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Thema: Die Blüte meines Lebens

  1. #1
    Neuling
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    Unglücklich Die Blüte meines Lebens

    Hi,
    Ich bin neunzehn Jahre alt, männlich und mache gerade mein Abitur. Ich weiß nicht, ob ich erwarte, dass sich jemand den Mist durchliest, aber für mich persönlich fühlt es sich besser an zu wissen, dass das, was ich hier schreibe nicht einfach nur auf meinem PC verrottet. Vielleicht liest das irgendjemand, dem es ähnlich geht, sodass er sich zumindest ein Stück weit nicht alleine fühlt, wie dem auch sei – ich werde etwas weiter ausholen:
    Alles begann als ich auf das Gymnasium wechselte. Ich war sehr gut in der Grundschule und zeitgleich der Klassenclown. Ich hatte meinen Spaß und konnte trotzdem mithalten. Als ich dann auf die weiterführende Schule kam, war das Niveau ein ganz anderes. Nach unzähligen Fünfen und Sechsen in verschiedenen Fächern und der Einsicht, dass eine Vier ab sofort eine gute Note war, blieb ich dann im Halbjahr beinah sitzen. Meinen Eltern erzählte ich davon nichts. Und sie hat es auch nicht interessiert, da man gewöhnt war, dass ich alles alleine hinbekam. Meine Noten wurden schlechter, zeitgleich verlor ich meinen Freundeskreis, der auf andere Schulen ging. In der sechsten Klasse wechselte ich dann aus der Bilingual-Klasse in eine reguläre. In dieser wurde ich nicht akzeptiert, ausgegrenzt und schließlich blieb ich sitzen.

    In dieser Zeit bröckelte die Ehe meiner Eltern, ich hielt mich für das irrelevantes Wesen auf dem Planeten und für dumm und widerlich. In der Zeit konnte ich nicht schlafen und wenn doch nur sehr unwohl. Ich hatte überhaupt keinen Anspruch mehr in der Schule Leistungen zu bringen, entsprechend sahen meine Zensuren aus. Mein Vater schien fremd zu gehen, meine Mutter zog sich immer mehr aus dem Leben zurück – das obwohl sie ohnehin sehr introvertiert ist.
    Ich bin in der 7., 8., und 9. Klasse jeweils fast sitzen geblieben. Die Situation zwischen meinen Eltern wurde aber ernster. Meine Mutter "konsumierte" Zigaretten, Alkohol und Tabletten. Sie interessierte sich nie wirklich für uns Kinder, aber irgendwie zog sie sich noch weiter zurück. Manchmal gerieten wir aneinander. Sie wusste wohl, was sie sagen musste, um mich zu verletzen. Sie forderte mehrmals, dass ich ausziehen sollte, weil ich „es zu nichts brächte“. In dieser Zeit hat das weh getan, heute mache ich ihr allerdings keine Vorwürfe mehr. Nicht weil ich der größere Mensch bin, sondern weil sie mich nicht interessiert. Ich habe jeden zweiten Tag geheult und habe mich dafür umso mehr gehasst.
    Mein Vater war noch seltener zuhause als vorher und auch unsere Distanz wurde größer.
    An meinem 15. Geburtstag verstarb mein Großvater mütterlicherseits, weil er beim Reifenwechsel für die Fahrt einen Herzinfarkt erlitt. Das belastete die gesamte Situation natürlich noch mehr.
    Ich prügelte mich sehr oft mit älteren Schülern und bin viel zu oft zu weit gegangen. Bin deswegen fast von der Schule geflogen.
    Wie so oft stand hinter all dem am Ende meine kaputte Seite. Ich wollte so unbedingt, dass sich irgendwer anhört, was ich denke, glaube und vor allem, wie es mir geht. Aber tatsächlich waren meine Eltern es nicht gewöhnt, mit mir über sowas zu reden. Ansonsten gibt es auch keine Person, die mir zuhört. Das ist natürlich nicht die Schuld der anderen, immerhin bin ich nicht in der Lage wirklich zu reden.
    Zur selben Zeit habe ich aber auch Angst, dass es jemand schafft zu erkennen, wie ich mich fühle. Ich kann meine Emotionen gut verstecken, aber hin und wieder scheinen gerade manche Frauen in der Lage, zu erkennen, dass ich mich feigerweise verstecke.
    Tolle Überleitung – denn Frauen spielen wie so oft auch eine Rolle. Ich habe keine Ahnung warum, aber in der Zeit, in der es mir am allerschlechtesten ging, schienen sich Mädchen ziemlich viel für mich zu interessieren. Ich hatte das nie mitbekommen. Was aber der ausschlaggebende Punkt ist, ist dass ich besonders eines dieser Mädchen so unvorstellbar hässlich behandelt habe. Ich möchte das nicht weiter ausführen, aber ich würde später noch merken, wie sehr es weh tut, wenn jemand so ekelhaft mit den eigenen Gefühlen umgeht.

    In der neunten Klasse bemerkte ich, dass ich nicht ganz überflüssig bin. Ich bin gut in Politik, Geschichte, Sport und ironischerweise sogar Ethik. Ich versuchte, gerade weil ich in naturwissenschaftlichen Fächern lächerlich schlecht bin, mich auf diese Bereiche zu konzentrieren. Auch moralisch habe ich mich weiterentwickelt. Es klingt lächerlich und überromantisch, aber tatsächlich fand ich in der Musik einen Zuhörer – mir wurden dabei mitunter auch Werte vermittelt, die mich umdenken ließen. Das führte dazu, dass ich mich seit dem nicht mehr geschlagen habe. Ich lernte mich selbst zu schätzen – als Menschen wie ich nun mal bin.
    Das klappte auch und ich schaffte es meinen Schnitt zu verbessern. Dummerweise traf mich dann wohl das Karma, als ich mich das erste Mal verliebte. Hals über Kopf in ein Mädchen aber, dass mich nur als einen Kumpel sah. Möchte ich auch nicht weiter ausführen, aber das war am Ende der 9. Klasse wohl der Grund, dass sich meine eigentlich gute Entwicklung stockte. Ich begann da, wo ich vor der 9. aufgehört hatte und hasste mich selbst so sehr, dass es mich in ein, zwei halbwegs ernste Selbstmordversuche trieb. Die Auseinandersetzungen zwischen meinen Eltern wurden immer lautstärker und zum Teil auch körperlich.
    In der Zehnten waren meine Noten okay, meine Psyche strapaziert. Ich schaffte es aber in die Qualifikationsphase für das Abi. Meine Eltern trennten sich, während ich in der elften Klasse war. Kurz vorher wäre meine Mutter fast, ich kann es nicht anders sagen, an ihrer Sucht verreckt.
    Die elfte und zwölfte Klasse überstand ich aber im guten Bereich bis ich schließlich hier bin, mitten im Abi. Die Scheidung meiner Eltern war natürlich nicht leicht für uns. Vor allem war sie unangenehm, denn weder zu meinem Vater noch zu meiner Mutter habe ich eine wirkliche Beziehung. Nach der Scheidung hatte ich das Gefühl, dass alles besser würde. Ich fand neue Freunde, machte abermals Fortschritte mit mir selbst und bin mittlerweile an einem Punkt gekommen, indem ich mit mir sehr zufrieden bin. Ich dachte alles würde besser, doch befinde mich heute an einem Punkt, an dem ich zmd. das Gefühl habe, dass das Schlimmste erst kommt.

    Folgendes mag oberflächlich wirken, aber ich glaube es ist essentiell: Ich habe schon in der 11. Klasse mir scherzhaft gedacht, dass ich mich wohl ausgerechnet in der Abi-Zeit wieder unglücklich verlieben würde – gerade vor dem Hintergrund dessen, was in der Vergangenheit geschehen ist.
    Genau das passierte. Das wohl hübscheste Mädchen meiner gesamten Stufe fing an sich für mich zu interessieren. Ich weiß, dass haufenweise Typen sich so etwas einreden, um ihr Selbstvertrauen zu pushen, aber ich denke in dieser Beziehung mittlerweile sehr genau sagen zu können, wie andere Menschen über mich denken. Sie hatte nie großen Kontakt zu mir, aber kurz vor den Osterferien nahmen wir uns wohl das erste mal (auf ner Party) richtig wahr. Sie addete mich auf hier und da und bemüht sich oftmals etwas unbeholfen um Konversationen (durchschaubare Gründe, die Unterhaltung zu starten und so), sie lächelt mich – auch wenn wir uns wegen Abi nicht so oft sehen – gerne an, verhält sich insgesamt vollkommen anders mir gegenüber als noch bevor wir uns nicht kannten bzw. verglichen mit anderen Mädchen.
    Es ist aber Interesse und keine Liebe.
    Zwischenzeitlich hatte ich deswegen eine Art Höhenflug, so im Sinne von Renaissance – quasi ein Cut, eine Zäsur zu meiner unschönen Vergangenheit. Ich dachte „nun würde alles gut“. Dann fiel mir auf, dass ich gar nicht weiß, wie ich weitermachen soll. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man liebende Beziehungen führen soll. Ich weiß nicht, wie man jemanden wirklich liebt und was man macht, wenn es ernster wird. Ich weiß nicht, wie es ist, geliebt zu werden, aber ich glaube es ist gleichzeitig verständlich, dass ich mich danach sehne. Ich habe Angst. Angst, dass ich es ein allerletztes Mal verhaue und mir das nie wieder verzeihen kann. Dass ich es tatsächlich schaffen sollte, nichts aus der Situation zu machen. Ein Mädchen, dass ich mag, während sie mich mag gab es vorher noch nie.

    Es gibt unzählige Typen, die eine stabilere Vergangenheit haben, es gibt so viele, die eben nicht eine Zeit lang jeden Nachmittag nach der Schule damit verbracht haben, sich selbst zu hassen und in den Schlaf zu weinen. Ich verstehe überhaupt nicht, wie sie dazu kommt, ausgerechnet mich zu mögen. Das macht überhaupt keinen Sinn. Ich habe mir in meinem Leben haufenweise Hürden aufgebaut – ich dachte aber, dass ich das Schlimmste hinter mir hätte. Das jetzt macht mir so eine Angst, dass sich nichts ändert. Dass irgendwas passiert, so dass ich abermals der unglücklich Verliebte bin und bleibe.
    Mir ist aufgefallen, dass ich zwar „erwachsen geworden bin“, aber Angst habe stur immer weiterzumachen, obwohl ich unzufrieden mit meinem Leben bleibe. Und ich hab Angst, dass ich eines Tages aufwache und merke, dass ich nicht glücklich bin. Habe immer noch niemanden zum „Ausheulen“ - selbst mit gefühlten zehn Promille bin ich nicht in der Lage zu reden. Stehe immer noch vor den Problemen von früher, habe das Gefühl, dass meine Vergangenheit dafür sorgt, dass sie sich in meiner Zukunft wiederholen wird. Ich will das nicht. Ich kann das auch gar nicht. Doch weiß ich auch, dass es nicht selten ist, dass Scheidungskinder und Kinder aus zerrütteten Familien nicht selten Probleme haben, eine eigene aufzubauen. Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass mein Sohn einen ähnlichen Text wie diesen hier in gut dreißig Jahren verfasst.
    Ich bin mittlerweile nicht mal mehr depressiv und traurig, es ist viel mehr eine enorme verzweifelte Wut darüber, dass ich nicht aus diesem alten Leben rauskomme. Ich wollte unbedingt abschließen, aber gehe heute noch fast jede Nacht um die Häuser um meinen Kopf freizukriegen, nur um danach noch trauriger zu sein als vorher.

  2. #2
    Neuling
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    Und was mir noch wichtig ist: Wenn ich das gerade noch mal lese, wirkt es so, als ob ich „sie“, also dieses Mädchen, für das ich mich interessiere, nicht wirklich als Menschen sehen würde, sondern eher als „Belohnung“, die ich verdienen würde oder sowas. Ich möchte klar stellen dass ich nicht so denke – niemals mehr bei keiner Frau, aber ich weiß schlicht nicht, wie ich es sonst ausdrücken sollte. Ich finde sie ist ein toller Mensch, vor allem hat sie ein paar sehr sympathische Eigenheiten – ein körperliches Interesse ist da zum Beispiel wirklich sehr nebensächlich.

  3. #3
    Awenasa
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    Ich glaube nicht, dass dein Sohn in 30 Jahren hier schreiben würde. Du hast deine Vergangenheit und du willst sicher nicht, dass er sie wiederholt. Also wirst du dich bemühen, ihm dein eigenes Schicksal zu ersparen.

    Ob du nun stabil bist oder nicht, sie hat dich ausgesucht. Wenn du auch Interesse hast, lass die Sache doch laufen und sieh wohin euch das führt. Belohnung wäre ja gegenseitig, falls das mit euch funktioniert.

    Du wirst deine Vergangenheit nicht los, die hattest du nunmal. Du kannst es aber akzeptieren. Ein Teil deines Lebens, der nun vorbei ist. Künftig kannst du ja nach vorne sehen. Ich denke schon das du da raus kommst. Du wirst den "Makel" halt nur nie los. Du hast nunmal keine andere Vergangenheit. Aber du hast jede Zukunft die du dir ausmalen kannst. Du bist jung, die Welt wartet auf dich, naja so zu sagen.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Awenasa für den sinnvollen Beitrag:

    GrünerTee (27.01.2017)

  5. #4
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    Hi du,

    du schreibst, du kannst nicht reden. Aber, das muß ich einfach mal sagen, du kannst sehr sehr gut schreiben. Die Art, wie du formulierst, hat mich dazu gebracht, dass ich etwas enttäuscht war, als deine Erzählung beendet war ;-) Ok, der Inhalt ist traurig, schon klar.

    Hör auf, dich so abzuwerten. Ich denke, du bist ein toller Typ und sie hat allen Grund auf dich zu stehen. Deine Vergangenheit belastet dich und nimmt dir an Selbstbewußtsein, aber in dem, was du geschrieben hast, erkenne ich auch, dass es zwar nicht gut angefangen hat, aber seitdem meistens bergauf gegangen ist!

    Wenn du dich nicht traust, mit ihr zu sprechen, schreibt euch doch erstmal hin und her, sie hat dich doch geaddet. Und wenn du so nach und nach etwas mehr darüber erfährst, was dich für sie so anziehend macht, gewinnst du an Sicherheit ;-)

    LG Nina
    When nothing goes right - go left

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Nina916 für den sinnvollen Beitrag:

    GrünerTee (27.01.2017)

  7. #5
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    Ich bin zwar schon etwas älter als Du und hatte in naturwissenschaftlichen Fächern niemals Probleme (dafür hat sich mir der Nutzen von Fremdsprachen und der Notwendigkeit von Vokabeln erst im Studium eingeprägt).
    Ansonsten kann ich aber sehr gut nachfühlen, weil ich ganz ähnliche Erfahrungen gemacht habe.

    In der Grundschule der fröhliche, unbeschwerte Klassenclown. In der Mittelstufe dann wegen Pubertät und familiärer Probleme versetzungsgefährdet.
    Weil ich nie zu Partys eingeladen wurde und keinen Alkohol konsumierte (heute weiss ich, dass das in der Situation besser war) folgte unweigerlich die Ausgrenzung.
    Merkwürdigerweise bekam ich dann als weitgehend Ausgegrenzter ein Streberimage verpasst, weil meine Noten wieder besser wurden ohne, dass ich etwas dafür getan hätte.
    Ich hatte immer meine engen Freunde aber zugehörig zur Klassengemeinschaft fühlte ich mich nie.

    Wegen familiären Probleme und der extrem schwierigen finanzielle Situation meiner nun alleinerziehenden Mutter, wurde ich zum introvertierten Charakter, der eigentlich nicht zu mir passt. Kurz vorm Abi lernte ich dann ein Mädchen kennen und war mir nach 14 Tagen sicher, dass ich sie heiraten würde, wenn es nach mir ginge.

    Ich sage Dir ganz ehrlich, dass ich noch heute daran zu knabbern habe wie damals eins zum anderen gekommen ist. In erfolgreichen Lebensphasen ist das natürlich weniger im Vordergrund als in Unerfolgreichen. Beides gehört zum Leben dazu. Es gibt immer Dinge im Leben, die man nicht missen möchte und die man für nichts in der Welt hergeben würde.

    Auch scheinbar glückliche Menschen sind nicht immer glücklich. Manche haben auch einfach keine Zeit zum nachdenken oder nehmen sich instinktiv so viel vor, dass sie möglichst nicht reflektieren müssen. Irgendwann kommt dann der große Knall - oder auch nicht.

    Was ich sagen will. So wie Dir geht es vielen. Angst ist ein ständiger Begleiter und die Angst kommt immer dann wenn es einem gerade nicht gut geht. Angst vor der Angst zu haben ist da kein guter Ausgangspunkt.

    Deinem Text entnehme ich, dass Du zumindest einen Bruder oder eine Schwester hast. Wenn ich Dir einen Rat geben darf, würde ich sagen, dass Du das Verhältnis zu den Geschwistern pflegen solltest. Gemeinsam erlebtes schweisst sehr eng zusammen und die Nähe hilft bei der Vergangenheitsbewältigung.

  8. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei torsten79 für den sinnvollen Beitrag:

    GrünerTee (27.01.2017),magellan (04.05.2016)

  9. #6
    Neuling
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    Ich weiß nicht so recht ob das überhaupt erwünscht ist, aber neulich habe ich an diesen Post von mir zurückgedacht und kam zu dem Entschluss, dass ich nach dem vergangenen halben Jahr eine Rückmeldung zu dem hier von mir Präsentieren machen möchte. Ich hoffe damit zu Erreichen, dass es Menschen die sich gerade vielleicht in einer ähnlichen Lage befinden, in irgendeiner Art und Weise hilft - mir hat es jedenfalls immer geholfen, zu sehen, dass meine Sorgen nichts einzigartiges sind.

    Zu der Zeit als ich das oben Verfasste geschrieben habe, ging es mir - wie erwähnt - nicht besonders gut und ich fühlte mich in einer ausweglosen Situation. Ich möchte diesen viel zu inflationär gebrauchten Begriff nicht überspannen, aber ich würde Lügen, würde ich sagen, ich hätte nicht über meinen Suizid nachgedacht. Und gerade an diesem Punkt hat es mir, ich glaube insbesondere latent, unglaublich geholfen relativ offen in diesem Forum darüber zu berichten - ohne den Anspruch, dass mir jemand tatsächlich helfen kann, vielmehr mit dem schlichten Hintergrund, sich einfach mal frei zu schreiben. Das mag etwas für sich sehr kleines sein, aber ich kann es nur weiterempfehlen.
    Ich habe bemerkt, dass viel wahres indem steckt, was ihr (also die, die hierauf geantwortet haben) mir geraten habt; Besonders dieser Absatz ist sehr passend: "Ich denke schon das du da raus kommst. Du wirst den "Makel" halt nur nie los. Du hast nunmal keine andere Vergangenheit."
    Ich denke allen Menschen geht es so, aber ich musste das erst einsehen. Das habe ich mittlerweile getan.

    Auch was torsten79 geschrieben hat: "Deinem Text entnehme ich, dass Du zumindest einen Bruder oder eine Schwester hast. Wenn ich Dir einen Rat geben darf, würde ich sagen, dass Du das Verhältnis zu den Geschwistern pflegen solltest. Gemeinsam erlebtes schweisst sehr eng zusammen und die Nähe hilft bei der Vergangenheitsbewältigung." ist im Grund genau das, was mir mein Patenonkel mal geraten hat. Ja, ich habe zwei kleinere Brüder und eine kleine Schwester. Das ist ein ganz eigenes Kapitel, aber ich stimme dir hier auf jeden Fall zu und werde es mir so gut wie es eben möglich ist, zu Herzen nehmen.

    Um zum eigentlichen Punkt zu kommen: Es ist zwar mitten in der Nacht, aber gerade dann werde ich eher nachdenklich und vermutlich hat das dazu beigetragen, dass ich ausgerechnet um diese Uhrzeit hier eine Rückmeldung verfasse.
    Wie dem auch sei, muss ich sagen, dass aus meiner ursprünglich (zmd. emotionalen) beschissenen Lage eine sehr gute geworden ist. Seitdem meiner Mutter ausgezogen ist, hat sich mein Verhältnis zu meinem Vater sehr gebessert. Gerade auch, weil er jemanden braucht mit dem er die Scheidung verkraften kann, sind ernsthafte Gespräche zwischen uns viel häufiger der Fall. Erst sind das wohl eher unbeholfene Versuche, aber es wird. Die Beziehung zu meiner Mutter hat sich nicht sonderlich geändert, was ich aber überhaupt nicht bedauere. Man kann ja schlecht vermissen, was man nie hatte - klingt polemisch, hat aber seine Richtigkeit.
    Mein Abi habe ich auch geschafft und obwohl es in der Vorbereitung ziemlich hakte - gerade im naturwissenschaftlichen Bereich - konnte ich es mit einem 2,2 Schnitt abschließen - womit ich vollkommen zufrieden bin. Heute bin ich Student.
    Zu guter Letzt hat es sogar in der Liebe geklappt, womit ich ehrlich gesagt nie wirklich gerechnet habe. Aber heute bin ich mit dem Mädchen, welches ich "damals" "das schönste der gesamten Stufe" genannt habe, zusammen und das seit bald fast acht Monaten.

    Wie gesagt: Ich weiß nicht, ob diese Rückmeldung für irgendjemanden eine Bedeutung hat, aber ich fand mich vor einem halben Jahr oftmals in der Situation, genau solche "Geschichten" zu finden. Mit Menschen, die mir das Gefühl gaben nicht allein zu sein. Und in diesem Fall hat das Ganze sogar so eine Art "Happy End". Ich weiß, dass es auch wieder ****** Zeiten geben wird in meinem Leben, aber ich denke ich bin diesmal vorbereitet und werde auch diese überstehen - und ich weiß, dass dies etwas ist, was vielen Menschen vergönnt sein kann.
    Ich danke allen Usern für ihr Feedback zu meinem Beitrag!

  10. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei GrünerTee für den sinnvollen Beitrag:

    immerspätwach (13.02.2017),magellan (28.01.2017),Pullus (27.01.2017)

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