Hallo liebe Foristen,

ich lerne mich wieder einmal erneut und klarer kennen und das, obwohl ich schon fast 40 bin (männlich). Ich sehe eine große Schwäche bei mir, aus der eher Unheil erwächst.

Ich scheue Auseinandersetzungen in einer Art, dass ich eigentlich am liebsten weglaufen will. Das erlebe ich gerade zur Zeit, da es eine gerichtliche Auseinandersetzung mit meinem Ex-Arbeitgeber gibt. Die Situation beunruhigt und beschäftigt mich durchgehend. Ich denke Tag und Nacht an nichts anderes. Ich suche die Fehler bei mir und suche aktiv nach Verständnis für die Gegenseite. Ich will immer Frieden stiften und stärke die gegnerische Position. Ich male mir aus, was alles schlimmes passieren kann und ich male mir aus, wie es im schlimmsten Fall enden kann. Ich sehe mich als angeschossenes Tier, das irgendwann einfach nur noch aus Notwehr zubeißen muss, weil alle egen mich sind. Der Gegner wird schlecht reden und sich verschwören und alle sind gegen mich und denken, ich sei ein falscher Fünfziger. Das ist sehr belastend. Sehr lähmend, ich schaffe an einem schlechten Tag dann nichts. Antriebslos.

Es beunruhigt mich. Ich habe über die Jahre gelernt: Oft schwitze ich auf der Arbeit. Das ist unangenehm. Das hatte nichts mit Hitze zu tun, mir war immer klar, es muss irgendwie psychisch sein. Dann ist mir aufgefallen, dass es passiert, wenn ich mich nicht sicher fühle. Wenn mich etwas beunruhigt - und zwar auch unbewusst. Wenn ich mich sicher fühle, wenn ich mich wohl fühle, kann ich ziemlich gut sein. Brilliant formulieren. Strategisch unschlagbar sein. Kaum zu bremsen. Wenn ich aber in einer - gefühlt - feindlichen Umgebung bin, wenn ich irgendwo Gegner sehe, bleibt da nichts übrig. Ich bin verbal unbeholfen. Das war schon immer ein Thema mit der Prüfungsangst, der Gegner ist der Prüfer, ich bin das angeschossene Reh, unfähig, mich zu artikulieren.

Eine Situation, die ich jetzt nicht als Auslöser sehe, sondern die gut ins Bild passt: Ich habe genau einmal im Leben in der Schule "was auf die Fresse" gekriegt. Rumms, einen ins Gesicht. Ohne Gegenwehr ging ich zu Boden. Ich war massiv verwundert und schockiert. Keine Abwehrhaltung. "Wie kann er nur". "Wie kann ich mich jetzt in Luft auflösen". Ich konnte nichts anderes mehr, als wie ein Stein da zu sitzen. Es ging nichts. Eher überlegte ich, wie ich friedensstiftend wirken könnte. Dem Gegner ein Angebot machen. Irgendwie ist es noch immer so. Nur umschiffe ich solche Situationen.
Ich habe den Eindruck, dass wenn die Schwachen (zu denen ich mich mal zähle) sich wehren, die Gegenwehr besonders groß ist.

Ich kenne Leute, die lieben den Krieg. Stürzen sich förmlich hinein, brauchen das fürs Adrenalin. Also da ist wohl jeder Jeck anders, aber mir tut das nicht gut.
SEK-Leute nutzen soweit ich weiß "stunning", also eine massive Attacke, um bspw. hysterische Leute zu schocken und damit ruhigzustellen. Nur braucht es bei mir einen Windhauch.

Ich schreibe das hier auch auf, weil ich mich sammeln will. Selbstreflexion. Ich will das Thema auch einem Arzt vorstellen, vielleicht kann ja daran gearbeitet werden. War fast nie beim Arzt und auch nie in psychologischer Behandlung.

Vielen Dank fürs Zuhören. Bin sicher nicht der Erste und nicht der Letzte mit sowas