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Thema: Nähe - Distanz Problem

  1. #9
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    In meiner Familie gibt es ein Ehepaar, die führen seit Jahrzehnten eine Fern-Ehe. Jeder lebt in einem anderen Land und sie sehen sich phasenweise jeweils über einige Wochen und dann Monate nicht, telefonieren aber täglich. Ich denke einen größeren "Freiraum" gibt es schon fast nicht mehr in einer Ehe. Keiner käme je auf die Idee sich an Absprachen nicht zu halten, einfach wie ein kleines bockiges Kind "nicht erreichbar zu sein", weil man grade verstimmt ist und noch weniger kämen sie auf die Idee, wenn es einem von beiden schlecht geht den anderen in so einer Phase zusätzlich zu belasten. Nur mal so aus meiner konkreten Erfahrung.

  2. #10
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    Vielen lieben Dank erstmal für eure Antworten

    Ich habe in meinem Eingangspost nur einen kleinen Ausschnitt erzählen können und sehe jetzt, dass sehr viel hineininterpretiert wird, was aber zwangsläufig geschehen muss, weil man hier in einem kurzen Post nicht eine ganze komplexe Beziehung und ihre Dynamiken schildern kann. Dennoch möchte ich gerne noch weiter darauf eingehen, weil es gut tut, einwenig Input zu bekommen und eine andere Perspektive zu hören. Ich habe gestern und heute auch viel mit meiner Mutter darüber sprechen können, was mir sehr gut getan hat.

    Danke dir für deine Interpretation, @ Steinchen. Wir haben viel geredet, auch schon früher, als diese Thematik noch öfter aufkam. Er fühlt sich nicht unter Druck gesetzt. Das hatte ich zuerst auch gedacht. Ich werde versuchen unsere Dynamik kurz zu schildern. Mein Mann kommt leicht in einen Film, wenn er das Gefühl hat, kontrolliert zu werden, auch wenn er nicht kontrolliert wird. Er macht dann komplett zu, wird hart und kalt und reagiert nicht mehr richtig. Mein Mann ist Iraker und sein Vater war Berufsoffizier, auch unter Saddam Hussein. Ich habe ein paar Monate gebraucht um rauszufinden, dass er in eine Dynamik rutscht, die er als Kind mit seinem Vater hatte, der ihn kontrollieren wollte. Mein Mann ist aber ein Freigeist und konnte nicht kontrolliert werden (daher auch seine Flucht aus dem Irak). Das war natürlich keine leichte Kindheit für ihn. Ich wiederum komme auch in meinen Film, wenn mein Mann so reagiert. Ich bekomme Verlassenheitsängste und fühle mich in diesen Momenten nicht erwachsen (inneres Kind). Mir ist das alles klar und ich kann es auch schon während es passiert besser sehen, aber es ist nicht einfach und tut oft höllisch weh.
    Als mein Mann heute nach Hause gekommen ist, hat er klar gesagt, dass er sich wieder kontrolliert gefühlt hat. Aber er hat gesagt, dass es falsch war, weil er auch versteht, dass es nichts mit mir zu tun hat, sondern mit seiner Geschichte. Ich finde es dennoch nicht in Ordnung, das Handy abzuschalten, wenn mein Partner Probleme hat und nicht darauf zu reagieren. Ich denke, da muss man versuchen, aus seiner eigenen Dynamik auszusteigen und einmal drüber zu stehen. Vielleicht ist es zu viel verlangt. Wer weiß. Für mich geht es in einer Beziehung schon auch darum, mich auf den anderen verlassen zu können, wenn mal etwas schwierig ist.

    Es ist natürlich richtig, dass mein Mann nicht die Verantwortung über MICH übernehmen soll/kann/muss. Aber ich denke, dass man als PartnerIn Verantwortung für die BEZIEHUNG übernehmen muss. Ich finde es wichtig, zu sehen, wie es meinem Gegenüber geht und ich habe gelernt, dass es mehr gibt, als "nur" die Eigenverantwortung, nämlich auch zu sehen, was ich im anderen auslöse und dafür Verantwortung zu übernehmen. Ich denke es ist ein wichtiger Schritt, um nicht in einer egomanen Gesellschaft, sondern in einer emphatischen Gesellschaft zu leben, wo ich Interesse daran habe, wie es den anderen geht. Mitgefühl für mich selbst, doch auch für den anderen.

    Natürlich ist mein Mann nicht mein Therapeut und ich kämpfe auch mit dieser Situation, weil ich meinem Mann nichts aufhalsen möchte. Ich habe mir Unterstützung gesucht und beginne in einer Woche meine neue Therapie, sofern mein Therapeut für mich passt. Ich habe einen langen Weg hinter mir und 16 Jahre davon mit psychotherapeutischer Begleitung. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, wenn der Partner/die Partnerin psychische Probleme hat. Dennoch ist die Situation jetzt so und ich denke, es kann immer etwas passieren, ob körperliche und psychische Erkrankungen/Krisen ud das muss man annehmen.

    Ich habe mir diese Krise nicht selbst erzeugt, um mehr Nähe zu erhalten. Das Thema ist sehr komplex und ich kann das jetzt nicht näher ausführen, ich könnte einen Roman drüber schreiben (was ich auch tue ;-) ) Es hat sich etwas sehr Belastendes gelöst und dadurch ist enormer Druck von mir abgefallen und das hat diese Krise erzeugt, wie ein Gummiband, das zurückschnellt. Ich sehe es so: Wenn mein Partner krank ist, Grippe oder was auch immer, bin ich für ihn da und unterstütze ihn. Ich habe diese erste Krise in unserer Beziehung und ich sehe, dass er nicht für mich da ist. Und natürlich kann er mir nicht zu hundertprozent die Angst nehmen, aber wenn ich nicht alleine bin fühlt es sich gänzlich anders an. Ich will nicht gerettet werden, aber ich brauche jetzt in dieser Phase meines Lebens (hoffentlich nur kurzzeitig) Unterstützung und ja, ich wünsche mir das von meinem Partner, wie auch ich meinen Partner unterstütze.

    Wir haben insgesamt keine lieblose unachtsame Beziehung. Es sind diese Dynamiken, in die wir manchmal reinrutschen, die schwierig sind, aber sonst haben wir einen sehr schönen Kontakt und Umgang miteinander und wir haben sehr glückliche Phasen erlebt und sind uns nahe.


    Noch zwei Sachen: Qualitätszeit bedeutet für mich, Zeit, die ich in emotionalem, geistigem und /oder körperlichem Austausch mit meinem Gegenüber bin ohne von etwas anderem abgelenkt zu sein (zb Smartphone oder TV).

    @Abyoss ich habe BEWUSST das Wort "besser" gewählt, da ich wie gesagt Nähe wichtig finde und es für mich am Anfang unserer Beziehung zu wenig Nähe war und daher ist es nicht nur anders sondern besser geworden, als wir mehr Zeit miteinander verbracht haben.
    Geändert von Jolanta (23.02.2020 um 22:25 Uhr)

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Jolanta für den sinnvollen Beitrag:

    Fafnir (24.02.2020),Ice Frozen Sunset (24.02.2020)

  4. #11
    Roman Verfasser Avatar von Mona-Lisa
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    Macht Dein Mann eine Therapie wegen seiner Kontrollangst? Ich finde das krass, so lange unangekündigt über Nacht wegzubleiben, Handy sooo lange ausschalten geht gar nicht und von einem Ehemann würde ich erwarten, dass er, wenn überhaupt nicht regelmäßig anderswo übernachtet und schon gar nicht unabgesprochen. Meine Meinung. Aber im Grunde ist Beziehung eine Spezialvereinbarung zwischen zwei Individuen, die wahrscheinlich nie ganz ohne Reibereien, Neuausrichtungen bei Veränderungen. Ich sehe in Eurer Beziehung viel Dein Verstehen und weniger Sein Verstehen, aber vielleicht empfinde ich das nur so?
    Man muß mit Allem rechnen, sogar mit dem Schönen!
    Es gibt tausend Gründe, alles beim Alten zu belassen, aber nur einen, etwas zu ändern, Du hältst es einfach nicht mehr aus!

  5. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Mona-Lisa für den sinnvollen Beitrag:

    Fafnir (24.02.2020),Ice Frozen Sunset (24.02.2020),JannaW (24.02.2020)

  6. #12
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    Zitat Zitat von Mona-Lisa Beitrag anzeigen
    Macht Dein Mann eine Therapie wegen seiner Kontrollangst? Ich finde das krass, so lange unangekündigt über Nacht wegzubleiben, Handy sooo lange ausschalten geht gar nicht und von einem Ehemann würde ich erwarten, dass er, wenn überhaupt nicht regelmäßig anderswo übernachtet und schon gar nicht unabgesprochen. Meine Meinung. Aber im Grunde ist Beziehung eine Spezialvereinbarung zwischen zwei Individuen, die wahrscheinlich nie ganz ohne Reibereien, Neuausrichtungen bei Veränderungen. Ich sehe in Eurer Beziehung viel Dein Verstehen und weniger Sein Verstehen, aber vielleicht empfinde ich das nur so?
    So empfinde ich das auch.
    Insofern kann ich Deinen Satz, liebe TE, es sei „insgesamt eine liebevolle, achtsame Beziehung“ nicht ganz nachvollziehen.
    Ich würde an Deiner Stelle genau hinschauen, ob es nicht „insgesamt“, sondern eher „phasenweise“ so ist.

  7. #13
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    Mein Mann macht keine Therapie und ich denke auch nicht, dass er das in Zukunft machen wird.
    Wie oben erwähnt ist es für mich okay, dass er einmal in der Woche weg ist. Er braucht das für sich und es tut mir nichts. Ich brauche auch ein gewisses Maß an Freiraum. Schlimm war es deswegen für mich, weil es anders abgemacht war und dass er sein Handy abgeschalten hat. Ich habe mich im Stich gelassen gefühlt.

    Du hast recht, von meiner Seite gibt es viel mehr Verständnis als von seiner, aber er versucht zumindest es zu durchblicken. Ich denke, Beziehungsdynamiken sind generell oft schwierig. Durch meine langjährige Therapieerfahrung bin ich ziemlich selbstreflektiert, aber das fehlt meinem Mann gänzlich. Er hat von solchen Themen noch nie etwas gehört und hat auch nicht viel Beziehungserfahrung im Gegensatz zu mir.

    Ich habe von Anfang an gesehen, dass wir dieses Thema haben und dass es schwierig ist. Aber dennoch läuft es bei uns sonst sehr gut, deswegen habe ich mich für ihn entschieden.
    Ich werde nachdenken, was ich jetzt tun kann.

  8. #14
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    Wenn dein Mann nicht bereit ist/in der Lage ist, sein Trauma aufzuarbeiten und sich selbst, so wie du, zu reflektieren, liegt die ganze Last für die Beziehung auf dir.
    Du bist diejenige, die die Dynamiken erkennt, sowohl bei dir, als auch bei ihm, die versucht, sich selbst zu ändern, und gleichzeitig noch dem Partner Verständnis entgegenzubringen und ihm zu erklären, was bei ihm eventuell schief laufen könnte.
    Ich sehe da ein erhebliches Ungleichgewicht in eurer Beziehung. Du übernimmst wesentlich mehr Verantwortung als er.
    Ob es möglich ist, auf Dauer in einer Ehe die guten Phasen und Anteile zu teilen, und die schlechten auszuklammern (beispielsweise durch Verschwinden und Abtauchen, wenn es "eng" wird)?
    Ich stelle es mir schwer vor, Nähe nur dann zuzulassen, wenn es gut läuft, aber zu kappen, wenn es schlecht läuft.
    Ich glaube, solche Abspaltungen machen Menschen nicht glücklich.

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    Fafnir (24.02.2020),JannaW (24.02.2020),Mona-Lisa (24.02.2020),Steinchen.im.Schuh (24.02.2020)

  10. #15
    Roman Verfasser Avatar von Mona-Lisa
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    Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, näher zusammen zu kommen, eine Paartherapie zu machen. Denn ich glaube, dass Du es im Moment so siehst, dass Eure Beziehung viel Schönes und Nährendes hat und eine seelsiche Krise, wie die, in der Du Dich jetzt befindest, bewirkt wahrscheinlich bei vielen Paaren, dass der kränkere vorübergehend mehr Aufmerksamkeit und Mitgefühl braucht. Ich denke da im Moment auch so manchen starken und unabhängigen Mann, der durch eine Erkältung oder Grippe zum emotionalen Kleinkind mutiert

    Deshalb halte ich Abhängigkeit auch nicht als statische Größe in Beziehungen, es kann sich jederzeit verändern. Veränderungen können jederzeit das bisherige Gleichgewicht stören bis erschüttern. Wenn es im Normalfall schon eher einseitig ist, wie bei Euch, Du die Hauptverantwortung für die Beziehung und Dich und zum Teil für ihn übernimmst, wie wird es, wenn Dich noch ein Schicksalsschlag trifft?

    Vielleicht kann eine Vereinbarung, wie lange es für Dich in Ordnung ist, ein ausgeschaltetes Handy zu akzeptieren, ein Anfang sein. Ein Kompromiss, wo es darum geht, dass jeder etwas abweicht vom Idela gesehenen. Es ist nicht nur Dein Job, Dich an ihn anzupassen, er ist da auch gefordert. Wie reagiert er eigentlich, wenn Du Dein Handy ausschaltest? Gelassen? Kommt es nicht vor? Noch nie gemacht?
    Man muß mit Allem rechnen, sogar mit dem Schönen!
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    Fafnir (24.02.2020),JannaW (24.02.2020),Jolanta (24.02.2020)

  12. #16
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    Mein Mann würde nie eine Therapie machen, auch keine Paartherapie.

    Das, was du über Abhängiskeit schreibst, finde ich wirklich gut. Ich glaube auch, dass es sich verändern kann und wir hatten schon ganz andere Phasen in unserer Beziehung. Vor meiner Krise habe ich an den Abenden, an denen mein Mann seine Freunde getroffen hat, eben auch alleine was unternommen oder ich habe den Abend alleine genossen. Es ist nur momentan schwierig für mich und ich fühle mich sehr enttäuscht, weil er einfach die Verbindung zu mir gekappt hat, obwohl es mir so schlecht ging. Er hat gesagt, dass ich recht habe und dass er das nicht mehr machen wird. Er war wohl auch ziemlich betrunken.. Ich schalte mein Handy nicht aus, aber wenn ich mal nicht rangehe, reagiert er wirklich gelassen. Er tickt einfach ganz anders als ich. Er braucht viel weniger Nähe als ich und meldet sich auch tagsüber kaum (als er noch gearbeitet hat). Er ist ein Einzelgänger-Typ, der von niemandem abhängig sein will.

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    Mona-Lisa (24.02.2020)

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