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Thema: Fühle keine Liebe von Eltern durch Sprachbarierre

  1. #1
    Neuling
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    Standard Fühle keine Liebe von Eltern durch Sprachbarierre

    Guten Abend Community,

    ich habe eine Frage an euch, welche vielleicht auch viele Leute hier betreffen könnte, welche eine zweisprachige Familie haben. Ich würde mich sehr über Feedback oder ähnliche Geschichten und Lösungen freuen.
    Zum Thema:
    Ich bin mit meinen Eltern und meinem Bruder aus Russland nach Deutschland gekommen, als ich 5 jahre alt war. Es war im nachhinein betrachtet keine einfache Zeit, da ich die Sprache nicht gesprochen habe und da reingedrängt wurde. Ich hatte zu Anfang keine Freunde und musste mir die Sprache irgendwie reinprügeln. In der Zeit habe ich mich zu einem relativ bescheidenen und eher zurückhaltenden Menschen entwickelt, da sowas und die allgemein ängstliche Stimmung meiner Familie mich geformt hatten.
    Aktuell bin ich 23 Jahre alt und habe ein sehr seltsames Verhältnis zu meiner Familie. Es ist alles sehr oberflächlich und ich habe noch nie so wirklich eine Art Liebe gespürt. Es ist vor allem sehr schwierig, da ich mit ihnen russisch reden muss, weil sie nicht wirklich gut auf deutsch reden und es auch nicht mehr lernen wollen. Da die Mentalität sehr anders ist und ich auch nicht fließend spreche, ist die Kommunikation sehr schwierig. Es fühlt sich an, als wären das fremde Menschen für mich. Mir hat lange schin niemand gesagt dass sie stolz sind oder dass ich etwas gut gemacht habe oder dass sie mich lieben. Ich erzähle sehr oft was bei mir aufregendes passiert (Unternehmensgründung etc.), aber es fühlt sich an als würden sie sich nicht die Mühe machen es zu verstehen und fragen auch nie nach. Sie veritteln mir nie gute Werte....oft meckert mein Vater über belanglose Sachen oder versucht mir beizubringen in manchen Situationen Menschen auszubeuten oder unfair zu behandeln. Mit meinem Bruder ist es auch sehr sehr kalt, er ruft mich zwar ab und zu an, aber wir reden vielleicht 4 Minuten über was er oder ich gerde machen und das wars. Ich weiß eigentlich nichts über ihn oder was er mag und er erzählt es mie auch nicht.

    Dennoch tuen meine Eltern immer so als wäre unsere Beziehung sehr toll und alles passt. Ich hatte schon zwei mal eine Art Zusammenbruch wo ich einen Brief an meine Mutter geschrieben hatte und ihr gesagt habe dass es so nicht weitergeht und ich mich sehr sehr schlecht fühle aber das wurde oft mit Vergleichen abgetan und dass z.b meine Eltern/Bruder einfach "auf einer anderen Art" ihre Liebe ausdrücken. Ich weiß nicht so recht was ich machen soll. Ich fühle mich nie als Teil der Familie, auch wenn Bekannte da sind. Ich kenne quasie niemanden und kann auch mit niemanden vernünftig kommunizieren.

    Habt ihr eine Idee, was ich daran ändern kann ??

    Vielen Dank, eine Antwort bedeutet mir sehr viel !

  2. #2
    Roman Verfasser
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    Standard

    Hallo MrProper 96, ich bin zwar keine, die zweisprachig aufgewachsen ist, und habe wahrscheinlich auch nicht direkt eine Lösung für dich, aber da es dir ja auch unter anderem darum geht, erst einmal wahrgenommen zu werden und ins Gespräch zu kommen, möchte ich gerne auf deinen Beitrag antworten.
    Zunächst einmal denke ich, dass du ein nicht unerhebliches Päckchen mit dir herumschleppst, und verstehe auch gut, dass du dich schlecht fühlst.
    Da war zunächst einmal dein Alleine-sein und Hineingeworfen-werden in die fremde Kultur und Sprache als kleines Kind. Offenbar waren deine Eltern wenig in der Lage, dir in der neuen, beängstigenden Situation zu helfen und dich zu unterstützen, statt dessen musstest du dir irgendwie selber helfen.
    Zum einen, weil sie selber die deutsche Sprache nicht gut sprechen konnten (und aufgrund mangelnder Motivaton immer noch nicht gut können), zum anderen, weil sie sich offenbar selber nicht wohl in ihrer Haut fühlten/fühlen.
    Du schreibst, es habe eine ängstliche Grundstimmung in deiner Familie geherrscht. Weißt du, was der Grund für die Auswanderung deiner Eltern war?
    Aus den "Tips" deines Vaters, andere Menschen unfair zu behandeln oder sie auszubeuten, schließe ich, dass er ein solches Verhalten selber als "positiv" vermittelt bekommen und erlebt hat, und wahrscheinlich in Verhältnissen aufgewachsen ist, wo man entweder "Täter" oder "Opfer" sein konnte. Die "Schlauen" mußten halt zusehen, dass sie mit allen Mitteln die Oberhand behielten, was auch miese Tricks und Machenschaften rechtfertigt, die "Dummen" lassen sich ausbeuten und sind eben die Looser.
    Des weiteren habe ich schon oft gehört, dass die Erziehung in Russland traditionell sehr autoritär ist, was unbedingten Gehorsam der Kinder, harte Strafen und auch emotionale Erpressung beeinhaltet. So eine Erziehung hat meistens Folgen für die Psyche; die Kinder (und später die Erwachsenen) lernen, ihre Gefühle abzuschalten und zu funktionieren, werden (um ihre Angst, Ohnmacht und ihr Leid nicht ständig spüren zu müssen) starr und kalt, und haben später als Eltern auch große Probleme, ihren Kindern gegenüber Gefühle zu zeigen.
    Ich kann mir vorstellen, dass deine Eltern auf die ein- oder andere Weise traumatisiert sind durch ihre Erfahrungen und Erlebnisse, aber alles halt als "normal" ansehen und noch nie wirklich darüber nachgedacht und gesprochen haben.
    Vielleicht können sie es auch gar nicht mehr, weil alles schon viel zu eingefahren ist. Sie haben sich in ihrer (angstbesetzten und deshalb abgeschotteten, abgrenzenden) Sichtweise der Welt eingerichtet, und jedes Kratzen daran käme einer Katastrophe gleich, weil dann schlimme Gefühle hochkämen und alles zusammenbrechen könnte.
    Das sage ich nicht, um das Verhalten deiner Eltern zu entschuldigen, sondern um es vielleicht zu erklären.

    Ich kann gut verstehen, dass du dich fremd und ungeliebt fühlst, denn wahrscheinlich sind deine Eltern tatsächlich nicht in der Lage, dir die Wärme, die Liebe und das Interesse zu geben, dass du suchst und brauchst, denn ich nehme an, sie haben so etwas selber nie kennen gelernt.
    Für sie ist eure Beziehung "normal", denn sie messen es wohl weniger an ihren Gefühlen (die sie nicht spüren können, da sie sie verdrängt und abgespalten haben), sondern eher an äußeren Dingen. Stimmt materiell alles, haben die Kinder einen Beruf ect.? Solange alles äußerlich einer bestimmten Norm entspricht, das äußere Bild in Ordnung ist, "stimmt" alles.

    Deswegen denke ich nicht, dass es an einer anderen Mentalität oder an der Sprache liegt, dass du dich nicht geliebt und zugehörig fühlst, sondern an der Unfähigkeit deiner Eltern, (tiefere) Gefühle zu empfinden und auszudrücken.
    Denn Liebe und Interesse kann man auch ausdrücken, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Dann ist es vielleicht etwas komplizierter, aber trotzdem möglich, sich dafür zu interessiren, was das eigene Kind macht, ob es ihm gut geht bzw. Anteil zu nehmen, wenn es ihm schlecht geht.

    Mich erinnert deine Schilderung ein wenig an die Erzählungen der sogenannten "Kriegsenkel" in Deutschland. Darüber gibt es mittlerweile einige Bücher.
    Im Grunde geht es darum, dass Eltern ihre unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen und abgespaltenen Gefühle (unbewußt) an ihre Kinder weiter geben, und ihnen damit ein unsicheres, ambivalentes Lebensgefühl und psychische Probleme übertragen, ohne es selber wahrnehmen zu können (und zu wollen).
    Das ist nicht nur in Deutschland bei der Enkelgeneration der Nazizeit so, sondern ist allgemein übertragbar auf traumatische Lebensumstände mit Unsicherheiten, Verfolgung, Vertreibung, Gewalterfahrungen, die nicht aufgearbeitet, sondern verschwiegen und verdrängt oder als "normal" betrachtet wurden/werden.

    Warum kennst du "quasi niemanden"?

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Der rote Faden für den sinnvollen Beitrag:

    Mona-Lisa (11.02.2020),sometimes (11.02.2020)

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