Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Eifersucht, Verlustangst und geringes Selbstwertgefühl

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    25.11.2015
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Eifersucht, Verlustangst und geringes Selbstwertgefühl

    Hallo zusammen,

    ich entschuldige micht schon jetzt dafür, dass der Text so lang wird. Aber es ist notwendig, um die gesamte Situation zu verstehen, denke ich.

    Vor 1,5 Jahren bin ich mit meinem Freund zusammenbekommen. Wir haben uns über eine damalige gemeinsame Freundin kennengelernt und es hat von Anfang an zwischen uns gefunkt. Ich war dann auch sehr glücklich mit ihm, habe mir keinen Kopf gemacht und keine Verlustangst oder dergleichen gespürt. Wir haben offen über unsere Exen geredet und er sagte mir, dass er drei Frauen vor mir hatte. Mit einer davon hatte er eine längere Beziehung (9 Monate). Eine der beiden anderen war eben die Freundin, über die wir uns kennengelernt haben. Er war damals - vor etwas mehr als fünf Jahren - in sie verliebt und war einer von drei Kandidaten, die sie zur Auswahl hatte. Entsprechend hat sie sich ausprobiert und auch mit ihm geschlafen und weiter ausgenutzt. Gut, er hat sich ausnutzen lassen. Wenn sie mit den Fingern schnippte, kam er sofort gesprungen. Sie war sein erstes Mal und nach ihr hatte er eben die zwei anderen Frauen.
    Bis zu einem Abend hatte er mir nicht erzählt, dass er etwas mit der gemeinsamen Freundin hatte. Als er mit das aber erzählte, war das wie ein Schlag ins Gesicht. Ich habe einen richtigen Kloss in den Bauch bekommen. Richtig verarbeiten konnte ich das in dem Moment nicht, weil wir am Abend von Freunden von ihm - sie war mit dabei - verabredet waren. Seit diesem Abend konnte ich die beiden nicht zusammensehen und kriege immer ein ungutes Gefühl dabei. Ich habe mit ihm darüber gesprochen. Habe ihm von meinem Gefühl und meinen Ängsten erzählt. Er sagte, dass ich mir keine Sorgen machen brauche. Er liebt mich und das mit ihr ist Geschichte. Für den Moment hat es mich beruhigt, aber dennoch blieben Zweifel.

    Jetzt muss ich vielleicht noch erwähnen, dass sie eine Freundin aus der Schulzeit war. Nach dem Abitur hatte wir keinen Kontakt mehr und sie hat sich nach dem Studium/der Ausbildung gemeldet, um was zu unternehmen. Naja, es hat sich dann herausgestellt, dass sie mich nur ausnutzen wollte, um Geld bei einer Reise zu sparen. Klar war die Reise toll, aber wenn einem ständig Desinteresse symbolisiert wird, ist das doof. Auch nach der Reise kam nichts. Entsprechend sah und sehe ich die Freundschaft als beendet an.

    Jedenfalls waren wir mit ihr und ein paar anderen Freunden noch auf dem Weihnachtsmarkt, wo mein Freund sich ihr gegenüber neutral verhalten hat. Ein paar Tage später kam von ihr die Nachricht, wieso er sie nicht umarmt hat, ihr keine Beachtung geschenkt hat und er aktuell (damals) keine Zeit hätte. Es war halt eine Zeit, wo ich oft im Krankenhaus war und er sich um mich gekümmert hat. Das hat sie nicht verstanden und die Freundschaft war beendet.

    Ich weiß, dass da nichts mehr ist und auch nichts mehr kommt. Aber seit ich weiß, dass da was war, ist meine Eifersucht, meine Verlustangst entflammt und ich kann nichts dagegen machen. Seit dem geht es mir auch psychisch schlecht und habe "Anfälle". Ich fresse (emotional) alles in mich rein und implodiere dann. Ich weine und breche regelrecht zusammen unter diesem Druck, den ich mir teilweise auch selbst mache. Das ist auch der Grund, wieso ich eine Therapie angefangen habe. So möchte ich nicht sein. Die ersten Erkenntnisse sind, dass ich ein geringes Selbstwertgefühl habe und wahrscheinlich daher meine Eifersucht/Verlustangst kommt. Es ist auch wirklich so, dass ich keine hohe Meinung von mir habe. Immer, wenn mein Freund sagt, wie toll ich bin oder wie hübsch ich doch aussehe, kann ich es nicht glauben, weil ich mich selbst nicht als toll und hübsch empfinde.

    Ich habe ja schon gelernt, meine Meinung zu sagen und meine Emotionen auszusprechen, wenn mich etwas stört oder wenn ich gerade das Bedürfnis habe, zu kuscheln. Aber ich kriege meine Verlustangst einfach nicht in den Griff. Ich habe ja das Gefühl, dass es ein Stück mit meinem Vertrauen zu ihm zu tun hat. Auch wenn es seine Vergangenheit ist und er auch keinen Kontakt mehr hat, habe ich noch immer dieses komische Gefühl. Außerdem waren da noch ein paar Situationen, wo ich das Gefühl hatte, von ihm im Stich gelassen worden zu sein.
    Beispielsweise waren wir mit Freunden von ihm bei einer Abendveranstaltung. Ich habe mich da psychisch nicht wohl gefühlt und habe mich da selbst ins Aus geschossen und bin nicht auf die Leute zugegangen. Ich hätte aber zumindest erwartet, dass er an meiner Seite steht und nicht mit seiner anderen Ex spricht. Da kam ich mir so unwichtig im Vergleich zu ihr vor, zumal er selbst sagt, dass er sie nicht wirklich leider kann. Das sind so Momente, die für mich echt ein Schlag ins Gesicht sind und die meine Verlustangst auch noch fördern, denke ich.

    Ich habe so gar keine Ahnung, was ich machen soll. Vielleicht bin ich auch zu ungeduldig und sollte die Therapie abwarten, die ich schon ca. nen halben Jahr machen.

  2. #2
    Fön-x
    Gast

    Standard

    Hallo liebe Viking!

    Beziehungen entstehen, denke ich, häufig mittels "Bekannter". Ich kann da auch sagen, dass der "Bekanntschaftsbonus" durchaus - vielleicht unbewusst - irgendwie eine gewisse "Referenz" darstellt, wenngleich es noch gar nichts über die Person an sich aussagt. Die Freundin, um die es geht, scheint Deinen Worten begehrt zu sein, da wie Du formulierst, sie *Kandidaten* zur Auswahl hatte, was sich für mich so liest, dass er sich gefühlt oder wirklich in einer Art *Wettbewerbssituation* befunden habe. Da kann ich sehr gut verstehen, wenn sie aus dieser Position für sich Vorteile ziehen konnte und es dann auch in der Tat so umsetzte.

    Fast will mir scheinen, Du habest Dich angesichts dieser unverhofften Erzählung in diese Situation hinein versetzt, wie es denn nun wäre, - würde die gemeinsame Freundin irgendwann ihre Anziehungskraft wieder einsetzen, - wie sich Dein Freund dann wohl entscheiden würde. Das ist wahrlich ein belastender Gedanke.

    Es ist verständlich, dass Du in dem Moment nicht wusstest, wie damit umgehen, doch die längere Anwesenheit der Ex an diesem Abend hatte da doch wohl zusätzlich einen kleinen Faktor der Unsicherheit hinterlassen, der auch im Tross der Beteuerungen Deines Freundes unter der Oberfläche weiterhin eine (un)bestimmte Angst aufrecht erhält.



    Zitat: Jedenfalls waren wir mit ihr und ein paar anderen Freunden noch auf dem Weihnachtsmarkt, wo mein Freund sich ihr gegenüber neutral verhalten hat. Ein paar Tage später kam von ihr die Nachricht, wieso er sie nicht umarmt hat, ihr keine Beachtung geschenkt hat und er aktuell (damals) keine Zeit hätte. Es war halt eine Zeit, wo ich oft im Krankenhaus war und er sich um mich gekümmert hat. Das hat sie nicht verstanden und die Freundschaft war beendet.

    Diese Nachricht, die von ihr kam, war vermutlich an Deinen Freund adressiert und er hat sie Dir gezeigt, so verstehe ich diesen Abschnitt. Sie zeigt einmal deutlich, dass er sich sehr um Dich gekümmert hat und es wäre naheliegend, dass Dir dies ausreichend Genüge täte, dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Zum anderen steckt zwischen den Zeilen die Information, er verhalte sich während Deiner Abwesenheit aktiver und dennoch findet dabei weniger auf der informativen Ebene statt.

    In diesem Zusammenhang sprichst Du jetzt aber deutlich von Eifersucht und einer damit einher gehenden Verlustangst, mit der Du unzureichend umzugehen vermagst. Es könnte durchaus Ungeduld mit dazu führen oder auch unter der Schwelle der bewusst zu erkennenden Ursachen sitzen.

    Ich kenne Vergleiche sowohl in der positiven wie in der negativen Richtung und wenn sie so sind, wie Du beschreibst, dass im Ergebnis aus dieser Bilanz eben dieser Eindruck entsteht, im Vergleich schlecht abzuschneiden.

    Es könnte wohl möglich sein, dass Du Dich nach 6 Monaten noch nicht so ganz auf die Therapie eingelassen hast. Dein Text klingt für mich so, als würdest Du dahin gehen und ein wenig darauf warten, dass die oder der TherapeutIn *das schon macht*, was (wenn) dann aber auch nur ein "Teil" der Therapie ist. Anders formuliert meine ich, dass wichtig ist, dass Du einen "guten Draht" zur Therapie und Therapeutin bzw. dem Therapeuten findest/gefunden hast. Das ist eine wichtige Komponente und in der Hinsicht würde ich mich freuen, wenn Du etwas dazu schreiben magst.


    Ich habe ja schon gelernt, meine Meinung zu sagen und meine Emotionen auszusprechen, wenn mich etwas stört oder wenn ich gerade das Bedürfnis habe, zu kuscheln.
    Dieses "Lernen" findet auf geistiger Ebene statt und da verstehe ich Dich in etwa so, dass Du zum einen bereits neue Verhaltensweisen "lernst" (anzuwenden) und trotzdem noch einiges an Aufarbeitung vor Dir hast. Habe ich Dich da jetzt richtig gelesen?

    Ich habe so gar keine Ahnung, was ich machen soll. Vielleicht bin ich auch zu ungeduldig und sollte die Therapie abwarten, die ich schon ca. nen halben Jahr machen.
    Vielleicht magst Du den Inhalt dieses Zitates in einer Deiner Therapiestunden ansprechen. Da ist etwas, das zwischen den Zeilen auf Erwartungen hinweist, die noch unerfüllt geblieben sind und das wäre ein Thema, das ich z.B. (wäre ich an Deiner Stelle) in der Sitzung zur Diskussion stellen würde.

    Viele liebe Grüße und sehr viel Mut schicke ich Dir!

    Fön-x

  3. #3
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    25.11.2015
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Fön-x,

    vielen Dank für deine Worte. Gern möchte ich auf diese eingehen.

    Zitat Zitat von Fön-x Beitrag anzeigen
    Fast will mir scheinen, Du habest Dich angesichts dieser unverhofften Erzählung in diese Situation hinein versetzt, wie es denn nun wäre, - würde die gemeinsame Freundin irgendwann ihre Anziehungskraft wieder einsetzen, - wie sich Dein Freund dann wohl entscheiden würde. Das ist wahrlich ein belastender Gedanke.

    Diese Nachricht, die von ihr kam, war vermutlich an Deinen Freund adressiert und er hat sie Dir gezeigt, so verstehe ich diesen Abschnitt. Sie zeigt einmal deutlich, dass er sich sehr um Dich gekümmert hat und es wäre naheliegend, dass Dir dies ausreichend Genüge täte, dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Zum anderen steckt zwischen den Zeilen die Information, er verhalte sich während Deiner Abwesenheit aktiver und dennoch findet dabei weniger auf der informativen Ebene statt.

