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Thema: Hat jemand Erfahrung mit Dysthymie ?

  1. #1
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    Standard Hat jemand Erfahrung mit Dysthymie ?

    Wollte mal fragen ob hier noch jmd. so ein ähnliches Problem hat. "Dysthymie", die Diagnose habe ich selbst gestellt nachdem ich mich ausführlich darüber informiert habe, und sah , dass so gut wie alles auf mich zutrifft. Ich bin 22,männlich und alles fing vor etwas über 1 Jahr an. Ich besorgte mir Speed/Amphetamin, zum ersten mal in meinem Leben. Warum ich dies tat? Weil ich nach einem Weg gesucht habe, meine soziale Phobie zu bekämpfen.

    Seit ich mit ca. 14/15 zum ersten mal die Wirkung von Alkohol kennen lernte, war ich diesem sehr aufgeschlossen. Dieses unglaubliche Gefühl nach nur 3-4 Bier, wenn die Anspannung fällt, wenn Ängste und Hemmungen auf einmal weg sind, wenn man sich einfach nur gut fühlt und einfach alles was einem sonst so Spaß macht, noch 100x mehr Spaß macht (Reden, chatten, musik hören, TV gucken, ). Nur meinem strengen Elternhaus und fehlendem Freundeskreis habe ich es wohl zu verdanken, dass ich nicht zum Alkoholiker geworden bin. Ich konnte zu Hause nie trinken, weswegen ich mich immer höllisch auf jedes Familienfest gefreut habe, weil das die Ausnahmen waren. Als ich volljährig wurde, habe ich natürlich auch so mal zu Hause getrunken, aber wirklich nicht öfter als 1-2 mal monatlich, weil mein Vormund wirklich immer mitbekam wenn ich trank und dies nicht guthieß und ich mich dann auch schämte.

    Ich war zwar damals schon soziophobisch, aber ich war nie wirklich unglücklich darüber. Ich war froh, alleine zu sein, in Ruhe gelassen zu werden und habe gerne Sport im TV geguckt, Serien, Filme, oder einfach nur gechattet, Musik gehört, mit 18 kam das Autofahren zu meinen Lieblingsbeschäftigungen hinzu. Von Außen betrachtet sah mein Leben vllt. aus wie das eines einsamen Stubenhockers, aber ich war zufrieden damit!

    Bis ich eben eines Tages auf den Trichter kam, dass wenn ich etwas hätte, was so geil wirken würde wie Alkohol, und was man mir im Alltag nicht anmerken würde (kein Gestank, lallen usw.) mein Leben doch so viel geiler sein könnte. Im betrunkenen Zustand in der Schule, auf der Arbeit, beim Einkaufen , ich wäre quasi ein anderer Mensch. Und so holte ich mir Speed, und das Unheil nahm seinen Lauf.

    Der erste Abend, ich lege 2 Lines, eine durch Rechts, andere durch Links. Es brennt in der Nase wie Hölle, ich fahre durch die Gegend und warte auf die Wirkung (ich weiß, dumm und verantwortlungslos von mir). Dann wirkt es, meine Laune steigt, ich drehe das Radio lauter, bin gut drauf. Ich halte an und baue noch 2 Lines, wieder brennen aber die Wirkung knallt richtig. Ich fühlte mich als wollte ich explodieren, so ein Tatendrang in mir. Ich ging in einen Supermarkt und kaufte mir was zu trinken gegen den widerlichen Geschmack im Hals. Ich stehe an der Kasse, nicht wie sonst, leise und innerlich hoffend die Kassiererin solle mir schnell mein Wechselgeld geben damit ich von da verschwinden könnte. Ne, dieses mal stehe ich breitschultrig da und starre Ihr direkt in die Augen. Ich starre jeden an der an mir vorbeikommt mit einem Grinsen im Gesicht. Denn keiner kann mir was. Ich bin der Größte, alles ist geil.

