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Thema: Es ist so anstrengend ich zu sein ._.

  1. #1
    Neuling
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    Standard Es ist so anstrengend ich zu sein ._.

    Hallo zusammen,

    ich habe mich in diesem Forum angemeldet da ich mit niemandem über das reden kann was mich beschäftigt. Da meine Probleme so vielgestaltig sind, passen sie auch nicht in eines der Unterforen...

    Gefühlt geht mein Leben seit 5 Jahren immer mehr den Bach runter. Vor 5 Jahren habe ich mein Juraexamen gemacht und mich im Rahmen dessen 1,5 Jahre daheim eingeschlossen und gelernt. Danach konnte ich für ein halbes Jahr nicht mehr unter Menschen gehen weil ich so fertig war. In dieser Examenszeit habe ich begonnen, mehr als sonst am PC zu spielen. Dies habe ich in den folgenden Jahren immer mehr intensiviert, bis sich das zu meiner Coping Strategy (ich weiss das deutsche Wort gerade nicht^^) entwickelt hat. Vor 4 Jahren hat sich mein damaliger Lebenspartner von mir getrennt nach 6 Jahren. Er war derjenige, den ich heiraten wollte. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich habe die Stadt verlassen in der ich 19 Jahre gelebt habe ich und bin 600 km weit weg gezogen für einen Neuanfang. Doch dort fingen die Probleme erst richtig an. Ich bin immer mehr in meine Spielsucht verfallen. Zum Schluss habe ich 19 Stden am Tag gespielt. In dieser Zeit habe ich 20 kg zugenommen. Die Trennung habe ich nie verarbeitet. Ich habe vielleicht 2 Mal geweint. Ansonsten habe ich das ganz tief in mir verschlossen. Vor 2 Jahren ist mein Vater gestorben. Auch hier habe ich nicht getrauert. Niemand hat gefragt wie es mir in dieser Zeit geht von meiner Familie, die alle mit sich beschäftigt waren. Meine Mutter trägt es sehr nach aussen, wie schwach sie ist. Und nein, auch sie hat kein einziges Mal gefragt. Ich kann mich erinnern dass ich bei der Beerdigung mich gefühlt habe, als hätte ich in meinem Rücken einen Eisenstock der mich aufrecht hält. Und ich kann mich an den Wind in den Bäumen erinnern. An nichts weiter. Nach dem Tod war ich 5 Monate krank geschrieben. War unendlich depressiv. Habe sehr oft an Suizid gedacht. In dieser Zeit habe ich versucht einen Therapieplatz zu bekommen, was aber sehr aussichtslos war aufgrund dieser langen Wartezeit. Also keine Therapie. Alles weiter mit mir ausgemacht. Im März diesen Jahres habe ich einen Cut unters Spielen gemacht und das klappt bisher ganz gut. Allerdings haben damit neue Probleme angefangen, wo ich nicht weiss ob diese ein Resultat sind oder ob die schon immer da waren.
    Ich bin zum einen unglaublich rastlos, schlafe keine Nacht mehr als 5 Stden. Ständig fühle ich mich innerlich mega angespannt. Ich bin so traurig und wütend gleichzeitig. Dann gibt es meistens auch den Gedanken dass ich dankbar bin für mein Leben. Ich lebe gefühlt in einer Achterbahn. Manchmal geht es innerhalb von Minuten von der schlimmsten Depression zu ach is doch alles gut. Und das den ganzen Tag. Das macht mich fertig. Vor einigen Wochen habe ich wieder begonnen mich selbst zu verletzen. Alleine das zu schreiben ist schon komisch. Ich habe das nie ausufernd betrieben. Als Teenager mal ne zeitlang aber das war teilweise auch weil andere es auch gemacht haben. Aber dieses Mal ist es irgendwie anderes. Da ist dieser Teil in mir der einfach alles zerstören will. Und allem voran mich selbst. Der süchtig sein will. Der sich wegballern will mit irgend nem Kram. Der depressiv sein will und und und. Und dieser Teil wird immer stärker. Zusätzlich habe ich seit 1 Monat einen Job, der mich einfach nur überfordert und der schon ohne diese ganzen Probleme hart genug wäre. Ich habe so unendlich viel über das ganze nachgedacht in den letzten Wochen und ich weiss nicht, ob ich mich jemals schon mal normal gefühlt habe. Nun weiss ich aber auch nicht wie ich aus dem ganzen wieder rauskommen kann. Weil ein Teil von mir es ja ganz offensichtlich auch nicht will. Das ist so schwierig zu beschreiben. Ich weiss dass ich vermutlich wirklich eine Therapie brauche aber im Moment habe ich auch keine Kraft diese Suche wieder zu starten nur um zu hören, dass selbst die Wartelisten voll sind. Was für Zustände.. aber auch das ist eine andere Baustelle. Danke jedem der bis hierhin gelesen hat. Weiss nicht recht was ich erwarte hier zu hören, aber gegen Input habe ich natürlich nichts.
    Geändert von DeepDive (10.06.2018 um 21:47 Uhr)