    In diesem Zusammenhang sprichst Du jetzt aber deutlich von Eifersucht und einer damit einher gehenden Verlustangst, mit der Du unzureichend umzugehen vermagst. Es könnte durchaus Ungeduld mit dazu führen oder auch unter der Schwelle der bewusst zu erkennenden Ursachen sitzen.

    Ich kenne Vergleiche sowohl in der positiven wie in der negativen Richtung und wenn sie so sind, wie Du beschreibst, dass im Ergebnis aus dieser Bilanz eben dieser Eindruck entsteht, im Vergleich schlecht abzuschneiden.
    In meinen Sitzungen habe ich schon am Anfang herausgefunden, dass ich ziemlich kaputtes Selbstwertgefühl habe und deswegen auch keine hohe Meinung von mir. Bspw. denke ich mir immer, wenn mir mein Freund sagt, dass ich toll bin: "Ja, klar. Such dir ne andere Dumme, der du das sagen kannst. Was ist denn an MIR toll? Nichts!" (überspitzt ausgedrückt) Deswegen fühle ich mich auch immer als "weniger wert", wenn ich mich mit seinen Exen oder generell mit anderen Frauen vergleichen, die ich persönlich als hübsch empfinde ... wenn also wirklich eine Konkurrenz da zu sein scheint.
    Entsprechend denke ich auch sehr schnell, dass, sobald jemand mir besser erscheint, er mich sofort für diese Person fallen lassen würde. Ich kenne es halt auch nicht anders, weil sich bisher noch nie jemand bewusst für mich entschieden hat und mich aktiv unterstützt hat. Zumindest fallen mir keine prägenden Erinnerungen ein. Da fällt es mir verdammt schwer, nicht schlecht von mir zu denken.
    Aber diesen Punkt habe ich in der Therapie auch "geknackt" und herausgefunden, woran es liegt, dass ich so schlecht von mir denke. Jetzt liegt die Arbeit nur bei mir. Und der Anfang ist, so mein Therapeut, Komplimente einfach mal anzunehmen und die negativen Gedanken bewusst beiseite zu schieben.

    Zitat Zitat von Fön-x Beitrag anzeigen
    Dieses "Lernen" findet auf geistiger Ebene statt und da verstehe ich Dich in etwa so, dass Du zum einen bereits neue Verhaltensweisen "lernst" (anzuwenden) und trotzdem noch einiges an Aufarbeitung vor Dir hast. Habe ich Dich da jetzt richtig gelesen?

    Vielleicht magst Du den Inhalt dieses Zitates in einer Deiner Therapiestunden ansprechen. Da ist etwas, das zwischen den Zeilen auf Erwartungen hinweist, die noch unerfüllt geblieben sind und das wäre ein Thema, das ich z.B. (wäre ich an Deiner Stelle) in der Sitzung zur Diskussion stellen würde.
    Ja, ich habe noch so einiges vor mir. Während der Therapie habe ich herausgefunden, dass halt meine Kindheit viel zu meinem nicht vorhandenen Selbstwertgefühl beigetragen hat. Das jetzt zu ändern, ist schwer, aber das ist es mir wert.
    Ich bin auch sehr froh darüber, dass mein Freund mich so sehr dabei unterstützt und mir auch zuhört und mich versteht, wenn ich mit ihm rede. Das ist für mich keine Selbstverständlichkeit.

Ähnliche Themen

  1. Geringes Selbstwertgefühl
    Von Macci im Forum Minderwertigkeitsgefühle
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 25.11.2012, 11:56
  2. Geringes Selbstwertgefühl und Verlustängste.
    Von selma k im Forum Ängste
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 14.09.2012, 12:09
  3. soziale phobie - zu geringes selbstwertgefühl
    Von anonymous_ im Forum Ängste
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 22.02.2012, 00:04
  4. Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl
    Von Wattebausch im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 21
    Letzter Beitrag: 15.09.2011, 21:50
  5. Verlustangst und Eifersucht
    Von Almlissel im Forum Ängste
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 21.03.2010, 09:47

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •