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Thema: Gibt es noch eine Chance? Krise in der Krise

  1. #1
    Kattl
    Gast

    Standard Gibt es noch eine Chance? Krise in der Krise

    Hallo liebes Forum,
    für mich bricht grad eine Welt zusammen, meine Beziehung geht zu Ende: Eine Beziehung, die nicht einfach war aber trotzdem hänge ich sehr an der Zeit und kann gar nicht begreifen, dass es zu Ende sein soll. Habe große Angst vor der Zukunft und weiß nicht was werden soll.
    Wir haben uns gemeinsam für einen Termin bei einem Therapeuten entschlossen. Aus der aktuellen Sicht wird das eher ein Trennungsgespräch werden.

    Diese Briefe haben wir uns diese Woche geschrieben, der erste kam von mir.


    Mein B.,
    ich habe in den letzten Nächten wenig geschlafen, erst in den Morgenstunden hab ich langsam Ruhe gefunden und bin eingeschlafen. Eine sehr beängstigende und unruhige Zeit und das schlimmste daran ist, ich kann mit dem Menschen, der mir am meisten bedeutet, nicht sprechen.
    Wir sind wir in dieser Situation gelandet? Ganz zu Anfang waren wir beide verwundert und auch ungläubig, dass es mit uns beiden so gut gepasst hat. Und ja das hat es und tut es noch heute, wir können über die selben Dinge lachen, haben ähnliche Vorstellungen wie die Welt so funktioniert, was Heimat bedeutet und was Familie. Was Arbeit angeht und auch die Bedeutung von ihr für das Leben. Also eigentlich sehr gute Vorraussetzungen für eine Beziehung, Partnerschaft, Liebe.
    Also wo haben wir den falschen Weg eingeschlagen? Man kann das glaub ich nur nachvollziehen indem man seine eigene Entwicklung betrachtet. Und wir haben darüber auch schon sehr viel gesprochen. Ich war lang allein und eigentlich die meiste Zeit meines Lebens nicht in einer Beziehung, weil mich fast alle Beziehungen erstmal abschrecken. Also hab ich wenig und unzureichende Erfahrung damit. Und über die Jahre habe ich mir eingeredet, dass ich ja gar keine Beziehung brauche und gut alleine zurecht komme und sowieso keinen Mann dauerhaft in meinem Leben brauche. Für was auch? Ist doch auch klar, dass man sich das einredet, wenn man keinen findet, den man wirklich gut findet. Also ja, ich habe dir am Anfang was vorgemacht, aber nur etwas was ich selbst auch geglaubt hab. Mit der Zeit und der Tatsache, dass du offensichtlich nicht mehr so schnell weggehen würdest hat dieses Gedankending nicht mehr so gehalten. Und ich kann mich noch an das erste Mal erinnern, als du mir gesagt hast, dass du nie wieder heiraten willst. Das war relativ früh, wir haben über den Antrag gesprochen, den du deiner Exfrau gemacht hast und es war dir so unangenehm, dass ich dich gefragt hab und alles ganz genau wissen wollte. Natürlich hab ich deine Verletzung und deine Wunden gesehen und gespürt, gleichzeitig war ich so enttäuscht und vor den Kopf gestossen und ich hab das Thema dann noch ein paar Mal angesprochen und die Aussage war immer ähnlich. Und ich glaub da hab ich zum ersten Mal auch bei mir eine Tür zugemacht, die Tür die es mir seitdem nicht erlaubt hat dir vollkommen zu trauen. Und wenn ich einmal skeptisch bin, lässt sich das nicht mehr aus meinem Programm entfernen, offensichtlich. Erstaunlicherweise hast du es trotzdem geschafft mich von dir zu überzeugen und mich immer vergessen lassen, dass da diese Kleinigkeit im Hintergrund ist. Und eigentlich ist es keine Kleinigkeit, sondern eine relativ große Nummer. Es geht um ein Limit und um Beschränkung und auch darum, dass dieses Thema nicht verhandelbar ist. Zumindest hast du von dir aus nie selber dieses Thema angesprochen. Ich habe heute eine Notiz vom 08.11.2018 gefunden, da ging es vor allem um den Bus und auch Geldthematiken. Als Punkt 4. steht da "Vorstellung vom Leben. Heiraten und Kinder kriegen“. Du sagst immer, dass du nie wusstest dass ich das alles will und ja das ist richtig, das ändert sich manchmal sogar stündlich. Aber ich weiß was ich auf keinen Fall will: eine limitierte Beziehung, die Dinge die ich mich viellicht wünsche kategorisch ausschließt. Viellicht will ich heiraten, vielleicht aber auch nicht, aber ich will nicht, dass es überhaupt keine Option ist. Das gilt übrigens genauso für ein Kind. Und das gilt vor allem auch für die Katze.
    Und das ist mein Problem. Und daraus resultiert eine Skepsis, eine krankhafte Art und Weise diesen Status zu testen und dich zu provozieren. Und jetzt kommen wir zu dir: Jeder andere Mann hätte spätestens nach drei, vier Wochen die Segel gestrichen und mich zum Teufel gejagt. Aber du nicht, du hast ausgehalten, mit mir gelitten und mich immer getröstet. Und wurdest immer verzweifelter. So wolltest du das nicht, du wolltest, dass ich glücklich bin und zufrieden und nicht immer unzufrieden und traurig. Und ich hab dich leiden sehen, aber du hast dich auch von mir entfernt, mit jedem Konflikt ein Stück weiter und konnte nichts tun. Ich hab dich weggetrieben, dabei wollte ich mich nur schützen. Und ich glaube dass aus dieser verzweifelten Situation eben diese Missverständnisse und Misskommunikationen entstehen, die zu diesen Konflikten führen. Und als du dann letztes Jahr ins Krankenhaus gekommen bist, hab ich eine mögliche Zukunft mit dir, die eh durch die ganze Situation schon so weit weg war, ganz verschwinden sehen. Und es gab für uns gar nicht die Möglichkeit, diese Krankheit als Paar zu meistern und gestärkt aus der Geschichte raus zu gehen und gemeinsam einen Weg zu finden. Und eigentlich schaukeln sich dieselben Dinge wieder und wieder auf und werden von Mal zu Mal schlimmer.
    Und in dieser Dynamik drehen wir uns seit ewiger Zeit im Kreis und kommen nicht mehr raus. Mir tut das unendlich weh.
    Trotz allem spüre ich in mir, dass wir irgendwie noch nicht fertig sind und ich kann dir nicht sagen warum, weil eigentlich spricht die aktuelle Lage für unser beider Seelenheil eindeutig dagegen.
    Vorher hatte ich so einen Gedanken und je länger ich über diese Gedanken nachdenke, desto besser gefällt er mir. Wenn man eine Beziehung wie eine Immobilie betrachten würde, dann könnte man sagen, dass unser kleines Haus 2017 auf den ersten Blick einen kräftigen Eindruck gemacht hat. Bisschen fragwürdige, aber durchaus robuste Bauweisen hier und da, komische Bewohner, die schnell ihre Leichen in den Keller gepackt haben und dort liegengelassen haben. Anstatt die vorhandenen, großen Rissen in den Decken gemeinsam mit Mörtel und guten Baumaterialien zu verschließen (oder mit Gold, so wies die Japaner machen), haben sie gemeinsam die Risse immer weiter aufgemacht und darin rumgebohrt, bis der Putz raus rieselte. Die Häufchen wurden dann unter den Teppich gekehrt und deswegen kann man in dem Haus grad nicht grad laufen und stösst dauernd an den Wänden und Ecken an. Kurzum die Bewohner haben das Fundament so runtergwohnt, dass es eigentlich grad nicht mehr wirklich bewohnbar ist, außer man mag es kalt und windig im Wohnzimmer.
    Also eigentlich brauchen wir einen Gutachter, eine Sachverständigen, der sich das Ganze mal anschaut, eine Analyse vornimmt und die Optionen mit uns bespricht: Abrissbirne und Grund verkaufen, Abrissbirne und zwei Doppelhaushälften mit Verbindungstür drauf bauen oder ob doch eine gründliche Kernsanierung in Frage kommt.
    Ich will der alten Hütte diese Chance geben. Du auch?