  2. #2
    Neuling Avatar von AnneTanke
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    Hallo DeepDive, hast Du schon mal darüber nachgedacht, es als ersten Schritt stationär zu versuchen? Ist natürlich blöd, da Du gerade nen neuen Job hast. Aber wenn es gar nicht anders geht. Bei mir war das auch so. Hatte noch nie was mit nem Psychiater zu tun bis dahin. Als ich wußte, daß ich Hilfe brauche, hab ich einfach nen Termin haben wollen und die haben geschaut, als ob ich vom Mond komme.
    Also, wenn Du nicht mehr kannst, kann Dein Hausarzt dich vom Fleck weg in die Klinik einweisen. Es wird nie nächst erreichbare sein. Nun weiß ich nicht, wie gut die in Deinem Fall ist. In meinem Fall war diese Klinik das letzte. Wär mir in meinem Zustand egal gewesen, aber wir haben uns so geeinigt, daß ich mich in eine gute Klinik selbst einweise. Das geht in so schweren Fällen. Und man ist erstmal gut aufgehoben und hat für den Anfang den Fuß in der Tür. Alles andere, auch weiterführende Therapien , ergibt sich dann von selbst. Ist natürlich ne riskante Sache. Wenn Du da irgendwo mit Suizidgedanken oder selbst verletzt auf der Matte stehst, kommst Du mit Sicherheit erstmal in die geschlossene. Das kann ganz arg böse sein. Aber es wäre ein Anfang. Ich war so verzweifelt, daß mir das alles egal war. Hauptsache sofort in Behandlung. Ich hatte aber Glück im Unglück. Als ich gerade los wollte um mich einzuweisen, hat mich eine ganz andere Klinik angerufen (über die KK) daß ich sofort hinkommen kann. Da war ich dann auf einer ganz normalen Station und die Dinge haben ihren Lauf genommen. Bin da heute noch in Behandlung. Kann jederzeit rein, werde aber auch ambulant mit allen nötigen Therapien versorgt.


    Auf jeden Fall viel Glück für Dich

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei AnneTanke für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (11.06.2018),DeepDive (12.06.2018)

  4. #3
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    Frage bei der kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes nach. Die haben für gewöhnlich Listen von derzeit freien Therapeuten in deiner Nähe, bzw von solchen mit geringerer Wartezeit. (War zumindest in Mecklenburg Vorpommern der Fall).

    Ansonsten bist du nicht alleine. Leben ist wohl für jeden anstrengend. Sonst wäre es ja auch unerträglich langweilig.
    "Who, being loved, is poor?" - Oscar Wilde
    ***

  5. #4
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    @ AnneTanke

    Danke dass Du Dir Zeit genommen hast mir zu antworten. Ein stationärer Aufenthalt kommt für mich aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Zum einen tatsächlich weil ich meinen Job erst seit kurzem habe und er das einzige ist was meinem Leben derzeit Stabilität verleiht. Mein Lebenslauf ist nicht wirklich gerade und ich habe mit diesem Job, auch wenn er mich gerade massiv überfordert, unfassbares Glück gehabt. Als jemand in der Probezeit wäre ich sofort weg vom Fenster bei längerer Abwesenheit. Dann zum anderen weil, wie Du auch geschrieben hast, Klinik ganz böse sein kann. Ich traue mich schon gar nicht recht überhaupt mit irgendwem oder irgendwo über das zu sprechen was mich so belastet eben weil dann jeder direkt vermutet ich würde mich von der nächsten Klippe stürzen was ich nicht beabsichtige und auch nicht tun werde. Wie groß ist denn eine Chance dass man aus sowas alleine wieder raus findet?... Ich denke mir manchmal, dass das vielleicht mich gerade alles nur so krass überfällt weil ich zum ersten Mal seit 5 Jahren nichts habe, was mich so krass taub macht wie eben das spielen. Mir ist durchaus klar, dass ich eine Menge unverarbeiteter Dinge mit mir rumtrage, dass mich der Verlust von Menschen, egal ob nun Trennung oder Tod, stärker trifft als andere und ich ewig brauche sowas zu verarbeiten. Das ist seit meiner Kindheit so. Selbst kleine Streits haben mich damals bereits in elementare Identitätskrisen gestürzt^^ Was Therapeuten angeht bin ich inzwischen auch etwas zwiegespalten. Ich habe in meinen 20ern eine 3 jährige Therapie wegen Depressionen gemacht, welche mir temporär geholfen hat aber gefühlt das zugrundeliegende Problem nicht beseitigt hat. In meinem jetzigen Wohnort war ich im vergangenen Jahr zu mehreren Erstgesprächen, wovon dann 3 alleine gesagt haben, wohlgemerkt erst nach dem Gespräch, dass sie eine Liste von 8 Monaten hätten. 1 Therapeutin war absolut furchtbar und hat 2x telefoniert während unseres Gesprächs (^^) und eine andere meinte auch, ich hätte ja so vielseitige Probleme, sie könne mir nicht weiterhelfen..... Da hab ich mir dann nur gedacht na Du hast aber echt den richtigen Job... -_-

  6. #5
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    Zitat Zitat von Empty Beitrag anzeigen
    Frage bei der kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes nach. Die haben für gewöhnlich Listen von derzeit freien Therapeuten in deiner Nähe, bzw von solchen mit geringerer Wartezeit. (War zumindest in Mecklenburg Vorpommern der Fall).

    Ansonsten bist du nicht alleine. Leben ist wohl für jeden anstrengend. Sonst wäre es ja auch unerträglich langweilig.
    Ich hatte eine Liste von der Psychotherapeutenkammer. Habe dort mindestens bei 20 Therapeuten angerufen und kein einziger hatte einen freien Platz.....
    Ich hab nun gelesen, dass die Servicestellen der KV auch Termine für probatorische Sitzungen vereinbaren können... vielleicht mache ich das mal aber wenn man hinterher dann zwar dieses eine Gespräch bekommt und dann nix weiter war das ja auch verschwendete Zeit -_-

    Und bzgl des anstrengenden Lebens, also ich für meinen Teil könnte auf das wie ich mich jeden Tag so fühle liebend gerne verzichten und würde es sofort gegen ein stinknormales Leben ohne das alles eintauschen

  7. #6
    Neuling Avatar von AnneTanke
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    Hallo DeepDive, Du schreibst, Du hast mit Deinem Job unfassbares Glück. Das ist doch schon mal was. Ich hoffe, du machst ihn auch gerne. Und gegen die Überforderung solltest Du was tun können. Nach 3-jähriger Therapie hast Du bestimmt schon mal was von Entschleunigung gehört und auch ein bissel gelernt, an Dich zu denken. Aus meiner Sicht fühlt man sich in jedem Job am Anfang erstmal überfordert, selbst wenn man sein "Handwerk" perfekt beherrscht. Das ist ganz normal. Also wenn Du das als Gllück empfindest, dann konzentrier dich darauf und werde noch glücklicher. Da hast du soviel zu tun und sicher auch Erfolgserlebnisse.
    Allein damit hast Du dann soviel zu tun, daß Du gar keine Zeit hast, Deine Phobien zu leben.
    Und melde dich doch einfach bei Theras an. Auch wenn es Monate dauert.
    Und wie gesagt im schlimmsten Fall, stationär geht immer. Da ist dann zu bedenken was Dir wichtiger ist. Dein Leben, Deine Gesundheit oder irgend ein Job. Ich hab mein ganzes Leben nur mit Spaß und Freude gearbeitet, auch wenn es mich mal überforderte. Aber wenn man darin aufgeht, ist das schon allein eine Art Therapie.

  8. #7
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    Standard

    Jedes Leben hat seine Hürden, ein stinknormales genauso wie die extremen/intensiven. Es ist eine Frage wie man diese Hürden betrachtet: Als unabänderlichen fatalen Schicksalsschlag oder eben als das was sie sind: Hürden denen man sich entweder ergeben kann oder an denen man wachsen kann.

    Das heißt: Ist und bleibt man fragil (zerbricht daran), ist man resilient (d.h. erholt man sich davon und stellt einen seelischen Zustand wie er zuvor war wieder her) oder ist man "anti-fragil" bzw das Gegenteil von fragil (d.h. erholen und stärker daraus hervorgehen als man in die Situation hineingegangen ist, ähnlich einem Muskel, welcher bei Belastung Mikrorisse erleidet, die er anschließend nicht nur repariert, sondern sogar verstärkt neuaufbaut).
    "Who, being loved, is poor?" - Oscar Wilde
    ***

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