Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 12

Thema: Empathie. Zwei Seiten einer Medaille.

  1. #1
    Verleger Avatar von Malembe
    Registriert seit
    30.10.2017
    Beiträge
    2.303
    Danke
    1.401
    908 mal in 633 Beiträgen bedankt

    Standard Empathie. Zwei Seiten einer Medaille.

    Ich bin am Austausch zu den Themen Empathie und folglich Verantwortungsbewusstsein interessiert.
    Ich brauche weder Ratschläge noch irgendeine Hilfe, ich möchte gerne Eure Einstellungen und Meinungen erfahren. Warum?
    Nun, um ehrlich zu sein, merke ich ja schon seit meiner Jugend, also seitdem ich bewusst und analysierend denken kann, dass ich anders ticke als "normale" Menschen. Und merke, dass mir gewisse Sachen eben fehlen, da kaum Erfahrungen damit.

    Empathie generell war mir bis vor einer Zeit ein Fremdwort, bewusstes Verantwortungsbewusstsein ebenso. Intuitiv machte ich das Ein- oder Andere gescheit, aber das waren eher Zufälle, als ein bewusstes, zielorientiertes Handeln.

    Empathie, so meine Meinung aus Erfahrung, kann man schlecht ausüben, wenn man sich selbst gegenüber völlig unempathisch ist, besonders schwierig gestaltet es sich, wenn man es nicht beigebracht bekommt. Man überlebt, existiert irgendwie, aber die Persönlichkeit hatte früher kaum Raum und Zeit, um sich zu entfalten.

    Ich selbst wurde als braves Mädchen erzogen, das gehörig war und fleissig, lernte mich so zu benehmen, damit die Eltern zufrieden waren, habe nicht gelernt, auf mich selbst aufzupassen, weil man für mich vieles entschied, ich wuchs ferngesteuert auf.

    Heute will ich lernen, autonom zu leben.

    Seit Tagen geht mir das Wort Empathie nicht aus dem Kopf. Diese Fähigkeit, andere zu verstehen, sich auf die gegenüberliegende Seite zu stellen, etwas nachempfinden zu können.
    Ich habe gelernt, dass diese Fähigkeit anerzogen werden kann, aber nur teilweise, um ein Profit zu erzielen, empatische Kinder sind gehörig, sie können sich gut unterwerfen und sind lieb, aber ist das eine Empathie die auch allen zugute Kommt?

    Ich für mich finde die Empathie in Beziehungen unabdingbar, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht. Wenn sich zwei oder Mehrere gegenseitig Gutes tun.

    Was ist die Kehrseite der Medallie?

    Heute dachte ich daran, dass zu viel Empathie, zu viel Verantwortungübernahme auch ungesund sind. Dann kippt die Balance.
    Wenn man doch dauernd den anderen versteht, und versteht und versteht, für Sachen die gar nicht gehen, so läuft man Gefahr, dass der Gegenüber sich auf etwas ausruht... Vor allem, dachte ich mir heute, dass wenn man zu viel Verantwortung von anderen übernimmt, steuert man praktisch zu einem gewichtigen Teil das Leben von anderen, und sein Eigenes bleibt im Schatten.

    Oft ist echt recht schwer, die Balance zu finden.

    Sicherlich ist es notwendig, alles situativ zu sehen und maßgeschneidert zu entscheiden, aber ich habe Erfahrungen gemacht, dass es toll ist, gewisse Prinzipien zu besitzen, gewisse Richtlinien, die man gern als Wegweiser benutzt.

    Was denkt Ihr über Empathie?
    Geändert von Malembe (05.05.2020 um 19:50 Uhr)

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Malembe für den sinnvollen Beitrag:

    Helma (07.05.2020)

  3. #2
    Neuling
    Registriert seit
    17.07.2014
    Beiträge
    34
    Danke
    24
    11 mal in 8 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich hab auch schonmal eine total ueberzogene Empathie erlebt. Hatte den Eindruck diese Person will allen anderen klarmachen wie schlecht es doch um sie steht, und dann empatisch mit ihnen mitfuehlen. Diese Person hat eine seltsame Selbstbestaetigung erhalten fuer Leute Empathie zu empfinden. Da wurde mir dann Bewusst das Empathie nicht irgendeine ideale Faehigkeit ist die man moeglichst staerken sollte, sondern das es da auch ein gesundes Mittelmass gibt.

    Es ist auch interessant genetisch ueber Emphatie nachzudenken. Wenn man z.B. sein Leben opfert um 3 seiner Geschwister zu retten ist das Netto ein 'Gewinn', da macht Empathie dann also genetisch Sinn. Jedes der Geschwister teilt im Schnitt 50% der eigenen Gene, bei 3 Geschwistern ist dass dann eine Netto Plus. In der Urzeit als sich solche Dinge wie Empathie entwickelt haben hatte man mehr Verwandschaft innerhalb des Stammes, also hat man auch mehr Gene in die naechste Generation gebracht wenn man empathisch gehandelt hat.

    Empathie ermoeglicht es einem Dinge zu fuehlen die das eigene Leben nicht 'hergeben'. Z.B. kann ich die Biographie von Elon Musk lesen. Wenn ich empathisch veranlagt bin spuere ich ein bisschen wie es ist so grosse Visionen, wie etwa die Bevoelkerung des Mars, zu haben und auch gezielt an ihnen zu arbeiten, ohne es selber tun zu muessen

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei i_see_it_as_it_is für den sinnvollen Beitrag:

    Helma (07.05.2020)

  5. #3
    Verleger
    Registriert seit
    06.04.2015
    Beiträge
    4.600
    Danke
    100
    1.944 mal in 1.378 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Malembe Beitrag anzeigen
    Heute dachte ich daran, dass zu viel Empathie, zu viel Verantwortungübernahme auch ungesund sind. Dann kippt die Balance.
    Empathie heist für mich, mich in den anderen und seine Gefühle, einfühlen zu können. Für mich hat das rein gar nichts mit Verantwortungsübernahme für den anderen zu tun.

    Ich begebe mich gedanklich in seine Rolle und fühle die Gefühle nach erkenne zu Beispiel die Wut hinter der Handlung, als Motiv, oder die Trauer oder , oder.

    Was ich dann daraus ableite als Handlung steht wieder auf einem anderen Blatt hat mit der Empathie erstmal nichts zu tun. Ich denke wenn eigene Handlungen mit dem Begiff der Empathie begründet werden ist das nicht das was der Begriff aussagt. Oft genug wird er auch gebraucht um eigene Handlungen zu rechtfertigen.

  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Ricarda66 für den sinnvollen Beitrag:

    Beinwell (09.05.2020),Helma (07.05.2020)

  7. #4
    Neuling Avatar von Ausdruckslose
    Registriert seit
    28.04.2020
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    2 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo
    Schönes Thema.

    Für mich hat Empathie auch nichts mit anschließender Handlung oder Verantwortungsübernahme zu tun.
    Ich empfinde Empathie auch als imens wichtig in zwischenmenschlichen Beziehungen. Grundsätzlich bin ich ein Mensch der permanent danach strebt, Sachen zu begreifen, verstehen und verstanden zu werden.
    Ich finde es in dem Zuge immer wieder faszinierend, wie sehr Ratio und Emotionale Seiten hier zusammenarbeiten müssen.
    Bedeutet Empathie nicht eben auch oft Verständnis für jmd. zu haben, weil man sich eben in gewisse Situationen reinfühlen kann? Weil man versteht, wie sich das Gegenüber fühlt oder was ihn/sie dazu bewegt hat so und so zu handeln usw.
    Menchen bei denen die Ratio überwiegt oder die Emotionalität, da ist eben auch das mit der Empathie nicht in Balance.
    Ich erlebe das immer wieder, wenn 2 Menschen aufeinanderclashen wo der eine ins Extrem des "Rationalen Denkens" lebt und der andere ein durch und durch emotional impulsiver Mensch ist... da fehlt es beiden oft an Empathie für einander.
    Der eine kann nicht verstehen, warum der andere immer so auf 180 ist und alles aus einer Emotionalität heraus steuert und der andere kann nicht verstehen, warum das Gegenüber immer super stocksteiff alles nach Plan und in aller Seelenruhe lösungsorientiert hinnimmt und abarbeitet.
    Balance und Emapthie sind ein schönes und wichtiges Gespann.
    Aber das kriegt man eben von Kind an mit, oder muss es als Heranwachsender oft mühevoll lernen.
    Oder gibt es da genetische Vorgaben zur Empathiefähigkeit eines Menschen?

    Ich finde so Wörte wie "gehörig, lieb, unterwerfen" im Zusammenhang mit Kindern und Empathie irgendwie fehl am Platz.
    Empathie hat mMn nichts mit "auf eine Seite schlagen" oder dergleichen zu tun.
    Und da es ja doch auch so viel mit verstehen und Ratio zusammenhängt, glaube ich, dass gerade bei Kindern, die Empathie nicht das ist was dazu führt, dass sie lieb, gehorsam oder unterwürfig sind. Da sind andere Prozesse am Werk.. aber Empathie?
    Vielleicht kannst du nochmal aufschlüsseln wie du das meinst... das erschließt sich mir nicht.

    LG

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Ausdruckslose für den sinnvollen Beitrag:

    Helma (07.05.2020)

  9. #5
    Verleger Avatar von Mirjam
    Registriert seit
    22.06.2015
    Beiträge
    7.300
    Danke
    4.729
    3.773 mal in 2.551 Beiträgen bedankt

    Standard

    Meine Gedanken zu diesem Thema in Bezug auf mich selbst:

    Ich halte mich für überdurchschnittlich emphatisch (ich hoffe, das kommt nicht falsch rüber). Früher habe ich die Schattenseiten, dieser Fähigkeit - wenn man sie exzessiv auslebt - nicht gesehen.

    U. a. hatte dies bei mir unbewusst damit zu tun, dass ich gemocht werden wollte.....denke ich rückblickend. Bewusst als Mittel zum Zweck habe ich das meiner Meinung nach nicht eingesetzt.

    Mein Eindruck ist inzwischen (bildlich), dass Energie von einem selbst abfließt wenn man permanent auf “Empfang“ eingestellt ist.....“offen“ sozusagen.

    Mittlerweile bin ich quantitativ deutlich weniger im “Empfangsmodus“, sondern mache auch mal “die Schotten dicht“....was wiederum nicht heißt, dass ich beispielsweise einen guten Freund abweisen würde, wenn er jemanden zum Zuhören und Reden brauchen würde.
    Geändert von Mirjam (05.05.2020 um 21:28 Uhr)

  10. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Mirjam für den sinnvollen Beitrag:

    Fafnir (05.05.2020),Helma (07.05.2020),Malembe (06.05.2020)

  11. #6
    Roman Verfasser Avatar von Fafnir
    Registriert seit
    11.12.2017
    Beiträge
    1.109
    Danke
    1.646
    872 mal in 604 Beiträgen bedankt

    Standard

    Empathie ist für mich persönlich die Fähigkeit, erkennen und erfühlen/erahnen zu können, in welcher Situation sich jemand befindet oder was jemand anderes möchte (zum Beispiel dessen gesetztes Ziel, ohne dass es offen ausgesprochen wird) - entweder von mir oder auch generell vom Umfeld. Ich würde es also durchaus auch mit "Menschenkenntnis" bezeichnen.
    Geändert von Fafnir (05.05.2020 um 22:17 Uhr) Grund: Ergänzung
    Gib das, was Dir wichtig ist, nicht auf, nur weil es nicht einfach ist. - Albert Einstein

  12. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Fafnir für den sinnvollen Beitrag:

    Beinwell (09.05.2020),Helma (07.05.2020),Mirjam (05.05.2020)

  13. #7
    Verleger
    Themenstarter
    Avatar von Malembe
    Registriert seit
    30.10.2017
    Beiträge
    2.303
    Danke
    1.401
    908 mal in 633 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke Euch schon mal, genau das habe ich mir gewünscht, einfach Meinungen und Sichtweisen.

    Und ich merke für mich einen Unterschied, der in mienem Kopf innewohnt/wohnte.

    Empathie war für mich sehr eng mit der Verantwortung gekopelt, warum auch immer das so ist. Aber das sind zweit Paar Schuhe. Oder nicht?

    Beispiel: (ich wurde ja gebeten, etwas näher auf das mit den Kindern einzugehen), also ich kenne das aus der Kindheit:

    Wenn ich die Mama verärgerte, wurde sie stinkig, also sprich, ich habe was verbockt, ich spüre mit der Empathie (Oh weh, die Mama wütet rum, sie ist sauer, sagt zwar nicht warum, und beantwortet auch keine Fragen, blockt ab, sagt "es ist nichts !!!", aber ich spürte haargenau diese elendliche Hilflosigkeit, da ich ja wusste dass es schon wieder mal etwas nicht stimmt, aber sie redet nicht mit mir, lässt mcih spüren, lässt mich leiden), und folglich wusste ich - ich bin für die Gefühle der Mama verantwortlich, ich war schlecht und sie ist jetzt schlecht gelaunt, also muss ich zusehen, dass ich Verantwortung für uns beide übernehme, brav bin, mich entschuldigte, bis irgendwann mal meine Mum aufhört, mich zu ignorieren.

    So in etwa.

    Nur finde ich, dass solches Vorgehen, was meine Mum aussuchte, nicht das Gelbe vom Ei ist.

    Klar verbockt man etwas manchmal, aber ich für mich versuche es besser zu machen. Ich habe ein Kind, einen Sohnemann. Wenn er was verbockt, rede ich mit ihm offen und ehrlich, erkläre warum ich traurig bin, warum ich die oder die Konsequenzen ziehen muss, und vor allem was für mcih wichtig ist - ich zeige auch Lösungen, ne Richtung, bleibe nicht auf dem Schmerz und dem Grund des Vorfalls stehen. So das der Sohn klar die Lage sieht, und so auch lernt, andere zu verstehen, und sich selbst aber auch.

  14. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Malembe für den sinnvollen Beitrag:

    Fafnir (06.05.2020),Helma (07.05.2020)

  15. #8
    Verleger
    Themenstarter
    Avatar von Malembe
    Registriert seit
    30.10.2017
    Beiträge
    2.303
    Danke
    1.401
    908 mal in 633 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Mirjam Beitrag anzeigen

    U. a. hatte dies bei mir unbewusst damit zu tun, dass ich gemocht werden wollte.....denke ich rückblickend.

    Das denke ich sehr oft auch über mich.

    Gestern unterhielt ich mich mit jemandem über dieses Thema "Empathie" und wir tauschten uns aus. Dieser jemand schlug mir im Laufe des langes Gespräches ein sehr interessantes Gedankenexperiment vor.

    Er bat mich, mich als eine wahnsinnig empatische, hilfsbereite Person vorzustellen, die gerne für jemanden tatkräftig da ist und gemocht werden mag, also sprich, ein recht niedriges Selbstbewusstsein hat (also sprich, er beschrieb bewusst oder unbewusst zum großen Teil mich vor einer nicht all zu langen Zeit).
    Und ich sollte mir vorstellen, dass ich gebeten werde, für diesen jemanden zwei Tage lang umsonst zu arbeiten, er hätte ja schliesslich Schwierigkeiten in der Firma und kann mich nicht bezahlen. Und er wäre mir unglaublich verbunden und wahnsinnig dankbar.
    Die Frage war - was würde mich denn bewegen, es wirklich zu tun, also zwei Tage umsonst zu arbeiten?

    Ich dachte nach und sagte: Na ja, ich würde mich dann womöglich sehr gut fühlen, da ich einem Freund geholfen habe, etwas Selbstlosigkeit würde mein früheres ich wie Schmuck tragen und ich wäre stolz auf mich, dass ich was Gutes getan hab, UND das Tolle daran wäre - ich würde dafür gemocht und sehr gelobt werden, dass ich ja so dolle geholfen hab.
    Eine etwas übertriebene Situation, aber da sieht man, was zu viel Empathie (aber der Freund hat doch Schwierigkeiten in der Firma) mit sich bringen könnte.

    Würde ich einen Freund bitten, zwei Tage für mich umsonst zu arbeiten? Nein.

    Solche Gedankenexperimente finde ich echt aufschlussreich.

  16. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Malembe für den sinnvollen Beitrag:

    Helma (07.05.2020)

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Zwei Kulturen, zwei Menschen
    Von Theodorus im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 12.04.2019, 12:51
  2. Die andere Seite der Medaille Arbeit!
    Von Toffie im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 318
    Letzter Beitrag: 07.01.2015, 09:55
  3. Krankhafte Eifersucht von beiden Seiten ...
    Von Extravaganz im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 08.04.2014, 09:57
  4. Zwei Seiten in mir
    Von Gaudeamus im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 16.11.2007, 15:30

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •