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Thema: Keine Empathie

  1. #1
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    Standard Keine Empathie

    Moin!

    Ich wollte mal etwas tun, was ich normalerweise nicht tue und das ist mein Problem zu schildern.

    Vorgeschichte:
    Ich wusste schon als Kind, dass ich anders bin. Ich wusste nicht warum, war früher auch nicht wichtig. Ich hab den Sinn von Schule nicht verstanden, niemand hat es mir logisch nachvollziehbar erklärt, also hab ich die Schulzeit über geschlafen. Hat trotzdem gereicht für mittelmäßige Noten auf der Realschule. Freunde hatten für mich keinen logisch nachvollziehbaren Sinn, deswegen hatte ich keine.
    Mit so 18, 19 hab ich eine Ausbildung begonnen. Ich wurde dort von Vorgesetzten quasi gemobbt, obwohl ich sehr gut war, bzw gerade deswegen. Das hat unter Anderem zu schweren Depressionen geführt. Also insgesamt war die psychische Schädigung schon sehr schwer. Ich hab mich zurückgezogen in ein kleines Dorf, in die letzte Hütte am Waldrand. Dort begann ich mich mit Psychologie zu beschäftigen um mich selbst zu "reparieren". Die sehr langen Perioden der Einsamkeit waren schon sehr schlimm, aber ich konnte das irgendwie überbrücken, auch weil ich einfach genug damit zu tun hatte mir möglichst viel Wissen anzueignen.
    Das Ganze hat dann gedauert bis ich etwa 29 war. Ich hatte dann eine sehr liebevolle Freundin. Durch sie wurde mir dann aber bewusst wie sehr anders ich bin. Die Beziehung ging in die Brüche.

    Mittelteil:
    Ich hatte so eigentlich keine Probleme mehr mit Depressionen oder soetwas. Ich war bereit ein Leben anzufangen. Aber wie? Da ich viel stärker als zuvor das Gefühl der Einsamkeit hatte wollte ich Freunde finden. Hat nicht funktioniert. Ich hatte eine ganz gute Arbeitsstelle, welche ich aber schon nach 2 Jahren verlassen hab. Ich hatte ein Problem mit der Kommunikation mit Menschen. Meine Vorgesetzte hatte angefangen Gerüchte über mich zu erfinden und irgendwann haben alle hinter meinem Rücken gelästert. Ich war mit der Situation überfordert und hab gekündigt. Egal, dachte ich mir. Das schaffst du nochmal. Ich wollte ein ganz neues Leben anfangen.

    Endteil:
    Kommunikation mit Menschen funktionierte nicht. Obwohl ich mich gut ausdrücken kann schien es immer so als würden alle eine andere Sprache sprechen als ich. Ich nahm einen Kredit auf, verkaufte meine Hütte und zog in die Stadt. Neues Leben, neues Glück. Zu dem Zeitpunkt war ich 33. Eines der ersten Dinge, die ich tat, war die Anmeldung in einer Psychiatrie. Und ich hatte echt Angst. Ich sagte etwas wie: "Irgendwas stimmt mit mir nicht. Ich weiß nicht was. Ich bekomm das letzte Puzzleteil nicht alleine raus. Es hat irgendwas mit den anderen Menschen zu tun, aber ich weiß nicht was. Bitte finden sie raus was mit mir nicht stimmt."
    Das taten sie. Diagnose Asperger Autismus.
    Ich wusste nicht so richtig was ich damit anfangen sollte. Darauf musste ich erstmal klarkommen. Zwar hatte ich im Laufe der Zeit soetwas schon einmal in Betracht gezogen, war dem aber nie nachgegangen.
    In der Psychiatrie sagte ich, dass ich auch gerne soetwas machen würde, wie die Psychologen. Immerhin hatte ich sehr viel darüber gelernt. Sie sagten, dass das nichts bringt, weil ich nicht emphatisch genug bin. Und es hat lange gedauert bis ich verstanden habe was sie damit meinten. Ich für meinen Teil fand mich schon emphatisch, aber ich verstand etwas anderes darunter als Andere. (So entstehen Kommunikationsprobleme zwischen mir und Anderen. Dasselbe Wort, verschiedene Deutungen)
    Ich wurde als "hochfunktional" eingestuft. Man war ich stolz! Ich hatte nicht nur viel Wissen über Psychologie, ich hatte mir auch viel über Unternehmungsführung und Ähnliches beigebracht. Hochfunktional und so viel gelernt, die Welt steht mir offen, dachte ich. Ich perfektionierte meine Bewerbungen, suchte mir dafür professionelle Hilfe. Und nix. Alles was ich kann, alles was ich weiß, kann ich nicht belegen. Ich hab nicht studiert, ich hab nichtmal Abi. Mir wurde klar, dass alles, was ich mir erarbeitet hab, in der "realen" Welt komplett wertlos ist.
    Egal. Geld war mir nie wichtig. Ich versuchte Freunde zu finden. Ein Jahr lang hab ich alles probiert. Aber irgendwie... ich will nicht zu sehr ausschweifen, aber es hat eigentlich nichts funktioniert.
    Jetzt bin ich verschuldet, bekomme Hartz 4 und hab keine sozialen Kontakte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
    Ich denke, dass ich mich damit abfinden muss. Ich versuche derzeit einen Halbtagsjob zu bekommen, aber ich glaube, dass ich es nicht mehr schaffen werde mir etwas wie einen Freundeskreis aufzubauen. Ich bin auch einfach zu alt. In dem Jahr in dem ich aktiv Freunde gesucht habe bin ich nur junge Menschen (20-25) getroffen. Und dann ist da dieses Problem mit der Empathie, das ich nicht lösen kann.

    Jemand sagte: "Menschen treffen sich um Emotionen zu tauschen", komplette Verwirrung in mir. Aber es macht Sinn. So machen auch die Gesprächsthemen in "geselligen Runden" Sinn. Aber für mich macht das keinen Sinn. Für mich macht der Austausch von (neuen, fachlichen) Informationen Sinn. Niemand will hören wie ich an einem Samstag Abend bei einem Bier darüber rede wie das Bewusstsein funktioniert oder wie interessant der Doppelspalteffekt in der Quantenphysik ist und was dies bedeuten könnte. Das bringt mich in eine Situation in der ich nicht mehr weiß was ich noch machen soll.
    Mir geht´s nicht mehr schlecht. Ich bin halt nur einsam. Immer.
    Halbtagsjob, ein bisschen Sport, ein bisschen Nachrichten (aber nicht zuviel), ein paar neue Thesen entwickeln zu irgendwas. Aber für immer alleine, denke ich. So sehe ich meine Zukunft. Das belastet mich schon, muss ich zugeben. Keine Ahnung warum mich das früher nicht belastet hat.

  2. #2
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    Hallo Who am I,

    deinen Beitrag finde ich sehr interessant, da es mich selbst sehr fasziniert, wie andere keinen logischen nachvollziehbaren Sinn in Freundschaften sehen.
    Im Grunde ist der Mensch ein soziales Wesen, das beweist auch deine Konfrontation mit der Einsamkeit.
    Also man spürt den Sinn von zwischenmenschlichen Beziehungen sofort.
    Alles zwingend nüchtern und praktisch zu sehen, während der Mensch ein eher emotionales Wesen ist, hat für mich was wie ein Roboter.
    Wissenschaft und so mag ja interessant sein, aber nicht für jedermann und auch nicht zu jeder Zeit.
    Da müsstest du jemanden finden, der dieselben Interessen hat wie du, wo du wiederum auch wieder den Sinn von Freundschaften siehst.
    Freundschaften entstehen meist durch Gemeinsamkeiten, was dazu führt, dass man sich viel besser ausleben kann und sich mehr erfüllt fühlt. Und so festigen sich die Bindungen.
    Allein auf weiter Flur zu sein, ist ein sehr erdrückendes Gefühl.

    Empathie würde ich bei dir bei deiner beschrieben Vorliebe für sachliche Informationen und des Nichtsehens eines Sinnes eines Austauschs der Emotionen auch nicht sehen.
    Wiederum interessant finde ich, dass du dir die Empathie auf die Fahne schreibst.

    Empathie ist jetzt kein Wort, wo es auf den Betrachtungswinkel ankommt, sondern ein fest definierter Begriff, der nicht von jedem anders gedeutet werden kann.
    Was nützt dir jegliches Wissen, wenn du dich in eine andere Person nicht einfühlen kannst?
    Eine emotionale Intelligenz bei emotionalen Lebewesen ist unbestreitbar wichtig.

    Ich kenne mich mit Asperger nicht sonderlich gut aus, aber eventuell kannst du dir das ja aneignen.

    Ansonsten bist du doch sehr prädestiniert für die höhere Ebene der kapitalistischen Arbeitswelt. Als Firmenboss, bspw..

    Also irgendwo und irgendwie könntest du schon Erfüllung finden.

  3. #3
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    Rein theoretisch könnte ich wahrscheinlich echt ein skrupelloser kapitalistischer Firmenboss sein, aber das widerstrebt meinem Wesen. Also ich könnte mich darauf einlassen, aber ich will es nicht. Es würde mich auch nicht glücklich machen. Eigentlich bin ich eher gegen den Kapitalismus, wobei das auch leicht falsch aufgefasst wird.
    Ich bin für Menschen und gegen Ausbeutung, Unterdrückung usw. Ich bin für das Klima und den Planeten und nicht für die Vernichtung. Ich habe hohe moralische Werte. Ich will auch, dass es den Menschen in meiner Umgebung gut geht, deswegen gebe ich zb oft hilfreiche Ratschläge. Das alles ist dann irgendwie meine Auffassung von Emphatie gewesen. Also der Effekt ist eigentlich ähnlich zur echten Emphatie, nur das er von mir "logisch" erzeugt wird. Schwer zu beschreiben.

  4. #4
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    Ja, das könnte man schon als Empathie einstufen. Wenn du anderen helfen möchtest, wie sähe dann ein konkretes Beispiel aus? Also jemand äußert ein Problem und welcher Ratschlag kommt dann?

  5. #5
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    Das kommt ganz drauf an. Es kommt auch auf das Problem an. Die Prozesse sind verschieden. Meistens stelle ich eine Reihe komischer Fragen und errechne daraus Wahrscheinlichkeitswerte.
    Ich versuche gerade mehrfach ein Beispiel zu erörtern, aber das ist so komplex. Ich hab keine Ahnung wie ich das beschreiben soll.

  6. #6
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    So wie Sheldon Cooper?

  7. #7
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    Ich habe eine, ich nenne sie, "Mustererkennungssoftware". Damit analysiere ich beispielsweise Verhaltensmuster von Menschen. Aus den Verhaltensmustern kann ich Rückschlüsse zur Persönlichkeit ziehen, oder zu den "wahren" Absichten von jemandem oder auch zur Intelligenz. Wenn ich jemanden treffe, beispielsweise in einer Kneipe, dann weiß ich nach wenigen Minuten mit hoher Wahrscheinlichkeit wie dieser Mensch tickt, was seine Absichten sind usw.

    Von einer Bekannten hat sich die Tochter immer weiter zurückgezogen und immer mehr von ihr distanziert. Ich sagte ihr, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie vom Vater manipuliert wird und auf welche Art und Weise. Sie hat ein paar Tage später mit ihrer Tochter geredet und diese hat dann erzählt, dass der Vater genau das getan hat. Seitdem ist die Tochter wieder richtig aufgeblüht und hat ein viel besseres Verhältnis zu ihrer Mutter. Ist jetzt natürlich extrem kurz und ungenau beschrieben. Aber das hat zb Mutter und Tochter geholfen. Dem Vater jetzt zwar nicht so, aber der hat sein Kind eh nur als Druckmittel benutzt bzw benutzt um der Mutter zu schaden, ohne Rücksicht auf das Kind.

  8. #8
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    Ich würds jetzt nicht mit Sheldon Cooper vergleichen. Aber in der Klinik haben die das auch immer gesagt. Ich bin aber nicht so das Superbrain.

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