Hallo.

Ich lese schon lange hier in diesem Forum mit aber ich bin das erste Mal selber aktiv und weiß nicht so richtig, wo und wie ich genau anfangen soll.

Es geht mir darum, dass ich sehr oft Panikanfälle bekomme und das Gefühl habe, es geht einfach nicht vorwärts. Meine Angst ist, dass ich meine Erkrankung nie in den Griff bekommen könnte.

Es fing damit an, dass ich im August 2013 einen sehr tollen und netten Mann kennengelernt habe. Zu dem Zeitpunkt wohnte ich noch bei meiner Mutter alleine und wir beide waren erwerbslos. Er bekam aus meinen Erzählungen mit, dass mit meiner Familie irgendwas nicht stimmt. Es war die Art wie sie mit mir umgegangen sind. Um es kurz zu machen, sie ist narzisstisch, bösartig, gemein und es geht sehr unter die Gürtellinie. Alkohol und Aggression ist ein großes Thema. Seit meinem 9. Lebensjahr, bekomme ich das alles bewusst mit. Immer mehr öffnete mir mein neuer Freund die Augen, dass man so nicht mit seiner Tochter bzw. Geschwister umgeht. Ich fing an, alles zu hinterfragen, womit es immer mehr Konfrontation gab. Ich distanzierte mich immer mehr und besuchte meinen Freund immer öfters. Wir haben viel unternommen und ich Vertraute ihm immer mehr an.

Dann kam der Vorfall im Juni 2015. Ein Bekannter meiner Familie hat mich bei einer sehr großen Familienfeier wiedermal verbal sexuell belästigt. Es war mir sehr unangenehm, so dass ich die Feier sofort verlassen habe. Bei meinem Freund angekommen, habe ich ihm alles erzählt. Er sagte ganz klar, dass ich von diesem Vorfall meiner Mutter erzählen soll, was ich auch tat. Sie war Empört von der Situation und später auch die halbe Familie. Doch es blieb bei einem Gespräch mit dem Peiniger und nach einer Woche war alles vergessen. Selbst meine Brüder die gesagt haben, dass das gar nicht geht und er nun was erleben darf. Doch diese ganze Situation wurde nun so behandelt, als ob nichts gewesen wäre. Dass hat mich fertig gemacht, dass dieser Mensch nun immer noch von jeden akzeptiert wird und eben bei allen Feiern weiterhin eingeladen wird. Gleichzeitig hatte keiner Verständnis dafür, dass ich bei keiner Feier dabei sein wollte wenn der Peiniger dabei ist. Meiner Familie war diese Person wichtiger einzuladen als die eigene Tochter bzw. Schwester.

Es ging sogar soweit, dass mein Freund selber das Gespräch suchte aber es ging in die Richtung, dass ich auch selber daran schuld gewesen wäre. Er merkt selber, dass diese Familie einfach nur "verkorkst" und "krank" ist. Seit dem Tag war ich nie wieder bei meiner Mutter und auch zu all meinen Geschwistern habe ich den Kontakt abgebrochen. Dieser Vorfall war das I-Tüpfelchen, was mich aus der Bahn geworfen hat. Denn viele Jahre wurde ich von meiner Familie nicht wahrgenommen und auch nicht ernst genommen. Meine Psychologin gab mir auch zu verstehen, dass der komplette Kontaktabbruch zu meiner Familie richtig war.
Seitdem wohne ich auch bei meinem Freund, wo es auch zwischen uns dann mehr als nur Freundschaft wurde. Juni 2017 bin ich auch offiziell zu ihm gezogen. Er unterstützte mich wirklich in allem. Durch ihn habe ich seit 3 Jahren einen guten Job, der für mich als sehr schüchterne und unsichere Person wirklich passt. Ich habe sehr oft Panikattacken sowie Angstzustände sobald ich daran denke, ob einer meiner Familienmitgliedern mir schreiben könnte. Gerade an Tagen wie Geburtstage und Feiertage bin ich besonders nervös da ich Angst habe, dass doch einer den Kontakt aufbaut.

Die Therapie ist nun ein halbes Jahr rum aber es wird bei mir einfach nicht besser. Meine Familie hat mich sehr enttäuscht und sehr verletzt. Alpträume sind auch sehr präsent. Oft weine ich aus dem nichts heraus. Mein Partner war anfangs irritiert aber nun nimmt er mich einfach in den Arm und drückt mich. Ich verarbeite viel und ich weiß, dass ich ihn sehr fordere. Mein Partner ist ein sehr geduldiger Mensch und für mich ein absoluter Ruhepol. Doch ich merke langsam, dass auch ihm die Argumente ausgehen mir zu helfen. Daher sprach er erstmals darüber, mir Professionelle Hilfe aufzusuchen. Nach langem hin und her, habe ich mich doch dazu entschlossen.

Seit Dezember 2019 bin ich in psychologischer Behandlung. Da es eine Private ist und doch etwas kostet, gehe ich immer zwei Mal pro Monat. Ich fühle mich sehr wohl bei meiner Therapeutin. Nach einigen Sitzungen wurde bei mir eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt.

Ein Jahr bin ich nun von meiner Familie weg und seit einem halben Jahr in psychologischer Behandlung, doch immer noch habe ich diese Panikattacken und Angstzustände, dass sich jemand meldet. Ich bekomme eine Brustenge und habe das Gefühl zu ersticken, wenn ich zufällig in die Nähe der Wohnorte meiner Familienangehörigen komme.

Alkohol ist auch mittlerweile ein Thema geworden. Die Psychologin hat mich erstmals darauf aufmerksam gemacht, dass ich zu viel trinke. Meinem Partner passt das gar nicht, da er nun kaum Alkohol trinkt und sich eben sorgen um mich macht. Somit stört es ihm, dass ich abends doch gerne ein Glas Sekt trinken mag. Aber ich merke, dass ich so besser abschalten kann. Auch unsere Beziehung leidet mittlerweile darunter. Mein Partner hat schon von Trennung gesprochen, weil ich auch launisch bin. Es tut mir danach jedes Mal leid aber es ist keine böse Absicht.

Ich merke, dass mein Partner mir helfen will und mit mir viel reden möchte aber irgendwie kann das auch nerven. Ich habe auch solche Gedanken, dass ich mich von ihm trennen möchte, weil er etwas Besseres verdient hat als mich. Ich gebe zu, dass ich gerade nicht so richtig weiß, was ich hier genau hören möchte. Eigentlich sollte es gar nicht so viel werden. Doch mit dem Schreiben kamen die Gedanken. Ich merke es tut gut, mir mal alles von der Seele zu reden, da ich außer meinem Partner und meiner Psychologin niemanden habe.

Was kann ich noch machen, um aktiv gegen mein Traumata zu arbeiten? Wollte schon Briefe an meiner Mutter und Geschwister schreiben und denen klar machen, was die mir eigentlich angetan haben. Doch meine Psychologin hält es für keine gute Idee, da ich wohl noch nicht so weit wäre. Wie lange dauert denn so eine Therapie und ist zwei Mal pro Monat a eine Stunde Sitzung vielleicht zu wenig?