umstände), umso schmerzhafter finde ich die Vorstellung, dass meinen Eltern etwas passieren könnte. Umso mehr quält mich der Gedanke.
    So scheint es mir auch bei dir momentan vielleicht ausgelöst durch die schwierigen Umstände, hm? Job verloren, Beziehung beendet... das sind zu viele "Grundpfeiler" auf einmal.
    Wenn man sich dann noch vorstellt, dass auch noch der letzte "Grundpfeiler" - die Eltern, auf die man sich immer verlassen kann - wegbricht, dann wird es halt echt schwierig.

    Vielleicht hilft gegen diese Verlustangst nur, sich andere "Grundpfeiler" zu schaffen? Familie, Freunde, Job, soziales Netz...

    Oder es könnte auch eine Frage des Selbstbewusstseins sein: "Wer bin ich ohne meine Eltern? Bin ich lebens-/liebenswert? Was kann ich schaffen, wenn ich auf mich alleine gestellt bin?"
    Sind das Themen für dich?

    Zitat Zitat von Janiro
    Das was mir aber besonders Angst macht, ist, dass ich irgendwann bereuen könnte, nicht dieselbe Liebe an meine Eltern zurückgegeben zu haben.
    Auch diese Angst kenne ich besonders gut. Nicht nur meinen Eltern gegenüber, sondern ganz generell. Immer die Angst, irgendwann bereuen zu können, nicht gezeigt zu haben, wie viel einem jemand bedeutet. Nicht 110% gegeben zu haben.

    Aber ich glaube, da erwartet man etwas von sich, was unrealistisch ist. Niemand kann immer und zu 110% zeigen, wie viel ihm jemand bedeutet und deswegen alles für den anderen tun. Dabei bleibt man selber auf der Strecke.

    Und auch das könnte wieder mit Selbstwertgefühl zu tun haben. Mit dem Gedanken "Bin ich gut genug, so wie ich bin?".
    Und deine Mutter scheint dich da ja schön zu bestätigen, indem sie dir sagt, dass sie auch so weiß, wie sehr du sie liebst, auch wenn du es nicht so zeigen/sagen kannst.
    Wie geht es dir damit, wenn sie das sagt? Kannst du das annehmen?

    Zitat Zitat von Janiro
    jedes Mal, wenn ich wieder in meine alte Heimat komme, bin ich irgendwie kalt. Irgendwie nervt mich das meiste, was meine Eltern tun oder sagen.
    Schade, dass das so ist.
    Hast du mal versucht, hinzufühlen, warum das so ist? Warum du dich so "abschottest"? Wovor es dich schützen könnte? Und warum dich so vieles nervt? Wirft das vielleicht irgendwelche alten Erinnerungen auf, die dich belasten?
    Oder könnte es vielleicht auch ein überhöhter Anspruch an dich selber sein? So nach dem Motto: Deine Eltern geben sich so unglaublich viel Mühe - Nun erwarten sie im Gegenzug bestimmt auch von mir, dass ich 110% gebe. Und dass dir das zu anstrengend ist? Du das nicht "leisten" kannst, was du als vermeintliche "Erwartung" an dich empfindest und dich deswegen quasi vorsorglich abschottest? Als Selbstschutz?
    Nur so ein Gedanke...

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Liebe Grüße
    Lemonish

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