Hallo
Ich habe da ein paar gewaltige Probleme die mich schon seit einiger Zeit nicht wirklich los lassen wollen und ich würde mich freuen, wenn ihr diese geballte Ladung lesen würdet.

Ich bin 19 Jahre, werde dieses Jahr 20 und bin jetzt seit 1,5 Jahren mit meinem Partner zusammen, es ist eine Fernbeziehung und wir sehen uns durchschnittlich alle 3 Monate.
Am Anfang meiner Beziehung war ich sehr unsicher, ich wusste nicht, ob ich ihn attraktiv genug gefinde, ob ich eigentlich nur freundschaftliche Gefühle habe und ob ich einer Fernbeziehung standhalte.
Das hat sich alles von alleine geklärt als ich ihn dann daraufhin besucht habe und alles wunderbar war. Ab da ging es auch echt bergauf, bis zum Jahrestag war ich unheimlich verliebt, hab ihn gerne angesehen, er war für mich der attraktivste Kerl überhaupt und ich hatte ihn verdammt gern.
Zum Jahrestag hat er mir einen Ring geschenkt, damit ich immer etwas von ihm da habe und ich mich darauf verlassen kann, dass er mich liebt, obwohl er seine Probleme hat mir das so zu zeigen bzw. in Worte zu fassen. Ab da hat sich nur leider ein Schalter umgelegt und ich hatte aus dem nichts Angst. Erst dachte ich das Problem läge darin, dass der Ring wohl irre teuer war, später stand dann die Frage im Raum ob ich meinen Partner liebe, ob das reicht was ich empfinde und das Gedankenkarussel zieht sich seit Juli bei mir durch - also bereits ein halbes Jahr.

Vor drei Monaten hat sich dann was anderes reingeschlichen. Als ich auf dem Heimweg war habe ich wieder drüber nachdenken müssen, ob ich ihn liebe und dann dachte ich so "humorvoll" "vielleicht bin ich ja lesbisch haha " 2 Wochen oder so kam immer wieder mal der Gedanke hoch, dass ichs doch sein könnte, konnt es aber relativ gut wieder verwerfen. Nach dieser Zeit ist es immer penetranter geworden, ich konnte mir keine Frauen auf der Straße, auf Fotos, in Filmen und sogar Videospielen oder Zeichnungen ansehen, weil ich so eine riesen Angst hatte und Panik in mir aufgestiegen ist. Gleichzeitig habe ich aber gerade draufgestarrt um zu schauen ob ich reagiere und wie ich reagiere. Habe dauernd verglichen, ob ich die Frauen attraktiv finde, habe abgeglichen ob ich Männer attraktiv finde und mit ihnen was anfangen würde. Dadurch habe ich mich auch noch total schuldig und untreu gegenüber meinem Partner gefühlt. Mittlerweile ist es soweit besser geworden, dass ich nicht mehr total in Panik ausbreche und suche auch wieder Kontakt zu meinen Freundinnen, von denen ich mich in der Zeit ferngehalten habe. Manchmal wird es auch für 1,2 Tage besser und ich freu mich dann darüber, dass ich nicht mehr so stark darauf fixiert bin und es wohl besser wird. Danach steigt direkt wieder Zweifel und Angst hoch und ich glaube mir dann irgendwie nicht.
Der Witz ist, ich hatte immer nur beste Freundinnen und keine besten Kumpels. Ich war nie verliebt in eine Frau oder hatte bisschen mehr Interesse. Und immer wenn ich eine sehr sehr gute beste Freundin hatte, hatte ich zeitgleich einen Mann an dem ich interessiert war. Hatte also immer die Tendenz zu einem männlichen Partner.

