Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Mutter Sohn Haushalt ohne Aussicht auf Änderung.

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    09.09.2019
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Mutter Sohn Haushalt ohne Aussicht auf Änderung.

    Hallo Zusammen,

    Ich, Schwester, bin mit meinem Latein am Ende und total frustriert und verzweifelt. Es zerrt an meinen Kräften.

    Ich brauche Hilfe um eine Lösung zu finden.

    Es geht um eine familiäre Angelegenheit.

    Situation:
    Mein Bruder (34), ohne Ausbildung,arbeitslos, Cannabisabhängig, aggressiv; bereitet seit 2 Jahren nur Sorgen und setzt damit seine Zukunft auf Spiel. Er hat gelegentlich Jobs, die er aber immer wieder nach spätestens 6 Monaten wieder verliert. Kaum soziale Kontakte. Seine letzte Freundin hat er vor 10 Jahren. Er lebt wieder seit 5 Jahren in einem Haushalt bei meinen Eltern. Momentan macht er seit einem Monat eine Ausbildung (welche eine Maßnahme vom Jobcenter ist)
    Unser geliebter Papa ist Ende Mai verstorben. Jeder von uns leidet unter diesem schweren Verlust. Jetzt leben mein Bruder und meine Mutter alleine unter einem Dach.

    Ziel:
    Ich habe die Sorge, dass mein Bruder sich niemals lösen wird. Er ist total abhängig, in der Entwicklung stehen geblieben (Verhalten/ Intellekt wie 16/17). Mein Herz als Schwester, wie auch mein sachlicher Verstand möchten, dass er endlich auf eigenen Beinen steht und selbstständig wird.
    Meine These: Ein eigenständiger Haushalt, also eine eigene Wohnung, hilft ihm Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu werden. Er muss ausziehen.
    Für mich ist dieser Zustand unerträglich.

    Beziehung Bruder-Schwester:
    Die Beziehung zwischen meinem Bruder und mir ist gestört, die Kommunikation funktioniert nicht.
    Wir können keinen Dialog führen. Mein Bruder reagiert extrem aggressiv auf mich. Die Beziehung ist seit 20 Jahren belastet. Ich wurde Opfer von körperliche Gewalt (Nasenbruch, Platzwunde, Schläge)

    Es ist noch viel komplexer.

    Unsere Kindheit-Familiäre Verhältnisse:
    Wir sind behütet aufgewachsen. Es fehlte an nichts. Meine Eltern sind Ihr ganzes Leben zusammen gewesen. Meiner Mutter stammt aus Polen. Sie tritt sehr dominant auf. Sie hat unsere Erziehung durchgesetzt und bestimmt. Mein Papa, war Ihr Gegenpol. Ruhig, entspannt. Er hat alles für sie getan. Unterm Strich hat sie das letzte Wort und Ihre Vorstellungen durchgesetzt.
    Sie ist oberflächlich und es dreht sich alles um Geld und Bildung. Wir Kinder mussten immer perfekt sein,- die Besten.
    Wir wurden ständig verglichen mit anderen und unter Druck gesetzt. Du musst du musst du musst….
    Mein Papa hat meine Mutter sehr geliebt und ihr freie Hand gelassen. Und sich rausgehalten.
    Wir Kinder haben Ihrem Druck nicht standgehalten und rebelliert.
    Mein Bruder hat komplett aufgegeben und ich habe gelernt, damit umzugehen und wie ich mich im eigenen Tempo selbst verwirkliche.

    Beziehung Bruder-Mutter:
    Sie hat immer viel Druck ausgeübt, mein Bruder musste Klassenbester sein, besser als andere. Mit 14 ging alles den Berg ab. Schule Schwänzen, Marihuana, Vom Gymnasium auf die Hauptschule, ohne Abschluss die Schule verlassen. Meine Mutter ist im hinterher gefahren, hat ihn beobachtet, mit Lehrern gesprochen. Ihm einen Ausbildungsplatz besorgt. Ihre „ Fürsorge“ hat alles verschlimmert. Er musste nie selbst aktiv werden.
    Mein Bruder hat uns zu Hause bestohlen, geschlagen und für Unruhe gesorgt. Es wurde viel gestritten und geweint.
    Es gab nie eine Konsequenz. Das wurde geduldet, verharmlost. Meine Mutter wollte nie, dass er auf die Strasse gerät.
    Ein Schlüsselerlebnis, 2009, ( Er ist mit einem Metallstuhl auf mich losgegangen und hat mir den Stuhl auf den Kopf geschlagen und ich war verwundet. Der Arzt sagte, dass ich Glück gehabt habe, es hätte auch schlimmer enden können). Meine Mutter hat selbst das, nicht ernst genommen und mir die Schuld für die Situation zugesprochen.( das kann ich ihr nicht vergeben, ihr ist das sogar heutzutage egal)
    Gegen Ihren Wille habe ich eine Anzeige gegen ihn erhoben und er musste aus dem Elternhaus ziehen. (2010-2015) 5 Jahre hat er alleine gelebt. Irgendwann konnte er seinen Strom nicht bezahlten, die Miete auch nicht und meine Eltern haben ihn wieder aufgenommen.
    Sie spricht mit ihm wie mit einem Pubertierenden, aber er lässt sich auch darauf ein. Mit 34 erhält er „Taschengeld“ oder leiht sich ihr Auto. „Wenn er nicht den Rasen gemäht hat… gibt es auch kein Auto…“ Sie macht ihn abhängig. Und es gibt so oft Streit, er ist noch immer gewalttätig. Meine Mutter ist 61.
    Das macht mich verrückt, weil es so ungesund ist. Ich denke an Alfred Hitchcock’s Psycho. Das ist schrecklich. Und mein Instinkt sagt mir, dass noch eine Tragödie bevor steht.

    Beziehung Tochter-Mutter:
    Meine Mutter lässt sich nie von Ihrem Denken abbringen. Eine kritische Diskussion ist nicht möglich.
    Sie bleibt nicht sachlich, stur und beleidigt.
    Entweder Sie blockt ab oder versucht mich zu verletzten.
    Es ist ein Dilemma. Auch, dass sie ihn duldet und seine Gewalttaten mir gegenüber verharmlost, ist einfach verletzend. Und trotzdem unterstütze ich sie, gehe mit ihr zu Selbsthilfegruppe von Suchta gehörigen, trockene ihre Tränen, wenn er ihr gegenüber gewalttätig wird. Und leiste ihr Beistand.
    Ich weiß nicht, wie oft sie es noch hören muss, -unabhängig von einander sagen Psychologen, Freunde, Nachbarn etc., dass mein Bruder raus muss, dass er eigenständig leben muss. Dass er lernen muss, alleine für sich zu sorgen. Seit 20 Jahren werde ich mit dieser Situation von ihr belastet. Im Umgang mit mir ist ihr Verhalten im Vergleich zu meinem Bruder aber extrem gegenteilig. Rücksichtslos, Kaum Hilfe, nur Vorwürfe, Vergleiche.
    Und alles was ich mache ist schlecht oder könnte besser sein….. Es verletzt mich, aber ich stehe drüber. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung und habe mein Studium, ohne finanzielle Beihilfe, durch meine gewerbliche Selbstständig, erfolgreich absolviert. Und trotzdem gibt es ständig Kritik. Ich komme nicht an sie ran. Vor allem wenn ich ihr ins Gewissen rede in Bezug auf meinem Bruder. Sie ist mitverantwortlich, dass mein Bruder so ist wie er ist. Und ihr letztes Argument ist immer: „er ist doch mein Sohn.“
    Aber eine Mutter sollte doch im Interesse des Sohn handeln. Und der gemeinsame Haushalt ist nicht der richtige Weg.

    Papa
    Unser Papa (77) war 16 Jahre älter als meine Mutter. Er hat die letzten Jahre immer mehr abgebaut. Er war krank und er benötigte Pflege. Meine Mutter ist berufstätig und konnte sich erst nach der Arbeit um meinen Papa kümmern.( Sie war da auch sehr fürsorglich) Da mein Bruder dort gelebt hat und arbeitslos ist, konnte er tagsüber ein Auge auf meinen Papa halte. Seine Nähe war von Vorteil. Doch die Alltagsprobleme mit meinem Bruder nahmen nicht ab. Ich habe es seltener kommentiert, weil ich meinen Papa nicht belasten wollte. Die letzten Jahre, war mein Papa der Familienmittelpunkt und ich wollte, dass er schöne Momente erlebt.

    Heutezutage

    Im Mai hat uns Papa verlassen. Ein schlimmer Einschnitt. Wir drei gehen unterschiedlich mit dem Verlust um. Wir alle leiden. Ich versuche meiner Mutter zu Seite zu stehen und Sie zu trösten. Aber wir geraten immer wieder aneinander wenn es um meinen Bruder geht.
    Meine Mutter möchte, dass er bei ihr wohnt bis er seine Ausbildung beendet. Im besten Fall, wenn er es dieses Mal durchzieht, ist er 36 Jahre alt. Ich sage, dass es nicht gut ist für sein soziales Leben und auch seine Selbstständigkeit. Ich möchte nicht, dass mein Bruder in 20 Jahre noch immer so lebt, wie jetzt. Das ist schrecklich. Und meine Mutter argumentiert, dass es doch ihr Kind ist und sie nur das Beste will. Sogar heute am Grab haben wir uns gestritten. Ich kann Sie nicht verstehen. Bei der ganzen Vorgeschichte. Ich mache Sie auch verantwortlich, dass mein Bruder in seiner Entwicklung stehen geblieben ist.

    Meine Idee

    In meiner Darstellung hört es sich vielleicht so an, dass mein Bruder auf die Straße gesetzt wird. Aber dem ist nicht so. Ich würde meinem Bruder meine Wohnung geben (42 qm) eingerichtet.
    Ich wohne in einer netten Siedlung in einem ordentlichen Miethaus. Zu seiner Ausbildung hat er gute Anbindungen. Es gibt viele Supermärkte in unmittelbarer Nähe. Er würde sich in ein gemachtes Nest setzen. Meine Wohnung würde ich aufgeben. Wir leben in einer Stadt, in der es sehr schwer ist eine anständige Whg zu finden. Er bekommt die Möglichkeit nochmal neu anzufangen in einem anständigen Umfeld. Meine Mutter muss ihn nur gehen lassen und er muss es wollen. Aber!


    Was sagt mein Bruder

    Er will nicht ausziehen. Er hat es ja bequem bei meiner Mutter. Er muss den Kühlschrank nicht füllen, seine Wäsche wird gewaschen und sein Verhalten wird toleriert. Er muss nicht mit dem Geld wirtschaften. Er hat kein gutes Verhältnis zu ihr, aber die Bequemlichkeit.



    Meine Mutter und ich haben uns heute am Grab wieder in die Haare bekommen. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich will Sie nur noch schütteln. Meine Nerven liegen blank. Was kann ich tun? Wie kann ich die Situation ändern? Bitte helft mir, ich kann nicht mehr. Ich spiele mit dem Gedanken, den Kontakt abzubrechen. Aber trotzdem plagt mich mein Gewissen. Ich kann doch nicht zu schauen, wie mein Bruder sich sein Leben zerstört und meine Mutter da mit spielt. Das macht mich fertig. Und was wird sein, wenn meine Mutter nicht mehr da ist.
    Ich bin nicht emotional in der Lage mich um ihn zu kümmern, selbst wenn sie mich drum bitten wird. Ich werde es nicht machen können. Dann ist er wirklich verloren.
    Es ist jetzt meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass er jetzt lernt selbstständig zu sein. Was kann ich tun?


    Mein Bruder nimmt keine psychologische Hilfe an und meine Mutter will die Situation nicht verstehen. Es wird darauf hinauslaufen, dass er sich nie abnabelt und das macht mich verrückt.

    Was soll ich tun?

  2. #2
    Verleger Avatar von Mirjam
    Registriert seit
    22.06.2015
    Beiträge
    6.480
    Danke
    4.102
    3.280 mal in 2.246 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hast du ihm die Wohnung bereits angeboten? Geht das überhaupt so einfach - muss das nicht auch der Vermieter wollen?

    Wenn er auf deinen Vorschlag nicht eingehen will, wirst du gar nichts tun können....da spielt auch keine Rolle, ob du dich verpflichtet fühlst.

    Wenn deine Mutter und dein Bruder zusammen wohnen wollen, ist das deren Sache.

  3. #3
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    09.09.2019
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hi Mirjam,
    Danke für deine neutrale Sicht auf die Dinge. Ja, die Whg wurde ihm angeboten und ich hab einen guten Kontakt zum Vermieter, so dass er Nachmieter werden kann.
    Die Situation zwischen ihm und meiner Mutter ist ungesund und dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.

    Eigentlich liegt es nur an ihm. Er muss bereit sein, aber er will es bequem haben.
    Vor allem wird es eines Tages ein Schock für ihn sein auf sich alleine gestellt zu sein, wenn es so weiter geht.
    Da kann man doch nicht einfach hinschauen. wie bringe ich ihn dazu selbstständig zu werden.
    Eine Freundin, die Psychologin ist, sagt auch, man muss ihm die Bequemlichkeit nehmen, damit er aktiv wird. Aber meine Mutter ist nicht bereit und ich stehe daneben und beobachte diese Abwärtsspirale. Wie bringe ich die beiden dazu?

  4. #4
    Verleger
    Registriert seit
    07.01.2014
    Beiträge
    3.000
    Danke
    2.129
    2.084 mal in 1.394 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo JuMaIng,

    das ist keine leichte Situation für Dich.

    Ich greife nur zwei Dinge heraus:

    Es ist jetzt meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass er jetzt lernt selbstständig zu sein.
    Es ist die Pflicht Deines Bruders und Deiner Mutter, dafür zu sorgen, dass er lernt, selbständig zu sein.

    ER sollte in erster Linie den Wunsch haben, er ist erwachsen.

    Was soll ich tun?
    Dich raushalten, so schwer es Dir auch fällt.

    Deine Wohnung selbst bewohnen und in erster Linie gut für Dich sorgen.

    Lass die beiden das untereinander regeln, oder eben auch nicht.

    Es ist deren Sache, so schwer es auch für Dich sein mag.

    Hilfe kannst Du geben, wenn Du gefragt wirst.
    Geändert von Pullus (10.09.2019 um 18:05 Uhr)

  5. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Pullus für den sinnvollen Beitrag:

    Luzia (10.09.2019),Mirjam (10.09.2019),schwarzerEngel (10.09.2019)

Ähnliche Themen

  1. Sündenbock-Rolle - ohne Aussicht auf Besserung
    Von problem123 im Forum Familie & Erziehung
    Antworten: 31
    Letzter Beitrag: 10.04.2019, 15:04
  2. Erwachsener Sohn ohne Perspektive
    Von Mama41 im Forum Familie & Erziehung
    Antworten: 42
    Letzter Beitrag: 12.07.2018, 14:25
  3. Unser Sohn hilft uns nicht im Haushalt und auch generell nie.
    Von Peps1966 im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 09.11.2013, 08:24
  4. HILFE! Ich kann einfach nicht mehr! Schwule Liebe ohne Aussicht...?
    Von Treecko im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 08.11.2012, 18:47
  5. Wenn ein Sohn ohne Mutter aufwächst...
    Von Lunguini im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 13.09.2010, 23:03

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •