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Thema: Ich kann mit dem Sterben nicht umgehen

  1. #1
    Neuling
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    Standard Ich kann mit dem Sterben nicht umgehen

    Hallo, liebe Foris.
    Ich hoffe, Ihr haltet mich nicht für eiskalt.
    Es gibt da was, was mich quält. Ich habe eine Oma, die fast 86 ist. Ich habe sie immer sehr geliebt und sie mich. Sooft ich konnte, habe ich sie besucht. Leider lebt sie im Ausland, und die Flüge sind sehr teuer für meine Verhältnisse. Seit ihrem Sturz ist sie ein ziemlicher Pflegefall geworden, meine Tante pflegt sie jetzt. Sie baut immer mehr ab, auch geistig. Ich rufe da immer wieder an und erkundige mich danach, wie es ihr geht. Was die Tante erzählt, ist haaresträubend! Meine Oma kann sich nicht mehr allein hinlegen, sie muß gewaschen werden usw. Das tut verdammt weh! Und hier ist mein Problem: ich habe Angst sie zu sehen, in diesem Zustand. Mich plagt die Sehensucht nach ihr und das Pflichtbewußtsein, aber ich kann nicht. Und dann habe ich Angst, daß sie stirbt, und ich habe sie nicht gesehen.
    Ich hätte früher nie gedacht, daß ich so bin. Durch einen Zufall habe ich erlebt, wie meine Tante gestorben ist. Ich habe sie kurz vor dem Tod gesehen, diese einst schöne Frau, zerfressen von Krebs, total blau angelaufen im Gesicht. Und dann war sie tot. Ich habe sogar kein Problem, mit Toten umzugehen, ich kann mich von ihnen im offenen Sarg verabschieden, nur Leute oder sogar Tiere, die offensichtlich bald sterben werden, die kann ich nicht ertragen. Nach dem Tod von meiner Tante sind meine Tumore in der Gebärmutter innerhalb einer Woche riesig geworden, ich fing an ununterbrochen zu bluten und mußte mich einer schweren Operation unterziehen. Als mein über alles geliebter Kater nach einem tragischen Unfall eingeschläfert werden mußte, bin ich da rausgerannt. Nachher haben wir ihn im Garten begraben, was sehr traurig war, jedoch konnte ich damit umgehen. Danach habe ich mich als Verräterin gefühlt und schäme mich jedesmal, wenn jemand erzählt: "Mein Tier ist bei mir auf dem Schoß eingeschläfert worden, ich habe ihn bis zum Schluß gestereichelt".
    Was soll ich nun tun? Was würdet Ihr sagen?
    Danke.
    Lieben Gruß
    Soreya

  2. #2
    Roman Verfasser Avatar von Corelli-Crystal
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    Hallo Soreya,

    es ist eine schwere Entscheidung vor der Du da stehst und es ist
    sehr schwer Dir da zu etwas zu raten.

    Trotzdem möchte ich Dir antworten und kann Dir nur aus meiner
    Sicht sagen was ich tun würde.

    Wenn das Verhältnis zur Oma sehr eng war, ich glaube dann würde
    ich nochmal zu ihr fahren um sie zu sehen, ihr eine Freude zu machen
    und mich auch von ihr verabschieden.
    Natürlich wird dieser Schritt sehr schwer werden, aber vielleicht
    bereust Du es später wenn sie gestorben ist, das Du Dich nicht von
    ihr verabschiedet hast.

    Als meine Oma verstorben ist vor 2 Jahren hab ich mir einige Zeit vorgeworfen das ich mich in den letzten Stunden ihres Lebens nicht von ihr verabschiedet habe, aus Feigheit wenn man es so nennen mag....

    Liebe Grüsse
    Corelli
    ***
    Es ist Unsinn, sagt die Vernunft
    Es ist Unglück, sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst
    Es ist aussichtslos,sagt die Einsicht
    Es ist lächerlich, sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung

    Es ist was es ist, sagt die Liebe

    Erich Fried

  3. #3
    Gast4108
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    Hallo Soreya,

    ich wollte dir schon schreiben, aber hab jedes mal unterbrechen müssen.

    Du hast das gleiche Problem wie meine Mutter mit ihrer Schwester, meiner Tante.

    Auch Pflegefall auch schrecklich.

    Ich hab es meiner Mutter gesagt, und ich sage es dir auch:

    Manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass man was nicht kann und es bleiben lassen.

    Schau ich vermute mal ein Mensch, der von allem was ihm Passiert immer die Sonnenseiten aufbewahrt und der sich gerne an das Schöne das ihm im Leben weiderfahren ist erinnert.

    Du bist nicht der Typ, der auf einen Exfreund jetzt nur mit Hass blickt du siehst immer in der Rückblende wie toll es war und das Ende na ja das vergisst man halt nach deiner Meinung.

    du hast viele wunderschöne und gute Eigenschaften und du bist mitfühlend.

    Du kannst es dir aussuchen:

    Willst du deine Oma so in Erinnerung bewahren wie siie war oder so wie sie geendet hat.

    Willst du dir diese sterbliche Hülle wirklich reinziehen nur aus Verantwortungsgefühl oder weil man das eben so macht oder weil du glaubst du musst ihr Lebe Wohl sagen?

    NÖ sag ich.

    Behalte sie lieber so in Erinnerung wie sie in ihrer Kindheit zu dir war oder meinetwegen in deiner bisher schönsten Erinnerung.

    Deine Oma würde vielleicht ähnlich denken. Warum willst du sie eigentlich dieser Peinlichkeit aussetzen? Glaubst du sie ist so glücklich über jeden Besuch?

    NÖ sag ich, die schämt sich irgendwie und irgendwo selber dass sie so ist und ein Pfegefall.

    Du hilfst niemand damit.

    Echt nicht.

    LG

    Samantha

  4. #4
    Gast1006
    Gast

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    Hallo,

    Was soll ich nun tun? Was würdet Ihr sagen?
    Einfach dir vorstellen, wenn du daliegen würdest und eingeschränkt wärst und du wüsstest du bist darauf angewiesen, dass die Menschen die du liebst sich die Mühe machen - dich und deinen Leben Tribut zu zollen ... dich einfach alleine verrecken lassen - das stelle dir vor - wie begeistert du darüber wärst!

    Da kannst du dann erleben - was Leben wert ist !

  5. #5
    Schreiberling
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    wenn du es schaffst fahr hin....denn ich denke auch, deine Oma vermisst dich und man verabschiedet sich halt von Menschen wenn sie vorhaben zu gehen.

    Ich mache ehrenamtlich Sterbebegleitung und kann nur sagen das es alte Menschen gibt, die nicht sterben können vor Sehnsucht noch einmal die Lieben zu sehen. Sie können es selbst nicht ausdrücken aber sie quälen sich und wenn dann die Angehörigen mal da waren sterben sie oft sofort danach mit einem Lächeln.

    Ich pflege ja auch und kann dir nur sagen das man nichts tut was man nicht will. Wenn man davor steht ist es wie von innen heraus das man Hilfestellungen gibt und für alles was man selbst nicht kann gibt es auch im Ausland hilfe...und wenn es eine Nachbarin ist.

    Wenn du schon diese Gedanken hier rein schreibst kann ich mir denken, das es dich sehr beschäftigt...und das wiederum nehm ich mal so zum Anlass zu sagen....fahr hin denn wenn sie gegangen ist wirst du stolz auf dich sein und dankbar das du ihr die letze Zeit beistehen konntest...sonst frisst dich dein Gewissen auf wenn es zu spät ist....schreib ihr doch wenigstens einen Brief,, schöne Dinge aus deinem Leben, Dinge die sie beruhigen das es dir gut geht....auch das ist oft schon Balsam für ihre und deine Seele.

    Nicht jeder Mensch sieht so aus wie deine Tante im Sterben....die meisten wirken friedlich und glücklich!!!

  6. #6
    Wunderlampe
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    Hallo Soreya

    Ich denke mal, wenn du deine Oma wirklich noch einmal würdest sehen wollen, dann wäre dir egal was es kostet.

    Es kann kein Mensch auf der Welt von dir verlangen zu tun, wozu du dich nicht in der Lage siehst.

    Treffe eine Entscheidung und stehe dazu. Wenn du dich außerstande siehst sie zu besuchen, dann lasse es sein. Vielleicht ist diese Feigheit ein notweniger Selbstschutz.

  7. #7
    Neuling
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    Nein, die Kosten habe ich erwähnt, um damit zu sagen, daß ich sie auch in der Vergangenheit nicht sehr oft besucht habe, sondern so oft, wie es ging. Ich habe mir Mühe gegeben, sogar vom Schmerzensgeld nach meinem Autounfall habe ich mir ein Flugticket geleistet. Um Kosten primär geht es also nicht. Meine Oma liegt noch nicht im Sterben, Gott sei Dank. Und sie ist nicht allein, sonden wird von ihrer Tochter liebevoll gepflegt. Das ist mit irgendeinem Pflegeheim, wo man manchmal wirklich verreckt, nicht zu vergleichen. Ich habe beschlossen, jeden Monat etwas Geld beiseite zu legen, bis ich die nötige Summe für das Ticket habe. Vielleicht brauche diese Zeit, um mich selbst darauf vorzubereiten. Und Selbstschutz ist für mich wichtig, jawohl. Ich bin selbst nicht die gesündeste, sonden hatte schon mal Krebs vor 4 Jahren und zig andere Sachen in der jüngsten Vergangenheit. Der letzte Krankenhausaufenthalt liegt gerade 3 Monate zurück.
    Ich habe bis jetzt nur verreckende Sterbende erlebt, sorry. Mein Onkel starb mit 49 an Bauchspeicheldrüsenkrebs elenden Todes. Meine Freundin an Magenkrebs. Ein Kollege von mir ist an AIDS gestorben.

  8. #8
    Schreiberling
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    Soreya

    ohjeeeeeeeee dann hast du nur Sterbende "erlebt" o von ihnen gehört die vorher eine schwere Zeit hatten...

    glaub mir, alte Menschen sterben friedlich Sie gehen einfach in Frieden ohne Schmerzen, im Gegenteil meistens denkt man an dem Tag an dem sie gehen sie würden sich nochmal aufraffen so gut geht es ihnen....

    und wenn sie noch nicht im sterben liegt ist es doch schön...dann spar schnell und fahr, sie wird es nie vergessen....und du auch nicht.

    ich habe in Griechenland gearbeitet mit Sterbenden und Senioren. Wo lebt deine Oma?

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