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Thema: Nüchtern betrachtet: Lohnt es sich überhaupt zu Leben?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Nüchtern betrachtet: Lohnt es sich überhaupt zu Leben?

    Guten Tag Liebes Forum

    Ich schreibe hier über ein Thema welches mich schon länger beschäftigt. Zu meiner Person: Ich litt 3.5 Jahre an einer Depression und Panikattacken was dazu geführt hat das ich den Grossteil meiner Jugend isoliert Zuhause verbracht habe aus der Angst vor der Angst. Nach einem knapp gescheiterten Suizidversuch kam ich in eine Klinik und verliess diese nach 3 Monaten geheilt wieder. Ich nehme seitdem 40MG Fluoxetin ein Antidepressiva. Dies ist nun circa ein Jahr her und ich erfreue mich bester Gesundheit. Ich kann wieder rausgehen habe mir ein neues soziales Umfeld aufgebaut und werde im nächsten Jahr voraussichtlich mein Studium beginnen.

    Nun zur eigentlichen Fragestellung: Lohnt sich das Leben überhaupt? Die Antidepressiva halten mich in einer permanent umgänglichen Stimmung, ich freue mich nicht aber bin auch nicht traurig. Ich funktioniere. Verlieben kann ich mich aufgrund der Medikamente ebenfalls nicht, da sie den Serotoninspiegel permanent hoch halten und sich Verliebtheit durch einen geringen Serotonin und einen hohen Dopamin spiegel auszeichnet. Was ich damit sagen will, ich lebe fast komplett emotionslos. Ich könnte diese nun auch wieder abdosieren, aber ich denke ich bleibe bei dieser hohen Dosis, da ich so für mein Umfeld wessentlich erträglicher bin.

    In den vergangenen Tagen habe ich mich etwas mit Philosophie auseinandergesetzt, insbesondere mit Arthur Schopenhauer. Schopenhauer war ein Atheist und für ihn bedeutete Leben vorallem Leiden. Er konnte sich nicht vorstellen das ein gütiger und gnädiger Gott eine solche Welt erschaffen hätte. Ich bin eigentlich gläubig und würde deshalb einen Sinn in unserer Existenz sehen doch ich zweifle in den vergangenen Tagen immer mehr daran.

    Ich denke, da ich im vergangenen Jahr praktisch keine Gefühle mehr hatte, kann ich das ganze Objektiv betrachten. Wenn wir davon ausgehen das es kein Gott gibt, ist das Leben sinnlos meiner Meinung nach. Die ganzen Anstrengungen führen schlussendlich zu nichts und alles was wir uns im Leben aufbauen wird mit unserem Tod, zumindest für uns, zerstört werden. Ich bin nicht mehr depressiv und mache jeden Tag Sport. Ich frage mich dennoch ob ein Freitod nicht die bessere Alternative wäre. Ich bin nicht suizidal aber ich finde es dennoch eine Überlegung wert, obwohl in der heutigen Zeit solche Gedanken geradezu tabuisiert sind.

    Was mich stutzig werden lässt ist die Angst vor einem strafenden Gott im falle eines Suizides. Ausserdem stellt ein solcher Vorfall für das Umfeld eine erhebliche emotionale Belastung dar, was natürlich ebenso sehr unschön ist. Früher hatte ich jeden Tag starke Suizidgedanken welche auch nicht auf Freiwilligkeit beruhen. Nun habe ich das Glück mir ohne emotionalen Druck ein objektives Urteil fällen kann und fällen werde.

    Wie sehr Ihr das? Nietzsche fordert einem ja dazu auf sich diesem Schicksal mutig zu stellen. Aber lohnt sich das überhaupt? Ich bin gespannt auf eure Antworten.

  2. #2
    Verleger Avatar von Physalis
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    Hallo theincredible,

    ich sehe es wie Du, oder besser gesagt wie Schopenhauer, oder wie ihr beide.

