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Thema: Die narzisstische Persönlichkeit

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    Verleger Avatar von martinspin
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    Standard Die narzisstische Persönlichkeit

    Hallo zusammen

    Ich hab mich seit einigen Wochen intensiv mit dieser Spezies Mensch beschäftigt und mir gedacht, ich stelle meine gesammelten Erkenntnisse in einen gesonderten Thread. Zum einen sind narzisstische Persönlichkeiten nicht immer einfach auszumachen und zum andern gibt es wenig verbindliche Ansätze was Ursache und Therapie dieser Störung betrifft. Meine Gedanken gründen imho auf eigenen Erfahrungen mit narzisstischen Menschen und dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und Objektivität

    NARZISSTISCHES VERHALTEN IM ALLTAG
    • Narzissten suchen das Aussergewöhnliche, weil sie sich selbst für aussergewöhnlich halten.
    • Narzissten brauchen übermässige Anerkennung und Aufmerksamkeit, damit sie sich gut fühlen.
    • Narzissten verströmen ein „unwirkliches“ Gefühl der Überlegenheit, d.h. sie empfinden sich in manchen Lebensbereichen als überlegen ohne entsprechende Kompetenzen zu erbringen.
    • Narzissten tendieren zu Aktionismus und sind ständig beschäftigt, als ob Entspannung verdrängte Inhalte mobilisieren würde.
    • Narzissten kennen emotional wenig Zwischentöne und das Verhalten läuft oft auf „Entweder-oder“ hinaus. Das macht sich auf der Nähe-Distanz-Achse bemerkbar, wo entweder nur Nähe oder nur Distanz gelebt werden kann.
    • Narzissten sind charismatisch und geben sich grosse Mühe, Mitmenschen zu beeindrucken oder zu erobern. Sie haben ausgeprägte Instinkte für die Schwächen der Mitmenschen und wissen genau, was der andere mag oder nicht mag.
    • Narzissten geben sich sehr einfühlsam, wenn es ihren Zielen dient, was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass sie keine echte Empathie empfinden können.
    • Narzissten manipulieren ihre Mitmenschen für ihre eigenen indem sie es so aussehen lassen, als ob es um gemeinsame Ziele ginge. Dabei taucht das Wort „wir“ überraschend oft auf. Sie meinen, letztlich besser zu wissen, was andere Menschen brauchen.
    • Narzissten sind begabt, Niederlagen in Erfolge umzudeuten. Mangelnde Anerkennung und Aufmerksamkeit wird beim andern als geistige Unterlegenheit angesehen oder sie bilden sich ein, dass die anderen neidisch auf sie sind.
    • Ist zwischenmenschliche Nähe hergestellt, beginnt der Narzisst das typische Nörgeln, die unaufhaltsame Kritik und die ganzen Abwertungen, was letztlich ein Element der Manipulation ist.
    • Kritische Mitmenschen werden schnell zu Konkurrenten und zur Bedrohung der Narzissten, was soweit möglich „gerächt“ werden muss.
    • Im Alltag werden gewisse Mitmenschen von den Narzissten permanent „runter“ gemacht, um sich damit selbst zu erhöhen.
    • Liebes- und Aufmerksamkeitsentzug gehört zu den ausgewiesen Waffen von Narzissten. Sie können sich sehr stark beleidigt und verletzt verhalten, wenn sich ein Mensch nicht manipulieren lässt oder ihr nicht unterordnet.
    • Autonomiebestrebungen von (abhängigen) Menschen werden unterbunden, bestraft und mit Schuldgefühlen belastet oder nur soweit zugelassen, dass sie narzisstisch verwertbar sind.
    • Ärger, Wut und allgemein abgrenzende Emotionen der näheren Umgebung werden massiv bekämpft, was in unerbittlichen Machtkämpfen ausarten kann.
    • Abweichen von eigenen Erwartungen wird als als aggressives, verletzendes und verräterisches Verhalten der Umwelt bewertet.

    URSACHE DER NARZISSTISCHEN STÖRUNG

    AUSGANGSITUATION
    Ausgangspunkt ist eine familiäre Situation mit einem impulsiven Erzieher (Täter) und einem depen-denten Elternteil (Opfer). Der Täter teilt ohne mit der Wimper zu zucken aus und das Opfer steckt ohne Gegenwehr ein. Das Opfer missbraucht das Kind, um innere Leere auszufüllen und dem Leben einen Sinn zu verleihen. Der Täter verhält sich dem Kind gegenüber zynisch und sadistisch.
    DAS KIND
    Durch das ambivalente Verhalten der Eltern findet während den ersten Lebensjahren kaum eine ge-sunde Subjekt-Objekt-Differenzierung statt, was fatale Folgen für die Entwicklung des robusten und impulsiven Kindes hat. Es ist dem widersprüchlichen Verhalten der Erziehenden völlig ausgeliefert: Einmal wird es von der besitzergreifenden „Liebe“ des Opfers vereinnahmt und ein anderes Mal vom Täter „gequält“. Das Verhalten der Eltern erscheint dem Kind unheimlich und so beginnt es schon sehr früh, impulshafte Gefühle von Zuneigung und Hass abzuspalten. Ungelebte Zuneigung (Liebe, Nähe, Zärtlichkeit) verwandelt sich in überwertige Selbstliebe und ungelebte Aggression (Hass, Wut, Zorn) in Minderwertigkeitsgefühle.
    Dem aggressiven und traumatisierenden Verhalten des Täters gegenüber fühlt sich das Kind ohnmäch-tig ausgeliefert. Das Bewusstsein des Kindes lehnt das sadistische Verhalten ab und es solidarisiert sich mit dem Opfer. Die Zuneigung zum Täter wird nach Innen verlegt, wo die Person in idealisierter Form (Stärke, Macht, Kontrolle) einverleibt wird und zum Täterintrojekt mutiert.
    Bewusst empfindet das Kind Mitleid für die gequälte Seele des Opfers. Trotzdem löst das dependente und klammerndeVerhalten unbewusst eine starke Ablehung aus. Das Kind kann nicht begreifen, wa-rum sich das Opfer nicht wehrt und es gegenüber dem übergriffigen Verhalten des Täters schützt. Die unterdrückte Aggression des Kindes verwandelt sich allmählich in ein schwächelndes Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitskomplexe.
    DER ERWACHSENE
    Die unberechenbare Umgebung seiner Kindheit hat zur Ausbildung einer ausgeprägten Intuition ge-führt, was das Faible für alles Innovative erklärt. Das Denken ist auf die Zukunft ausgerichtet und das entwickeln von Strategien liegt in der Natur des Erfahrungshintergrunds. Das Handeln ist geprägt von lustvollem Experimentieren und das Lösen von Problemen wird mittels Versuch und Irrtum angegan-gen. Natürlich werden dabei auch Fehlschläge in Kauf genommen. Die narzisstische Persönlichkeit sieht das alles nicht so eng und geht insgesamt spielerisch mit der Wirklichkeit um. Der starke Antrieb und der grosse Hunger nach Anerkennung führt mit der Zeit zu einem Raubbau des Körpers, was zu Muskelverhärtungen und Erschöpfungszuständen führt.
    In einer Umgebung, wo sich die NP sicher fühlt, werden Bedürfnissen nach Macht, Stärke, Kontrolle und Beachtung ungebremst ausgelebt. Es braucht andererseits nicht sehr viel, um das labile seelische Gleichtgewicht auszuhebeln, denn auf Grund des verborgenen Minderwertigkeitskomplexes ist die NP äussert anfällig gegenüber Kritik, unbequemen Fragen und allgemein den Tatsachen des Lebens. Solan-ge die NP genügend Aufmerksam, Bestätigung und Annerkennung erhält, geht es ihr gut. Sobald das al-les ausbleibt, zieht sie sich zurück und gibt der Umgebung unmissverständlich zu erkennen, dass das scheinbar ignorierende Verhalten nicht geduldet wird. Sie will Aufmerksamkeit und Kontrolle um jeden Preis.
    In einer männlich geprägten Berufswelt verfügt die NP über genügend Aggressivität, um ihre Bedürf-nisse durchzusetzen. Da sie extraviertiert, kreativ und leistungsbereit ist, erklimmt sie die Karrierelei-ter erfolgreicher als andere. Überall wo Kreativität und Innovation angesagt sind, fühlt sich die NP an-gesprochen und leistet Überdurschnittliches. Wird im Job die Grenze des Machbaren erreicht, fühlt sie sich schnell einmal unterfordert und tendiert zu neuen Herausforderungen.
    Im zwischenmenschlichen Bereich erweist sich die Intuition als grosser Nachteil, was zu katastrophalen Fehleinschätungen in intimen Beziehungen führt. Wegen fehlender Empathie ist die NP darauf ange-wiesen, alle Arten von Schaltern beim Gegenüber zu drücken, um herauszufinden, wo deren Schwächen sind und welche narzisstischen Bedürfnisse mit diesem Mensch abgedeckt werden können. Die NP kann nur in einem äusserst bescheiden Umfang lieben und braucht letztlich einen riesigen Spielraum, wo bei ganz unterschiedlichen Menschen narzisstische Bedürfnisse partiell befriedigt werden.

    THERAPIE DER NARZISSTISCHEN STÖRUNG
    Grundsätzlich ist die narzisstische Störung schwierig zu therapieren, weil die Betroffenen über eine grosse seelische Widerstandskraft (Resillienz) verfügen und ihre Verletztlichkeit (Vulnerabilität) kaum zulassen. Weil die narzisstische Persönlichkeit wichtige zwischenmenschliche Emotionen schon in frü-hester Kindheit abgespalten hat und ihre Existenz grundsätzlich vom Verstand beherrscht wird, sind reine Verhaltens- und kognitive Therapie wirkungslose Instrumente. Es gilt viel mehr, tiefenpsycholo-gisch die unterdrückte Aggression gegenüber dem Opfer aufzuarbeiten und das erlittene Trauma durch die Tätererfahrung zu verarbeiten.
    Plötzlich aufkommende Aggressionen in beengenden Situationen, die eigentlich dem ursprünglichen El-ternteil (Opfer) gelten, äussern sich im Alltag immer wieder und werden so komplett falsch platziert. Die analytische Arbeit führt behutsam in die Kindheit und deckt die Herkunft der Aggression auf, die beim symbiotischen Verhalten des dependenten Erziehers liegt. Das Zulassen von Hass, Wut und Zorn führt zu einer ersten grossen Subjekt-Objekt-Differenzierung und zu einer allmählichen Festigung des eigenen Selbst. In dieser Phase der Therapie wird gelernt, sich selbst eigene Bedürfnisse zu erfüllen und dadurch Grenzen zwischen sich und der Umwelt ziehen zu lernen.
    Das Täterintrojekt fristet dissoziiert eine unbewusstes Existenz und gilt ins Bewusstsein geholt zu wer-den. Die Traumtherapie bietet für den Umgangen mit Dissoziationen und Täterintrojekten die notwen-digen Tools und glieder sich in drei Phasen: Stabilisierung, Traumabearbeitung und Integration. Ent-scheidend ist die Rolle des Therapeuten, weil sie möglicherweise die ersten Person im Leben der nar-zisstischen Persönlichkeit ist, die weder ein invasives noch klammerndes Verhalten zeigt und in einem geschützten Rahmen „bedingungslose“ Liebe vermittelt. Aus diesem Grund ist ein gleichgeschlechtli-cher Therapeut zu bevorzugen, weil sich starke Übertragungen entwickeln können und die Gefahr der Gegenübertragung sehr hoch ist. Ziel der Traumatherapie ist es, die ursprünglich verhinderte Libido zu aktivieren und Schritt für Schritt ins Leben zu integrieren.
    Liebe Grüsse,Martin

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  3. #2
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    Standard Nachtrag zum Thema

    Zusammenhang zwischen narzisstischer und dependenter Störung

    Momentan mache ich mir Gedanken zum Zusammenhang zwischen der narzisstischen und dependenten Persönlichkeit. Die beiden Typen passen u.a. darum sehr gut, weil beide Persönlichkeiten eine ganz ähnliche Geschichte hinter sich haben. Beide sind durch das übergriffige Verhalten eines dominanten Elternteils „traumatisiert“ und beide machten erniedrigende Erfahrungen mit einem passiven Elternteil, dem Opfer der häuslichen Situation.

