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Thema: Angststörung ? Ich weiß nicht weiter

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    Standard Angststörung ? Ich weiß nicht weiter

    Hallo erstmal. Zu mir: Ich bin männlich, 25 Jahre alt und studiere momentan in Berlin, komme aber aus nem Kaff nicht all zu weit von Stuttgart entfernt. Mein Problem erscheint mir sehr komplex und ich hoffe ich werde es so in Worte fassen können wie ich es auch empfinde.

    Ich bin vor 2 Jahren nach Berlin gezogen um dort zu studieren. Jedenfalls hatte ich dann nach so nem Jahr leichte Probleme, ich war auch komplett auf mich alleine gestellt und habe dann nach einem Jahr leichte psychische Probleme gehabt, zumindest stelle ich das jetzt rückblickend fest. Mich überkamen öfters abends leichte unbegründete Angstgefühle.

    Dann am 01.01.17 habe ich mit einem Kumpel einen Joint geraucht und hatte einen ziemlichen Horrortrip. Ich kiffte eigentlich sehr wenig (heute garnicht mehr) und wahrscheinlich war das dann einfach zu viel für meinen Kopf. Ich muss noch vorher erwähnen, dass ich mit 18/19 hin und wieder Panikattacken hatte, die mich fertig gemacht haben aber nach einem halben bis 1 Jahr bin ich da wieder irgendwie von selbst raus gekommen und mir ging es gut. Anschließend bin ich 9 Monate nach Australien gegangen. Was eine Tolle Zeit war. Nach Australien war ich arbeiten und bin nach Südostasien Reisen gegangen. Darauf hin habe ich mein Studium in Berlin begonnen. So jetzt zum 01.01.17:

    Wir waren abends bei meinem Kumpel und wir haben einen geraucht. Ich hatte anschließend eine Panikattacke weil das einfach zu viel für meinen Kopf war. Ich habe wohl einfach zu oft am Joint gezogen. Aber das war nicht einfach nur eine Panikattacke sondern ein richtiger Horrortrip. Ich hatte ständig Angst den Verstand zu verlieren. Mir schossen als die Panik losging tausende Katastrophen Gedanken durch den Kopf und ich musste mich kurz hinknien weil es sich so anfühlte als würde ich gleich wegkippen. Ich habe so ein starkes Summen oder Vibrieren im Kopf verspürt und wusste kurz nicht mehr was ich hier eigentlich mache also als würde das Gehirn einfach abschalten. Darauf hin lief ich 2-3 Stunden bei meinem Kumpel auf und ab und habe den kompletten Film geschoben. Das ich es mir jetzt für immer versaut habe und ich mir jetzt mein Leben ruiniert habe. Ich höre ab morgen Stimmen oder kann nicht mehr klar denken weil meine Hirnchemie irreparabel geschädigt ist. Und ich konnte die Situation garnicht mehr einschätzen. Meine Kumpels haben das irgendwie garnicht realisiert das es mir so beschissen ging. Aber ich habe versucht normal zu wirken und mir nichts anmerken zu lassen weil es mir gleichzeitig peinlich war. Und ich wusste überhaupt nicht mehr ob ich gerade völligen Blödsinn rede oder ob ich nur glaube quatsch zu reden. Ich konnte mich einfach nicht mehr aus der 3 Perspektive einschätzen, also die Art wie ich wirke. Wie das was ich sage auf sie wirkt. Auch hatte ich die Angst die optischen Effekte von Gras nicht mehr weg zu bekommen. Also das alles greller, schleierhaft aussieht usw. War dann auch paranoid. Bin kurz aufs Klo und dachte dann die ganze Zeit die lachen über mich, wollte mich aber gleichzeitig beruhigen. "Vielleicht bilde ich mir das nur ein und so schlimm ist das garnicht", konnte aber einfach nicht runterkommen. Es war mir ziemlich peinlich vor Ihnen. Ich weiß garnicht wieso. So ging das dann weiter bis die Wirkung abgeschwächt war und ich irgendwann Gott sei dank runtergekommen bin.

    Die Tage danach saß mir das dann schon noch ziemlich in den Knochen aber ich habe versucht das einfach als einen Horrortrip abzutun und nicht ständig daran zu denken. Irgendwie hat das dann auch geklappt und das Leben hat mich wieder mitgezogen. Aber ganz so gut ging es mir auf lange Sicht dann doch nicht. c.a. 3 Monate später hatte ich irgendwie einen Rückfall. Diese Angst wieder den Verstand zu verlieren und wahnsinnig zu werden. Hatte dann mehrere Tage so ein erhöhtes Angst-level. Unter 1-2 Bier ging nix an den paar Tagen. Konnte auch ohne nicht schlafen und mir ging es die Tage in Berlin richtig beschissen. Habe auch niemanden davon erzählt was alles noch schlimmer machte weil ich mich ständig verstellen musste. Bin dann wieder nach Stuttgart zu meinen Eltern und irgendwann ging es mir besser und ich bin wieder hoch nach Berlin.

    Dann eines Abends mussten wir Hausaufgaben für die Uni erledigen, es war schon sehr spät. Mir ging es an dem Tag psychisch nicht ganz so gut aber die Hausaufgabe musste erledigt werden weil wir sonst nicht zur Prüfung zugelassen worden wären. Ich hatte auch zu dem Zeitpunkt seit 2 Monaten mit dem Rauchen (Zigaretten) aufgehört wodurch mein Stresspegel sowieso ein wenig erhöht war. In mir entstand so ein Konflikt weil ich eigentlich nur noch nach hause wollte aber gleichzeitig meine Hausaufgabengruppe nicht hängen lassen wollte. Bis es zur Krampfhaft unterdrückten Panik kam. Ich holte mir ein Bier zur Sicherheit was diesmal aber nicht viel half und so habe ich es irgendwie bis nach hause durchgehalten und hab dann versucht zu schlafen. Und dann ging es los...

    Ich bin nach 2-3 Stunden beschissenem Schlaf mit komplett abstrusen Träumen und Gefühlen aufgewacht und hatte sofort ne Panikattacke aber alle meine Ängste des Horrortrips (wahnsinnig werden, Schizophrenie oder sonstige psychische Krankheiten, ich muss noch dazu sagen das ich mich seit diesem Joint viel in diese Thematik "psychische Störungen" eingelesen habe weil ich wissen wollte was mit mir nicht stimmt) kamen hoch und Ich wusste nicht mehr wohin. Bin dann Joggen gegangen und das hat mich minimal beruhigt. Ich bin dann anschließend 3 Tage lang wie eine verwirrte Seele in Berlin herumgelaufen und hing nur noch in meinem Kopf fest, in Sorgen und Ängsten, führte ständig fiktive Dialoge und konnte mich aus diesen irgendwie nicht lösen. Als wäre das ein Notfall Programm meines Gehirns gewesen. Und einem so niederschlagenden, veränstigtem Gefühl als würde meine Seele brennen. Ich hatte solche Todesangst (ohne Panikattacken). Einfach so einen permanenten stark erhöten Angstpegel. Ich hatte auch Angst das wenn ich da nicht wieder raus komme, ich das nicht überleben werde. Ich habe 2 Tage nix gegessen, hatte Schweißausbrüche und Durchfall. Ich habe es dann irgendwie geschafft diese Drei Tage zu überleben und nach hause zu meinen Eltern zu fahren ich weiß auch nicht wie ich die 8h Busfahrt überlebt habe. Und seit diesem Nervenzusammenbruch oder was auch immer das war geht es mir echt beschissen.

    Ich fing an meine Gedanken zu analysieren ob ich nicht wirklich den Verstand verliere. Mich ließ diese Angst einfach nicht los und ich habe so seltsame Träume. Und morgens im Halbschlaf immer so einen Komischen Konflikt verspürt in mir. Ich weiß nicht wie das beschreiben soll aber ich habe einfach voll extrem an meinen Gedanken und meiner Wahrnehmung gezweifelt. Und ich bin immer so stark geplagt gewesen von Sorgen. Was ist wenn meine Gehirnchemie kaputt ist oder irgendwas das mich immer wieder in dieses Loch aus Angst gezogen hat. Irgendwann ging es mir dann so schlecht das meine mum mich zur Psychiatrischen Institutsklinik gebracht hat, wo ich 4 - 6 Wochen hätte stationär behandelt werden müssen. In dem Gespräch sagte die Oberärztin ich hätte eine Generalisierte Angststörung und Panikstörung. Aber ich habe Ihr lange nicht alles erzählen können weil mich einfach so viel beschäftigt hat. Ich habe mich bei der anderen Fachärztin so unwohl gefühlt weil sie so gefühlskalt und verständnislos reagiert hat, das ich da einfach nicht bleiben wollte. Und nach einem 1 stündigen Gespräch wollte ich auch nicht gleich Medikamente nehmen. Das Gespräch mit der Oberärztin (nich der Fachärztin) hat mir dann ein wenig geholfen und mir ging es bisschen besser. Heute geht es mir auch einiger maßen besser aber sobald ich wieder an Berlin denke klappe ich total zusammen und gleichzeitig habe ich manchmal dieses erdrückende, verängstigende Gefühl über machen Tage hinweg das mich einfach kaputt macht.

    Habe in Berlin dann ewig nach Psychologen und Psychotherapeuten gesucht aber ich schaffe es einfach nicht nach Berlin weil ich vor der 8h Busfahrt alles hochkommt. Depression und pure Angst das mich wieder so fühlen werde. Kann mich auch kaum aufs Studium fokusieren. Und jetzt weiß ich einfach nicht was mit mir los ist und was ich machen soll. Hier bleiben geht nicht und dort hingehen geht auch nicht weil einmal zwischendurch wieder oben war und ich bin noch veränstigter zurück gekommen. Ich dachte wenn ich mich der Sache stelle wird das schon aber es wurde nur schlimmer und nach Berlin ging es mir noch beschissener als ich damals den ersten Nervenzusammenbruch hatte. Ich könnte noch tausende andere Symptome nennen, aber das lasse ich mal weil der Text schon sowieso ewig lange ist. Könnt ihr mir vielleicht Ratschläge geben wie ich das irgendwie wieder hinbiege. Oder hattet ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen.

  2. #2
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    Hallo Rom,

    deine Beschreibungen kommen mir sehr bekannt vor und ich kann vieles davon gut nachempfinden.

    Ich selbst bin damals vor vielen Jahren nach Berlin gezogen und als ich zum ersten Mal in meinem Leben dort war, um eine Wohnung zu suchen, kam bei mir schon ein komisches Gefühl hoch. Ich kann mich ganz stark an einen Gedanken von mir erinnern, der sich mir in dieser Zeit immer wieder aufdrängte: "Was ist, wenn ich mich hier verliere. Ich habe Angst, mich hier in dieser riesigen Stadt irgendwann total verloren zu fühlen." Ich fühlte mich plötzlich so klein, dadurch, dass diese Stadt so riesengroß war. Also alleine die Stadt hat mich schon überfordert. Dieses Treiben da, diese Hektik, dieser Stress, wenn man dort unterwegs ist.

    Hattest du das auch? Vielleicht kannst du dich ja noch daran erinnern, welche Gedanken und Gefühle du hattest, als du dort neu gewesen bist. Und eventuell könnte das eine Rolle spielen.

    Ich habe meine Gedanken und Gefühle damals nicht ernst genommen und bin ungeachtet meiner komischen, undefinierbaren Gefühle trotzdem dahin gezogen. Ich dachte, "Werd ich schon schaffen. Jeder Anfang ist schwer. Ich zieh das durch und werde mich schon irgendwie hier eingewöhnen."

    Aber Pustekuchen. Nichts ging mehr.

    Bei mir ging's so los, dass ich es vermieden hab, rauszugehen. Ich wollte mich ungern dieser Hektik aussetzen. Diesem Stress. Mir war das zu viel. Und wenn ich mal unterwegs war, kam ich völlig fertig zu Hause wieder an. Es hat mich sehr viel Kraft gekostet. Die Menschen machten mir plötzlich Angst. So viele Menschen. Überall.

    Und es wurde schwieriger für mich, mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Behördengänge, Arztbesuche, Jobsuche. Um das alles hinzukriegen, muss man sich ja auch erstmal schlau machen. Wohin muss man? Wie kommt man dahin? Dann dieses ewige Warten immer, weil einfach so viele Menschen noch vor dir dran sind.

    Das alltägliche Leben wurde zu einer riesigen Herausforderung und das alles nahm eine so große Dimension ein, was mich völlig überforderte.

    Geht dir das vielleicht auch so?

    Bei mir kam erschwerend noch hinzu, dass meine einzige Bezugsperson, die ich damals hatte, mich vor vollendete Tatsachen stellte, indem sie mir eröffnete, sie würde ab einem bestimmten Zeitpunkt nach Australien gehen und ich müsse mir eine kleinere Wohnung suchen. (Wir wohnten damals zusammen.)

    Ab da ging bei mir gar nichts mehr.

    Angstzustände, Panikattacken, Todesängste, Angst verrückt zu werden, Angst zu sterben... die ganze Palette, mit der du dich jetzt auch rumquälst, hatte ich plötzlich am Hals. Ich wusste überhaupt nicht mehr, was mit mir los war. Ich war zu nichts mehr in der Lage. Ich fühlte mich völlig verloren, wusste nicht mehr, wohin ich gehöre. Fühlte mich nirgendwo mehr zu Hause. Ich wollte nicht zurück zu meinen Eltern, ich wollte nicht in Berlin bleiben. Ich wollte einfach nur weg sein. Ich wollte selbst aus mir raus. Aus meiner Haut. Weil ich dieses Gefühl der Angst und des Verloren Seins nicht mehr ertragen konnte.

    Erkennst du dich hier vielleicht selbst wieder? Geht's dir genauso im Moment?

    Mein einziger Ausweg damals waren Medikamente. Antidepressiva.

    Meine Freundin schleppte mich Gott sei Dank zu einem Neurologen in unserer Nähe. Wäre es nach mir gegangen, wäre ich nirgendwo hingegangen, da ich schon nicht mehr vor die Wohnungstür gehen konnte. Ich lag nur noch in einer Decke eingehüllt aufm Sofa rum, konnte nicht mehr schlafen und nicht mehr essen. Ich war komplett auf sie angewiesen. Und da lag auch der Knackpunkt, auf den ich später noch kurz eingehen werde.

    Ich möchte dir keine Antidepressiva empfehlen. Das wäre fahrlässig. Das muss ein Facharzt entscheiden. Ich kann nur meiner Erfahrung nach sagen, dass es mir besser ging, nachdem ich diese Medikamente einnahm. Mein Dauerschwindel war weg, ich bekam wieder Appetit und irgendwann konnte ich auch wieder richtig schlafen. Körperlich haben mich diese Pillen auf jeden Fall sehr unterstützt.

    In psychischer Hinsicht allerdings war es noch ein sehr weiter Weg. Ich hab letztendlich eine tiefenpsychologische Gruppentherapie gemacht, bei der mir ganz viel klargeworden ist. Und jetzt komm ich nochmal zurück zu meinem Knackpunkt.

    Ich habe gelernt, dass Panikattacken auftreten können, wenn man Verlustängste hat oder wenn man sich irgendwie danach sehnt, dass sich jemand um einen kümmert. Bei mir war es meine Freundin. Sie sollte plötzlich nicht mehr da sein und das konnte ich nicht so schnell verarbeiten. Also entwickelte ich unbewusst so ein Verhaltensmuster, welches sie dazu zwang, sich um mich zu kümmern, für mich da zu sein. Ich wollte sie unbewusst mit meinem Verhalten an mich binden, da ich sie nicht verlieren wollte und Angst hatte, alleine nicht klarzukommen.

    Jetzt ist die Frage, ob es irgendwen in deinem Leben gibt, der dir sehr wichtig ist. Der sich eventuell aus deinem Leben verabschieden möchte, weil dieser Mensch andere Wege gehen möchte. Oder ob es Menschen in deinem Leben gibt, von denen du emotional abhängig bist.

    Hinter Panikattacken stecken Verlustängste. Vielleicht hilft dir das erstmal weiter.

    An deiner Stelle würde ich aber auf jeden Fall eine Therapie ins Auge fassen. Ich kann mir denken, dass du wohl auch davor sehr große Angst haben wirst. Aber ich schätze, dieser Weg ist für dich unumgänglich.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft, noch viel mehr Mut, Rückhalt und Verständnis von deinen Lieben für dich und alles Gute.
    "Manchmal zieht man auch mit einem Aussichtslos den Hauptgewinn."

    ~Megaloh~

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Lena030 für den sinnvollen Beitrag:

    _rom_ (01.11.2017)

  4. #3
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    Danke für deine schnelle Antwort. Ja mir ging es auch so. Jetzt mit meinen Momentanen Problemenen, merke ich diese starke Hektik in Berlin überhaupt erst. Ich habe damals auch 2 Monate in einem 8er Zimmer in einem Hostel gewohnt. Das hat mich stark überfordert. Das lernen, die neue Umgebung und ständig neue Menschen im Zimmer. Ich habe auch soziale Ängste und immer diese Wohnungsbesichtigung und auf "bester Mitbewohner ever" zu tun haben mir immer zugesetzt. Aber ich wollte nie akzeptieren das es etwas gibt das ich nicht schaffe. Wenn andere das können kann ich das auch. Ich dachte immer ich stelle mich nur an und Jammer die ganze Zeit. Wahrscheinlich war ich mir selbst nicht immer der nächste. War und bin mir immer ein strenger Richter. Es hat sich immer so angefühlt als würden alle alles mit Leichtigkeit schaffen während ich immer bei allem große Probleme hatte. Aber die Zeit bei meinen Eltern tut mir gut. Ich bin froh und dankbar so einen guten Draht zu Ihnen zu haben und zum Glück habe ich mir einen starken Freundeskreis aufgebaut. Leider nicht in Berlin.

    Ich war dort oft sehr viel alleine obwohl ich gerne unter Menschen bin aber gleichzeitig habe ich immer voll die Komplexe. "Mögen mich die anderen, habe ich was dummes gesagt". "Warum wirft der mir so einen Blick zu, mag er mich nicht" und so ein *******. Man ist halt wenn man alleine ist stark auf andere angewiesen und steckt seine Selbstbestimmung aufgrund von Integration zurück.

    Aber ich mich erkenne schon sehr in deinem Beitrag wieder. Ich bin auch jemand der nie auf seine Gefühle hört sondern sie irgendwie überspielt oder ignoriert. Also als ob ich jederzeit und überall glücklich werden könnte und wenn ich es nicht bin, bin ich einfach selber schuld und es kann garnicht sein das diese Stadt nicht zu mir passt sondern ich bin einfach eine Person die sich dann das Unglück selbst erschafft.



    Meine Kindheit war glaube ich stark überfürsorglich und deshalb habe ich generell starke Probleme Autonom zu sein. Ich habe oft das Gefühl das ich mein Leben alleine nicht stemmen kann. Ich bin auch so blöd und lese ständig solche Angstberichte oder fachliche Diagnosen und Symptome und mache mir ständig noch mehr sorgen damit, weil ich wissen will was mit mir nicht stimmt. Habe schon jede Persönlichkeitsstörung durch und jede andere psychische Störung. Ich hätte eigentlich morgen und übermorgen einen Termin beim Psychotherapeuten aber die muss ich jetzt absagen weil ich nicht den Mut habe nach Berlin zu fahren. Deshalb fühle ich mich wie ein Versager. Ich kann mich diesem Gefühl nicht aussetzten. Das war einfach die Hölle. Meine Panikattacken waren damals ein Witz dagegen, weil die wieder nach einiger Zeit abgeklungen sind aber wenn man die Angst hat nen psychsischen Schaden zu haben gibt es einfach keinen Rückzugsort wie früher. Da habe ich mich auch einfach im Zimmer versteckt und es irgendwann ausgesessen. Jetzt hilft nix. Jetzt habe ich keinen Therapieplatz. Ich muss einfach irgendeine Lösung finden. Ich überlege mir den Studienort zu wechseln.

    Bist du in Berlin geblieben ? Wie geht es dir heute? Kannst du sagen du bist wieder die alte?

  5. #4
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    Ich verstehe dich. Ich weiß, wie es dir jetzt geht und ich fühle mit. Du wirst eine sehr schwierige Zeit durchmachen müssen, aber ich schwöre dir, dass du es schaffen kannst.

    Du sagst, du hast deine Eltern und deinen Freundeskreis an deiner Seite. Das ist sehr wichtig. Es ist gut, wenn sie dir Halt geben und dich anfangs vielleicht sogar bei einigen Dingen wieder an die Hand nehmen, dich stützen, dich begleiten. Es ist wichtig, dass sie für dich da sind und dich so annehmen, wie du eben jetzt bist. Verunsichert, ängstlich, panisch, hilflos.

    Können Sie das? Kannst du mit jemandem über all das sprechen? Wenn ja, wie geht's dir damit? Schämst du dich? Was fällt dir schwerer: Dir selbst einzugestehen, dass es jetzt so ist, wie es ist oder gegenüber jemand anderem das alles zuzugeben?

    Du hattest geschrieben, dass du für einige Zeit im Ausland warst. Wie ging es dir denn dort? Wie lange warst du da?

    Wie warst du so drauf, bevor du nach Berlin gezogen bist? Bist du vielleicht generell ein etwas ängstlicher Typ, der sich schnell Sorgen macht? Oder kann es sein, dass du eher ein unbeschwerter Typ warst, der sehr gelassen über das Leben nachdenken konnte? Kennst du das Gefühl von Lebensfreude?

    Ich stelle diese ganzen Fragen, weil es bei mir so war, dass ich mich selbst gar nicht mehr wieder erkennen konnte. Ich wurde zum kompletten Gegenteil von dem, was ich früher war. Und das war auch sehr schwer für mich zu akzeptieren. Ich wollte natürlich so gerne wieder die Alte sein. Allerdings ist es eher nicht so sinnvoll, gegen sich selbst anzukämpfen. Dadurch wird es eher schlimmer. Wichtig ist also, dass du dich selbst so akzeptieren musst, wie du gerade bist. Ich vermute, das wird vielleicht der schwierigste Schritt für dich sein. Du hast ja auch erwähnt, dass du dich stark als Versager fühlst.

    Du bist aber kein Versager. Du leidest unter einer psychischen Störung. So einfach.

    Dieses Googeln und Lesen und Recherchieren an Hand von irgendwelchen Symptomen gehört übrigens zum Krankheitsbild. Das habe ich auch gemacht. Stundenlang. Am Ende war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich einen irreparablen Gehirntumor habe, der dafür sorgt, dass ich verrückt werde und mich irgendwann killt. Und zudem hatte ich natürlich auch noch ganz sicher ein krankes Herz. Außerdem habe ich förmlich darauf gewartet, einen Schlaganfall zu bekommen.

    Nichts davon entsprach der Wahrheit.

    Und ich denke, auch bei dir wird das der Fall sein. Du machst dich damit nur noch mehr verrückt und du steigerst dich in etwas hinein, was dir nicht gut tut. Es bringt nichts, außer, dass du damit deinen ohnehin schon schlimmen Zustand um ein vielfaches mehr verschlimmerst. Versuche bitte damit aufzuhören. Okay? Du bist körperlich bestimmt gesund. Wenn du allerdings zu große Zweifel daran hast, dann suche einen Arzt auf. Vielleicht beruhigt es dich, wenn er feststellen kann, dass du okay bist. Dann hast du es schwarz auf weiß.

    Könntest du deinen Studienplatz denn wechseln? Und wenn ja, wie stellst du es dir dann vor?

    Sorry, dass ich dir so viele Fragen stelle. Ich möchte dich damit nicht überfordern. Du kannst selbstverständlich selbst entscheiden, worauf du eingehen möchtest.

    Ich bin damals in Berlin geblieben. Alleine. Ich hab mir ne kleine Wohnung genommen und wurde arbeitslos. Das Jobcenter stresste mich dann ungemein und ich hetzte von Termin zu Termin. Ständig bekam ich Sachen aufgezwungen, die ich nicht machen wollte. Ich fühlte mich wertlos, hilflos, wie der letzte Dreck. Ich fing an zu trinken. Und ich trieb mich im Internet rum.

    Durch den Sozialpsychiatrischen Dienst kam ich dann ins betreute Wohnen. Ich durfte in meiner Wohnung bleiben, musste mich aber regelmäßig in einer Einrichtung blicken lassen. Ich habe da auch ein bisschen arbeiten dürfen. Mir gefiel das aber alles nicht so gut und ich fing erneut an, mich zurückzuziehen, mich zu isolieren. Und zu trinken. Die Sozialarbeiterin ließ aber nicht locker und besorgte mir schließlich einen Therapieplatz in einer Tagesklinik.

    Von da an gings mit mir bergauf. Ich verstand mich. Ich begriff, was bei mir los war. Ich lernte mich neu kennen. Entdeckte Seiten an mir, die ich niemals erwartet hätte. Akzeptierte Seiten an mir, die mir sonst nicht gefielen. Ich hörte auf, mich selbst zu bewerten und bewerten zu lassen. Ich konnte da einfach sehr, sehr viel lernen. Über mich. Über diese Erkrankung. Über meine Familie. Über Menschen generell.

    Nach 3 Monaten war Schluss und ich wurde entlassen. Mir ging es noch nie so gut wie in dieser Zeit. Ich fing an, Berlin zu lieben. Ich war so gern in dieser Stadt unterwegs, wurde aktiv, ergriff die Initiative Leute zu treffen. Ich blühte auf. Lebte. Ich hatte keine Angst mehr.

    Und irgendwann schaffte ich es sogar, meine Medikamente wieder abzusetzen. Ich war nicht mehr die Alte, nein. Aber das war irrelevant, weil ich mich so auch ganz gern mochte.

    Heute wohne ich nicht mehr in Berlin. Leider. Ich lebte dort knapp 13 Jahre und vermisse es jetzt unbeschreiblich sehr. Und das ist eigentlich kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass mich diese Stadt so weggehauen hat.

    Es ist auf jeden Fall so, dass du es schaffen kannst, aus deiner Lage wieder rauszukommen. Du hast deine Familie. Du bist nicht allein. Wir können auch gerne weiter schreiben, wenn dir das irgendwie gut tun sollte. Ich bin dann auch gern da für dich, da ich wirklich mitfühle und mich das alles sehr berührt.
    "Manchmal zieht man auch mit einem Aussichtslos den Hauptgewinn."

    ~Megaloh~

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Lena030 für den sinnvollen Beitrag:

    _rom_ (04.11.2017)

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    Hallo Rom.
    Meine Kindheit war glaube ich stark überfürsorglich und deshalb habe ich generell starke Probleme Autonom zu sein. Ich habe oft das Gefühl das ich mein Leben alleine nicht stemmen kann. Ich bin auch so blöd und lese ständig solche Angstberichte oder fachliche Diagnosen und Symptome und mache mir ständig noch mehr sorgen damit, weil ich wissen will was mit mir nicht stimmt.
    Das ist ein gesundes Motiv. Du bist in eine sehr unangenehme Situation unbekannter Herkunft geraten (die überfürsorgliche Mutter könnte allerdings eine erste Spur bieten) und so versucht Dein Ich natürlich, die auslösende Ursache zu entdecken. Ebenfalls hast Du realisiert, dass es wahrscheinlich nützlich sein wird, Dir einen Therapeuten zu engagieren - also jemand, der Dir für Dein Vorhaben anhand Fachkenntnis und Erfahrung zur Seite stehen kann.

    Hast Du Dir nähere Gedanken gemacht, welche Therapierichtung die für Dich geeignete wäre? Deiner spontanen Herangehensweise nach zu urteilen würde ich sagen: die Tiefenpsychologie könnte Dich interessieren (Freud: "Ohne [ursachenforscherische] Diagnose keine Therapie"), eine bloße Verhaltenstherapie eher weniger, aber sag mal Du selbst.

    Die Fallberichte verschiedener Therapeuten zu lesen, um Aufklärung bezüglich Deiner eigenen Problematik zu erlangen, ist prinzipiell also gut, freilich gibt es dabei zwei oder drei Hürden: A) Die Mehrzahl der Schreiber versäumt es, ihrer Leserschaft ein fundiertes Modell der gesunden Seele darzulegen (der glückliche Mensch mit seinen genauso erfüllenden Beziehungen), erst aus dessen Beschädigung sich die verschiedenen Formen seelischen Leidens ergeben - sozusagen logisch ableiten. B) "Modelle" stellen abstrakte Verallgemeinerungen dar, jeder Mensch aber ist unverwechselbar-einmalig. Insofern können Modelle bestenfalls Hinweise geben, sie sind jedoch kein Ersatz für den hochindividuellen, intimen Prozess der eigentlichen Therapie. Hinzu kommt: Auch die didaktisch bestens dargelegten Gesundheitsmodelle (- im Kontrast zu ihnen die leidensvollen Abweichungen) kann man nicht ohne ausführliche Auseinandersetzung begreifen; das steht im Konflikt mit dem verständlichen Wunsch, möglichst "sofort" wieder auf die Beine zu kommen.


    Jetzt habe ich keinen Therapieplatz. Ich muss einfach irgendeine Lösung finden. Ich überlege mir den Studienort zu wechseln.
    Eine Überlegung wert wäre vielleicht, ohne schlechtes Gewissen eine Studierpause einzulegen - mußt und kannst Du für Dich selbst entscheiden. Meine Argumente dafür sind: Einerseits ist es schon aus rein praktischen Gründen (auch für Gesunde) nie ganz einfach, zwei jeweils nicht ganz simple Aufgaben zu selben Zeit zu erledigen, und anderseits kann man rein hypothetisch annehmen, dass der "über" dem Studium stehende Erziehungsauftrag seinen Teil beitrug zu Deiner Situation. Unser gesellschaftliches System fordert von jedem sog. Erwachsenen, seine Funktion als "Arbeitsfaktor" zu erfüllen, in aller Selbstverständlichkeit ohne jede Rücksicht gegen bestehende persönliche Bedingungen. Das ist unmenschlich.

    Insofern darf probeweise angenommen werden, dass einem Leiden wie Deinem eine vorbewusste Abwehrreaktion gegen diese Abart von Reife zugrunde läge. Du erzähltest, in Deinem Heimatort einen stabilen Freundeskreis zurückgelassen zu haben. Von diesen Beziehungen kennen ich zwar keine Einzelheiten (und kann insofern nicht beurteilen, wie fundiert Dein Begriff von Freundschaft ist). Grundsätzlich aber stellt die "Gruppe" aus vertrauten, emotionell verbundenen Menschen, die sich für die momentan rat- und hilfloseren unter ihnen einsetzen ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten, ein elementares Bestandteil des oben angedeuteten Gesundheitsmodels dar, entwickelt und zur Diskussion vorgelegt von der heutigen Psychoanalyse...

    Ich habe nun indirekt ein bisschen von mir berichtet, bzw. meiner Sicht der Dinge. (Ja, als ich 25 war, hatte ich eine recht ähnliche Krise wie Du, mindestens an der Oberfläche: eine vom "Bong"-Rauchen aktut ausgebrochene Angstneurose, von der ich gezwungen wurde, mich nach einer geeigneten Therapie umzuschauen. Ich empfand das als ziemliche Demütigung; einige 'Therapeuten' verstärkten dies Gefühl noch, letzlich aber habe ich jemand gefunden, der mir vieles voraus hatte.)

    Wie siehst Du die Welt im allgemeinen, was sind - abgesehen vom Gesundwerden - Deine persönlichen Interessen? Reizt Dich die abendländische Naturphilosophie mit ihrer rational-kritischen Methode der Naturforschung, z.B. Darwins Theorie? Was sonst? Wie gestalten sich die Freundschaften in Deinem Heimatort?
    So weit nun für heute.

    Ich freue mich sehr, Dich kennenzulernen!
    Herzlichst, 'Uwe'
    Geändert von Uwe B. (02.11.2017 um 14:06 Uhr)

  8. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Uwe B. für den sinnvollen Beitrag:

    Lena030 (02.11.2017),_rom_ (04.11.2017)

  9. #6
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    Danke für eure Antworten. Ich werde euch die Tage richtig antworten und versuchen eure Fragen zu beantworten. Wenn ich spontan auf eure Texte antworte schaffe ich es nicht die richtigen Worte zu finden. Ich muss mir da mehr Zeit nehmen.

  10. #7
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    Sehr gut - das ist auch eigentlich der Sinn und Zweck vom Schreiben
    Jedenfalls wo parallel die Option bestünde, via Skype zu telefonieren.

  11. #8
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    Kostet ja auch Kraft darüber zu sprechen bzw. zu schreiben, was einen belastet. Lass dir so viel Zeit wie nötig.
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