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Thema: Kann man im Erwachsenenalter noch Lieben lernen?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Kann man im Erwachsenenalter noch Lieben lernen?

    Hallo liebe Leute,

    Wie einige hier habe auch ich mit Selbstwertproblemen zu kämpfen aber die letzten Wochen haben mir doch sehr vor Augen geführt, dass ich wohl ziemlich schlecht von mir selbst denke.
    Ich hatte schon immer ein geringes Selbstwert und kaum Selbstvertrauen aber ich habe wirklich stark an mir gearbeitet, war in Therapie und habe mich meiner Meinung nach enorm entwickelt. Ich habe mich so gut es ging aus meiner Komfortzone heraus gewagt und bin auch eigentlich stolz auf meine Entwicklung. Eigentlich dachte ich, ich sei mittlerweile sowas wie “normal”. Mit ein paar Dingen, die mir halt nicht gefallen aber das hat ja jeder.

    Ich wollte mich zuvor jedenfalls nie auf Dates einlassen, da ich auch niemanden meine Selbstwertprobleme aufhalsen wollte und weil ich mich natürlich auch nicht als liebenswert erachtet habe. Jetzt (nach ner Ewigkeit) hatte ich aber das Gefühl, trau ich mich mal. Aber mir ist schon bei der Dating-App aufgefallen, dass ich Männer, die ich optisch ansprechend finde, nicht anschreibe, weil ich mich selbst als zu hässlich sehe. Als ich das Freunden erzählt habe und eigentlich dachte, ich bekomm ne Antwort wie “ahja kenn ich nur zu gut” warn sie eher entsetzt wie ich von mir denke.
    Mit ein paar Männern habe ich mich dann doch mal getroffen und aus irgendeinem Grund fuhr ich dann plötzlich die Freundschaftsschiene (und das tut mir auch zutiefst Leid, ich weiß, dass muss ätzend für Männer sein), weil ich nicht über Beziehungen, Liebe und sowas reden kann. Ich hatte das nie so recht und ich weiß einfach wirklich gar nicht, wie das funktioniert. Ich fühle mich super unwohl dabei, wenn man sich quasi nur zwecks Beziehungswünschen trifft. Daher habe ich relativ zu Beginn hier die Luft rausgenommen, obwohl er mir eigentlich gefallen hat.
    Ich habe das Gefühl, dass ich mir sowas auch gar nicht erlaube. Ich weiß gar nicht, wie ich diese Angst beschreiben soll. Ich muss dazu sagen, ich bin absolut lieblos erzogen worden. Ich habe nie ein “ich habe dich lieb” gehört, wurde nie umarmt, wurde nie gelobt oder sowas wie ein Gute Nacht-Kuss war völlig absurd. Meine Mutter wurde leider auch so erzogen, daher gab sie das halt so weiter. Und mein Vater mochte mich nicht, da ich ein Junge hätte werden sollen. Das hat er mir auch immer zu spüren gegeben. Damit habe ich zwar halbwegs abgeschlossen und wie oben erwähnt auch dran gearbeitet. Aber da mir durch dieses Dating grad klar wird, dass ich nicht mal weiß, wie sich Liebe anfühlt und ich daher auch nicht weiß, wie ich das geben soll, kommt grad alles wieder hoch. Kann ich das noch lernen? Ich hab Angst, dass ich irgendwann allein ende, weil ich immer ewig an mir arbeiten muss, was in meiner Kindheit verbockt wurde.

    Ich wünsche natürlich niemanden dieses Problem aber ich hoffe trotzdem auf Tipps und Erfahrungen von Euch.

    PS: Damit nicht nur auf Dating Apps herumgestochert wird, ich habe auch Männer in Real Life kennengelernt. Ich wollte das nur auch mal gern ausprobieren und hab das hier als Beispiel aufgeführt. Aber ich kann Männer auch anders kennenlernen, es geht nur ab einem gewissen Punkt für mich nie weiter

  2. #2
    Schreiberling
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    Standard

    Das kann man definitiv lernen.
    Es ist nur bei dir scheinbar so, dass es nicht die Liebe ist, die du nicht kennst.
    Denn die spürst du instinktiv, wenn sie dich trifft.
    Bei dir scheint mir eher das Problem zu sein, dass du die Nähe nicht kennst und davor zurückschreckst.
    Aber auch das kann man lernen.
    Ich kannte das aus meiner Kindheit auch nicht.
    Und auch bei mir war es ein Lernprozess, welcher allerdings auch mit der ein oder anderen gescheiterten Beziehung einher ging.
    Wichtig ist dabei, und jetzt kommt das Problem, welches ich sehe, nämlich zu reden, zu reden, zu reden.
    Fragen an den anderen zu stellen: was er sich wünscht, was jetzt angenehm wäre, was ihn jetzt zum kuscheln animieren könnte, wie er gern kuscheln würde.
    So könntest du dich langsam an die Nähe ran tasten.
    Du musst dich eigentlich nur einmal überwinden und das Thema ansprechen.
    Beim zweiten Mal wird das Reden dann schon leichter usw usw

    Und mach dir keinen Kopf, weil für Männer irgendwas ätzend sein könnte.
    Es geht erstmal nur um dich.
    Und auch wir Männer wissen, dass, wenn wir jemanden treffen, es nicht unbedingt gleich mit Funken der Verliebtheit einhergeht.
    Grüße
    Kai



    Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.

    Buddha

  3. #3
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    Hallo sianni,

    hast Du schon einmal überlegt, Dich mit Deinen Anliegen an einen Therapeuten oder eine Therapeutin zu wenden?

    Viele Grüße
    Hirsch

  4. #4
    Neuling Avatar von Cailynn
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    Hi sianni,

    ich kann deine Gedanken und Gefühle sehr gut verstehen. Auf Grund meiner schlechten Kindheit hatte ich sehr, sehr lange ein unfassbar schlechtes Männerbild in meinem Kopf. Gepaart mit furchtbarer Angst vor Nähe. Dadurch bin/war ich der typische Spätzünder wie man immer sagt. Während all meine Freundinnen ihren ersten Freund hatten, erste Erfahrungen gesammelt haben, hab ich all das immer panisch von mir fern gehalten und mich mit anderen Sachen beschäftigt. Und das auch irgendwie als etwas heiliges empfunden, an das ich mich geklammert habe (z.B. meine Pferde). Manchmal haben Leute interessiert gefragt warum ich noch nie einen Freund hatte, aber sehr oft wurde ich von Gleichaltrigen deswegen gemobbt und von älteren als unnormal beäugt. Das war für mich immer ganz schlimm weil ich das Gefühl hatte mit dem Rücken an der Wand zu stehen und nicht in diese Gesellschaft zu passen.
    Ich war sehr lange in Therapie, ambulant und stationär. Das hatte zwar in vielen Bereich Erfolg, aber in diesem einen Thema hab ich mich so unfassbar schwer getan. Es war nicht so das sich keine Jungs für mich interessiert haben. Aber sobald ich das gemerkt habe, habe ich Panik bekommen und das sofort abgewürgt.

    Von daher musste ich bei deinem Thema sofort an mich selbst denken. Im Endeffekt hat sich daran etwas geändert, als ich mich einfach mal ganz unverbindlich getraut habe jemanden an mich heran zu lassen. Immer mit der Option es nicht "bis zum Schluss" (damit meine ich körperliche Nähe) durchziehen zu müssen. Das hat mir Druck genommen. Was meiner Meinung nach ganz wichtig war/ist, dass du jemanden findest dem du das ganz offen erzählen kannst. Der um deine schlechte Kindheit weiß und daher auch deine Zurückhaltung richtig deuten kann. Und der darauf Rücksicht nimmt und empathisch auf dich eingehen kann. Ich hatte das Glück so jemanden für meine ersten Schritte mit dem anderen Geschlecht an meiner Seite gehabt zu haben und so habe ich, über längere Zeit, immer mehr Selbstsicherheit bekommen, meine negativen Erfahrungen durch positive "austauschen" können und es letztendlich überwunden
    Heute wohne ich mit meinem Freund zusammen und habe eine kleine süße Tochter (11 Wochen alt).
    Das hätte ich NIEMALS gedacht, dass ICH mal nen Freund haben werden. Ich! Das ich mal mit einem Mann zusammenlebe oder gar Kinder habe. In dieser Zeit undenkbar für mich.
    Ich will dir damit Mut machen, dich einfach mal zu trauen. Du kannst ja jederzeit zurück ziehen wenn es dir zu viel wird. Aber ich denke das ist der einzige Weg wie du da weiter kommst. Therapeutische Begleitung dazu halte ich für sehr sinnvoll, hat mir gut geholfen meine neuen Erfahrungen richtig einzuordnen, weil doch oft Unsicherheit aufkam.

    Ein bisschen kritisch sehe ich offen gesagt Dating Apps für jemanden mit deinem Hintergrund. Ich weiß ja jetzt nicht bei welcher du angemeldet bist aber meiner Erfahrung nach wollen viele da nur das Eine.... Gibt natürlich auch welche, die ernsthafte Beziehungen suchen, klar. Sei da ein bisschen wachsam

    lg Cailynn

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