Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 10

Thema: Die Zwangsgedanken und Ängste sind zurück

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    13.03.2014
    Beiträge
    25
    Danke
    24
    7 mal in 4 Beiträgen bedankt

    Standard Die Zwangsgedanken und Ängste sind zurück

    Hallo (es folgt ein langer Text)
    Erstmal ein paar Hintergründe. Ich habe schon seit meiner Kindheit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, das ging über das ständige Berühren von bestimmten Körperregionen (Augenwinkel zum Beispiel) bis hin zu dem bekannten Nicht-auf-die-Fugen-Treten. Mit dem Älterwerden und dem Einsetzen der Pubertät hab ich die Zwänge immer wieder mit der Abwendung von Gefahren verknüpt. Zum Beispiel, dass ich durch bestimmte Handlungen verhindern kann, dass der Asteroid Apophis (den gibts wirklich) auf der Erde einschlagen wird. Größtenteils betrafen die Ängste aber meine Liebsten, vor allem meine Mutter. Man muss dazu sagen, dass wir als ich sechs war einen schweren Autounfall hatten, bei dem mein Vater starb. Für den Rest der Teenagerzeit lief es dann so ab, dass ich immer irgendwas machen musste, um ein potentielles Unheil zu verhindern. Bestimmte Schrauben am Schrank berühren, am Getränk riechen bevor ich es trink, meistens aber waren es Dinge, die ich mir selbst verboten hab wie "Du darfst dieses Lied jetzt nicht hören, sonst passiert was" oder "Du darfst dieses Spiel jetzt nicht spielen", "Du darfst diese Sache deinen Freunden jetzt nicht erzählen". Es war auch eigentlich völlig egal, um was es genau ging, die Gemeinsamkeit war eigentlich nur, dass ich Lust darauf hatte und mir die Tätigkeit gefallen hätte, aber ich selbst hab es mir verboten.

    In Kombination kam noch, dass ich vor allem durch den Tod von meinem Vater recht gläubig geworden bin, vielleicht weil ich als Kind den Wunsch hatte, ihn irgendwann wieder zu sehen. Das Ergebnis war aber, dass sich mein Glaube dann irgendwann mit meinen Zwängen gemischt hat, sodass ich beispielsweise immer wenn ich eine Kirche oder ein Kreuz sah, kurz inne halten musste. Am schlimmsten waren meine täglichen Gebete, die eine dreiviertel Stunde dauern konnten. Mit der Zeit verschwand mein Glaube, weil ich viel nachgedacht hab und es nicht mehr mit meinem Weltbild vereinbaren konnte. Die Zwänge blieben aber. Sie hatten jetzt nicht mehr den religiösen Hintergrund, hatten aber doch noch dieses Übernatürliche an sich, "du darfst das nicht tun, sonst passiert was schlimmes".

    Mit ca. 18 bin ich mir dann langsam der ganzen Problematik bewusst geworden und ich hab mir therapeuthische Hilfe gesucht. Meine Therapeuthin und ich waren der Ansicht, dass es wohl wirklich mit dem Verlust von meinem Vater zusammenhängt und ich seitdem so eine Art kindliches Wunschdenken hab, dass eventuell auch mit meinem Glauben zusammenhängt. Nach einer bestimmten Anzahl an Sitzungen hab ich dann zugestimmt Tabletten zu nehmen (Antidepressiva) und es wurde danach allmählich besser. Die Zwänge tauchten zwar noch auf, aber ich konnte sie ignorieren, es machte mir nichts mehr aus. Mit der Zeit konnte ich dann auch die Tablettendosis reduzieren und während meines ersten Semesters an der Uni auch komplett absetzen. Danach verlief es auch von den Zwängen her recht gut.

    Letzten Sommer schließlich hab ich über eine Internetseite eine junge Frau kennen gelernt, mit der ich mich super verstanden hab. Wir haben viel geschrieben und vor allem in der Woche vor unserem ersten Treffen täglich telefoniert, teilweise mehrere Stunden lang, da wir immer mehr gemerkt haben, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Als wir dann unser erstes Date hatten, hat es auch gleich gefunkt und wir waren beide richtig ineinander verknallt. Es folgten weitere Treffen, sie hatte aber gleichzeitig auch Stress mit der Schule und konnte nur immer am Wochenende nach Hause und nach etwa einem Monat sagte sie mir, wir sollten Freunde bleiben, da sie Zeit für sich brauche und einfach keine Gefühle mehr für mich hat.
    Ich war die folgenden Wochen verständlicherweise erstmal fertig. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich mit Mädchen in dieser Hinsicht zu tun hatte, aber es war halt die erste richtige Freundin, was es vielleicht noch verschlimmert hat. Wir sind zwar tatsächlich noch Freunde und sie ist auch sehr verständnisvoll, aber es tut halt doch immer noch weh.

