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Thema: Habe Ich mich selbst verloren?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Habe Ich mich selbst verloren?

    Hallo liebes Forum,
    Ich habe eine vielleicht etwas außergewöhnliche Frage, aber anders kann ich meinen aktuellen Zustand nicht beschreiben - ist es nur so eine Redewendung, oder kann man sich wirklich selbst verlieren? Und noch viel wichtiger - wie finde ich zu meinem alten Ich zurück.

    Es könnte sein, dass dieser Text etwas länger wird, deshalb schon einmal im Voraus vielen liegen Dank fürs Lesen und vielleicht hat ja der ein oder andere auch eine Antwort parat

    Kurz zu mir (da mein letzter Post doch schon einige Zeit zurückliegt). Ich bin weiblich, 27 Jahre alt und eigentlich ein sehr lebensbejahender Mensch - ich habe es geliebt zu feiern, zu tanzen, Ausflüge zu machen, Freunde zu treffen, das Leben einfach zu genießen. Ich liebe meine Familie und Freunde über alles. Ich habe 2012 mein Abitur gemacht, habe dann studiert (und das Studium auch fertig abgeschlossen). Danach habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht - habe also noch eine 3 jährige Ausbildung zur Tanzlehrerin gemacht und ebenfalls fertig abgeschlossen. Das ist auch der Beruf in dem ich aktuell arbeite.
    Mein einziges Problem war eigentlich immer nur, dass ich mit Verlustängsten zu "kämpfen" hatte, was vermutlich daran liegt, dass mein Vater sehr früh und komplett unerwartet ums Leben gekommen ist, als ich 4 Jahre alt war. Dennoch hat es mir nie an etwas gemangelt, ich hatte nie das Gefühl, dass mir eine Vaterfigur fehlt oder so - meine Mama hat immer wirklich alles gegeben (und tut es immernoch), ich hatte auch eigentlich nie das Gefühl, dass dieser Verlust mir aktiv nachhaltig Schaden zugefügt hat, oder Ähnliches. Es kommt mir nur als einziger möglicher Grund in den Sinn für diese Verlustangst, über deren Herkunft ich mir viele Gedanken gemacht habe. Ein weiterer Grund könnte der Verlust meiner Oma sein - das ganze habe ich so stark verdrängt, dass ich nicht mal mehr das Jahr zuordnen kann, aber es müsste so 5 oder 6 Jahre her sein.

    In der letzten Zeit merke ich jedoch eine starke Veränderung meiner Person bzw. im Hinblick auf mein Denken und meine Einstellung.
    Ich bin nicht mehr so unbeschwert und grundlegend fröhlich. Vielmehr fühle ich mich ausgelaugt, irgendwie kraft- und motivationslos. Ich will nicht mehr feiern, ich will nur selten wegfahren. Und oft frage ich mich, was ich früher getan habe, um so glücklich zu sein. Ich habe es geliebt spontan in die Stadt zu gehen, mich nach der Uni mit Freunden zu treffen und einfach nur den Tag zu genießen. Ich habe es geliebt nach Hause zu kommen und habe mich auf den nächsten Tag gefreut.

    Das alles ist wegen meiner Arbeit so nicht mehr möglich - ich arbeite viel (auch das hat mich früher nie gestört, ich bin sehr ehrgeizig), aber nach meinem Empfinden mittlerweile zu viel. Die Arbeit erfüllt mich nicht mehr, ich bin sogar eher gestresst und kann auch an den seltenen freien Tagen nicht abschalten, weil ich wieder "Angst" vor dem nächsten Tag habe. Sehr oft muss ich mich selbst zur Arbeit zwingen. Ich bin den ganzen Tag für andere Menschen da, immer gut gelaunt und fröhlich. Schlechte Laune dürfen wir natürlich nicht nach Außen dringen lassen. Durch die Arbeitszeiten (Vormittag/Mittag bis Nachts an 6 Tagen in der Woche) bleibt mir nur wenig bis keine Zeit für Freunde, Privates, Zeit für mich. Oft stehe ich auf, mache mich fertig, gehe zur Arbeit, komme Nachts zu müde um noch etwas zu unternehmen nach Hause und schlafe. Mein Hobby ist längst nicht mehr mein Hobby - im Gegenteil: ich bin sogar froh, wenn ich von all dem mal nur einen Tag Abstand habe.