    Rückwirkend gedacht war es das selbe Gefühl wie ich es alkoholosiert auch hatte, nur noch einen kleinen Tick stärker. Durch die ganze Dopaminausschüttung achtete ich auch nicht auf verstärkten Puls oder dergleichen. Das kam erst später. Am Abend darauf. Der Rausch hatte bis in die Morgenstunden angehalten, ist dann langsam abgeflowt, und ich hatte weder geschlafen noch was gegessen, nur am PC gehangen, Musik gehört und Wasser getrunken weil ich wie ne Sau geschwitzt habe. Am nächsten Abend, wo ich eigentlich hätte Essen und meinen Schlaf nachholen sollen, entschied ich mich, erneut was zu nehmen, um mich wieder gut zu fühlen. Vllt. wäre alles gut gegangen, hätte ich mich damals nicht entschieden weiterzumachen. Ich zog erneut, und Wirkung = 0. Da war nichts mehr, meine Reserven waren aufgebraucht, nur wusste ich das alles damals als Neuling noch nicht. Ich dachte mein Zeug wäre schlecht geworden und lauter andere Einfälle die mich immer zum weiterziehen bewegten. Ich begann Missempfindungen im linken Arm zu bekommen und googelte nach Schlaganfällen.

    Ich realisierte dass mein Puls schneller war, Atmen viel mir schwer. Ich bekam Resteless Legs Syndrom, dachte meine Beine krampfen , dehnte meine Waden wie ein Verrückter, soff Magnesium, aber das Gefühl ging nicht weg, und Krämpfe traten auch nicht auf. Ich fing an, psychotisch zu werden, eine Blume an einem Fenster im Haus gegenüber sah für mich aus wie eine Gestalt die am Fenster steht und mich beobachtet. Ich lag im Bett , starrte an die Decke und der Stuhl in meinem Augenwinkel verwandelte sich in eine Person, ich schaue drauf, und sehe nur den Stuhl, sehe wieder nach oben und der Stuhl wird wieder eine Person. Ich erschrack bei jedem kleinen Geräusch.

    Das ganze zog sich über 3-4 Tage hindurch. Immer wenn ich es geschafft hatte, 2-3 Stunden zu schlafen und was zu Essen (1 Brot fühlte sich an wie ein 3 Gänge Menü) redete ich mir ein, meine Reserven seien ja wieder aufgefüllt und ich zog wieder was.

    Und eines morgens war es dann soweit. Ich dachte, ich sterbe.Ich hatte ein Muskelzucken in der Herzgegend verspürt. War am googeln wie ein verrückter, was nicht alles passieren könnte wenn man es übertreibt. Google sagte mir, Benzo hilft dir, hab aber kein Rezept. Fahre zur Apotheke, hole mir irgendwelche rezeptfreien Medikamente zur Beruhigung, werfe alles ein. Dann kommt mir der Gedanke, hey , was ist mit Wechselwirkungen? Was wenn ich es noch schlimmer mache? Herz wird immer schlimmer, ich bekomme Todesangst, schnappe nach Luft. Rufe die 112, die holen mich. Als sie da waren, dachten die zuerst ich könnte kein Deutsch, weil ich Angst hatte , ein Wort zu sagen weil ich dachte durch die Anstrengung des Redens bleibt mein Herz stehen. Ich war wie weggetreten. An den Maschinen angeschlossen fing es direkt an zu piepen, d.H krass hoher Puls, und das piepen machte mir noch mehr Angst. Nur durch Benzos hatten sie mich beruhigen können (und die gaben sie mir erst 1-2 Stunden nachdem ich kontinuerilich danach verlangt hatte, solange hatte ich die ganze Zeit über reale Todesängste).

    Tja, und seitdem ist alles anders. Seitdem leide ich unter "Dysthymie" , wie ich selbst glaube. Ich habe keine schweren Depressionen wie man sie sich vorstellt, also ich sitze nicht heulend rum und bin am Boden zerstört. Ich kann meinen Alltag bewälltigen, aber nichts fühlt sich mehr so an wie früher. Ich bin antriebslos, kann mich an nichts mehr wirklich erfreuen. Alles ist irgendwie stumpf und sinnlos. Ich schaue keinen Fußball mehr, weil es mir egal ist wer gewinnt, und gucke keine Nachrichten mehr, weil es mir egal ist was in der Welt vorgeht. Ich war bis zu diesem Tag auch ein echter Lustmolch, d.H masturbierte teilweise 3 mal täglich und hatte ne riesen Pornosammlung. Jetzt ist da nichts mehr, als wäre ich Asexuell. Ich komme zwar wenn ich es mache, aber das Gefühl ist nicht zu vergleichen zu früher, es ist sehr stumpf und freudlos.

    Musik bewegt mich nicht mehr. Autofahren macht kein Spaß mehr. Und sogar der Alkohol wirkt nicht mehr ! Egal, wie viel ich trinke, die körperliche Wirkung setzt ein, d.H Schwindel, mir wird warm. Aber ich spüre keine Euphorie mehr. Seit diesem Tag hatte ich nie wieder mehr dieses Gefühl was ich so sehr vermisse. Diese euphorie....

    Das ist jetzt seit 15 Monaten so. Und langsam passiert das, worüber bei der Dysthymie auch gewarnt wird. Man fängt an zu denken, dieser Zustand sei Teil meiner Persönlichkeit. Aber ich weiß genau , dass es nicht so ist! Das ist nicht meine Persönlichkeit. Ich weiß nur nicht genau, was es ist. Ist es mein Unterbewusstsein? Dass diese Nahtoderfahrung sich so sehr in meinem Unterbewusstsein eingeprägt hat, dass sie mir jegliche Euphorie verweigert? Oder habe ich mir an den Tagen alle Dopaminrezeptoren verbrannt und werde nie wieder so wie früher? Ich war seitdem auch bei einem Psychologen, dem ich alles genauso geschildert habe, aber der nahm mich wohl nicht wirklich ernst, wollte mir nicht mal Antidperessiva verschreiben.

    Ich bin aktuell auch auf der Warteliste für eine 3 monatige staionäre Therapie in einer psychosomoatischen Einrichtung. Wenn ich Glück habe, kann ich diesen Monat anfangen. Aber auch da bin ich mir nicht sicher, ob mir das wirklich hilft. Der Arzt meinte beim Aufnahmegepräch sowas wie " ja und vllt. können wir es während ihrer Therapie auch mit einem leichten Antidepressivum versuchen....." - allein das sagt mir schon dass auch der mich nicht richtig ernst nimmt. Die Leute sehen mich an und sehen einen kleinen Jungen ( ich sehe echt aus wie 16-18 ) und denken ich hätte irgendeine Phase .....

    Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Was denkt ihr von meiner Selbstdiagnose ? Muss ja nicht unbedingt jmd. mit Drogenvorgeschichte sein, Dysthymie tritt ja bekanntlich auch einfach so im Heranwachsendenalter auf. Wie sehr ihr meine Heilungschancen? Werde ich je wieder so sein können wie früher? Alle werden jetzt sagen, Knackpunkt ist meine soziale Phobie . Dem widerspreche ich aber, ich will einfach nur dass es mir gut geht ! ich ******* drauf , ich sitze gerne alleine zu Hause rum, solange ich mich gut fühle. Aber das tue ich nicht mehr, und das liegt nicht an der Phobie, 100 % !!!

  2. #2
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    Hi Desmond,

    erstmal, cooler Name.
    Mit Dysthymie kenne ich mich nicht so gut aus, obwohl meine Schwester betroffen ist. Aber da wir so gut wie nie Kontakt haben, ist das auch nicht verwunderlich.
    Soweit ich weiß bezeichnet deine, dir eigens erstellte Diagnose, sowas wie eine Depression, nur mit schwächeren Symptomen, dafür aber länger andauernd.
    Ein bisschen kann ich das nachvollziehen, da ich unter Depressionen leide und mich grade noch in eine solchen Episode befinde.
    Depression sagt nicht zwangsläufig aus, daß du den ganzen Tag nichts tust als zu weinen oder so, die Stimmung kann sich im Tagesverlauf ändern, teil öfters (wie ich es an mir bemerke) und das kann auch richtig krass ausschlagen. Eine richtige Diagnose kann nur ein erfahrener Arzt stellen, trotzdem kann deine Selbstdiagnose auch stimmen, war bei mir auch so. Aber selber kannst du das nicht alles überblicken weil du nicht objektiv auf dich schauen kannst, ein Arzt kann das schon. Und es ist nicht so, daß dich die Ärzte nicht ernst nehmen nur WEIL sie dir keine Antidepressiva verschreiben wollen Ich finde es genau das Gegenteil, das zeigt, daß sie dich eben doch ernst nehmen weil sie dich nicht gleich mit Tabletten vollstopfen wollen. Weißt du, manchmal muss man sich einen Patienten erst eine zeitlang ansehen und behandeln bevor man Tabletten verschreibt, weil der Arzt muss sich ja ein Bild von dir machen, das dauert machmal etwas. Leider, aber das ist so. Und das heißt ja nicht, daß dir Tabletten nicht doch helfen könnten und du nie welche kriegst. Erstmal eins nach dem anderen. Das erfordert Geduld die du momentan wohl nicht besitzt. Ist das generell so bei dir? Es liest sich so weil du ja auch schreibst, daß du immer wieder Lines gezogen hast ohne dir eine Ruhepause zu gönnen sondern immer weiter gepowert hast, bis der Arzt kommt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Vielleicht versuchst du einfach mal den Klinikaufethalt zu nutzen und es als Chance zu sehen daß du wieder etwas aufgepäppelt wirst und zu dir finden kannst. Ich habe auch einen 9-wöchigen Klinikaufenthalt hinter mir und er hat mir viel geholfen. Ich habe fähiges Klinikpersonal kennengelernt die mir sehr geholfen haben und auch Patienten denen es ähnlich geht wie mir oder eine sogar der geht es ganz genauso wie mir. So doof wie es ist, daß auch andere Menschen durch die (gleiche) Hölle gehen wie ich, so hilfreich war es auch zu wissen, NICHT alleine zu sein. Ich werde VERSTANDEN. Immernoch, denn ich habe liebe Menschen kennengelernt und wir treffen uns immer noch ab und zu.

    Ich wünche dir alles gute und daß du die Hilfe bekommst die du brauchst.

  3. #3
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    Hallo Desmond,

    ich bin gerade auf Deinen Beitrag gestoßen, als ich nach Infos zu Dysthymie suchte...
    Dein Beitrag ist vom Mai diesen Jahres... Wie geht es Dir denn mittlerweile?

    Ich finde Deinen Beitrag sehr interessant, da Du alles sehr detailliert beschreibst. Und ich bin verwundert, dass Du so schnell auf die Dysthymie gekommen bist.
    Ich google schon seit Jahren, Jahrzehnten und bin erst jetzt darauf gestoßen...

    Ob der Gebrauch von Drogen dauerhaft zu Gehirnveränderungen führt, die zu Depressionen/Dysthymie führen, weiß ich leider nicht.
    Ich erinnere mich aber an einen wissenschaftlichen Artikel auf Englisch, wo berichtet wurde, dass schon der einmalige Gebrauch von Drogen eine - ich denke im MRT - sichtbare Veränderung der Amygdala zur Folge hat.

    Ich selber frage mich, ob ich nicht - nahezu angeboren - an Dysthymie leide. Mit schwereren depressiven Episoden...

    Wegen chron. Schmerzen habe ich mehrere Monate lang Tramadol (schwaches Opioid) eingenommen. Allerdings ein Retard-Präparat, so dass eine starke Anflutung und schnelle Euphorie ausbleiben.
    Ich spürte zum 1. x in meinem Leben eine starke - positive - psychische Veränderung und fragte mich, ob andere vlt. genauso fühlen, wie ich unter (2 x 150mg Tramadol)...

    Meine akademische Berufskarriere ist zerstört, meine Familie (Eltern, Geschwister) ist nicht ideal, ärztl. Versagen hat zu chron. Schmerzen und verfrühtem Verschleiß an gleich mehreren Gelenken geführt, das Jobcenter droht mit Fließband-Schichtarbeit...

    Ich dachte, bei der - obj. aussichtslosen - Lebenslage sei es normal, sich tief deprimiert zu fühlen... Und durch Tramadol war das nun endlich etwas anders: Ich war zunächst energie-geladen und wirklich gut gelaunt. Auch irgendwie besser als die übrigen Teilnehmer, der - für mich - völlig sinnlosen Jobcenter-Maßnahme...

    Allerdings waren einige Nebenwirkungen für mich nicht hinnehmbar... Erwähnen will ich Schlaflosigkeit... Die psych. Wirkung war nach 3-4 Monaten leider auch weg.

    Leider "vergaß" der Arzt mich über die Wirkungen eines sofortigen Entzugs auf Null zu informieren... 2 Wochen lag ich mit stärksten Grippesymptomen, Schlaflosigkeit und extremen Depris im Bett. Hätte ich das gewusst, hätte ich mindestens Vorräte eingekauft...

    Ich frage mich wie Du, ob die Einnahme von T. bei mir letztlich zu tieferen Depris geführt hat - langfristig... Deshalb googelte ich das Thema und fand diesen oben erwähnten Artikel...
    Seit dieser Zeit nehme ich weiterhin Tramadol. Allerdings passe ich sie den Schmerzen an, die bei mir je nach körp. Belastung variieren. Ich nehme sie aber auch, wenn ich schwerer depressiv werde. Momentan zB nachmittags. Nach 1 Wo. Abstinenz habe ich eben eine Micro-Dosis von 25-50mg eingenommen. Ich zerteile die Tablette - was die Retardwirkung etwas beeinträchtigt.
    Eine pos. psychisch. Wirkung verspüre ich nach einer Einnahmepause eigentlich immer. Sie muss nicht riesig sein. Aber wenn ich so eine tiefe, schwere Depri-Stimmung abschwächen kann, bin ich schon froh.

    Anders als Du, habe ich Schwierigkeiten, mir einzugestehen, dass ich Depris habe. Bzw. hielt sie ja für eine normale, zwangsläufige Folge meines - obj. - beschissenen Lebens...
    Und wie erwähnt, die Definition von Depris. passte auch nicht so wirklich.
    Nun stieß ich auf Dysthymie, es gibt auch YT-Videos dazu auf Englisch, googelte auf Englisch - und es gibt Beschreibungen, die mich zum Nachdenken bringen.

    Ein Versuch der Beschreibung wäre: Ich laufe auf einer tieferen Frequenz - einer traurigeren, ernsteren - als andere.
    Mich nehmen negative Ereignisse extrem mit - und aus dieser Trauer komme ich nicht raus. Tiersendungen kann ich mir nicht wirklich ansehen - es haut mich völlig um.
    Ich scheine viel sensibler zu sein als andere. Andere Menschen empfinde ich ua als oberflächlich, völlig egoistisch, rücksichtslos...

    Das sah ich ohne Tramadol vlt. nicht anders - aber ich litt nicht darunter. Es hat mich nicht so tief-traurig - dauerhaft traurig - gemacht.



    Du erwähnst Alkohol: Mir schmeckt Alkhol nicht so gut. Ich mag allenfalls Liköre. Sicherlich war ich einige Male im Leben betrunken - aber bei mir war/ist nie vorhersehbar, ob ich dadurch glücklicher oder tief unglücklich werde.
    Manmal fange ich an, extrem zu weinen - alles angestaute Leid von Monaten herauszuweinen. Was ich dann als heilsam empfinde. Es kommt mir dann vor, als würde ich in stärkerem Kontakt mit meinen Gefühlen stehen...

    Im Nachhinein - nach Tramadol Erfahrung - bin ich geschockt und überrascht, dass Alkohol frei verfügbar ist. Es flutet sehr schnell und stark an - wohl genauso, als wenn man T. in Tropfenform einnimmt...

    Hat mich die Erfahrung mit Tramadol deprimierter gemacht? Ich kann es nicht sagen. Jedenfalls für mich ist es extrem schwierig und anspruchsvoll, meine Gefühlslage zu bewerten, mich an frühere Gefühle zu erinnern.
    Ich denke momentan, dass T. langfristig nichts an meiner Gefühlslage geändert hat. Allerdings nehme ich meine - deprimierte - Gefühlslage nun anders wahr: Früher dachte ich, das es normal ist, sich in meiner Situation derart schlecht zu fühlen. Und ich dachte, es sei eben mein Naturell, ernsthafter, trauriger zu sein als andere - das ist ja kein Charakterfehler. Menschen, die Trost brauchten, jemanden zum Zuhören, waren begeistert von mir... Solange sie Hilfe benötigten.
    Und diese Sache, dass man es als Charaktereigenschaft sieht, bzw. die Gefahr besteht, dass man dies tut - das findet man wenn man Dysthymie googelt...
    Wikipedia ist sicherlich auf hilfreich. Sie haben es von der engl. Seite gut übernommen.
    Vlt dort steht auch: Man kann die Dysthymie gut vor anderen verbergen - jedenfalls dann, wenn man Rückzugsmöglichkeiten hat...
    Irgendwo steht auch, dass man Gefühle von Glück, bzw. Zufriedenheit immer nur kurz hat. Es hält nicht lange an...

    Das alles passt auf mich. Mich stimmulieren neue Dinge, Veränderungen - zum Guten: Aber es hält nicht lange an. So kann ich in der Karibik am Strand liegen und bin nach einigen Tagen betrübt, traurig...

    Diese unregelmäßige Einnahme v. Tramadol ist schwierig: Selbst wenn es zB gleich (nach 2-3h) anfängt zu wirken (so langsam, dass man es nicht merkt, sehr, sehr subtil), ich zahle einen Preis: Nach dem Abflauen der Wirkung (ca. 8h) geht es mir extrem schlecht... Trotzdem, ich bin froh, eine endlos dauernde oder wiederkehrende Traurigkeit wenigstens unterbrechen zu können.
    Und der Mini-Entzug kann ja nachts im Schlafen stattfinden. Oft merke ich es an neg. Angstträumen oder aber an einem unbeschreiblich schweren negat. Gefühl beim Aufwachen.

    Und eben aus diesen Gründen (Entzug, psych. Wirkung geht bei regelm. Einnahme verloren) habe ich vor, es mit SSRI zu probieren. Es sind die am wenigsten schädlichen AD's. Man muss versuchen, jedes Präp. bis zu 2 Monaten auszuprobieren, darf nicht aufgeben. Und in dieser Kategorie gibt's ja noch andere Varianten: SNARI, DRI etc. Mit Sicherheit 20-30 Präparate... Und erst dann trizyklische AD... Und keine unnötigen Medi-Kombinationen...

    Was mich betrübt, ist, dass man bei Dysthymie wohl dauerhaft Medis benötigt - und die Osteoporose-Gefahr dann wirklich recht groß wird (Knochenabbau doppelt so schnell).
    Und die Kombi SSRI mit Tramadol ist zu gefährlich (Serotonin-Syndrom).

    Ich hoffe, dass mein offener Beitrag dem einen oder anderen hilft.
    Nicht zuletzt durch meine absolute Antriebslosigkeit wird der Weg zum Arzt so schwierig...

  4. #4
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    Oh ja, Drogen können sehr schnell und zudem noch dauerhaft die Biochemie im Gehirn versauen. Ist ja Desmond passiert.
    Bei Dysthymie (da kenne ich mich leider sehr gut aus ...) ist es wichtig, nicht nur auf Medikamente zu vertrauen.
    Ausdauersport ist die Lösung Nr 1. Und hilft so nebenbei auch gegen die Osteoporose. Es ist immens wichtig, dass Du aktiv wirst und bleibst. Strandurlaub in der Karibik - vergiss es. Ein paar nette Tage am Strand, gut - aber sonst: gehe spazieren, wandern, mache etwas Kreatives.

    Ich würde Dir empfehlen, einen guten Facharzt (Psychiater) zu suchen, und das mit den Medikamenten auf eine "gesunde" Basis zu stellen.
    Alkohol ist bei Dysthymie vollkommen daneben. Ja, es hilft am Anfang (auch das weiß ich), aber der Absturz in eine tiefschwarze Depression ist so richtig gesichert. Bei mir ist es sogar so, dass eines der ersten Alarmzeichen für eine beginnende depressive Episode die Lust auf ein Bier oder ein Glas Wein ist. Dann heißt es: abstinent leben und zum Facharzt gehen.

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Antiope für den sinnvollen Beitrag:

    PanikPaul (31.08.2016)

  6. #5
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    Unter andrem hab ich diese Diagnose auch...Bei dieser scheiden sich die Geister. Nach jedem Klinikaufenthalt, hab ich durch diese Diagnose, meine Selbstakzeptanz aufgegeben. Weil Psychologen und Ärzte einen Krankheitswert draus machten. Mittlerweile akzeptiere ich mich so wie ich bin. Als introvertierter, nachdenklicher und ein bisschen ängstlicher Mensch. Das ist keine Krankheit..Mit 38 Jahren hab ich gelernt nen wirklichen depressiven Schub zu erkennen und Medikamentös gegen zu steuern. Menschen mit dem selben Wesenszug(manche nenns auch HPS) laufen oft Gefahr Suchtkrankheiten zu entwickeln. Ich hab mich auch mein halbes Leben betäubt, weil ich nicht so sein wollte und draußen extrovertierter sein wollte. Naja kann mich jetzt( voll abstinent) gut und gerne mit meiner Art identifizieren.

