Ergebnis 1 bis 6 von 6

Thema: Mich selbst verstehen

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    26.07.2018
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Mich selbst verstehen

    Hallo
    so wo fange ich an? Ich bin vor kurzem 30 geworden. Und seit ein paar Jahren beschäftigt mich die Frage wer bin ich ? Und warum bin ich so? Warum verhalte ich mich in bestimmten Situationen so? Und solangsam habe ich zumindest ein Grundriss meines Wesens.
    Und nun überkommt mich die Frage, was kann ich tun um mein Problem zu lösen. Und genau da liegt der Knackpunkt. Was genau ist mein Problem?

    Was ich an mir immer wieder beobachte :

    1: Ich komme irgendwie nicht ins handeln. Ich krieg auf gut deutsch mein Hintern nicht hoch. Ich sitze stundenlang da und schau mir YouTube Videos an über Dinge die mich interessieren. Und davon gibt es jede Menge. Aber mir fehlt die Kraft aufzustehen und meinen Pflichten nachzugehen. Ich bin dann immer „viel zu müde“. Aber egal wie müde ich bin, sobald mich etwas interessiert bin ich wieder glockenwach und das bis mitten in die Nacht.
    Aber so funktioniert das Leben nun mal nicht. Ich kann nicht immer darauf warten, dass ich etwas spannend finde. Das hab ich schon seit ich ein Kind bin... Hausaufgaben, Zimmer aufräumen, Schulsachen packen, ...

    Ich versteh das Muster dahinter nicht und wie ich es lösen kann

    2: Ich finde permanent neue Dinge interessant. Ständig komme ich mit neuen Ideen an was ich an meiner Wohnung, an mir, an meiner Umwelt oder sonst wem ändern kann und ausprobieren kann. Ich habe als Teenie mindestens 1 mal im Jahr mein Zimmer gestrichen. Einfach weil ich Lust dazu hatte. Dann hatte ich eine Phase , in der ich mir haufenweise Schminke gekauft habe, dann wollte ich unbedingt alles von Apple haben...und spätestens nach 2 Wochen ist wieder was neues interessant.
    WARUM??? Mich macht das wahnsinnig, dass ich ständig irgendwas neues haben muss und es dann nach ein paar Tagen im Eck liegt und verstaubt.

    Warum ist das so und wie kann ich das verändern?

    Vielleicht weis jemand von euch einen Rat. Denn ich bin mit meinem Latein am Ende....und auch da hatte ich viiiiele Ideen

    ADHS, Asperger oder doch Depressionen
    Eine schönen Abend gewünscht

  2. #2
    Neuling
    Registriert seit
    30.08.2016
    Ort
    Wien
    Beiträge
    54
    Danke
    12
    14 mal in 11 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    also was genau mit dir "los" ist, das kann ich natürlich auch nicht beantworten. Aber ich würde vorschlagen, dieses Verhalten nicht gleich als "Krankheit" zu interpretieren, es aber auch nicht ausschließen.

    Ich bemerke in heutiger Zeit einige Jugendliche bzw. junge Menschen. Ich denke, es liegt auch an der Erziehung. Kinder bekommen heute fast alles (wenn man es sich leisten kann), nur damit die Eltern ihre Ruhe vor ihnen haben (keine böse Absicht, man muss halt eben heute zu Zweit arbeiten gehen, damit man sich das Leben überhaupt noch leisten kann). Das bedeutet aber gleichzeitig, Kinder äußern einen Wunsch und bekommen es relativ rasch. Früher musste man oft monatelang auf etwas sparen. Die Konsequenz ist, dass niemand mehr die Dinge wirklich schätzen kann und sie auch immer sofort haben müssen. Das ist eben in meinen Augen - wie erwähnt - eine Erziehungssache. Früher sagte man: das Kind wurde "verzogen".

    Sollte das bei dir auch der Fall sein, dass du schon seit früher Kindheit die Dinge, die du gerne besitzen wolltest, relativ rasch in deinen Händen halten durftest, dann übe dich in Demut und Bescheidenheit. Lernen kann man diese Fähigkeiten gut mittels Yoga, Meditation oder andere fernöstliche Anwendungen. Ich bin kein "Zen-Guru", aber ich habe viel an Gelassenheit und Entspannung bei solchen Programmen lernen dürfen.

    Grüße Rikkie

  3. #3
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    26.07.2018
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Vielen lieben Dank für deine Antwort. Und ja vielleicht hast du recht. In unserer wegwerfgesellschaft mag das durchaus zutreffen. Mit deinem Tipp werde ich beginnen und versuchen ein Umdenken statt finden zu lassen. Vielleicht hilft es zumindest bei dieser Sache, mit ständig neue Sachen haben und ausprobieren wollen.
    Ganz liebe Grüße zurück

  4. #4
    Bestseller Autor
    Registriert seit
    24.08.2017
    Beiträge
    1.549
    Danke
    406
    1.135 mal in 677 Beiträgen bedankt

    Standard

    Haloo Krisgirl, ich würde deine Neugierde oder deine Lust, Neues auszuprobieren, gar nicht unbedingt als eine negative Eigenschaft betrachten.
    Vielleicht bist du ja auch einfach ein sehr kreativer Mensch, der gerne experimentiert und herausfindet, Ideen hat und sie umsetzen will, aber einfach noch nicht den richtigen Ausdruck oder die richtige Methode gefunden hat, die Kreativität auf befriedigende Weise auszuleben?
    Ich denke, ein großer Fehler unserer Konsumgesellschft liegt darin, anzunehmen, das größte Glück des Menschen sei das fertige Produkt, das er auf möglichst einfache und schnelle Weise erwerben kann. Dem ist aber nicht so. Der Weg zum fertigen Produkt ist mindestens genauso wichtig oder sogar noch wichtiger, eben das Erkennen eines Problems, das Entwickeln einer Idee, das Erstellen von Zusammenhängen, das Ersinnen einer Lösung, das Ausprobieren, die Erregung und Spannung, ob es auch so klappt, wie man es sich gedacht hat..das alles wird einem genommen, wenn man nur noch fertige Dinge konsumiert, die andere sich für einen ausgedacht haben, die einem von anderen schmackhaft gemacht wurden, die andere für einen hergestellt haben. Dann kann man nicht mehr kreativ sein, man kann nur noch konsumieren, nur das nachkauen, was andere einem vorgekaut haben. Selten befriedigt das wirklich, zumal, wenn es sich gar nicht um ein echtes, sondern ein künstlich gewecktes Bedürfnis handelt (und das sind sehr viele angebliche Bedürfnisse in unserer Gesellschaft). Hier wird häufig das ursprüngliche Bedürfnis mit verschiedenen Strategien der Bedürfnisbefriedigung verwechselt, die oftmals unzureichend sind.

    Ich bin auf die Idee mit der Kreativität bei deinen Schilderungen gekommen, weil es bei mir als Kind auch oft so war: ich hatte eine Idee, und habe Stunden damit zugebracht, sie zu verwirklichen, z.B. eine Stadt aus Lego und Bauklötzen zu bauen für Spielzeugautos. War sie dann fertig und genau so wie ich es mir vorgestellt hatte, hatte ich aber keine Lust mehr, damit zu spielen. Das haben meine Brüder dann gemacht. Meine Befriedigung lag darin, mir etwas auszudenken und meine Idee zu verwirklichen. Das "Fertige" hat mich dann gar nicht mehr so interessiert, dann kam wieder eine neue Idee, nämlich aus meinem Zimmer mithilfe von Stricken, Decken und dem Verrücken von Schränken eine Wohnung mit mehreren Zimmern zu gestalten. War das endlich geschafft, wußte ich, wie es geht, und hatte wieder eine neue Idee. Spielen mußte ich in der "Wohnung" dann nicht. Das notwendige Aufräumen am Ende und wieder Zurückführen in den Ursprungszustand empfand ich auch als unglaublich zäh und öde, geradezu als Zumutung, während mir für das Aufbauen keine Mühe zu viel war, und ich durch meine Lust am Gestalten gar nicht merkte, wie die Zeit verging.
    Entsprechend habe ich dann auch einen kreativen Beruf ergriffen, in dem ich mich austoben kann, und nach wie vor ist das Gestalten, das Ausdenken und Austüfteln und das anschließende handwerkliche Umsetzen das, wobei ich in den berühmten "Flow" komme und wobei ich mich glücklich (und irgendwie zeitlos) fühle. Es ist nicht das "Haben", sondern das "Machen", das Umsetzen meiner Fähigkeiten.

    Das Gute am "selber machen" ist halt auch, dass es wesentlich länger dauert, etwas selber zu machen und sich die entsprechenden Fähigkeiten anzueignen als etwas zu kaufen, und man kann die Erregung und Spannung des "Neuen" mehr auskosten, und man erschafft was ganz eigenes. Wenn man dann noch etwas erschafft, das für andere interessant ist und das man verkaufen kann, stapeln sich nicht ständig irgendwelche uninteressant gewordenen Dinge, die man gekauft hat.
    Beispiel Schminken: wenn du Lust am schminken und verwandeln hast und das gut kannst, warum bietest du nicht anderen an, sie zu schminken?

    Natürlich mußt du dabei auch schon lernen, Durststrecken und Frustrationen zu überwinden, denn es klappt nicht immer alles sofort so, wie man es sich vorstellt. An einer gewissen Disziplin wirst du arbeiten müssen, und ich kann mir vorstellen, dass du immer stark diese beiden Pole in dir spüren wirst, die Lust an Kreativität und die Unlust an Disziplin und Struktur. Wenn du dir aber klarmachst, das Disziplin und Struktur nicht Gegenspieler von Kreativtät sein müssen, sondern ihr, richtig eingesetzt, zugute kommen, werden sie dir vielleicht auch etwas sympathischer.

    Übungen, die die Achtsamkeit und das Fokussieren erhöhen, sind sicherlich auch gut für dich und können dir helfen, dich zu erden und deine Lust auf Neues in produktive (und befriedigende) Bahnen zu lenken.
    Geändert von Der rote Faden (27.07.2018 um 16:59 Uhr)

  5. #5
    Schreiberling
    Registriert seit
    26.09.2017
    Beiträge
    527
    Danke
    17
    147 mal in 118 Beiträgen bedankt

    Standard

    Es gibt verschiedenen Persönlichkeitstypen, welche, die mehr Stimulation brauchen, die offen für Neues sind, bei denen sich aber schnell Habituation einstellt. Was sie machen wird schnell langweilig.

  6. #6
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    26.07.2018
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Vielen Dank für eure Antworten. Und ja vielleicht sollte ich es nicht negativ betrachten, sondern was schönes daraus machen und mich daran erfreuen so zu sein. Ein wenig mehr Disziplin könnte mir dennnoch nicht schaden. Nur ob man sich sowas anerziehen kann ist fraglich ??? Aber Kreativ bin ich auf jeden Fall. Wer weis was die Zukunft mit sich bringt. Irgendwann öffnet sich vielleicht eine Tür in diese Richtung. Aktuell arbeite ich mit Menschen. Das klappt aber auch sehr gut. Menschen fühlen sich bei mir gut aufgehoben. Ich werde das die nächsten Wochen auf Pflanzen ausweiten. Mein Papa meint, ich sei ein absolutes Naturkind gewesen. Schön immer. Dann fangen wir doch bei den Wurzeln an.

    Ich bedanke mich wirklich sehr für eure Anregungen und wünsche euch einen schönen Tag

Ähnliche Themen

  1. mich selbst verstehen
    Von B.rain im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 17.02.2015, 22:26
  2. Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 04.01.2014, 16:35
  3. Fühle mich komplett unnötig und schlage mich oft selbst.
    Von LeoRatlos im Forum Minderwertigkeitsgefühle
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 19.08.2013, 14:43
  4. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 20.06.2012, 21:11

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •