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Thema: „Asperger Syndrom“

  1. #1
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    Standard „Asperger Syndrom“

    Ich war als Baby sehr auf meine Mutter fokussiert und ziemlich anhänglich. Niemand anderes durfte mich berühren und an anderen Menschen zeigte ich damals auch kein Interesse. Als ich 3 Jahre alt war, wurde mein kleiner Bruder geboren. Ich habe mich überhaupt nicht für ihn interessiert und entwickelte ab da an Wutausbrüche. Ich habe meine Mutter ständig beschimpft und bin im Kindergarten des Öfteren ausgerastet. Während andere Freude daran hatten in den Zoo zu gehen etc. war ich meinen Eltern nicht einmal dankbar dafür und fand alles blöd. Ich war schon immer frech, habe alles in Frage gestellt und ständig etwas kritisiert. Mit meinen Eltern habe ich immer stundenlang diskutiert und ihnen gegenüber keine Gefühle empfunden. Es war mir so ziemlich egal, was sie machen oder wie es ihnen geht. Auch an Spielzeug war ich kaum fasziniert, habe lieber gelesen oder mich draußen beschäftigt, Musik gehört etc. Das Interesse mit anderen zu spielen war bei mir sehr gering und Freundschaften konnte ich auch nie aufrechthalten. Mich mit Menschen zu unterhalten langweilte mich schon immer, weil ich Smalltalk nicht leiden kann. Viel lieber halte ich lange Vorträge oder höre anderen zu, was sie zu bestimmten Themen zu sagen haben. Ich erzähle anderen auch nie, was ich gemacht habe oder plaudere mit ihnen. Aus diesen Gründen ecke ich bis heute überall an und bin kein angenehmer Gesprächspartner.

    Ich bin sehr tollpatschig und verpeilt.
    Obwohl ich mir eigentlich ziemlich gut Sachen merken kann und mir Lernen sehr leicht fällt, vergesse ich im Alltag viele Dinge. Manchmal kommen bestimmte Anweisungen bei mir nicht an oder ich fühle mich nicht angesprochen. Zudem kann ich mich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren und drifte oft in meine Traumwelt ab. Ich mache mir über vieles Gedanken und analysiere ständig meine Mitmenschen. Ich bin mehr an ihrem Verhaltensweisen interessiert, als an ihnen selbst.

    Vor einigen Monaten habe ich noch einen Freund gehabt, mit dem ich 8 Monate zusammen war. Ich habe mich in dieser Beziehung oft schlecht gefühlt, weil ich das Gefühl hatte ihn nicht richtig lieben zu können. Ich habe ihm kaum Zuneigung gezeigt, worüber er sich auch oft beschwert hat. Ich hatte kein Bedürfnis danach ihn zu berühren und habe mir häufig Gedanken über die Beziehung gemacht, was ihn ziemlich aufgeregt hat. Ich hatte eine bestimmte Vorstellung davon, wie eine Beziehung laufen soll und habe mich daran orientiert.
    Viele Dinge habe ich nur ihm zu Liebe gemacht, weil ich eine gute Freundin sein wollte. Letztendlich habe ich Schluss gemacht, weil ich mich in der Beziehung nur schlecht gefühlt habe und er mich oft angelogen und betrogen hat, womit ich nicht umgehen konnte. Wirklich traurig war ich darüber nicht, eher angeekelt von seinem Verhalten. Ich verspüre schon das Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung, welches aber eben nicht so stark ausgeprägt ist wie bei anderen. Meistens scheitert die Partnersuche daran, dass mir die Männer zu oberflächlich sind und ich aus dem Grund das Interesse verliere. Ich bekomme viele Angebote von Männern, weil ich auf den ersten Blick das typische Bild einer Frau verkörpere. Man sieht mir nämlich nicht an, dass ich seltsam bin und wirklich bemerken kann man das auch nur, wenn man mehr mit mir zu tun hat. Ich weiß aber, welche großen Probleme die Durchschnittsmänner mit mir haben würden und suche aus dem Grund gezielt nach Freaks oder Nerds, die vielleicht ähnlich denken.

    Ich bin sehr perfektionistisch und setze mir stets hohe Ziele. Zudem bin ich relativ selbstsicher und glaube an mich und meine Fähigkeiten. Ungerechtigkeit ist für mich schwer zu ertragen und ich finde es sehr wichtig, die Meinung anderer zu erfahren. Dafür äußere ich immer sachlich meine Meinung, womit ich ebenfalls anecke. Außerdem neige ich dazu, alles zu rationalisieren.

    Häufig versuche ich Kontakte aufzubauen und stelle mir das in Gedanken auch schön vor, jedoch ist es meistens dann doch nicht so erfüllend. Ich treffe mich mit Leuten und fühle einfach keine Verbindung bzw. muss mich nicht noch einmal mit ihnen treffen. Obwohl ich mich dabei nicht schlecht fühle, macht es mich auch nicht glücklich. Es ist eher ein Gefühl von Gleichgültigkeit.
    Ich kann grundsätzlich Empathie empfinden, da ich bei traurigen Schicksalsschlägen weinen muss und auch gut mit Tieren umgehen kann. Ich empfinde auch oft Mitleid mit anderen und versuche ihr Verhalten zu verstehen. Jedoch kostet mir das häufig große Anstrengung und läuft nicht so unbewusst ab, wie bei anderen. Mimik und Gestik kann ich zwar schon deuten, allerdings achte ich kaum darauf. Viel mehr interessiert mich das Gesagte. Ob ich einem Menschen in die Augen schauen kann, hängt von meiner Verfassung und dem Menschen ab.
    Glaubt ihr, ich könnte das Asperger-syndrom haben? Meine Psychologin hat keinen Test gemacht, aber den Verdacht dennoch für unbegründet gehalten. Deshalb steht auch in meinen Unterlagen, dass ich nicht das Asperger-Syndrom habe. Was soll ich nun machen bzw. gibt es ähnliche Störungsbilder? Einen Intelligenztest habe ich schon gemacht, liege an der Grenze zur Hochbegabung, aber daran kann mein Verhalten nicht liegen.
    LG

  2. #2
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    Hallo Rolling..,

    es gibt sicher die ein oder andere relativ typische Symptomatik die Du aufgezählt hast die für ein Asperger-Syndrom spricht,
    würde dich der Gedanke beruhigen, wenn es so wäre? Welchen Nutzen könntest Du aus dieser Diagnose ziehen?

    Ich habe einige Onlinetests zu dem Thema gemacht, weil es mich interessierte und ich manchmal denke, dass ich "betroffen" bin, zB empfinde ich nicht das geringste Mitleid für die Situationen anderer, gerade wenn sie sich in misslichen Lagen befinden. Ich bleibe völlig "kalt", wenn mich ein Rollstuhlfahrer mitleidheischend anschaut und nach Geld fragt. Ich gebe was, aber ganz sicher nicht aus Mitleid.. die Tests verliefen allesamt positiv, ich scheine also möglicherweise betroffen zu sein. Allerdings möchte ich sagen, dass mir die Erkenntnis absolut nichts bringt.. daher die Frage an dich.
    viele Grüße

  3. #3
    Schreiberling Avatar von Milly
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    Wir dürfen und können keine Diagnosen stellen.
    Wenn du dich näher mit der Thematik beschäftigen willst, empfehle ich dir gute Literatur (T.Attwood z.Bsp.), den Verzicht auf Internet-Tests und eine Anamnese der frühen Kindheit.
    Asperger-Autismus verdankt sich einer differenten Wahrnehmungsverarbeitung. Diese ist ein Hauptmerkmal, der Rest sind eher sekundäre Auffälligkeiten.
    Du kannst dich auch bei einem ATZ informieren oder dir dort geeignete Psychiater mit Schwerpunkt Autismus nennen lassen.

  4. #4
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    Blase: Soweit mir bekannt und meine Erfahrung mit Asperger-Autisten es betrifft ist ein Mangel an Mitleid keine Symptomatik davon. Im Gegenteil sind Aspies oft extrem hochsensibel. Das ist ja auch der Grund (so die Intense-World-Hypothese), dass sie sich abschotten: Zu viel von allem, es kann nicht verarbeitet werden und gleichzeitig eine Reaktion nach Außen getragen werden.

    Rolling: Das Asperger-Syndrom ist übrigens keine Störung, da Menschen damit auch ein perfekt normales Leben führen können. Nur sind sie halt nicht Neurotypisch.
    Geändert von Empty (24.07.2018 um 19:20 Uhr)
    "Who, being loved, is poor?" - Oscar Wilde
    ***

  5. #5
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    Zitat Zitat von Empty Beitrag anzeigen
    Blase: Soweit mir bekannt und meine Erfahrung mit Asperger-Autisten es betrifft ist ein Mangel an Mitleid keine Symptomatik davon.
    mit dem Mangel an Mitleid ist ein gewisses fehlen an Empathie gemeint, was soweit ich weiß ein Kriterium ist.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Empty Beitrag anzeigen
    ..Im Gegenteil sind Aspies oft extrem hochsensibel. Das ist ja auch der Grund (so die Intense-World-Hypothese), dass sie sich abschotten: Zu viel von allem, es kann nicht verarbeitet werden und gleichzeitig eine Reaktion nach Außen getragen werden.
    vielleicht lohnt es sich hinzuzufügen..
    In meinem Fall geht es mir oft so, dass ich zB nicht mitkriege wenn jemand Scherze macht, oder überhaupt nicht verstehe, warum Menschen bei einer Beerdigung traurig sind. usw. Ich bin schon oft in Fettnäpchen getreten, weil ich unsensiebele Bemerkungen gemacht habe oder einfach nicht verstand, was jemand von mir wollte. Etliche Freundschaften sind zerbrochen, weil ich deren Erwartungen oder Bedürfnisse nicht erkannt habe. Mimik ist für mich wie eine Maske, die ich zwar inzwischen interpretieren, aber nicht nachempfinden kann. Ich lasse Menschen nicht wirklich nah an mich heran, bin ziemlich schweigsam und fühle mich oft als Außenseiter. Als Kind und jugendlicher habe ich viele Geräusche nicht ertragen können, zu viele Menschen überfordern mich und in Stresssituationen neige ich zu totalausfällen, fühle mich in der gewohnten Umgebung am wohlsten und brauche meine Anhaltspunkte um mich sicher zu fühlen. Ich bin nicht Teamfähig und arbeite am liebsten für mich allein. Es gibt noch deutlich mehr zu erzählen, aber erst mal reichen mir diese Kriterien um mir darüber Gedanken zu machen. Online-Tests würde ich ebenfalls nicht empfehlen wenn man sicher sein möchte.
    Zitat Zitat von Empty Beitrag anzeigen
    Rolling: Das Asperger-Syndrom ist übrigens keine Störung, da Menschen damit auch ein perfekt normales Leben führen können. Nur sind sie halt nicht Neurotypisch.
    "Das Asperger-Syndrom (AS) ist eine Variante des Autismus und wird zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet." und ist somit wohl doch eine Störung, die man aber gut im Alltag kompensieren kann, jeder entwickelt dazu seine eigenen Strategien.

  7. #7
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    @RollingInthedeep3: es ist richtig, Diagnosen dürfen hier keine gestellt werden.
    Da du aber fragst ob es ähnliche Störungsbilder gibt: die schizoide Persönlichkeitsstörung ähnelt Asperger stark bzw kann mitunter schwer davon abgegrenzt werden.
    @Blase: Asperger kann man sicher auch gut kompensieren, soweit ich mitbekommen habe hängt das, wie so oft, davon ab wie stark man betroffen ist, so wie auch andere Menschen verschieden sind sind auch Asperger unterschiedlich.
    Im zwischenmenschlichen Bereich können leider große Probleme auftreten, auch wenn andere Bereiche des Lebens gut funktionieren.
    •´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.¸.•´`•. LG Mari (privat) •´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.¸.•´`•.
    ❁ڿڰۣ❁ڿڰۣ❁ڿڰۣ❁ڿڰۣ❁ڿڰۣ❁ڿڰۣ

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mariposa für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (24.07.2018)

  9. #8
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    Ein Psychologe sagte, es gibt zwei bekannte Inventare, die zum Einsatz kommen. Bei einem findet eine Fremdeinschätzung statt, Bekannte erzählen von der Vergangenheit. Beobachtungen des Psychologen fließen ein. Ein anderer zielt auf die Theory-of-Mind ab, "Ich weiß, was du denken könntest ..." Das scheint zentral zu sein aber verschiedene diagnostische Psychologen, verschiedene Verfahren oder zumindest unterschiedliche Schwerpunkte, weil die Psychologen doch an die Fragebögen gebunden sind. Etikett hin, Etikett her.

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