Meine dritte Thematik ist, dass als ich meinen Partner über die Weihnachtstage besucht habe, es einfach komisch war. Wir haben uns immernoch wunderbar verstanden, viel gelacht, viel gekuschelt, ich habe ihm gerne Luftküsse und so auch Küsse über den Tag verteilt gegeben. Aber es war immer diese Unruhe in mir. Bevor das alles angefangen hat, war er DIE Person bei der ich so ruhig und gelassen war wie schon lange nicht mehr und jetzt..? Das eigentliche ist aber, dass ich von heut auf morgen wieder die Sorgen hatte ob ich ihn denn attraktiv genug finde. Ich wusste ja natürlich noch, dass ich am Anfang meiner Beziehung schon gezweifelt hatte, aber das war weg, für mich war er Zeitweise auch der Schönste. Aber aus irgendeinem Grund hatte sich da wieder ein Schalter umgelegt und ich habe 3 Tage ununterbrochen darüber nachgedacht, dass ich ihn hässlich finde, dass er so emotionslose Augen hat, dass er zu dick wäre, er mir nicht gefällt, ich schluss machen will. Das hat mich so extrem fertig gemacht.. Danach hat es langsam angefangen, dass ich ihn hier und da wieder hübscher fand, ich muss dazu ehrlich sagen, dass er mir von der Seite einiges besser gefällt als von vorne.

Er ist meine erste Beziehung und ich seine, wir sind beide vorher ohne sexuelle Erfahrungen in die Beziehung gegangen, ich habe also keine Vergleiche oder sonst irgendetwas. Ich frage mich auch ob so wie ich vieles empfinde in unserer Beziehung normal ist. Z.B., dass ich langes Küssen nicht mag, Zungenküsse sind für mich auch komisch, wir können es beide nicht. Und normale Küsse mag ich über den Tag viele kleine, aber nicht stumpf aufeinander liegen und dann die ganze Zeit küssen, das ist irgendwie langweilig und ohne Gefühl für mich. Auch frag ich mich ob jeder komisch von Nahem beim Küssen aussieht und ich mir unnötiger Weise, weil er von so einer Nähe komisch aussieht, deswegen einrede, dass er allgemein unattraktiv wäre. Der Sex ist auch naja.. nicht gut. Er hat einen sehr großen Penis und jedes Mal wenn wir uns wieder sehen, habe ich Schmerzen. Nach ein paar mal gehts, aber wirklich Zeit um rauszufinden, was einem gefällt, haben wir nicht. Ich weiß auch nicht was sich gut anfühlt, er weiß es selbst natürlich auch nicht. Letztes Mal hatte ich die Hoffnung, wenn ich mit ihm schlafe, und dann erregt bin, dass ich die Bestätigung hätte, dass ich definitiv nicht lesbisch wäre. Das ist nur leider in die Hose gegangen: es hat weh getan, gar keinen Spaß gemacht und ich war so extrem frustriert und verzweifelt, dass ich mitten drin angefangen habe zu weinen. Mir kam sogar das Wort Vergewaltigung in den Sinn. Schuldgefühle kamen dann auch noch zusätzlich dazu. Danach habe ich auch nicht nochmal versucht es zu probieren, aus Angst, dass es wieder eine Katastrophe wird.

Das habe ich alles meiner Therapeutin erzählt, sie meinte ich sollte das in der Gruppentherapie ansprechen, weil gerade die lesbisch Thematik jemand kennen würde. Ich bin danach mit dem Gedanken hin, dass mir jemand sagt "du ich hatte das gleiche durch, aber alles ist gut. Ich bin nicht lesbisch." stattdessen hat mir eine homosexuelle Frau gesagt, dass es ihr ähnlich ging, sie bereits mit mehreren Männern anfangs zusammen war, von einem dann auch ein Kind bekommen hat, aber dann doch rausgefunden hat, dass sie lesbisch wäre. Das konnte ich ja nun garnicht gebrauchen, weil ich eine heiden Angst davor hatte, dass genau das eintreten könnte. Dass ich mir all die Zeit einreden würde, alles wäre in Ordnung und es plötzlich Klick macht und ich merke, dass ich eigentlich was von Frauen möchte und meinen Partner daraufhin verlassen müsste. Was ich ums verrecken nicht will, ich will ihn nicht verlieren und ihm auch nicht so eine Trauer zumuten.

Rauskristallisiert, dass alle "Schwerpunkte" darauf hinauslaufen würden, dass ich Schluss machen müsste. Muss ich zwar eigentlich nicht, aber das ist meine logische Schlussfolgerung. Nur tut das weh, ich will es nicht tun, weil er mir sehr wichtig ist und ich ihn auch so nicht verletzen will. Er weiß auch nur bruchweise was los ist, dass ich denke ich wär lesbisch oder dass ich ihn hässlich finden könnte habe ich ihm nicht erzählt, weil ich nicht will, dass er sich damit auch noch belastet.

Danke.