    Um jetzt den Zusammenhang zu den Zwängen bekommen. Seit kurzer Zeit hab ich wegen der Geschichte wieder größere Verlustängste und auch die Zwänge kommen wieder. Man muss dazu vielleicht noch sagen, dass meine Mutter und meine Großtante seitdem meine Schwester wegen ihrer Heirat ausgezogen ist, alleine zu Hause sind. Ich bin wie schon erwähnt studieren und komme nur am Wochenende heim. Und ich hab jetzt irgendwie Angst, noch einen Verlust erleiden zu müssen, dass irgendwas passiert, während ich nicht da bin. Ich ruf zwar auch mal unter der Woche daheim an und meine Schwester wohnt auch nicht allzu weit weg, doch die Angst ist halt da, dass mal keiner in der Nähe ist oder wieder ein Autounfall passiert. Gleichzeitig beschäftigt mich die Angst, dass ich, wenn meiner Mutter was passieren sollte und meine Großtante vielleicht auch irgendwann nicht mehr da ist, ich alleine in dem Haus bin. Ich hab zwar eine große Verwandtschaft und Freunde, die mir einer solchen Situation helfen würden, aber ich will mir das alles gar nicht ausmalen.

    Ich weiß natürlich, dass meine Zwänge nichts verhindern können (das ist ja das doofe daran, man weiß, dass sie irrational sind, aber man hat trotzdem Angst) und ich weiß auch, dass solche Sachen zum Leben dazugehören, ich will einfach nur, dass die übertriebene Angst und die Zwänge wieder verschwinden. Ich hab auch vor meine alte Therapeuthin wieder zu kontaktieren oder einen an meinem Studienstandort (obwohl ich mich bei ihm nicht so wohl gefühlt hab) und bin am überlegen wieder die Tabletten verschreiben zu lassen, denn sie haben ja geholfen und es hat auch nach dem Absetzen lange gehalten. Will einfach wieder klar denken können...
    Ich hoffe, es hat irgendjemand Rat für mich.

  2. #2
    Neuling Avatar von kolosus
    Registriert seit
    22.09.2014
    Ort
    bayern
    Beiträge
    92
    Danke
    5
    20 mal in 19 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo das ist gut das du dir wieder professionelle Hilfe suchst und wenn die Ads geholfen haben lass sie dir wieder verschreiben,damit du wieder Klar durchs Leben gehen kannst

    Wünsch dir viel Mut und Zuversicht
    Kolosus

    Die kunst zu Leben besteht vielleicht vor allem darin, seinen eigenen Weg zu gehen und sich dabei die Offenheit zu bewahren, immer wieder neue Wege zu entdecken

    Jochen Mariss

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei kolosus für den sinnvollen Beitrag:

    DerNickname (08.12.2014)

  4. #3
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    13.03.2014
    Beiträge
    25
    Danke
    24
    7 mal in 4 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich hab jetzt einen Termin bei meiner alten Therapeuthin und bei einem anderen in der Nähe meiner Uni, allerdings beide erst in ein paar Wochen. Hast du oder jemand anders Tipps, wie ich gut durch die paar Wochen komm? Sollte ich vielleicht doch wieder die Tabletten nehmen (ich hab noch eine Packung)?

    Ich hab ja nichts gegen die Sorgen an sich, sowas ist ja natürlich, aber das bei mir grad macht mich einfach fertig. Immer wieder muss ich denken "das war jetzt vielleicht das letzte Mal" Und dann auch öfters der Gedanke, dass wenn was passiert, meine Angst endlich weg ist, aber das seh ich gar nicht so, trotzdem kommt das oft und macht mir genauso Angst, dass ich sowas überhaupt in Erwägung zieh. Ich will ja nicht, dass was passiert.

  5. #4
    Neuling Avatar von kolosus
    Registriert seit
    22.09.2014
    Ort
    bayern
    Beiträge
    92
    Danke
    5
    20 mal in 19 Beiträgen bedankt

    Standard

    Du kansst ja beim Arzt anrufen und Kurz nachfragen ob die Tabletten genehmen werden dürfen auch wegen dem MHD.Nicht Tabletten einfach so nehmen ohne rat vom Arzt.Anrufen kostet nixx

    MFG Kolosus

  6. #5
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    13.03.2014
    Beiträge
    25
    Danke
    24
    7 mal in 4 Beiträgen bedankt

    Standard

    Okay,
    hätte aber noch ein Problem, ich hab gestern mal gegen einen Zwang angekämpft und mich nicht daran gehalten, allerdings hab ich jetzt ein total schlechtes Gewissen, dass dadurch wirklich was passieren könnte oder ich mir dann die Schuld dafür geb. Fühl mich einfach nur noch mies, da ich die Zwänge schonmal besiegt hab, sie aber jetzt mit voller Kraft wieder kommen.