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Kattl für den sinnvollen Beitrag:

    Steinchen.im.Schuh (21.03.2020)

  3. #2
    Verleger Avatar von Mirjam
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    Hallo,

    vorweg: ich habe ab Beginn des Briefes aufgehört zu lesen.
    Bist du sicher, dass du das Wort für Wort so stehen lassen willst?

    LG - Mirjam

  4. #3
    Kattl
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Mirjam Beitrag anzeigen
    Hallo,

    vorweg: ich habe ab Beginn des Briefes aufgehört zu lesen.
    Bist du sicher, dass du das Wort für Wort so stehen lassen willst?

    LG - Mirjam
    Warum nicht? Findest du das zu privat? Die Briefe zeigen einfach sehr gut den Ablauf der Geschehnisse...

  5. #4
    Verleger Avatar von Mirjam
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    Zitat Zitat von Kattl Beitrag anzeigen
    Warum nicht? Findest du das zu privat? Die Briefe zeigen einfach sehr gut den Ablauf der Geschehnisse...
    Ja, ich persönlich empfinde es als sehr privat. Natürlich ist das deine Entscheidung.

    Meine Beobachtung hier im Forum ist, dass User, die Schriftverkehr/Chatverläufe wortwörtlich hier reinkopiert hatten, dies nachträglich häufig bereut haben und/oder sich in dem Moment gar nicht darüber bewusst waren.

  6. #5
    Verleger Avatar von Steinchen.im.Schuh
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    Mir geht es da anders als Mirjam, ich fand schön und berührend, was du geschrieben hast und mir kamen fast die Tränen. Danke für's Teilen! Du erinnerst mich in deiner Art zu schreiben sehr an mich selbst und auch an meine letzte Beziehung.
    Ich wünsche euch, dass ihr Möglichkeiten findet, die Dynamiken zu entzerren, vielleicht auch erst mal mit viel Abstand. Ich finde immer traurig, wenn die zerstörerischen Teile siegen und das liebende verliert (so war's leider bei uns).
    Ihr braucht keine Angst zu haben, es gibt keinen Boden.

  7. #6
    Kattl
    Gast

    Standard

    Das ist seine Antwort:

    Hallo Kattl,
    Danke für deinen Brief. Ja diese Zeit ist wirklich sehr beängstigend, aber ich habe Zeit über uns nachzudenken, zu sprechen und mir über vieles klar zu werden.
    Was du in deinem Brief schreibst ist vollkommen richtig, du hast sehr gut beschrieben was mit uns passiert ist.
    Als wir uns getroffen haben waren wir so glücklich, alles hatte so gut zusammen gepasst ein unfassbares Glück, von dem ich nicht mehr gedacht hätte, dass es mir passiert. Schon am Anfang hätte ich deutlicher merken müssen, dass du, was Beziehungen und deren Zukunft angeht wirklich sehr skeptisch bist und Angst davor hast. Ich habe fest daran geglaubt, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben können, auch wenn ich mir wohl nie genau überlegt habe wie diese aussehen könnte, das muss ich eingestehen. Vielleicht war ich da zu blauäugig in meiner Art, `das wird dann schon irgendwie ́, denn du brauchst klare Pläne oder zumindest Optionen. Auch ich bin sehr vorbelastet in die Beziehung gegangen. Das Thema Ehe ist bei mir verbrannte Erde, das tut mir auch wirklich leid und ich wünschte es wäre anders. Ich weiss, dass ich dich damit sehr verletzt habe und dir das dadurch einfach genommen wurde.
    Durch all diese Konflikte die du beschreibst sind wir immer weiter auseinander gedriftet, die unbeschwerte Kati sehe ich oft nur noch durch einen Nebel und ich komme nicht mehr ran. Davor liegt eine Wand aus nicht lösbaren Problemen und abgestumpften Gefühlen und der Angst vor dem nächsten Konflikt, dem nächsten Loch in der Wand. Auch wenn wir immer viele schöne Momente zusammen haben, das möchte ich auf keinen Fall bestreiten. Wir können ja auch sehr gut miteinander auskommen, sonst wären wir auch nicht so lange zusammen.
    Ich höre die letzte Zeit immer auf meine Gefühle und im Moment ist da vor allem das Gefühl, dass es mir leid tut, dass es nicht klappt und wir es nicht hinbekommen. Gefühle und Situationen ändern sich eben leider doch. Vor zwei Jahren hatte ich auch noch keine Diagnose die bedeutet, dass ich mein Leben lang Herzprobleme haben werde und habe meinen Optimismus was eine Zukunft betrifft verloren. Das wird nämlich eben leider nicht `irgendwie schon gehen ́, das hab ich jetzt verstanden.
    Ich habe große Zweifel, dass wir das alles zusammen durchstehen können. Der Bruch in unserer Beziehung ist einfach zu große geworden und wir gehen zu unterschiedlich damit um, das ist mir jetzt klar geworden und ich wollte das nie wahrhaben.
    Ich habe auch Angst wieder alleine zu sein. Und ich habe immer gehofft, wir schaffen es und ich wollte immer weiter daran glauben und daran festhalten.
    Dein Vergleich mit dem Häuschen beschreibt die Vorgänge sehr gut. Ich glaube wir müssten das Haus komplett abreissen und neu aufbauen, aber das geht nicht, weil da dann immer noch Teile vom alten Fundament rumliegen würden die man einfach nicht aus dem Boden bekommt, weil sie zu tief drinnen stecken. Stehen lassen geht auch nicht, weil die Löcher in den Wänden immer größer werden würden und sich nicht mehr reparieren lassen und es ständig vom Einsturz gefährdet wäre.
    Ich versteh gut, dass du das Haus nicht gleich abreissen willst, aber ich glaube das würde die Katastrophe nur verzögern.
    Ich glaube leider nicht, dass wir unsere Beziehung auf lange Frist hinbekommen werden, also muss sich etwas ändern, sonst dreht sich das alles immer weiter im Kreis und wir gehen kaputt daran.
    Ich gebe nicht einfach so auf, ich habe es wirklich lange versucht, aber ich kann nicht mehr, meine Kraft und Zuversicht sind zu Ende.
    Du sollst eine Beziehung mit allen Möglichkeiten bekommen, du hast das Recht auf Ehe, Kind und Katze, ich möchte dir nicht im Weg sein und deine Zeit verschwenden. Dich immer wieder zu enttäuschen und traurig zu sehen und mich dafür verantwortlich zu sehen halte ich einfach nicht mehr aus.
    Mit tut das alles unfassbar leid, ich bin so traurig.
    B.

  8. #7
    Kattl
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Steinchen.im.Schuh Beitrag anzeigen
    Mir geht es da anders als Mirjam, ich fand schön und berührend, was du geschrieben hast und mir kamen fast die Tränen. Danke für's Teilen! Du erinnerst mich in deiner Art zu schreiben sehr an mich selbst und auch an meine letzte Beziehung.
    Ich wünsche euch, dass ihr Möglichkeiten findet, die Dynamiken zu entzerren, vielleicht auch erst mal mit viel Abstand. Ich finde immer traurig, wenn die zerstörerischen Teile siegen und das liebende verliert (so war's leider bei uns).
    Vielen Dank für deine Worte, ja es ist wirklich traurig grad alles....

  9. #8
    Verleger Avatar von Steinchen.im.Schuh
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    Standard

    Es klingt so traurig und spricht wirklich viel in mir an, ich wünschte, so eine Auseinandersetzung hätte in meiner letzten Beziehung auch stattgefunden.

    Magst du noch mal genauer erklären, welche Dynamiken zwischen euch entstanden sind, die so unüberwindbar erscheinen?
    Ihr braucht keine Angst zu haben, es gibt keinen Boden.

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