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Thema: Bleiben oder gehen? Schwierige Situation, Entscheidung macht mich fertig

  1. #1
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    Standard Bleiben oder gehen? Schwierige Situation, Entscheidung macht mich fertig

    An die Moderation: bitte verschieben, falls ich falschen Unterforum gelandet bin!

    Hallo liebes Forum,
    ich befinde mich in einer Krisensituation, bei der ich keinen Ausweg mehr finde. Da ich kaum soziale Kontakte habe, versuche ich in dieser Form die Meinung anderer einzuholen.

    Folgendes Setting: Paar mitte 40, seit 20 Jahren zusammen, gemeinsames Kind unter 10, Heirat kurz bevor das Kind kam. Jetzt kommt's: beide psychisch krank (Amors Pfeil ist halt unberechenbar), in Behandlung wegen Depressionen und Angststörungen und halbwegs funktional. Das ändert sich schlagartig nach Geburt des Kindes: der Zustand meiner Frau verschlechtert sich massiv. Es folgen Krankenhausaufenthalte, ohne wirkliche Besserung dazwischen.

    Die Beziehung geht völlig kaputt, wir leben nur noch nebeneinander in parallelen Blasen. Keine Kommunikation über das notwendige Alltagsgeschehen hinaus. Und wir versuchen dem Kind eine heile Welt vorzuspielen, was natürlich nicht klappt. Das ganze hat sich in den Jahren richtig hochgeschaukelt: Ablehnung, Rückzug, Vorwürfe, Isolation, Kränkungen, Schuldzuweisungen, Hass, das ganze Programm halt.

    Das Einzige was geblieben ist: die Einsicht/der Wunsch bei beiden dass zunächst jeder seine Probleme in den Griff bekommen muss, um anschliessend noch einen Versuch über eine Paartherapie zu starten.

    Mit der Zeit, verstärkt durch die unglückliche Beziehung, hat sich auch mein Gesundheitszustand verschlechtert. Ich kann die Situation kaum noch meistern: Vollzeitjob, zeitweise (durch Klinikaufenthalte der Frau, wie auch aktuell seit Wochen wieder) Alleinerziehend und dazu noch die Belastungen wegen Corona (z.B. keine Schule, etc.).

    Ich bin an den Punkt gekommen, wo es für mich so nicht mehr weiter gehen kann. Kann mich aber nicht entscheiden, es zerreisst mich innerlich: ich habe noch Gefühle für die Frau, liebe das Kind über alles und möchte nicht ohne es leben/bzw. es im Stich lassen. Und ich fühle mich Verantwortlich (na ja, wegen "in guten wie in schlechten Zeiten"). Andererseits vezweifele ich an der gefühlten Einsamkeit und fehlender Zuwendung. Ich kann nicht einschätzen wie viel vom Verhalten meiner Frau von der Krankheit bestimmt ist. Ausserdem schwindet die Hoffnung dass sich ihr Zustand jemals wieder bessert.

    Was meint Ihr dazu? Ich würde mich über jede Rückmeldung sehr freuen!

    Viele Grüße,
    Crassula

  2. #2
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    Hallo Crassula,

    erhältst du denn selbst auch Unterstützung in Form von Therapie?

  3. #3
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    Hallo lavida,

    seit kurzem habe ich eine Verhaltenstherapie begonnen. Bislang war ich der Meinung alleine mit Medikamenten über die Runden zu kommen. Ziel der Therapie ist allerdings meine "eigenen" Themen anzugehen. Mit der Hoffnung dass es sich auch auf die Bezeihung auswirkt. Ich merke schon, dass vieles miteinander verknüpft ist: Depression - unfähig Entscheidungen zu treffen oder Minderwertigkeitsgefühl - Verlassenheitsangst, etc.

    Die konkrete Frage kann der Therapeut auch nicht beantworten. Bisheriger Standpunkt: ich soll keine folgenschweren Entscheidungen aus der Krise treffen.

    Viele Grüße,
    Crassula

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Crassula ovata für den sinnvollen Beitrag:

    lavida (15.06.2020)

  5. #4
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    Hallo nochmal
    Ich finde gut, dass du eine Therapie machst. Depressionen und Angststörungen sind ja gut therapeutisch behandelbar.
    Deine eigenen Themen angehen, ist ein guter Schritt und der meiner Meinung nach wichtigste.
    Wenn ihr seit 20 Jahren zusammen seid, und beide psychische Schwierigkeiten habt, kann es auch sehr gut sein, dass ihr in eine Art Co Abhängigkeit reingerutscht seid.
    Dann kann man emotional nur schlecht unterschieden zwischen sich selbst und dem anderen....das eigene Glück hängt fast nur vom anderen/von der Beziehung ab.

    Zwischen deinen Zeilen lese ich heraus, dass du sehr sehr zu deiner Frau schielst: Wird SIE sich schaffen zu ändern? Das ist auch verständlich, gerade wenn du in so viel Sorge um sie lebst und durch ihre Ausfälle so viel an dir hängen bleibt. Aber vielleicht kannst du das Ganze auch als Chance betrachten, unabhängiger zu werden und mehr auf dich zu achten, mehr dich kennenzulernen, deine eigenen Wunden anzugehen und so gut es eben geht zu heilen.
    Im ersten Post höre ich sehr viel Überforderung heraus.... schau vielleicht, ob du gute Freunde hast, die dir gerne unter die Arme greifen würden? Oder vielleicht kannst du zusätzlich zur Therapie auch mehr praktische Hilfe, zB Familienhilfe beantragen? Ich stelle es mir nicht leicht vor, Vollzeit zu arbeiten, sich um das Kind zu kümmern, Sorge um die Frau zu haben usw.

    Vielleicht kannst du dich auch mal auf eine Gedankenreise begeben und dir überlegen, was DICH stärken könnte? Stärkt dich dein Job?
    Gäbe es vielleicht einen Traum, den du dir erfüllen könntest, der dir Kraft gibt?

    Liebe Grüße
    lavida

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei lavida für den sinnvollen Beitrag:

    Crassula ovata (15.06.2020)

  7. #5
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    Hallo lavida,

    vielen Dank für Deine Antwort! An einigen Stellen hast Du wirklich in ins Schwarze getroffen.

    Zitat Zitat von lavida Beitrag anzeigen
    Wenn ihr seit 20 Jahren zusammen seid, und beide psychische Schwierigkeiten habt, kann es auch sehr gut sein, dass ihr in eine Art Co Abhängigkeit reingerutscht seid.
    Dann kann man emotional nur schlecht unterschieden zwischen sich selbst und dem anderen....das eigene Glück hängt fast nur vom anderen/von der Beziehung ab.
    Das scheint in der Tat so zu sein, dass sich eine emotionale Abhängigkeit gebildet hat. Bei mir vielleicht ausgeprägter als bei meiner Frau. Hinzu kommt noch Trennungsangst, Angst vom Alleinsein usw.
    Und da ist mein Problem: zur Zeit sind beide Vorstellungen (Trennung oder weiterhin Unglücklich) gleich schlimm.

    Manchmal denke ich, dass wir beide erwarten jeweils vom anderen glücklich gemacht zu werden. Und keiner rührt sich.

    Zitat Zitat von lavida Beitrag anzeigen
    Zwischen deinen Zeilen lese ich heraus, dass du sehr sehr zu deiner Frau schielst: Wird SIE sich schaffen zu ändern? Das ist auch verständlich, gerade wenn du in so viel Sorge um sie lebst und durch ihre Ausfälle so viel an dir hängen bleibt.
    Ich habe mich mit der Zeit wohl komplett auf sie fixiert. Habe sonst null soziale Kontakte. Nur im Job und ein wenig zu meiner Familie. Kann man diese Fixierung wieder "heilen"?

    Zitat Zitat von lavida Beitrag anzeigen
    Aber vielleicht kannst du das Ganze auch als Chance betrachten, unabhängiger zu werden und mehr auf dich zu achten, mehr dich kennenzulernen, deine eigenen Wunden anzugehen und so gut es eben geht zu heilen.
    Im ersten Post höre ich sehr viel Überforderung heraus.... schau vielleicht, ob du gute Freunde hast, die dir gerne unter die Arme greifen würden? Oder vielleicht kannst du zusätzlich zur Therapie auch mehr praktische Hilfe, zB Familienhilfe beantragen? Ich stelle es mir nicht leicht vor, Vollzeit zu arbeiten, sich um das Kind zu kümmern, Sorge um die Frau zu haben usw.
    Das versuche ich zumindest. Aus der Not bin ich aktiv geworden: Therapie gestartet (wir sind noch in der probatorischen Phase) und ich hole mir mehr und mehr Hilfe von anderen (z.B. Schwester bitten das Kind über das Wochenende nehmen). Ist übrigens auch eine meiner "Baustellen": ich tue mich sehr schwer um Hilfe zu bitten oder angebotene Hilfe anzunehmen. Quasi "ein echter Kerl löst seine Probleme ganz alleine".

    Oder auch nur der Gedanke in einem Forum nach Rat zu suchen, früher undenkbar!

    Bei der Arbeit kommt mir seit den Corona-Einschränkungen entgegen, dass ich viel von daheim erledigen kann.

    Zitat Zitat von lavida Beitrag anzeigen
    Vielleicht kannst du dich auch mal auf eine Gedankenreise begeben und dir überlegen, was DICH stärken könnte? Stärkt dich dein Job?
    Job ist gut! Zunächst Ablenkung und auch viel Bestätigung und Anerkennung. Was mir zum Teil halt daheim fehlt. Ist aber auch eine Möglichkeit der Flucht: lange Arbeitszeiten, etc.

    Zitat Zitat von lavida Beitrag anzeigen
    Gäbe es vielleicht einen Traum, den du dir erfüllen könntest, der dir Kraft gibt?
    Zur Zeit eher nicht. Ich kann im Moment auch keine Pläne für die Zukunft machen. Prio ist erstmal emotional stabiler zu werden.

    Viele Grüße,
    Crassula

  8. #6
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    Hallo Crassula,

    "Trennung oder weiterhin unglücklich bleiben" sind beides ja auch nicht unbedingt schöne Zukunftsaussichten. Kannst du dir denn vorstellen, dass die Fixierung auf und die Abhängigkeit von deiner Frau aufhören können und du es schaffst, deine eigene Persönlichkeit unabhängiger aufzubauen?

    Ich stelle mir diese Art Abhängigkeit wie zwei Blumen vor, die wachsen möchten und blühen. Doch sie stehen einfach viel zu nah.... können ihre Wurzeln, ihre Blätter nicht richtig entfalten und bekommen daher zu wenig Licht. Blühen fällt so schwer.
    Wenn sie nur ein wenig mehr Distanz zwischen sich schaffen könnten, hätte jeder genug Platz und könnte selbst wundervoll blühen und auch gleichzeitig den Blumenpartner beim Blühen zusehen.... etwas Schöneres gibt es doch eigentlich kaum.

    Dass dein Job dir gefällt und du da etwas Positives für dich erfährst, ist doch ne sehr gute Grundlage.
    Das heißt, du hast immerhin deinen Bereich, wo du unabhängig bist und da auch erfolgreich (im Sinne von zufrieden) bist.
    Jetzt müsstest du/ihr es auch schaffen, dies innerlich, also emotional hinzukriegen.....

    Wenn du es willst (!), bin ich sicher, dass eine Therapie dir dabei helfen kann, deinen eigenen inneren Platz zu finden, auch innerhalb der Beziehung.

    Solltet ihr euch trennen, wird dieses Problem der Fixierung nicht aufhören, denn es ist ja nicht an deine Frau gekoppelt. So oder so ist das ein längerer Weg, der da vor dir liegt.... egal wie/mit wem du ihn gehst.
    Aber er lohnt sich, denn im Grunde geht es um persönliche innere Freiheit.

    Liebe Grüße
    lavida

  9. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei lavida für den sinnvollen Beitrag:

    Crassula ovata (16.06.2020),Malembe (18.06.2020),Schnutti (30.06.2020)

  10. #7
    Neuling
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    Hallo lavida,

    vielen Dank für die inspirierende Zeilen!

    Viele Grüße,
    Crassula

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