Hallo, und schon mal lieben Dank an die arme Seele, die sich das hier alles durch liest

Kurz zu mir. Ich bin 30, weiblich, und momentan super glücklich liiert, seit anderthalb Jahren. Liebesbeziehungen waren immer mein Thema Nummer 1, und ich habe bisher leider keine besonders positiven Erfahrungen da gemacht. Bis ich mit meinem Freund zusammen gekommen bin, dachte ich, dass ich gar nicht in der Lage bin, selbst eine gesunde Beziehung zu führen. Momentan könnte es bei mir privat gar nicht besser laufen. Aber die Geister von früher, die suchen mich gerade fleißig heim. Könnte das an der Quarantäne liegen? Wie dem auch sei.

Meine letzten zwei Beziehungen waren sehr problematisch. Der erste Ex ist Amerikaner, nennen wir ihn daher A. Der letzte ist Kanadier, nennen wir ihn daher C.
In A hatte ich mich - hach, das ist glaub ich schon 7 oder 6 Jahre her - im Urlaub Hals über Kopf verliebt. So beinahe das Klichee von Liebe auf den ersten Blick. Diese Begegnung hat tatsächlich mein ganzes Leben verändert, und ich habe alles daran gesetzt, der Sache eine Chance zu geben. Nach sehr langem Kampf über die Distanz waren wir dann irgendwann offiziell ein Paar und haben zusammen gewohnt. Die "red flags" habe ich einfach ignoriert, was im Nachhinein, ja, sehr eigenartig ist. A leidet nämlich an der Borderline Persönlichkeitsstörung, wurde auch ca. ein Jahr nach unserer Trennung diagnostiziert. Ich selbst hatte ihm schon gesagt, dass ich die Diagnose stark vermutete, weil er wirklichder Beschreibung im DSM 5 1:1 entspricht. Das hat mich keineswegs davon abgehalten, ihn abgöttisch zu lieben und so ziemlich alles von ihm abhängig zu machen. Ich war 100% für unsere Finanzen da, er hatte am Anfang keinen Cent und auch erst keine Arbeit (damals halt Visumsbedingt, gesucht hatte er schon). Ich habe Möbel gekauft, Flüge bezahlt, Essen etc. Wie leider viele mit der Störung, war er allerdings sehr launisch, manipulativ, und unehrlich. Innerhalb eines Tages konnte er von lieblich und lustig zu total still zu explosiv wütend zu weinen und dann wieder ruhig und lieb wechseln. Ich wusste nie, was mich erwartet. Er hat mich zwar nie geschlagen, aber emotional war er sehr abusiv (sorry für die vielen Anglizismen, ich hab jahrelang im Englischsprachigen Raum gelebt und mein Studium auch größtenteils auf Englisch absolviert). Wenn ich etwa nicht schnell genug auf seine Anrufe oder SMS geantwortet habe, war er sicher, ich sei am Fremdgehen und ist dann abgehauen und hat sich besoffen. Er selbst ist aber spontan öfter mal lange verschwunden und treu war er mir garantiert auch nicht. Wir haben zusammen einiges Verrücktes erlebt, ich könnte ein Buch dazu verfassen... Einiges habe ich auch verdrängt.
Irgendwann ging das aber glücklicherweise vorüber, und obwohl ich ersst sehr stark litt, ging es mir dann doch bald besser.

Dann habe ich - wieder im Urlaub - C kennen gelernt. Das war nur 4 Monate nach der Trennung von A, sonst brauche ich immer Jahre, um wieder beziehungsbereit zu sein. Aber es ging mir gerade sehr gut, ich war offen, das Leben wieder zu genießen, und wenn man eine positive Ausstrahlung hat, geht das gerade als Frau ja gerne schnell. C war im selben Hostel und fand mich einfach gut. Er schien erst total anders als A zu sein. Er war offen, hat immer relativ schnell auf meine Nachrichten geantwortet, ist nicht wochenalng verschwunden, um mir dann vorzuwerfen, ICH sei weggelaufen, und wollte recht schnell die Beziehung offiziell machen. Das erste Jahr der Fernbeziehung verlief auch recht gut, wir haben uns alle 3 Monate besucht und darauf hin habe ich geplant, meinen Master ins einer Heimatstadt zu machen.
Kurz bevor ich als Studentin zu ihm ziehen sollte, verlor er allerdings seinen Job. Und ab da ging es auch bei uns rapide bergab. Er schlief nur noch ewig lange (er hat aber auch eine Krankheit die ihm die Enerige saugt), hat gekifft, und nur sehr selten nach Arbeit gesucht (und keine gefunden). Auf meinen Verdacht hin, er könne an Depression leiden, meinte er, alles würde besser, sobald ich da bin. Zwar meinte ich, das wäre unfair, mir soviel Verantwortung zu geben, doch wie ich so bin, habe ich die dann doch angenommen.
Wir hatten immer öfter Streit. Ich war kontrollierend, schnell aggressiv, immer genervt und hatte immer mehr Zweifel an unserer Beziehung. Er hat oft trotzig reagiert, mich dann tagelang ignoriert, meinte dann, alles würde gleich besser, und so weiter. Es wurde nicht besser, als ich zu ihm zog. Er hatte gar keine Lust, mir irgendwie seine Stadt zu zeigen. Ständig wollte er nur zu Hause hocken, YouTube schauen und kiffen. Ich habe ihn genervt, wenn ich meinte "Das Wetter ist toll, lass in den Park gehen". Das hat natürlich mein eigenes problematisches Verhalten nicht gebessert. Ich wurde immer aggressiver, leider auch handgreiflich. Er wollte dann kein Bett mit mir teilen, und ich schlief auf einer aufblasbaren Matratze in einem anderen Zimmer. Er änderte nichts an seinem Verhalten, ich litt immer mehr. Neben ständiger Sorge um unsere Zukunft und seinen Zustand, meiner Aggressivät über seine extreme Passivität und der Scham, die ich nach jeder Auseinandersetzung gegne mich selbst empfand, wurde ich immer depressiver. Am Ende lag ich nur noch auf der Matratze, wollte nur noch schlafen, ging nicht mehr zur Uni... Und wusste "verdammt, ich habe eine Depression".
Mit Medikamenten und Therapie ging es mir dann recht schnell besser, die Beziehung jedoch fiel weiter auseinander. C empfand nämlich all das nicht als Argument, dass er vielleicht auch etwas ändern müsste. Schließlich war meine Depression nur mein Problem und ich musste ja an mir selbst arbeiten. Mir wurde klar, dass ich nur dann ganz genesen kann, wenn ich in einem gesunden Umfeld bin. Ich zog weg. Das hat er mir nicht verzeihen können. Dass ich kontrollierend war, ihn geschubst habe, ihn immer wieder einen Versager nannte, das war scheinbar alles weniger schlimm, als dass ich wegzog, damit wir beide Freiraum bekommen. Obwohl das mehr als Grund genug gewesen wäre, der Sache entgültig die kalte Schulter zu zeigen, habe ich monatelang versucht, es wieder gerade zu biegen. Ich wusste ja, wie falsch ich mit meinem Verhalten lag und es tut mir noch heute leid. Ich wusste auch, dass er selbst depressiv war. Er aß fast nichts mehr. Er erlaubt mir ab und an, vorbeizukommen. Ich habe dann Essen vorbeigebracht und Unterstützung angeboten. Immer wieder meinte er, irgendwann könnte er mir verzeihen und mir eine neue Chance geben. Ich bat ihn immer wieder, sich Hilfe zu holen... Tat er nicht.
Eines Tages drohte er mit Selbstmord. Ich war da gerad eim Unterricht. Ich stürmte weg, rief 911 und seine Eltern, beobachtete seine Wohnung, und war erst einigermaßen ruhig, als ich ihn lebend mit der Polizei herauskommen sah. Und er? Beschimpfte mich. Er habe das nur gesagt, um mich zu schocken. Ich hätte ihm absichtlich die Polizei auf den Hals gerufen, um ihm eins auszuwischen. Nie kam eine Einsicht, dass ich ihn ernst nahm und helfen wollte. Und dieses Muster hatten wir ständig. Er warf mir nie nur das vor, was ich tatsächlich falsch gemacht habe, sondern auch Dinge, die mit ihm nichts zu tun hatten oder die schlichtweg falsch waren.
Das Ende war für mich erreicht, als er mich eine Lügnerin beschimpfte, weil ich an einem Abend mein Handy nicht aufgeladen hatte, während er mich erreichen wollte. Ich wusste nicht mehr, weshalb ich es nicht aufgeladen hatte - dieser Abend war zu dem Zeitpunkt, als er es ansprach, schon einige Monate her - und das hieß für ihn, dass ich mit jemandem schlafen hätte. Wobei - das wäre auch noch egal gewesen, denn wir waren ja getrennt... Als er mich so beschimpfte meinte ich, er hätte die Wahl. Entweder er hört sofort auf so mit mir zu reden und respektiert mich, oder wir brauchen nicht weiter zu reden. Er meinte dann, dass wir nie wieder reden sollten. Gesagt, getan. Das war unser letzter Austausch, er hat mich daraufhin überall blockiert.

Mittlerweile bin ich also wieder in meiner Heimat, endlich in einer gesunden Beziehung mit einem Partner, der solches Verhalten gar nicht kennt. Der mir nie falsche Vorwürfe macht. Bei dem ich nie austicke. Mit dem ich jeden Tag lache. Der mitfühlt, wenn ich ihm von früher erzähle. Ich bin überglücklich, diesen tollen Menschen an meiner Seite zu haben.

Aber seit einigen Wochen träume ich wieder von A und C. A ist in meinen Träumen hat typisch A. Lässt seinen Charme spielen um mich um den Finger zu wickeln, bleibt aber manipulativ, spielt es dann herab, wenn ich seinen Bluff erkenne. C dagegen ist immer zerbrochen. Er ist fast nur ein Skelett, dem Tode nahe, sucht mich für Schutz und Rettung, bettelt um meine Liebe. Und ich, ich bin einfach total deprimiert, weil ich nichts tun kann, außer ihn in seinen letzten Momenten halten. Ich frage mich, was diese Träume bedeuten.
C gegenüber habe ich immer noch ein schlechtes Gewissen. Ich glaube, ich habe mein Trauma durch A an ihm ausgetragen, und das hat natürlich niemand verdient. Das ist allerdings leider ein Pattern, dass man oft bei Traumaopfern sieht. C war als passiverer Mensch ein leichtes Opfer, aber bewusst habe ich ihn natürlich nicht fertig machen wollen. Ich frage mich, ob mich da mein schlechtes Gewissen auffrisst, und wenn ja, was ich dagegen tun kann.
Und warum spukt auch A immer noch in meinen Träumen herum? Ich bin zwar dankbar dafür, dass A mir gezeigt hat, was ich alles kann, aber bin nicht traurig, dass er kein Teil meines Lebens mehr ist. Ein Teil von mir glaubt aber, dass ich mich nie ganz aus As Bann lösen werde. Wie ein Junkie.

Nun meine Frage an die Tapferen, die bis hierher gelesen haben. Was denkt ihr? Und sollte ich meinem Freund davon erzählen? Er weiß noch nicht alles von früher, besonders die traumatischen Erlebnisse, die fallen mir sehr schwer zu verbalisieren. Gesprächsbedarf habe ich aber. Doch dafür will ich nicht etwas aufs Spiel setzen, das so wunderbar ist, wie meine aktuelle Beziehung.