    LG Paul

  7. #6
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    Ich melde mich nochmals, weil ich Zweifel bekommen habe...
    Ich recherchiere ja viel im Internet und stieß auf YT auf Videos zum Thema. Ich habe mir einige Psychiatrie-Kritiker angehört: Dr. Breggin, Peter Gøtzsche und Robert Whitaker - alles auf Englisch allerdings...
    Zwar habe ich immer nach kritischen Studien gesucht und einiges Problematisches gefunden - so wußte ich, dass Neuroleptika zu Hirnschrumpfung führen etc. - aber diese Vorträge in Videos hinterlassen schon mehr Eindruck in mir - und sind viel informativer.

    Ich werde wohl keine Antidepressiva ausprobieren - Neuroleptika sowieso nicht...
    Mit meinem Opioid gegen Schmerzen habe ich ohnehin schon genug Probleme.

    Was Desmond angeht:
    Es ist tragisch, dass er seine Ängste - die er so sympathisch offen beschrieben hat - mit illegalen Drogen bekämpft hat. Wer kennt schon die Zusammensetzung... Und dann durch die Nase direkt ins Gehirn - das ist schon sehr heftig!
    Das wäre der Gang zum Psychiater natürlich auch mit Tabletten der weniger schädliche Weg gewesen. Aber gerade Ängste können einem den Weg in diese Richtung verbauen.

    Gehirne verändern sich zwar anscheinend bei Drogengebrauch - aber das muss nicht für immer sein, bzw. es kann sich wieder bessern. Gerade bei jungen Gehirnen...
    Man sollte nicht aufgeben. Ob es das Richtige ist, dauerhaft Psycho-Pillen zu nehmen, wage ich zu bezweifeln. Sie richten weitere Schäden an.

    Ideal wäre wohl eine Verhaltenstherapie oder Gesprächstherapie gewesen, oder extrem gute Freunde, die zuhören, oder die richtigen Eltern.
    Hypnose könnt man probieren. Aber da den richtigen zu finden, mag sehr schwierig sein...


    Meine Lebenssituation ist obj. bescheiden und sie wird sich nicht bessern. Ich bin kein fröhlicher Typ, eher langsam, trauriger, ernsthafter - und sehr empathisch...

    Ich bin überrascht, diese 3 Kritiker noch nie im dt TV gesehen zu haben...
    Hier mal ein Link zu dem letzten Video, das ich mir angeschaut habe... Vlt hat er recht. Vlt. könnte er Halluzinationen tatsächl. ohne Pillen vertreiben. ich finde ihn sehr sympathisch, glaubhaft. Ohne jedes finanz. Interesse macht er dieses Video...
    ( Link editiert )
    Geändert von Strolch (01.09.2016 um 21:22 Uhr) Grund: Verlinkung

  8. #7
    Schreibkraft Avatar von Sisyphus
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    Ich habe immer Schwierigkeiten damit, eine chronische Depression (unter der ich aufgrund meiner Zwangsstörung leide) von einer Dysthymie auseinanderzuhalten, auch wenn ich das Phänomen der Double Depression kenne (Dysthymie und Major Depression). Kann es nicht sein, daß Dysthymie und chronische Depression dasselbe sind? Normalerweise sind chronische Depressionen selten, die Gefahr ist wahrscheinlich gegeben, daß sich eine Dysthymie bzw. eine chronische Depression entwickelt, wenn die Depression sekundärer Natur ist, also sich aufgrund einer noch schlimmeren anderen chronischen Erkrankung festgebissen hat. Und natürlich können auch harte Drogen dazu führen, wobei der Gebrauch von harten Drogen wohl auch nicht von selbst kam. Wer harte Drogen nimmt, dem ist wohl schon vorher der Boden unter den Füßten entzogen worden.

  9. #8
    Schreiberling
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    Die Dhysthemie ist eine chronische Depression mit geringer Schwere, was nicht bedeutet, dass man darunter nicht auch leidet.

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Delfia für den sinnvollen Beitrag:

    Sisyphus (02.09.2016)

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