liegt es in der Natur des Menschen immer wieder krieg und Zerstörung hervorzurufen um im nachhinein wieder zur Besinnung zu kommen? Muss das so sein?
Diese Frage bewegt die Menschen ja auch nicht erst seit heute.
Meiner Ansicht nach liegt ein gewisses Aggressionspotential sicherlich in der Natur des Menschen, was auch in einem gewissen Maße notwendig zur Selbstverteidigung ist.
Auch liegt es wahrscheinlich in der Natur des Menschen, auf bestimmte Erfahrungen mit bestimmten (dadurch erlernten) Programmen und Strategien zu reagieren, so dass er häufig das wiederholt bzw. wieder herstellt, das er kennt.
Ich denke jedoch nicht, dass es zwingend in der Natur des Menschen liegt, immer wieder Krieg und Zerstörung hervorzurufen.
In unserer kriegerischen Geschichte (seit ca 5000 Jahren) war dies der Fall, und viele Denker und Philosophen waren und sind deswegen auch davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus auf Herrschaft, Macht und Eroberung geeicht ist.
Jedoch deuten archäologische Funde darauf hin, dass es in der Geschichte der Menschheit auch lange friedliche Epochen und egalitäres Zusammenleben der Menschen gegeben hat, und dass das Zusammentreffen fremder Kulturen nicht zwingend zu Krieg führen muß, sondern auch zu gegenseitiger Bereicherung und Weiterentwicklung führen kann/geführt hat.
Des weiteren ist das Gehirn des Menschen umso vielfältiger vernetzt, desto liebevoller, annehmender und sicherer gebunden er aufwächst, und je kooperativer das Miteinander ist.
Im Laufe seiner Evolution hat er sich also offenbar in besonderem Maße durch kooperatives, soziales Miteinander entwickelt, und nicht durch Herrschaft und Unterdrückung (was zu Angst und Abspaltung führt, die Gehirnentwicklung stagnieren läßt und starres Denken und dysfunktionales Handeln nach sich zieht).

Ich sehe auch deutliche Spaltungen in der Gesellschaft, aber dennoch auch sehr viel Potential "in der Mitte".
In unserer Gesellschaft haben wir eine unglaubliche Vielfalt und noch nie dagewesene Möglichkeiten für jeden einzelnen, sich zu bilden, sich zu informieren, an den Erfahrungen anderer teilzunehmen und sich zu vernetzen.
Natürlich kann das auch zu negativen Entwicklungen führen, wie das Bewegen in der eigenen Blase und dadurch das Verfestigen extremer Haltungen.
Es bietet aber ebenso die Chance, aus der eigenen Blase herauszukommen und Neues zu entdecken, sich auseinanderzusetzen, die eigene Position immer wieder zu überdenken und gegebenenfalls zu modifizieren.
Meiner Meinung nach wird diese Möglichkeit auch von vielen Leuten genutzt, alleine schon in diesem Forum.
Man kann sich mit anderen Menschen, die man persönlich nie getroffen hätte, unterhalten, Erfahrungen austauschen, Gemeinsamkeiten finden, neue Gedankenanstöße bekommen, reflektieren, analysieren, sich gegenseitig unterstützen.
Noch vor 50 Jahren waren viele Menschen auf sich alleine gestellt, und konnten eben nur die Gedankenanstöße bekommen, die durch das engere Umfeld kam, und je weiter man in die Vergangenheit geht, desto geringer wurden die Möglichkeiten für die Menschen, über den eigenen Tellerrand (oder den der sozialen Gruppe) hinaus zu blicken.

Die allgemeine Einsicht in Psychologie und Soziologie ist so groß wie noch nie, es gibt immer mehr Bücher und Kurse, die sich z.B. mit "gewaltfreier Kommunikation" beschäftigen, die Menschen sind mehr und mehr bereit und in der Lage, sich selber zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen.
Das betrifft natürlich nicht alle, aber schon eine ganze Menge.

Deswegen habe ich durchaus die Hoffnung, dass die Demokratie in Mitteleuropa überleben wird, und extremistische Strömungen nicht die Oberhand gewinnen werden.