    Aber ich habe die Verantwortung für Tiere übernommen. Und die sehen es völlig anders. Für diese völlig anders denkenen Geschöpfe habe ich diese Verantwortung und sehe mich dazu in der Pflicht, da zu sein und ihnen die pure Freude am Da-Sein zu ermöglichen.

  3. #3
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    Wieso überlässt du solche Gedanken und Entscheidungen irgendwelchen Philosophen?
    Das ist wirklich deine Sache und deine Entscheidung.
    Das man sich auf Anti-Depressiva nicht verlieben kann, ist auch deine eigene Meinung und Erfahrung; du hast das mal einfach für alle so beschlossen.

    Aber zum Thema
    Ich denke, alles an unserem Körper, an unserem Geist und unseren Instinkten, von der Sinneswahrnehmung bis hin zu allen geistigen Fähigkeiten, jedes Organ und jedes Körperteil, alles hat ein und denselben Zweck: Überleben in der Natur und Jagen. Seit wir angefangen haben, Dinge anzubauen und einfach auf unser Essen zu warten, ist die Menschheit in so eine Art Langeweile geraten. Ich finde, alles in den letzten 20.000 Jahren spricht dafür, dass wir nicht wissen, was wir mit unseren Mitteln machen sollen, wir sind chronisch unterfordert. Ist aber nur meine persönliche Theorie. Und was man dagegen machen kann, ist, sich immer genügend Heraußforderungen zu suchen. Solange man sich Ziele gibt die man auch wirklich verfolgen will, gibt man sich auch einen Sinn. Die haben 20 Jahre an den Pyramiden gebaut, damit deren König möglichst entspannt ins Jenseits gehen kann. Die waren beschäftigt. Es ist also an sich sinnlos, aber du hast da keine große Wahl. Selbstmord ist noch unnötiger als das Leben selbst, wenn man das jetzt unbedingt philosophisch angehen will.

    Und du klingst bei Gott nicht fertig therapiert, vielleicht machst du dir was vor;

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Bogart für den sinnvollen Beitrag:

    Mirjam (14.11.2019)

  5. #4
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    Hallo Theincredible

    es hat mich berührt deine Zeilen zu lesen.
    Als Exdepressive fand ich am Gedanken an den Tod Trost.
    Der Tod bleibt immer, das Leben jedoch verändert sich ständig und verfliegt irgendwann ganz.
    In Avatar ist ein schönes Zitat zum Thema Leben: Geborgte Energie, die wir irgendwann wieder zurückgeben.
    Das Problem des Lebens habe ich für mich so gelöst, dass ich ja den Tod bereits als Gewissheit habe. Ungewiss und damit auch in alle Richtungen offen aber ist das Leben vorher. Da der Ausgang ohnehin schon klar ist kann ich dieses so nutzen wie ich möchte. Und das ist für mich ein befreiender Gedanke: Den Sinn gebe ich selbst.

  6. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei mobila für den sinnvollen Beitrag:

    Fafnir (08.11.2019),Mona-Lisa (08.11.2019),Pullus (08.11.2019)

  7. #5
    Neuling
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    Ich bin Bogarts Meinung.
    Irgendwann und irgendwo hat die Menschheit den Instinkt, den Sinn, den Ursprung verloren.

    Was ist denn überhaupt Sinn, wer entscheidet denn was Sinn macht und was nicht? Ich denke das liegt an der Wahrnehmung von jedem einzelnen.

    Ich lebe nicht um mein Gehirn zu zermartern in dem ich in allem einen Sinn zu finden versuche.
    Das kann ich jedem nur anraten, findet euren eigenen Weg/Sinn tut das wonach es euch beliebt, lacht, tanzt, schreit, weint.. seit lebendig!

  8. #6
    Neuling Avatar von Abyssos
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    Lohnt es sich, zu leben?

    Eine der wichtigsten Fragen, die ich mir regelmäßig stelle.
    Sie ist für mich nicht nur ein Mal zu beantworten, sondern bedarf in meinem Leben einer regelmäßigen Überprüfung. Auch dieses Jahr steht diese Fragestellung wieder an.
    Es liegt generell in meinem Naturell, so gut wie alles zu hinterfragen, was von anderen anscheinend als festgesetzt und schon bedacht feststeht.
    Tod und Suizid - das Ende - ein mögliches Leben nach dem Tod - Gott oder nicht Gott etc. etc. waren in meinem Leben von Anfang an derart präsent, dass es für mich kein Tabuthema ist.

    Ich glaube nicht mehr an Gott, deshalb mache ich meine Motivation zu leben nicht an diesem fest.
    Da ich somit auch keine Angst vor der Hölle habe, hält mich auch keine Angst vor den Qualen nach dem Tod am Leben.
    Was mich am Leben hält, weshalb ich nicht suizidal bin - das ist zu persönlich für diesen Rahmen.

    Als Kind und Jugendliche hätte ich mich sehr gerne zu all dem ausgetauscht, aber die meisten Menschen (insbesondere im therapeutischen Kontext) haben eher Angst davor, und andere meiden das Thema, weil sie sich nicht damit beschäftigen wollen.
    Bedauerlich, denn meines Erachtens erhöht sich durch Schweigen eine Problematik nur.

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Abyssos für den sinnvollen Beitrag:

    Emotionalkreativ (16.11.2019)

  10. #7
    Neuling
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    Zitat Zitat von Abyssos Beitrag anzeigen
    Lohnt es sich, zu leben?

    Eine der wichtigsten Fragen, die ich mir regelmäßig stelle.
    Sie ist für mich nicht nur ein Mal zu beantworten, sondern bedarf in meinem Leben einer regelmäßigen Überprüfung. Auch dieses Jahr steht diese Fragestellung wieder an.
    Es liegt generell in meinem Naturell, so gut wie alles zu hinterfragen, was von anderen anscheinend als festgesetzt und schon bedacht feststeht.
    Tod und Suizid - das Ende - ein mögliches Leben nach dem Tod - Gott oder nicht Gott etc. etc. waren in meinem Leben von Anfang an derart präsent, dass es für mich kein Tabuthema ist.

    Ich glaube nicht mehr an Gott, deshalb mache ich meine Motivation zu leben nicht an diesem fest.
    Da ich somit auch keine Angst vor der Hölle habe, hält mich auch keine Angst vor den Qualen nach dem Tod am Leben.
    Was mich am Leben hält, weshalb ich nicht suizidal bin - das ist zu persönlich für diesen Rahmen.

    Als Kind und Jugendliche hätte ich mich sehr gerne zu all dem ausgetauscht, aber die meisten Menschen (insbesondere im therapeutischen Kontext) haben eher Angst davor, und andere meiden das Thema, weil sie sich nicht damit beschäftigen wollen.
    Bedauerlich, denn meines Erachtens erhöht sich durch Schweigen eine Problematik nur.
    Ich habe dich die ganze Zeit für einen Mann gehalten. Freut mich, dass du eine Frau bist. Soweit ich selbst es erlebe, lehnen Frauen das Thema Suizid viel mehr ab als Männer. (Womit ich keine Grundsatzdiskussion auslösen möchte, im Forum, es ist allein mein Erleben in meinem Umfeld.) Deswegen finde ich toll, dass du da anders bist.

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Marianna für den sinnvollen Beitrag:

    Abyssos (16.11.2019)

  12. #8
    Schreiberling Avatar von Snowgold
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    Lohnt sich Leben?
    Naja rein evolutionär gesehen, existieren wir auch nur, um unsere Art zu erhalten.
    Da wir aber genügend Denkvermögen besitzen, können wir unserem Leben einen Sinn geben und wenn es "nur" ein persönlicher Sinn ist, den der Rest der Welt nicht teilt.
    Ob das Leben wertvoll ist oder nicht hängt zum großen Teil, auch von unserem Gemütszustand ab, aber das ist nur eine These.
    Ich bin nichts und niemand, irgendwer.
    Ein kleines Licht.
    Ein Stück Haut, Knochen, Muskeln, Fleisch....

    Ich bin die Leere
    Geh mit leeren Augen durch die Welt
    Ich bin verloren, schon lang

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