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Thema: Angst vor dem Autofahren

  1. #1
    Neuling
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    Standard Angst vor dem Autofahren

    Hallo und danke fürs Lesen!

    Als erstes ein bisschen was zu meiner Situation: Ich bin Sozialarbeiter in einer therapeutischen Wohngruppe. Wir sind ein Mitarbeiterverein, das heißt, dass jeder Mitarbeiter eine demokratische Stimme hat und es keinen richtigen „Chef“ gibt, sondern nur jemanden, der halt das Team koordiniert.

    Ich arbeite dort seit 2 Jahren, es ist mein erstes Job und ich liebe ihn. Wir haben eine sehr gute Atmosphäre im Team und wir verstehen uns alle sehr gut. Die meiste Zeit arbeiten wir allerdings alleine, während wir die Teenager/jungen Erwachsenen betreuen.

    Das heißt, dass wir ein bisschen für alles verantwortlich sind, was in unseren Schichten passiert, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Insofern kann es passieren, dass jemand irgendwo hin gefahren oder abgeholt werden will. Nachdem wir aber in einer großen Stadt sind, gibt es U-Bahn, Busse und Straßenbahnen, also eigentlich kommt man überall hin. Ich musste dementsprechend auch in den 2 Jahren nur 3 Mal fahren und selbst davon wären zwei Mal nicht uuuunbedingt notwendig gewesen.

    Das Problem ist, dass ich selber kein Auto habe und auch niemals gehabt habe. Ich habe Autofahren schon gehasst, während ich den Führerschein gemacht habe und habe, glaube ich, sogar eine leichte Phobie. Die kann ich aber überwinden, wenn es wirklich drauf ankommt. Gestern musste ich mit unserem Bus von der Werkstatt zurück zur Wohngruppe fahren (ca. 10 Minuten Fahrt) und es war eine Katastrophe. Ich habe den Motor ca. 8 Mal abgewürgt und realisiert, dass ich inzwischen einfach wirklich, wirklich schlecht fahre.

    Ich habe meinen Kollegen schon immer gesagt, dass ich nicht gerne fahre und sie wissen auch, dass ich es nicht besonders oft tue, aber ich glaube nicht, dass sie realisieren, was für ein großes Problem das für mich ist. Deshalb dachte ich mir, dass ich evtl. gestern als Aufhänger dafür nehmen sollte, meinem Chef zu sagen, wie schlimm das für mich ist. Ich denke, dass er es verstehen wird, weiß aber natürlich trotzdem nicht, welchen Konsequenzen ich mich letzten Endes stellen muss.

    Möglichkeit 1. Es ist ein großes Problem, weil ich einen Teil meiner Arbeit nicht machen kann: Ich glaube nicht, dass das sehr wahrscheinlich ist, aber man weiß ja nie. Wie ich schon schrieb, ich musste nur drei Mal in zwei Jahren fahren und es gibt immer einen Weg, wie ich nicht selbst fahren muss in einer Stadt mit einer halben Million Menschen. Aber ich hasse es, an die Möglichkeit auch nur zu denken, weil ich meine Arbeit liebe.

    Möglichkeit 2. Er „zwingt“ mich, Autofahren zu üben: Ich denke, das wäre die größte Herausforderung. Ich sehe das schon so, dass man immer versuchen sollte, sich selbst zu verbessern und die eigenen Schwächen zu überwinden, aber Autofahren ist etwas, was ich nie in meinem Privatleben brauchen werde. Wenn ich überhaupt fahren würde, würde ich ein Automatikgetriebe kaufen, also auch nicht lernen, die Gangschaltung unseres Busses zu benutzen. Ich will also eigentlich nicht lernen, nur für die Arbeit zu fahren, weil ich es überhaupt nicht mag und so gut wie nie brauche. In Notsituationen traue ich mir schon zu, mich selbst zu überwinden und jemand ins Krankenhaus oder so zu fahren, das ist sowieso nur 5 Minuten von meinem Arbeitsplatz weg.

    Möglichkeit 3. Es ist okay, dass ich nicht Autofahren kann/will: Solange ich Lösungen drum herum finde – was möglich sein sollte – ist es okay und eben eine meiner persönlichen Schwächen. Es wäre vielleicht besser, wenn fahren kein Problem wäre, aber jeder ist anders. Wenigstens bin ich dann ehrlich. Das würde mir viel Druck nehmen und ich könnte meine Arbeit besser machen, wenn ich weiß, dass ich nicht verurteilt werde.

    Möglichkeit 4. Ich sage es ihm nicht: Ich kann weiterhin drum rum kommen und muss halt ab und zu einfach Augen zu und durch mäßig fahren, was für alle Beteiligten doof ist. Ich muss hoffen, dass die Situation, in der ich normal bzw. gut fahre nicht kommt. Das kann gut passieren, weil es in 2 Jahren nie passiert ist, aber man kann es halt auch nicht sagen.

    Also die Frage: Sollte ich meinem Chef von meiner Situation erzählen?

  2. #2
    Verleger Avatar von Mirjam
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    Möglichkeit 5 könnte sein, ein paar Fahrstunden zu nehmen und zu schauen, ob sich die Problematik legt.

  3. #3
    Neuling
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    Zitat Zitat von Mirjam Beitrag anzeigen
    Möglichkeit 5 könnte sein, ein paar Fahrstunden zu nehmen und zu schauen, ob sich die Problematik legt.
    Hmm naja. Ich hatte damals in der Fahrschule schon irgendwie 40 Fahrstunden und jede einzelne war eine Qual für mich. Ich stehe und stand dabei einfach schon immer unter Hochanspannung.

  4. #4
    Neuling
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    Autofahren trotz größerer Ängste ist gefährlich, besonders auch für andere Verkehrsteilnehmer. Hab ich mal gemacht (Taxifahren) und zum Glück nach 12 Schichten wieder gelassen. Ansonsten wäre sicher irgendwas übles passiert.

  5. #5
    Verleger Avatar von LukeHB
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    Ich denke ein Teil der Unsicherheit kommt eben auch daher, dass Du es nicht beherrscht. Und da hilft nur üben. Sonntag morgens um 8:00 einfach mal ohne Verkehr eine Runde drehen (halb 10 wollen dann wieder alle in die Kirche und zu Veranstaltungen).

    Du hast es "schon immer gehasst", warum denn? Nun ist aus der Ablehnung in Verbindung mit verlernten Fertigkeiten Angst geworden. Warum hast Du es gehasst, dort würde ich ansetzen.

    Alternativ lass es konsequent, als wenn Du den Lappen eben nicht hast.
    Orthographie, Grammatik und Interpunktion sind keine Spielwiese für Individualisten!

    "Warum passieren mir immer Sachen, die sonst nur dämlichen Menschen passieren?" (Homer J. Simpson)

  6. #6
    Schreibkraft Avatar von nasenmann
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    Liebe(r) rory, ich kann gut nachvollziehen wie du dich beim Autofahren fühlst. Mir ging es am Anfang ähnlich, nachdem ich meinen Führerschein gemacht hatte. Ich hatte immer Angst, dass ich einen Unfall baue. Aber ich musste gleichzeitig immer zu meinem Arbeitsplatz fahren. Mit der Zeit wurde dann das Fahren zur Routine und die Handgriffe im Auto gingen dann in Fleisch und Blut über. Später fuhr ich dann auch deutschlandweit als Monteur zu meinen Arbeitsstätten. Und je mehr ich fuhr, desto besser klappte es. Und irgendwann machte es mir sogar Freude. Heute kann ich besser Auto- als Fahrrad fahren.

    Ich kann LukeHB nur beipflichten. Einfach üben wenn gerade wenig Verkehr ist, hilft bestimmt.
    "Hast du ein Problem, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, mache kein Problem daraus" -- Buddha

  7. #7
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    Hallo rory90,

    ich kann es teilweise nachfühlen. Meine Fahrprüfung war auch die "Hölle auf Erden". Ein Fahrradfahrer vor mir, der rechts Handzeichen gab und dann doch links abbog. Ich war nach diesem Fahrradfahrer total durchgeschwitzt und fertig. Anschließend sollte ich noch rückwärts einparken, was durch meine Nervosität erst beim (gefühlten) 1.001.sten mal klappte und dann die Nachfrage vom Fahrprüfer: "Was machen Sie eigentlich, wenn die Parklücke noch kleiner wäre?" Meine Antwort: "Dann fahre ich bis zum nächsten Parkplatz, bei dem ich vorwärts einparken kann oder fahre ins Parkhaus." - Ich habe den Führerschein (trotzdem) bekommen. Nach der Prüfung musste ich noch ein paar Fahrprüfungen abwarten. Ich stand erst mal auf dem Parkplatz und habe mich übergeben, weil mein Magen nicht mehr mitgemacht hat. Der nachfolgende Fahrlehrer von einer anderen Fahrschule konnte meine Reaktion nicht nachvollziehen.

    Heute kann ich bestätigen, was mein (inzwischen verstorbener) Fahrlehrer immer wieder gepredigt hat: "Ich kann euch auf die Prüfung vorbereiten, aber fahren lernen müsst ihr nach bestandener Prüfung selber."

    Überwinde deine Angst. Sie schränkt dich unnötig ein.
    Ich kann dir aus meiner persönlichen Erfahrung nur eines raten: Setz dich ans Steuer von verschiedenen Autos und analysiere deine Angst. Hast du mehr Angst, wenn du in einem Fahrzeug mit vielen PS sitzt, das "sehr direkt und stark" aufs Gaspedal reagiert oder wenn du in einem Kleinwagen sitzt, der nicht so "direkt und stark" aufs Gaspedal reagiert? Macht es einen Unterschied, ob du ein Auto mit Schaltgetriebe oder mit Automatikgetriebe oder gar ein Elektroauto fährst? Ist es für dich beruhigend, wenn ein (mobilies / fest eingebautes) "Navi" im Wagen vorhanden ist und mitläuft / Anweisungen gibt?

    Ich hatte auch diese "Angst" und habe sie analysiert. Für mich ist dabei herausgekommen, dass ich mich in kleineren Autos mit weniger PS, die nicht so "direkt und stark" aufs Gaspedal reagieren wohler fühle, als in einem großen Auto mit massig PS. Für mich ist es auch total beruhigend, wenn ein mobilies Navigationsgerät im Wagen ist und "mitläuft", auch wenn es keinen Weg plant und keine Anweisungen gibt. Ich habe zwar gelernt, Autos mit Schaltgetriebe zu fahren, aber Automatikgetriebe sind etwas beruhigender zu fahren (insbesondere bei längerer Strecke oder unbekannten Städten). Probier es einfach aus. Was für ein Ergebnis kommt bei dir raus?

    Gruß
    Simon
    Ich bin kein Arzt, Therapeut oder Rechtsanwalt. Meine Postings entsprechen meiner (momentanen) Meinung zu einem Thema und können auch falsch sein. Wenn jemand etwas aus meinen Postings umsetzt / umsetzen möchte, dann ist er / sie für die Folgen selbst verantwortlich und sollte dies nur nach vorherigem Nachdenken tun.

  8. #8
    Schreibkraft Avatar von Loreley125
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    HI Rory,

    ich bin auch so ein Angsthase hinterm Steuer...
    ich hab den Führerschein spät gemacht - mit 18 hab ich die Prüfung versaut... war dann wie gelähmt und hab es erst wieder mit 32 gepackt und bestanden
    Bei mir lag es auch viel am Fahrlehrer da er mich runtergemacht hat... er hat rumgemault und geschrien...
    mit 32 hab ich dann eine tolle Fahrlehrerin gehabt... hab es auf Anhieb geschafft...
    Trotzdem hab ich immer noch Angst... fahre aber regelmässig... danach dann jeden Tag zur Arbeit und einkaufen...
    heute noch 3-4x die Woche - einfach das ich drin bleibe...
    aber habe trotzdem immer noch so Phasen wo es mich so sehr Überwindung kostet... denke das bleibt bei mir...

    bin aber stolz das ich nicht aufgebe... und im notfall wirklich von a nach b komme...

    Alles Gute Dir
    * Loreley *


    Niemand ist perfekt,jeder macht Fehler. Aber jemand, der perfekter sein will, sollte lernen zu vergessen und zu verzeihen

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