  7. #6
    mops
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von DerNickname Beitrag anzeigen
    Hallo (es folgt ein langer Text)
    Erstmal ein paar Hintergründe. Ich habe schon seit meiner Kindheit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, das ging über das ständige Berühren von bestimmten Körperregionen (Augenwinkel zum Beispiel) bis hin zu dem bekannten Nicht-auf-die-Fugen-Treten. Mit dem Älterwerden und dem Einsetzen der Pubertät hab ich die Zwänge immer wieder mit der Abwendung von Gefahren verknüpt. Zum Beispiel, dass ich durch bestimmte Handlungen verhindern kann, dass der Asteroid Apophis (den gibts wirklich) auf der Erde einschlagen wird.


    Was ist wahr und was ist nicht wahr?

    Ich habe mal in Wikipedia nachgesehen. Inzwischen gibt es neue Berechnungen. Die alten Berechnungen sind ungenau. Es wird nicht dazu kommen.

    Die Zwänge kommen auch daher, dass vieles mit Bestimmtheit gesagt wird, was man gar nicht so mit Bestimmtheit gesagt werden kann.
    Ich kenne es seit meiner Kindheit. „Ich habe mich noch nie in meinem Leben aufgeregt!“ Es wird mit so einer Bestimmtheit gesagt, dass es viele für wahr halten. Ich habe wieder das Problem leicht zu Aufregung und Nervosität zu neigen. Mal mehr mal weniger. Also die Veränderung der Gefühle. Auch wann binn ich ruhig und gelassen. Der Gegensatz der Gefühle. Was beruhigt den Menschen und was regt den Menschen auf? Wie handelt der Mensch wenn er aufgeregt ist. Wie handelt der Mensch wenn er ruhig und gelassen ist. Menschen die mehr zu ruhe und gelassen sind, können sie gut auch andere Menschen beruhigen.
    Wie baue ich meine Aufregung ab, damit ich mich besser konzentrieren kann? Das Wahrnehmen der Veränderung der inneren Gefühle.

    Ich habe nie in meinem Leben eine feste Vorstellung von der Aufregung gehabt.
    Ich kann auch mehr verstehen, dass „glauben“ auch mit Vermutung zu tun hat. „Ich glaube der war es.“ Gerade in Wissenschaft und Forschung hat das Glauben, mit Vermutung zu tun. „Noch ist nichts raus!“ Für viele ist das Ergebnis schon Feststehend.

    „Du musst nicht alles glauben was man dir sagt!“ Auch hier hält der Mensch vieles für Wahr, was andere ihm sagen. Wie weit entstehen auch hierraus Zwänge?


    gruß mops

  8. #7
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    13.03.2014
    Beiträge
    25
    Danke
    24
    7 mal in 4 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von mops Beitrag anzeigen
    Was ist wahr und was ist nicht wahr?

    Ich habe mal in Wikipedia nachgesehen. Inzwischen gibt es neue Berechnungen. Die alten Berechnungen sind ungenau. Es wird nicht dazu kommen.
    Richtig, es wird in diesem Fall nicht dazu kommen, das war auch nur ein Beispiel als ich noch jünger war. Heutzutage dreht es sich größtenteils bei mir um meine Familie, dass es plötzlich wieder einen Verlust gibt oder niemand da ist und helfen kann, dass ich danach alleine in dem Haus bin.
    Ich hab schon versucht, einfach nicht auf die Zwänge zu hören, aber sie sind so stark zur Zeit, dass ich seit gestern ein total schlechtes Gewissen hab, dass ich damit irgendwas schlimmes auslösen werde. So sehr ich mich auch anstreng, da ist immer wieder die Stimme, die "was wenn doch?" fragt.

  9. #8
    Neuling Avatar von kolosus
    Registriert seit
    22.09.2014
    Ort
    bayern
    Beiträge
    92
    Danke
    5
    20 mal in 19 Beiträgen bedankt

    Standard

    Probiers doch mal mit Qi-Gong das bringt die inner Unruhe zur Ruhe.damit der Geist wieder gut arbeiten kann ( mir Hilft es).
    MFG Kolosus

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 18
    Letzter Beitrag: 09.07.2017, 13:56
  2. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 19.11.2013, 14:26
  3. Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 04.09.2013, 20:51
  4. bin auch neu, mein thema sind ängste vor der zukunft
    Von Vivelevent im Forum Neu bei Psychologieforum.de?
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 09.06.2013, 16:14

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •