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Thema: Misophonie/Geräuschempfindlichkeit

  1. #1
    Schreibkraft Avatar von aurora-sun
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    Standard Misophonie/Geräuschempfindlichkeit

    Falls dieser Beitrag im falschen Unterforum gelandet sein sollte, bitte ich darum, ihn gegebenenfalls an einen anderen Ort zu verschieben. Mir erschien es sinnvoll, hier zu posten, da Misophonie (d.h. Hass auf Geräusche/überhöhte Geräuschempfindlichkeit bestimmter Geräusche/Laute) zwar kein direkter Zwang ist, aber in meinen Augen Zwangshandlungen (Aggressivität, Weglaufen, sich Entziehen, etc.) auslöst/auslösen kann.

    Ich würde mich gerne aus aktuellem Anlass über dieses noch recht wenig erforschte "Problem" austauschen; ein Kopfhörer meines MP3 Players ist kaputt und nun bin ich den Geräuschen meiner Mitmenschen (zumindest auf einem Ohr) ausgesetzt, was mir schon den ein oder anderen Morgen in der Bahn verdoren hat Darüber hinaus hat eines meiner Familienmitglieder ein Räusperproblem, was mich schier in den Wahnsinn treibt.

    Dass ich überempfindlich reagiere, was bestimmte Geräusche betrifft, war mir schon seit Kindesalter bewusst. In der Schule hätte ich ausrasten können, wenn meine Tischnachbarin ihre Nase immer hochgezogen hat!! Sprach ich sie darauf an oder bot ihr ein Taschentuch an, schlug sie es aus und zog absichtlich noch öfters die Nase hoch, ich war jedes Mal kurz davor auf sie loszugehen. Dasselbe beim Essen von Äpfeln und Möhren oder anderen knackenden Nahrungsmitteln; bei manchen Menschen auch Schluckgeräusche...

    Bei einigen Menschen ist es ja so, dass sich diese "Beschwerden" bzw. dieser regelrecht Hass auf Geräusche im Laufe des Lebens noch steigert, bei mir ist das zum Glück nicht der Fall...viele Geräusche mag ich einfach nicht so gern hören aber ich habe mich damit arrangiert.

    Was mich am meisten ärgert und immer noch zur Weißglut bringt:

    - wenn jemand morgens im Bus oder in der Bahn, wo es eigentlich noch ruhig ist und viele Menschen lesen oder dösen einen Apfel oder Karotten isst - meine Güte es gibt doch auch Lebensmittel die gesund sind und weniger nervtötende Geräusche verursachen
    - extrem lautes Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln
    - wenn jemand mit einem Kaugummi knackt; und damit meine ich nicht ab und an mal eine Blase zu machen, sondern es gibt Menschen die lassen das mehrmals hintereinander bei geöffnetem Mund laut knacken.
    - wenn jemand extrem langsam isst/knabbert - z.B. für den morgendlichen Apfel in der Bahn statt 5 Min. 20 Min. braucht (und ja das ist kein Scherz)
    - generell im Kino Popcorn und Chips-Geräusche - wobei diese in den Hintergrund treten wenn sie nicht direkt neben oder hinter mir verursacht werden/ich selber etwas zu Essen habe
    - wenn jemand extrem langsam den Deckel einer Flasche zuschraubt, was einfach länger Geräusche verursacht als wenn man es einmal ruckzuck macht
    - weinende Kinder wenn ich gerade selber im Ruhemodus bin (d.h. in öffentlichen Vekehrsmitteln)
    - Nasehochziehen - aber das mag wohl niemand gerne hören
    - Schmatzen, Schlürfen, ... - ich denke auch das ist weitgehend "normal", nur entwickeln sich hier bei mir auch Aggressionen wenn ich dem nicht entgehen kann
    - wenn jemand sich andauernd räuspert (mein absolutes Hassgeräusch!! ich könnte demnjenigen sofort ins Gesicht springen, werde unruhig und zunehmend aggressiv)
    [...]

    Daher meine Frage: Falls es hier jemanden gibt der ähnliche Probleme hat/hatte...wie geht ihr damit um? Was für Strategien habt ihr entwickelt? Die MP3-Player Methode - so merke ich gerade - hat mich jahrelang vor der Geräuschkulisse an öffentlichen Orten abgekapselt und funktionert super

  2. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei aurora-sun für den sinnvollen Beitrag:

    eambleclai (01.09.2015),Körsin (28.08.2015)

  3. #2
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    Hey,

    Ich finde es amüsant das es für wohl alles irgend ein Wort zu geben scheint und eine "Erkrankung"

    aber das was du beschreibst hab und hatte ich sehr schlimm, ähm ich würde das jetzt aber wohl eher auf mein Problem mich zu konzentrieren schieben? ^^

    Also am allerschlimmsten (da muss ich mich echt beherschen nicht auszurassten) ist es bei Klassenarbeiten gewesen oder wenn ich Prüfung habe... da braucht mein Nachbar nur normal zu atmen und ich könnte ausflippen und ihn anmaulen er soll das sein lassen weil mich das richtig fertig macht ^^ aber das kann auch mit meiner Prüfungsangst zu tun haben? weil da mich jedes stift gekratze gekruschtel oder was auch immer sofort raus bringt dann höre ich nur noch dieses Geräusch bekomme Kopfschmerzen und mein Prüfungsblatt bleibt leer ^^

    Ich weiß jetzt nicht ob du sowas meinst.

    Ich habe mir aufjedenfall auch angewöhnt wie du Musik zu hören

    Was mir gerade auch nicht möglich ist da mein Handy kaputt ist und ich keinen MP3 Player habe.

    Aber gerade habe ich geringere Probleme damit.

    Kino meide ich da zahle ich nur viel Geld um anderen beim essen zu zuhören ^^

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    eambleclai (01.09.2015)

  5. #3
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    Avatar von aurora-sun
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    Ich finde es amüsant das es für wohl alles irgend ein Wort zu geben scheint und eine "Erkrankung"
    Mir ist der Begriff auch neu gewesen. Habe eben aufgrund der aktuellen Misere mal angefangen zu googlen und bin so darauf gestoßen

    Wie schon gesagt war es mir auch jahrelang garnicht so bewusst, dass ich immer noch zu solch relativ starken Reaktionen bezüglich Geräuschkulissen neige. In Bezug auf meinen Familienangehörigen ist es jedoch so, dass ich teilweise richtig starke Aggressionen entwickle. Nur, das Räuspern wird sich ja ebensowenig abstellen lassen wie meine Empfindungen dazu...

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    eambleclai (01.09.2015)

  7. #4
    obenzwischendrinunten
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    Zitat Zitat von aurora-sun Beitrag anzeigen
    Daher meine Frage: Falls es hier jemanden gibt der ähnliche Probleme hat/hatte...wie geht ihr damit um? Was für Strategien habt ihr entwickelt? Die MP3-Player Methode - so merke ich gerade - hat mich jahrelang vor der Geräuschkulisse an öffentlichen Orten abgekapselt und funktionert super
    Ich habe häufig auch ein gesteigertes Bedürfnis nach Ruhe. Meine Strategie ist meist, dass ich an Orten und in solchen Momenten, mich stark auf mich fokussiere, also z.B. auf meine Füße (wo sie konkat zum Boden haben), auf meinen Atem oder - wenn ich durch ein lautes Geräusch erschrecke, einen beruhigenden Gedanken hinterher schicke (z.B. "ist schon vorbei" oder "alles gut" oder kurz in Gedanken an einen schönen Ort wandere oder an eine Person denke, die ich mag).

    Je mehr Du diese Geräusche etc. negativ bewertest, desto störender sind sie. Mir hilft da sehr, mich regelmäßig in Mediatation zu üben, also die Dinge, Empfindungen, Sinneseindrucke wahrzunehmen, sie kurz zu benennen als das, was sie sind, auch meine Emotion kurz zu benennen (z.B. "Arger") und das dann aber auch wieder gehen zu lassen.
    Mir auch bewusst zu machen: Woher kommen meine negativen Bewertungen (hat z.B. die Mamma immer gesagt: "Mit den Chips wird nicht geraschelt"? Nur als Beispiel.)

    Je mehr Du Dich auf die Geräusche als "Problem" fokusiierst, desto störender werden sie.

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei obenzwischendrinunten für den sinnvollen Beitrag:

    eambleclai (01.09.2015)

  9. #5
    Morle
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    also seit ich meine Familie kaum noch sehe (also wirklich nur das nötigste ab und zu eben mal den Sozialen Kontakt pflegen) geht es mir damit wesentlich besser^^

    aber eventuell solltest du vielleicht mal versuchen die Geräusche zu akzeptieren? ignorieren? oder sowas..

    Was Oben grad geschrieben hat hört sich doch an nach einem versuch für dich?

  10. #6
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    Hallo,

    ich habe das gleiche "Problem" und ich kann sagen, dass es im Laufe der Jahre immer schlimmer wurde.
    Und ich bin froh zu lesen, dass es nicht nur eine "Macke" von mir ist, sondern das es anderen Menschen auch so geht.

    Die von dir genannte Liste kann ich 1 zu 1 so übernehmen und auch noch erweitern
    Ich sitze in einem Grossraumbüro und bin täglich einer Reihe, der von dir genannten Geräuche, ausgesetzt;
    manchen davon direkt in meiner unmittelbaren Nähe. Mich macht es agressiv.
    Leider habe ich, ausser der MP3-Variante, keine andere Lösung. Ausser, wenn es zu schlimm wird, dann
    entziehe ich mich der Situation und verlasse den Raum.
    Ignorieren funktioniert bei mir nur für eine kurze Zeit, denn wenn ich erstmal auf das Geräuch aufmerksam
    geworden bin, kann ich es nicht mehr ausblenden.

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Bine1969 für den sinnvollen Beitrag:

    eambleclai (01.09.2015)

  12. #7
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    ja da hast du recht das ist dann nicht leicht -_-

  13. #8
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    @ oben:
    also die Dinge, Empfindungen, Sinneseindrucke wahrzunehmen, sie kurz zu benennen als das, was sie sind, auch meine Emotion kurz zu benennen (z.B. "Arger") und das dann aber auch wieder gehen zu lassen.
    Ich habe mich mit Robert Betz beschäftigt und der hat ja einen ähnlichen Ansatz; alles hat irgendwo seine Daseinsberechtigung, man soll fühlen, benennen (aber nicht werten) und dann Abstand davon nehmen oder es annehmen = dadurch kann es auch zu einer Auflösung negativer Gefühle kommen. Das funktioniert bei mir leider überhaupt nicht.

    Wenn ich versuchen würde, mich in so einer Situation auf etwas anderes zu konzentrieren und würde dabei von einem erneuten Räuspern/Knacken gestört werden, würde ich vermutlich explodieren. Ich habe Menschen auch durchaus schon mit bösen Blicken oder hingemurmelten Worten bedacht.

    @Bine:
    Und ich bin froh zu lesen, dass es nicht nur eine "Macke" von mir ist, sondern das es anderen Menschen auch so geht.
    Das ist, zugegeben, auch ein Grund warum ich dieses Thema hier eröffnet habe. Viele Menschen sprechen nicht darüber weil sie schon als Kind nicht ernstgenommen wurden; es wurde als "Rebellionsphase" abgetan, man ist auf Unverständnis gestoßen und hat so gelernt, dass diese Gefühle keine Daseinsberechtigung haben und von anderen als merkwürdig empfunden werden. Also versteckt man diese Empfindungen und versucht sie von sich abzustoßen.

    Bei mir ist es z.B. so, dass ich grundsätzlich eher kein ängstlicher Mensch bin, ich habe aber eine panische Angst vor wackelnden Lampen oder Windspielen und kann nichtmal sagen wieso. Diese unruhige Licht einer hängenden Lampe, wenn diese direkt über meinem Kopf hin und herbaumelt löst in mir ein derartiges Unbehagen aus, dass ich auf der Stelle den Raum verlassen möchte. Als Kind äußerte sich das wohl relativ plötzlich, indem ich aus Räumen rannte in denen so eine Lampe in Bewegung geriet. Ich versteckte mich teilweise und wurde richtig aggressiv wenn meine Eltern versuchten mich wieder in den Raum zu bitten. Sie nahmen mich und dieses Problem anfänglich sehr ernst, besuchten mit mir Kinderärzte und es wurde sogar irgendwelche Gehirnströme bei einem Nervenarzt getestet - ohne Ergebnis. Damit hatten meine Reaktionen dann schlussendlich keine Daseinsberechtigung mehr und ein weiteres extremes Verhalten wurde nicht mehr geduldet. Allerdings muss man ihnen zugute halten, dass daraufhin im gesamten Haus Lampen, insbesondere in meinem Kinderzimmer, durch Deckenstrahler ersetzt wurden und Hängelampen durch schwere Leuchter, die nicht durch Wind in Bewegung gerieten ersetzt wurden. Somit konnte ich zu Hause gut leben. Gingen wir Essen durfte ich immer die Plätze bestimmen, weit weg von hängenden Lampen, und wenn es sich doch nicht verhindern ließ und ich beim servieren der Bedienung schon starr auf den Tisch guckte, achteten meine Eltern immer darauf, dass die Lampe schnell wieder zum Stillstand gebracht wurde.

    Ich lernte also mit der Zeit, nicht mehr panisch aufzuspringen und wegzurennen...fühle aber immer noch dasselbe wie damals. Selbst heute suche ich Plätze ohne hängende Lampen auf, und wenn ich einer ausgesetzt bin ist es für mich tierisch anstrengend, aus Angst jemand könnte dagegenkommen. Mittlerweile hat es sich auf Windspiele ausgeweitet und ich vermute dahinter einen Zusammenhang...ein Windspiel bewegt sich UND macht Geräusche...und es hört nicht damit auf, ehe der Wind versiegt. Schrecklich!!!

    Das war nun etwas ausschweifend...was ich damit sagen möchte: Man wurde in der Kindheit aus verschiedenen Gründen für das eigene Verhalten nicht richtig ernstgenommen, hat sich nicht verstanden gefühlt und mit der Zeit gelernt, gewisse Dinge zu vermeiden. Sprechen tut man aber auch mit niemandem darüber, um micht als "verrückt" abgestempelt zu werden.

    Deshalb finde ich solche Orte des Austauschs auch so wichtig, denn lange Zeit habe ich selber gedacht irgendwas stimmt nicht mit mir, obwohl ich durch Nachforschungen festgestellt habe, dass ich bei weitem nicht alleine damit bin. Und allein dieses Gefühl macht es schomal besser finde ich

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    eambleclai (01.09.2015)

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