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Thema: Ergophobie - Angst vor Arbeit

  1. #1
    Neuling
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    Standard Ergophobie - Angst vor Arbeit

    Hallo,

    ich würde euch gerne mal mein Problem schildern, in der Hoffnung, es gibt hier jemanden, der mir vielleicht einen Rat geben kann.

    Ich hatte schon als Kind Angst vor der Arbeit u. wäre am Liebsten für immer zur Schule gegangen. Ich bin 3x sitzen geblieben, aber irgendwann mußten sie mich halt doch raus schmeißen. Ich hatte keine Ahnung was ich werden sollte, also hat mein Vater zusammen mit meinem Berufsberater beschlossen, dass ich Bürokaufmann werde. Es war eine schulische Ausbildung, was für ein Glück für mich
    Natürlich gab es auch Praktika, die ich bei Firmen machen musste, das war der totale Horror, aber Körper und Geist halten ja immer zusammen, also wurde ich immer in diesen Zeiten krank (richtig krank, wie z.B. Drüsenfieber, Salmonellenvergiftung etc.)
    Leider hatte ich irgendwann die Prüfung bestanden. Jetzt hieß es also Job suchen. Schon der Gedanke daran löste in mir Panik aus und von alleine hätte ich nie eine Stelle gefunden, aber durch Zufall bekam ich über einen Bekannten einen Job vermittelt.
    Eigentlich eine gute Stelle, mit nettem Chef und netten Kollegen, aber wie das so bei ner Panik ist, man steigert sich da rein, eigentlich völlig ohne Grund.

    Aber ich hab mich dahin gezwungen. Die ersten Monate hab ich nur geheult. In meiner Pause auf dem Klo und abends so lange bis ich eingeschlafen bin. Nah einiger Zeit ging es dann. Die Angst ist geblieben, aber ich wurde ruhiger und habe auch nicht mehr geweint. Ich bin aber sehr labil geworden. Das merke ich immer, wenn irgendwelche Veränderungen auf mich zu kommen (egal ob neue Kollegen, neue Aufgaben, neuer Schreibtisch). Die kleinste Änderung läßt mich total panisch werden. Aber ich hab so gut es ging durchgehalten. Seit nun genau 10 Jahren.
    Natürlich hat das Spuren hinterlassen: neben immer wieder kehrenden Panikattacken (Herzrasen, hyperventiliert etc.) hatte ich auch einen Hörsturz u. leide seit 1 Jahr unter Tinnitus.
    Auch hatte ich zwischendurch immer mal wieder einen Psychiater aufgesucht, aber es gab nie einen Therapieplatz und irgendwann verschwanden auch wieder die Symptome.

    Seit ca. einem halben Jahr hat sich die Situation aber deutlich gebessert. Ab und zu spürte ich auch sowas wie Freude zur Arbeit zu gehen. Was zur Folge hatte, dass ich auch im Privatleben entspannter wurde.

    Nun bin ich aber an einem Punkt angelangt, wo ich sagen will: Ich kann nicht mehr.
    Den Auslöser dafür kann ich hier leider nicht ausführlich schildern nur soviel:
    Meinem Chef wird ein schweres Verbrechen vorgeworfen. Er meint, er ist unschuldig u. die Firma läuft ganz normal weiter. Ich soll aussagen, dass ich nichts weiß, ansonsten würde gegen meinen Chef ermittelt und dann können event. keine Gehälter mehr überwiesen werden (gleichzeitig habe ich erfahren, dass eine Kollegin, die Lebensgefährtin vom Chef, 3 Gehälter im voraus bekommen hat).
    Ich will da nur noch kündigen, aber die Angst vor einem neuen Job ist glaube ich größer. Und dann gibt es ja noch die Existenzangst. Wenn ich kündige, bekomme ich kein Arbeitslosengeld. Und selbst wenn ich Arbeitslosengeld bekomme, ist das zu wenig, um davon zu leben (ich verdiene nämlich nicht wirklich viel. Das ist wohl auch ein Grund, warum mein Chef mich so schätzt. Ich arbeite viel und koste wenig).
    Eigentlich könnte ich mir selbst doch sagen, ach geh ich halt einfach weiter dahin, entweder kommt er in den Knast und dann kann ich mir erst Sorgen machen oder alles bleibt beim Alten. Aber das klappt nicht. Ich bin wieder richtig in meiner Panik drin. Ich will nur noch flüchten.

    Also falls sich jemand hier die Mühe gemacht hat, meinen ganzen Text zu lesen, wäre ich über einen Ratschlag sehr dankbar.

  2. #2
    Darkstar
    Gast

    Standard

    Hallo Pascal,

    wenn im Dorf die Feuersirene losheult: wovor bekommst Du dann Angst - vor der Sirene oder dem, was sie meldet ... dem Feuer?

    Vielleicht wäre ein erster Schritt, den Blickwinkel zu ändern:
    Du hast vielleicht keine Angst vor der Arbeit - sondern vor dem, womit Du dort an eigenen Defiziten konfrontiert werden könntest.
    Die Angst vor der Arbeit ist nicht die Krankheit selbst: sie ist ein Symptom, das auf Probleme in ganz anderen Bereichen hinweist.

    Du wirst dies auch nicht dadurch lösen können, indem Du zukünftig jede Arbeitssituation (eigentlich: Prüfungssituation - weil Du dort auf Deine Kompetenzen geprüft wirst ) vermeidest.
    Die Ursachen, also die Wurzeln, bleiben davon völlig unberührt - und damit wird sich dann auch nichts ändern können.

    Das wäre ungefähr so, als ob Du die Blätter eines kranken Baumes, die braun werden, grün anmalen würdest, in der Hoffnung, dass dadurch der Baum wieder gesund wird.
    Es tarnt eben nur, verdeckt und überspielt es - "Gesundung" geht an die Ursachen der Krankheit selbst.

    In Deinem Vorstellungsthread schreibst Du, dass Du Dir Deine "Diagnose" mehr oder weniger selbst erstellt hast ...
    Sorry, das kannst Du als Laie einfach nicht: es gibt einfach diese Zuordnung "x Symptome auf der Liste angekreuzt - also kann es nur Störung y sein" nicht.

    Was würde Dich daran hindern, diese ganze Thematik (die durchaus sehr komplex sein kann) mit einem Profi aufzuarbeiten, statt Dich auf den Zufall einer "blinden" Ferndiagnose zu verlassen?

    Das merke ich immer, wenn irgendwelche Veränderungen auf mich zu kommen (egal ob neue Kollegen, neue Aufgaben, neuer Schreibtisch). Die kleinste Änderung läßt mich total panisch werden.
    Die Angst, den Anforderungen, dem Unbekannten, das da auch Dich zukommt, nicht gerecht werden zu können? Zu "versagen"?

  3. #3
    Neuling
    Themenstarter

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    Standard

    Hallo Darkstar,

    da bist du ja schon wieder :-)

    Ich weiß, das die Angst vor der Arbeit irgendwo die Ursache haben muss. Ich weiß auch, dass ich mir, warum auch immer, selbst immer den Druck mache, dass ich von allen Menschen geliebt werden muss. Versagensängste spielen auch eine große Rolle. Eigentlich mache ich mir den Tag über immer nur Gedanken darüber, was wohl andere gerade von mir denken. Das ist im Privatleben der Fall, aber im Berufsleben viel stärker.

    Ich hatte mir mal die Mühe gemacht und alle Therapeuten in meiner Umgebung wg. einem Therapieplatz angerufen. Nirgends habe ich einen Platz gefunden. Entweder gab es eine Wartezeit von mehreren Monaten oder die waren nicht auf meinem "Gebiet" speziallisiert (hierzu muss ich noch sagen, dass ich Transidentisch bin (F=M) und es hieß dann, ich solle zu einem Therapeuten, der sich damit auskennt.)
    Der Blick in die Stellenanzeigen, hat meine Angst nur verstärkt: Es gibt ja nur noch Zeitarbeitsfirmen, die Leute suchen. Das ist ja der komplette Alptraum, neue Firma und ständig wechselnder Arbeitsplatz.

  4. #4
    Darkstar
    Gast

    Standard

    Das ist im Privatleben der Fall, aber im Berufsleben viel stärker.
    Machen wir doch mal ein kleines Gedankenspiel, okay?

    Also: Du findest einen Weg, diesen Ängsten im (eigentlich: vor dem) Berufsleben ausweichen zu können (Angst vor der Arbeit => Arbeit wird als Konfliktsituation eliminiert).

    Dann bliebe immer noch der Teil Deines Lebens, den Du als Privatleben bezeichnest ...
    Merkste was?
    Wenn Du dies dann, als analoge "Lösung", ebenfalls eliminieren würdest ... bleibe ja nichts mehr übrig ...

    Deine Ängste nehmen Dir die Lebensqualität - und zwar in beiden Bereichen: den nach außen (Beruf, Umgang mit anderen Menschen etc.) und dem nach innen (wie Du mit Dir selbst zurecht kommst).

    Ich weiß auch, dass ich mir, warum auch immer, selbst immer den Druck mache, dass ich von allen Menschen geliebt werden muss.
    Diesen Druck machst Du Dir, weil etwas in Dir (das, was ich wertneutral Defizit nenne) es braucht, dies von außen (von anderen Menschen) zu bekommen - weil Du es nicht gelernt hast, es Dir selbst geben zu können.

    Dieses "warum auch immer": das ist der Punkt, an dem Du vielleicht ansetzen könntest/solltest.
    Es ist aber ein Punkt, der in Dir selbst liegt, der in Dir und Deinen (an)gelernten Mustern zu suchen und zu finden ist.
    In Dir selbst - und nicht in den Fragen des Berufslebens, der Arbeitsmarktsituation oder sonstigen Dingen außerhalb Deiner eigenen Person.

    Selbst wenn alles, was mit der heutigen Arbeitsmarktsituation zu tun hat, sich von heute auf morgen so ändern würde, wie es sicherlich positiv wäre: Deine Probleme, die Dich in die Ängste treiben, wären damit nicht wirklich gelöst

    Dass es Wartezeiten gibt bei Psychologen - es ist nicht angenehm, wenn man Hilfe sucht und braucht (hab ich selbst erfahren müssen).
    Nur: wenn Du keine Termine vereinbarst, egal wie weit die dann auch in der Zukunft liegen mögen, und das möglichst auch noch bei mehreren Stellen - dann wirst Du nie an der Spitze der Warteliste landen können.
    Manchmal kann es dann sogar überraschend schnell gehen: es springen immer mal wieder Klienten ab und deren Termine werden dann kurzfristig frei.

    Kurz mal ne Frage:
    hierzu muss ich noch sagen, dass ich Transidentisch bin (F=M) und es hieß dann, ich solle zu einem Therapeuten, der sich damit auskennt
    Ging er davon aus, dass deine Problematik in der Transidentität begründet liegen könnte (oder zumindest mit ihr zusammenhängen)?
    Gerade dies bringt ja ohnehin starke Unsicherheiten bezüglich der eigenen Identität und des eigenen "Platzes im Leben" mit sich. Es wäre zumindest ein naheliegender Gedanke, oder?

    Wäre dies der Fall, dann würde seine Aussage sogar Sinn machen
    Nicht jeder Psychologe/Therapeut ist Generalist, der alle Gebiete gleichermaßen beherrscht. es gibt da, wie in jeder anderen Berufsgruppe auch, eine Spezialisierung. Lieber nur auf einigen Gebieten tätig sein - dafür dann aber auch mit allem know how - statt in allem ein wenig, aber nicht wirklich in die Tiefe gehend.

    Er hat immerhin ehrlich zugegeben, dass es hier geeignetere/kompetentere Kollegen gibt - macht auch nicht jeder ...

  5. #5
    Neuling
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    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen

    Dieses "warum auch immer": das ist der Punkt, an dem Du vielleicht ansetzen könntest/solltest.
    Damit hast du mir schon mal einen guten Denkanstoss gegeben


    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen
    Kurz mal ne Frage:
    Ging er davon aus, dass deine Problematik in der Transidentität begründet liegen könnte (oder zumindest mit ihr zusammenhängen)?
    Ja davon ging er aus. Ich war ja daraufhin auch bei einem Therapeut, der sich auf dem Gebiet auskennt (seine Praxis liegt allerdings knapp 90km entfernt). Der meinte aber, diese Ängste könnte ich auch mit einem Therapeuten in meiner Nähe angehen.

  6. #6
    Neuling
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    Und ich stehe jetzt immernoch vor dem Problem, dass ich nicht weiß, was ich in meiner aktuellen Situation machen soll

    Vielleicht ist es eine Panik-Handlung, wenn ich mir jetzt nen neuen Job suche. Eventuell ist mein Chef wirklich unschuldig u. in einigen Tagen läuft alles wieder normal. Andererseits kann ich schon seit Tagen nicht mehr schlafen wg. der Geschichte und hab Angst, dass ich ein Magengeschwür oder sonstiges bekomme.

  7. #7
    Darkstar
    Gast

    Standard

    Wenn Du mit der "aktuellen Situation" das Wuhling in Deiner Firma meinst ...

    Im Falle einer Befragung bei den nackten Fakten bleiben. Mit der Wahrheit, ohne jede Beschönigung oder Relativierung, fährst Du immer noch am besten.
    Hat Dein Chef wirklich Dreck am Stecken, würdest Du Dich mit einer "Gefälligkeitsaussage" zum Komplizen machen - und hättest dann andere Probs an der Backe als nur die Frage, ob Dein Job jetzt sicher ist ...
    Hat er keinen, dann gibts eh nichts, was Du verbergen müsstest

    Wenn es um die Probs geht, die Du mit Dir selbst hast: Hilfe suchen und an deren Wurzeln gehen.
    Zumindest um eine professionelle Begleitung solltest Du Dich, IMHO, kümmern, bevor das alles nur noch massiver und verfestigter wird.
    Wie gesagt: diese Probs nimmst Du überall hin mit, es sei denn, Du nimmst Dich ihrer an und sorgst so dafür, dass sie Dich immer weniger belasten können.

    Vielleicht wäre es ja auch mal ein erster Schritt, Dich jetzt nicht ständig mit Fragen zu beschäftigen, die Du im Moment ohnehin nicht beantworten kannst. Kümmere Dich stattdessen darum, Dir all das anzueignen, was Du für eine wirkliche Antwort bräuchtest - und setze Dich dann erst mit ihnen auseinander (dann hast Du nämlich auch das Werkzeug dafür, Lösungen finden zu können ).

  8. #8
    Neuling
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    Guten Abend Darkstar,

    Befragt wurde ich bereits. Jetzt habe ich die Order, im Falle einer erneuten Befragung keine weiteren Aussagen zu machen.

    Meine aktuelle Situation:
    Ich will einfach nur noch weg von dieser Firma. Ich krieg Ekel-Gefühle wenn ich das Büro betrete u. bin seit einer Woche gar nicht mehr fähig mich zu konzentrieren oder irgendwas zu erledigen. Stattdessen schreit mich ständig meine innere Stimme an, dass ich da raus muss.
    Heute bekamen zwei Kollegen die Kündigung (natürlich die beiden, zu denen ich noch das meiste Vertrauen hatte).
    Mir wurde gesagt, dass mir auf keinen Fall gekündigt wird. Was für eine Ironie. Wenn die wüßten, wie gerne ich da weg will.
    Ich kann nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, sondern schieb nur noch Panik.
    Es ist schon Wahnsinn, was bei mir jetzt innerhalb einer Woche alles zerstört worden ist. Nicht nur, dass ich von meinem Chef enttäuscht bin u. ihm nicht mehr vertraue. Ich habe nach und nach erfahren, dass meine Kollegen ein falsches Spiel mit mir spielen. Ich fühl mich total allein gelassen, bin aber trotzdem nicht in der Lage mir wenigstens einen Krankenschein zu holen, weil ich dann das Gefühl hab, die anderen würden mich dafür hassen.

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