    In einer solch ambivalenten und unsicheren Situation musste das Kind um zu überleben, sich emotional auf die eine oder andere Seite schlagen. Das von der Anlage her robuste und extravertierte Kind hat sich mehr mit dem "Täter" identifiziert und das von der Anlage her sensible und introvertierte Kind mehr mit dem "Opfer". Bei der narzisstischen Störung gehe ich von einer Identifikation mit dem dem "Täter" aus und bei der dependenten Störung von einer Identifikation mit dem "Opfer".

    Um dem missbräuchliche Verhalten des Täters standhalten zu können, bildete sich bei der narzisstischen Persönlichkeit ein sogenanntes Täterintrojekt aus. Das sind verinnerlichte „positive“ Aspekte, die im Täter gesehen werden: Überlegenheit, Macht, Grandiosität und Ansehen. Entstandene Verletzungen wurden dabei ausgehalten und abgespalten. Umgekehrt hat das sensible und introvertierte Kind die positiven Eigenschaften des passiven Elternteils als Opferintrojekt verinnerlicht: Aufmerksamkeit und Zuwendung durch Anpassung, Abgeben von Verantwortung oder Selbstaufgabe. Auch dieser Schmerz, unter der Vernachlässigung entstanden, wurde ausgehalten und abgespalten.
    Durch die frühe Identifikation mit dem Täter fand bei der narzisstischen Persönlichkeit nie eine gesunde Subjekt-Objekt-Differenzierung statt und der verhängnisvolle Kreislauf, dass aus Opfern wieder Täter werden, setzt sich über Generationen fort. Die Identifikation mit dem Opfer führt zu einem ähnlichen Mechanismus, denn das Kind lernt schnell, dass es letztlich ganz auf sich alleine gestellt ist, was zu einer zu massiven Subjekt-Objekt-Differenzierung führt.

    Die narzisstische Persönlichkeit geht von einer symbiotischen Form des Zusammenlebens aus, weil sie nichts anderes kennt und die dependente Persönlichkeit geht von einem getrennten Zustand zwischen sich und der Welt aus, was auch schon immer so empfunden wurde. Die Sehnsüchte der narzisstischen Persönlichkeit betreffen daher die Individuation und die Sehnsüchte der dependenten Persönlichkeit die Verschmelzung. Ohne bewusste Verarbeitung der Täter- bzw. Opferintrojekte bleiben beiden Typen in ihren Mustern gefangen und der Weltenschmerz bleibt der Selbe, denn beide Leiden unter einer fehlenden Objekt-Subjekt-Balance.

    Ein weiterer prägender Punkt ist das Verhältnis zum Elternteil, mit dem sich das Kind nicht identifizieren konnte, was wohl schwerer wiegt, da dadurch tiefe Minderwertigkeitgefühle entstanden sind. Die Ablehung des dependenten Elternteils fühte dazu, dass die narzisstische Persönlichkeit dessen positiven Eigenschaften nie verinnerlichen konnte und dieser Elternteil irgendwann nur noch als als peinlich und schwach empfunden wurde. Hingabe, Offenheit und Bescheidenheit können in Beziehungen nicht gelebt werden, was zu diesem riesigen Defitzit in Beziehungen führt. Genau umgekehrt sieht es bei der dependenten Persönlichkeit aus, denn sie lehnt das Verhalten des Täters ab und empfindet ihn irgendwann als einen bemitleidenswerten und peinlichen Menschen. Weil die dependente Persönlich letztlich Macht, Durchsetzungvermögen und Verantwortung ablehnt, entstehen diese grossen Defizite nach Aussen, wo es nicht gelingen will, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche in der Aussenwelt adäquat durchzusetzen.

    Abschliessend gibt es für beiden Typen zwei grosse Baustellen. Die narzisstische Persönlichkeit muss sich irgendwann mit dem Trauma des Täterintrojekts auseinandersetzen, die Verletzungen aufarbeiten und die Aggression an die richtigen Adresse richte lernen. Die positiven Eigenschaften des „Opfers“ müssen irgendwann verinnerlicht werden, weil das für die Balance in Beziehungen wichtig ist. Die dependente Persönlichkeit muss sich irgendwann mit dem Opferintrojekt auseinandersetzen, die Verletzungen aufarbeiten und das verantwortungslose Verhalten ablehnen lernen. Die positiven Eigenschaften des „Täters“ müssen früher oder später anerkannt werden, was zu einer Gesundung in der Beziehung mit der Umwelt führt.

    Die Welt ist nicht schwarz und auch nicht weiß, sie ist manchmal grau, aber in Wirklichkeit ist sie bunt!
    (Jens Böhme)
    Geändert von martinspin (10.04.2013 um 01:56 Uhr)
    Liebe Grüsse,Martin

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  5. #3
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    Standard Die dependente Persönlichkeit als Ergänzung zur narzisstischen Persönlichkeit

    Verhalten der dependenten Persönlichkeit

    Folgende Verhaltensmuster sind bei der dependenten Persönlichkeit möglich:
    • ist bescheiden, freundlich und stellt kaum Ansprüche an die Umwelt.
    • ist eher unscheinbar, passt sich stark an und ist wenig kritisch.
    • hält sich selbst für „unterdurchschnittlich“ und äussert sich in diese Richtung.
    • fühlt sich ohne ersichtlichen Grund der Umwelt gegenüber unterlegen.
    • verhält sich im Alltag eher passiv und weist eine geringe Körperspannung auf.
    • ist eine schlechte Schauspielerin und für ihre Umgebung leicht zu durchschauen.
    • ist emotional labil und erlebt eine grosse Palette an ambivalenten Gefühlen.
    • gewisse Menschen im Umfeld werden idealisiert und es werden mitunter starke Gefühle für diese entwickelt.
    • lässt sich manipulieren und benutzen, ohne die Absichten dahinter zu erkennen.
    • sie möchte die Erwartungen ihrer Umwelt erfüllen.
    • eigene Defizite, Mängel oder Fehler werden stark überbewertet (Scham).
    • in intimen Beziehungen tut sie alles, um dem Partner fast jeden Wunsch zu erfüllen.
    • sie nimmt sich Kritik und Ablehnung stark zu Herzen, zieht sich zurück und leidet vor sich hin.
    • sie unterdrückt eine gesunde Aggressionen und gibt schnell klein bei.
    • sie gibt bei aufkommendem Druck nach und fügt sich bestehenden Machtverhältnissen.
    • sie hat Hemmungen, sich autonom zu verhalten und benötigt hierfür Zustimmung.
    • sie hat ein Gefühl der inneren Leere, die zwingend mit Zuneigung gefüllt werden muss.
    • sie tut alles, um die nötige Zuwendung zu erhalten, auch wenn das gegen die eigene Natur verstösst.
    • sie meidet Konflikte, weil das starke Trennungs- und Verlustängste auslösen würde.
    • in Krisenzeiten nimmt sie sich als ein unbedeutendes Nichts wahr.
    • das Verhaltens ist geprägt von einem geringen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.


    Ursachen und Therapie des dependenten Verhaltens

    Das eher sensible und introvertierte Kind wächst in einer sehr ambivalenten Umgebung auf. Ein Elternteil ist dominierend und der andere ordnet sich unter. Das Kleinkind identifiziert sich sehr früh mit dem Opfer und introjiziert dessen „positiven“Eigenschaften: Aufmerksamkeit und Zuwendung durch Anpassung, Abgeben von Verantwortung und Selbstaufgabe. Der Schmerz der Vernachlässigung und die Übergriffe durch den dominierenden Elternteil werden ausgehalten und abgespalten.

    Die Identifikation mit dem Opfer führt dazu, dass das Kind schnell begreift, dass es letztlich ganz auf sich allein gestellt ist, was zu einer zu massiven Subjekt-Objekt-Differenzierung führt. Aus dieser grossen Einsamkeit heraus, hegt das Kind sein restliches Leben lang tiefe Sehnsüchte nach Verschmelzung und Symbiose.

    Die dependente Persönlichkeit lehnt das Verhalten des dominierenden Elternteils ab und empfindet ihn irgendwann als bemitleidenswert und peinlich. Weil damit letztlich Macht, Durchsetzungvermögen und Eigenverantwortung ablehnt wird, entstehen diese grossen Defizite, wo es nicht gelingen will, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche in der Aussenwelt adäquat durchzusetzen.

    Die dependente Persönlichkeit muss sich irgendwann mit dem Opferintrojekt auseinandersetzen und lernen, die volle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Die Traumatisierung durch den dominierenden Elternteil gehört threapiert, was irgendwann dazu führt, dass die positiven Eigenschaften des dominanten Elternteils integriert werden können. Ziel des therapeutischen Prozesses ist eine gesunde Subjekt-Objekt-Balance, wo sowohl eigene als auch fremde Bedürfnisse im Alltag integriert werden können.
    Liebe Grüsse,Martin

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  7. #4
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    Hallo ihr Lieben

    Hab eine ziemlich lange Strecke hinter mir und hab momentan das Bedürfnis, das Thema aus einer Perspektive mit grossem Abstand nochmals aufzunehmen. Ich empfinde mich heute nicht mehr als Opfer von Narzissten, was natürlich selbst narzisstische Züge aufweist. Trotzdem war es im Nachhinein für mich wichtig, das Thema Narzissmus zu verbalisieren. Diese über 50 Jahre Zusammenleben mit Narzissten hat schon geprägt und ich bin froh, dass ich aus diesem Kreislauf aussteigen konnte. Ich hab mir nochmals Gedanken zum Thema gemacht und möchte euch diese nicht vorenthalten.

    Es gibt auf Grund von frühesten Prägungen in der Kindheit ein Glaubensmuster der NPS und das lautet grob gesagt: "Ich bin wertlos!". Natürlich kann ein kleines Kind mit einer solchen Tatsache nicht leben und es entwickelt entsprechende Abwehrmechanismen. Es ergreift instinktiv die Flucht, entweder nach vorne oder nach hinten. Die Flucht nach vorne bedeutet, dass es sich in eine irrationale Welt stürzt, wo es selbst das Grösste ist. Die Flucht nach hinten ist die völlige Anpassung in der angsterzeugenden Situation. In beiden Fällen entwickeln sich entsprechende Muster, die da lauten:

    • Ich muss mich bedingungslos unterordnen und erhalte dadurch meinen verlorenen Wert. Der Abwehrmechanismus heisst "Identifikation" und ist "weiblicher" Natur.
    • Ich sollte mich anstrengen und es allen Recht machen. Dadurch erhalte ich einen Sinn im Leben. Der Abwehrmechanismus heisst "Anpassung" und ist "weiblicher" Natur.
    • Ich kann allen beweisen, dass ich der Grösste bin. Dadurch verdränge ich meine gefühlte Wertlosigkeit. Der Abwehrmechanismus heisst "Verleugnung" und ist "männlicher" Natur.
    • Ich darf mir alles erlauben und niemand kann etwas dagegen tun. Dadurch kann ich das Gefühl der Wertlosigkeit auf die Seite schieben. Der Abwehrmechanismus heisst hier "Dissoziation" und ist männlicher Natur.


    Natürlich führen diese Muster nicht zu dauerhaftem Glück, weil damit nur Illusionen genährt werden und das Verhalten insgesamt eine Kompensation der ursprünglichen Verletzung darstellt. Es kommt immer wieder zu Krisen, wo das entsprechende Muster in die Leere läuft und der Betreffende wieder der Stimmung des ursprünglichen Glaubenssatzes "Ich bin wertlos" verfällt. Die frühkindlichen Strategien sind sehr mächtig und ruhen ausschliesslich im Unbewussten der Betreffenden. Wieder in der ursprünglichen Stimmung angelangt, beginnt der Kreislauf von vorne und unbewusst hofft der Betreffende, dass irgendwann der richtige Mensch, die richtige Gruppe kommt oder die Umgebung bzw. die Welt sich zu seinen Gunsten verändern wird. So passiert es, dass diese Menschen blind ihren Mustern folgen und sich letztlich in einer Art Hamsterrad bewegen, ohne dass eine wirkliche Befreiung geschieht. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und das ist auch gut so!

    Es gibt den Weg der Befreiung, der jedoch in die Hände von erfahrenen Therapeuten gehört. Die Angst vor dem Glaubenssatz muss überwunden werden und die ursprüngliche Verletzung "Ich bin wertlos" 100% angenommen werden. In diesem Moment erfährt der Betreffende eine ungeheure Entspannung und er kann sich mit der Zeit von den schädlichen Mustern lösen. Mit der neu gewonnenen Sicherheit gewinnt er plötzlich positive Kompetenzen und am Schluss erhält er eine neue Identität, worin der ursprüngliche Glaubenssatz umgekehrt ist in "Ich bin wertvoll". Mit der neuen Identität ist die Leidenszeit vorbei und es beginnt eine neuer Abschnitt seines Lebens.

    Das sind grob erklärt die Tatsachen und Lösungen rund um das Thema Narzissmus und ich bin mir sicher, dass das Leiden jedes Betroffenen irgendwann ein Ende hat und er voller stolz seine neue Identität leben wird, als engagierter Berufsmensch, als liebevoller Partner und als leidenschaftlicher Freizeitmensch.
    Liebe Grüsse,Martin

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  9. #5
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    Hi Martinspin!


    Danke für die ausführliche Information!

    Habe eine Frage dazu, kann es auch sein, dass ein Mensch sowohl narzisstische, als auch dependente Züge hat?
    Oder ist das dann wieder etwas Anderes?

    LG

  10. #6
    Bestseller Autor Avatar von stanzi
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    so oder so?


    aktiv-dependent

    Die stärker mit Anstrengungen verknüpfte Variante ist vor allem lebhaft, sozial angepasst und charmant. Neigungen zu dramatischer Gefühlsbetonung ist vorhanden.

    passiv-dependent

    Diese Variante zeichnet sich durch Unterwürfigkeit, Zärtlichkeitsbedürfnis und geringe Anpassung aus.

    Quelle:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abh%C3%...tsst%C3%B6rung

    Post nr.3 von martinspin...

    lg. Stanzi kannst du es konkretisieren?
    Geändert von stanzi (29.07.2013 um 18:37 Uhr)

    Früher begriff ich nicht, warum ich auf meine Frage keine Antwort bekam, heute begreife ich nicht, wie ich glauben konnte, fragen zu können. Aber ich glaubte ja gar nicht, ich fragte nur.

    Franz Kafka

  11. #7
    Verleger
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    Hi Bea

    Davon gehe ich aus, dass irgendwie immer alles vorhanden ist. Diese ganze Anmache von männlichen Narzissten bei den Damen hat diese Züge. Da wird die Herzdame bis in den Himmel hinauf gehievt, was schon deutlich unterordnende Züge trägt. Wenn die vermeintlich grosse Liebe nicht im gleichen Mass erwidert wird, ist dann schnell Schluss mit lustig und es brechen die männlichen Seiten durch. Das Hamsterrad dreht sich auf jeden Fall mächtig und das Gefühl pendelt zwischen abgrundtiefstem Hass und höchster Liebe. Heute sehe ich "Narzissten" eher als Gefangene ihrer Besessenheit, Manie oder wie man dem auch immer sagen will.
    Liebe Grüsse,Martin

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    stanzi (29.07.2013),Yver80 (15.05.2016)

  13. #8
    Barbara:-)
    Gast

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    Es reicht schon wenn man ihren Beduerfnissen nicht voll und ganz entsprechen will,ihnen nicht tausend mal am Tag sagt wie sehr msn ihn liebt und wie aussergewoehnlich er doch ist!

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