    Zudem bin ich sehr ängstlich geworden. Ich habe den Eindruck als hätte die Verlustangst sich ausgebreitet. Ich habe IMMER Angst um meine Mutter und hier eine panische Angst vor Verlust. Manchmal kommt diese Panik so extrem auf, dass ich einfach nur weinen kann. Und die Gedanken lassen sich auch nur schwer stoppen, meistens erst dann, wenn ich schlafe.
    Außerdem habe ich mich regelrecht zum Hypochonder (und das soll nicht negativ klingen) entwickelt (das sind Gedanken, die ich früher nie hatte). Ich erwische mich dabei, wie ich Angst habe schlimm krank zu sein. Wie ich Angst habe, etwas am Herzen zu haben. Manchmal habe ich das Gefühl, als hätte ich Herzrasen, aber wenn ich nachmesse, ist alles ganz normal. Das Gefühl werde ich dennoch nicht los, genauso wie innere Unruhe. Und dann wirkt diese "Tatsache" so real für mich, dass ich richtig traurig werde und mich an nichts freuen kann, weil ich "ja eh krank bin". Das sind manchmal nur kurze Momente, manchmal ein paar Stunden, manchmal aber auch Tage am Stück, an denen ich diese Gedanken habe.
    Mir wird bewusst, wie vergänglich alles ist, und das macht mir auch Angst. Ich weiß, dass man mit 27 noch jung ist - aber dann wiederum denke ich: "wo zur Hölle ist die Zeit, bin ich nicht gefühlt gestern erst 18 geworden?"

    Diese Ängste (besonders um meine Mutter) sind erst richtig schlimm geworden, als ich im Mai letzten Jahres mit meinem Freund zusammengezogen bin.
    Dies war unter Anderem der Grund, weshalb ich mit ihm gemeinsam wieder in die Nähe meiner Mutter gezogen bin. (Bevor jemand fragt - wir wollten ohnehin eigentlich hier hin und haben damals nur keine passende Wohnung gefunden. Er war also mit der Entscheidung, wieder zurück zu ziehen auch einverstanden.)
    Jetzt fühlt es sich wenigstens endlich wieder nach "Zuhause" an und ich kann mich freuen nach der Arbeit Heim zu fahren.

    Ich könnte noch endlos viele Dinge aufzählen. Fakt ist aber, dass meine Ängste mich tagtäglich begleiten, ebenso wie meine Arbeit. Und ich werde diese Gedanken, die ich doch früher nie hatte, auch nicht los, wenn ich denn mal Zeit für einen freien Tag finde. Das, was ich dann unternehme, kann ich nur so halb genießen - da diese negativen Gedanken, die Ängste, Sorgen und der Stress mir quasi im Nacken sitzen und mich auf Schritt und Tritt begleiten. Dann bin ich oft traurig, obwohl doch gerade dann ein Tag wäre, den ich doch genießen sollte, so wie früher immer.

    Sehr oft werde ich wirklich melancholisch - ich will doch einfach nur mein früheres Leben, meine Freude, meine Unbeschwertheit zurück. Ich will wieder Zeit haben, ich will wieder genießen, einfach mal einen Tag ohne diese Angst, die mir die Freude nimmt. Ich will nicht ständig über Vergänglichkeit nachdenken müssen. Nicht ständig trauern.

    "Wenn man älter wird, verlieren einige ihren Leichtsinn" - aber in DIESEM Ausmaß ist das doch wirklich nicht normal.

    Ihr Lieben, vielen Dank fürs Lesen und für eure Geduld. Wahrscheinlich habe ich noch lang nicht alles gesagt, was ich eigentlich sagen wollte, aber ich habe versucht es so gut wie möglich zu beschreiben.

    Ich bin einfach nur verzweifelt - aber vielleicht hat ja jemand hier einen Tipp, wie ich wieder zu meinem alten Ich zurückfinden kann.

    Ganz liebe Grüße,
    Vio.

  2. #2
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    Sprich doch mal mit deinem Freund.....
    Sind ihm Veränderungen an dir aufgefallen?
    Kommuniziert er dir, dass es nicht mehr so ist, wie vor dieser Zeit?
    Wenn ja, wie nimmt er die Veränderungen wahr?

    In meinen Augen liest sich das nicht mehr, als hättest du dich einfach nur verloren.
    Wobei.....das geht sehr gut, dieses sich verlieren.
    Aber immer ist eine Veränderung im Wesen für andere sichtbar, gerade für Menschen, mit denen wir zusammenleben oder die uns in anderer Form sehr nah sind.

    Mein Tip?
    Das sind nur erste Gedanken........

    Tritt erstmal beruflich etwas kürzer.
    Gönn dir Auszeiten und Ruhezeiten.
    Tue Dinge für dich, die dir gut tun; allein und mit einem Menschen, der dir gut tut.
    Sprich mit einem erfahrenen Arzt - der auch etwas psychologischen Grundwissen hat.
    Denk mal darüber nach, ob eine berufliche Veränderung eine Möglichkeit wäre.
    Grüße
    Kai



    Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.

    Buddha

  3. #3
    Neuling
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    Habe die Antwort ausversehen doppelt geschickt. Richtige Antwort: siehe unten.
    Geändert von Vio92 (25.01.2020 um 14:12 Uhr)

  4. #4
    Neuling
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    Hallo Kai,
    Vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort!

    Ja, meinem Freund sind Veränderungen aufgefallen. Im Prinzip das, was ich auch beschrieben habe. Ich bin freudloser, gestresster, ängstlicher, weniger unternehmungslustiger. Und ich brauche mehr Zeit für mich. Obwohl ich hier denke, dass das fast normal ist... Wenn man nicht mehr so wie am Anfang der Beziehung, ständig nur und ausschließlich und in jeder freien Sekunde mit und bei dem Partner sein möchte. Das macht mich selbst total unglücklich, weil eigentlich er alles war, was ich brauchte und wollte, damit es mir gut geht. Mittlerweile bin ich froh, wenn ich mal alleine bin. Wenn ich mal nicht kuscheln muss etc. Mein Freund fühlt sich dann natürlich abgelehnt und manchmal frage ich mich, ob ich ihn denn überhaupt noch liebe, wenn ich dieses Bedürfnis nach Nähe und so nicht mehr so stark habe. Auf der anderen Seite, erscheint mir das nur logisch. Ich stehe gefühlt auf, arbeite und gehe schlafen. Bin den ganzen Tag für andere Leute und zu deren Unterhaltung da. Da ist es doch nur normal, auch mal alleine sein zu wollen, oder?
    Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir uns fremd geworden sind. Da fühlt es sich sogar komisch/unangenehm an, Nähe aufzubauen.
    Ein Zustand, den ich so auch nicht kenne. Und dann bin ich wieder bei meiner Grundaussage - das bin irgendwie nicht ich. Mein Leben läuft so an mir vorbei. Ich mache zwar mit, ich bin da. Aber dieses intensive "Leben", Zeit genießen und Zeit mit tollen Dingen füllen - das ist weg.

  5. #5
    Neuling
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    Hallo Vio , Du musst nicht versuchen zu Deinem alten "Ich" zurückzufinden ! So blöd es klingt : finde Dein neues - finde Dich selbst . . klingt wie aus nem Glückskeks . . . ich kann Dir meine Geschichte dazu erzählen ! . . aber Du bist nicht ich ! Was ich Dir aber mit Sicherheit sagen kann - Du musst Dich dem stellen !!! . . . was auch immer es ist ! Die Vergänglichkeit zu verdrängen ist der falsche weg !Meine Geschichte : wie Du habe ich Menschen verloren . . mit 5 Jahren den Vater und danach noch ca. 8 andere Menschen ! Ich hatte Panikattacken um so länger ich darüber nachgedacht habe !! . . bis ich für mich die einfache Wahrheit erkannt habe : Ich habe nur dieses eine Leben und der Tod gehört dazu ! Es gibt viele Wege mit der Wahrheit der Vergänglichkeit klar zu kommen. Ich denke das so der Glaube ( welcher auch immer) entstand. Verliere Deinen Leichtsinn, Lebe wie kein anderer, gründe eine Familie, mit Flugzeug in Hochhaus oder mit Transporter in Fußgängerzone muss nicht sein! . . aber ich hoffe Du verstehst was ich sagen will !?! . . Du flüchtest Dich in Arbeit, versteckst Dich zu hause und trauerst alten Zeiten nach . . DAS BRINGT DIR NICHTS !!! FINDE DEINE WAHRHEIT, DEINEN WEG WIE DU DAS LEBEN NIMMST ! ES WIRD AUF JEDEN FALL ENDEN !!
    Ich wollte Kinder -der Gedanke das was von mir bleibt . . weil für mich mit dem Tod alles endet ! Glaub mir . . es wir leichter wenn Du einen Weg für Dich findest ! . . diesen musst Du aber selber finden ! LG

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