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Thema: Phantasie und Realität verschwimmen (achtung lang)

  1. #1
    Neuling
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    Standard Phantasie und Realität verschwimmen (achtung lang)

    Hallo zusammen. Ich bin ein Mann von 42 Jahren, habe einen festen aber stressigen job, bin trockener Alkoholiker seit fast 12 Jahren und war vor 2 Jahren schon ein mal in einer Tagesklinik, in der ich wegen Depressionen behandelt wurde.

    Vor etwa einem Jahr bin ich dann umgezogen und habe dann auch gleich mein Citalopram abgesetzt, da ich ja ein ganz neues Leben in einer wundervollen Umgebung anfangen wollte. Das ganze ging auch hervorragend, ich war allein, aber glücklich, beschäftigt, aber nicht unbedingt gestresst. Nicht wie ich es mir gewünscht habe, ich hätte schon gern Freunde, aber sonst alles ok.
    Vor 8 Wochen gings dann los. Ich lernte eine Frau kennen, die in fester Beziehung ist, aber ich wollte ja nur Freunde haben und so lernten wir uns näher kennen. Sie erzählte mir stundenlang, am Telefon oder persönlich, was sie gutes oder schlechtes mit ihrem Partner erlebt hat und auch ich konnte endlich mal jemandem meine intimsten Gedanken ausschütten.
    Immer wieder hat sie mir klargemacht, das es zwischen uns nie eine Beziehung geben könnte, wenn dann höchstens eine sexuelle, die aber nichts mit Liebe oder Beziehung etwas zu tun haben könnte und sollte. Ich habe das ganze akzeptiert, aus dem Gedanken heraus, ihr damit helfen zu können. So weit kam es aber (Gott sei dank) nicht.
    Nun dachte ich, ich könnte das ganze trennen, da es berufliche routine für mich ist, immer mit den selben Menschen umzugehen, ohne eine Bindung einzugehen (ich pflege nicht einmal Freundschaften mit meinen Kunden).
    Vor zwei Wochen fuhren wir zusammen auf ein Fest und ich dachte noch, ich sollte mich verhalten wie ein Freund, nicht wie ein Geliebter. Gesagt, getan, ich hatte nix zu meckern, alles war ähnlich gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte, ich war zurückhaltend und höflich. Meine Bekannte sah das ganz anders... In ihren Augen habe ich ständig wie ein Wachhund hinter ihr gestanden, ihr keine Freiheit gelassen und hätte mich sehr aufdringlich verhalten. Das war mir schon mal nicht bewusst... Bei dem klärenden Gespräch (dauerte über 3 Stunden) das wir heute am Telefon hatten kam ausserdem heraus, das ich unbewusst, immer wenn sie etwas von ihrem Freund erzählt hat, das selbe besser oder anders (und damit besser) als er machen oder können würde. Mein Verstand sagt mir aber immerzu, das ich mit dieser Frau keine Liebesbeziehung und kein Verhältnis haben kann und will. Ich habe auch während der Gespräche dauernd wieder erwähnt (auf ihre Nachfrage hin) das ich so etwas nicht anstrebe. Mein Unterbewusstsein hat mir also einen Streich gespielt...

    Nun ist die Bombe geplatzt, sie ist enttäuscht von mir, ich bin völlig verwirrt und weiss nicht einmal mehr ob ich mir selber über den Weg trauen kann. Allerdings kann ich mir jetzt erklären, warum in den letzten Jahren die ohnehin wenigen Dates immer wieder zu Fiscos wurden und nicht zu glücklichen Beziehungen.

    Naja, und jetzt schreibe ich hier, der Suiziedgedanke schwirrt mir im Kopf rum und ich bin wieder einsamer als je zuvor. Alles ist wieder kaputt, alles läuft gegen mich und Montag bekomm ich in der Firma bestimmt auch wieder Druck, weil ich nicht die Leistungen bringe, die hier von mir erwartet werden. Wenn die mich auch noch kicken, dann hab ichs wirklich hinter mir, dann...

    Vielen Dank fürs lesen.

  2. #2
    Darkstar
    Gast

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    Hallo Helmut,

    liest sich das so, als ob Deine Depris Dich jetzt wieder eingeholt hätten ...
    Kann ich da mal einfach ein paar Fragen stellen?

    Hat sich da an die Tagesklinik eine weitere begleitende ambulante Therapie angeschlossen oder lief es nur über die Medi-Schiene?
    Hast Du eine Diagnose mitgeteilt bekommen, um welche Form der Depression es sich da bei Dir gahandelt hat/haben könnte?

    Auch bei einer "nur" depressiven Episode können da bereits chronifizierte Strukturen vorliegen, die mit einem einmaligen Klinikaufenthalt ohne weitere therapeutischen Begleitung in der Zeit danach immer wieder aufbrechen können.

    Umzug, Stress im Job ... das alles kostet täglich Kraft und Energie. Das Absetzen der stützenden Medis macht da vielleicht die Basis auch noch schmäler. Es mag reichen - bis dann zusätzliche Belastungen hinzukommen.
    Deine neue Beziehung zum Beispiel ...
    Sie scheint ja auch alles andere als unproblematisch zu sein ...

    Wurde in der Klinik auch das aufgearbeitet, was letztendlich zu Deinen Depressionen beigetragen, sie befördert hat? Sie haben ja in der Regel Wurzeln, die mit den letztendlichen Auslösern nicht unbedingt etwas zu tun haben müssen.

    Normalerweise halte ich mich ja eher zurück, wenn es darum geht, irgendwelche "klugen Ratschläge" zu geben - wäre es aber in Deiner momentanen Lage nicht vielleicht sinnvoll, Dich mit einem Therapeuten oder einer Akutstelle in Verbindung zu setzen?
    Wärst Du bereit, diesen Schritt zu gehen oder mal darüber nachzudenken, die Medikamentation wieder neu einstellen zu lassen, um etwas Luft zu bekommen?
    Luft, um über eine weiter Therapie nachzudenken?

    Da scheint so einiges wieder in eine Richtung zu gehen, die sich für Dich nach Druck und Überforderung anfühlt, oder?

    Das mit den Suizidgedanken: nimm bitte dieses Signal ernst!


    lg

  3. #3
    Neuling
    Themenstarter

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    Moin Darkstar.

    Ich fürchte ja, die Depris sind wieder da

    Ich beantworte prinzipiell jede Frage, nur ganz intime würden ignoriert.

    Nach der Tagesklinik hätte eine weitere Behandlung stattfinden sollen, das liess sich aber nicht mit meinen Arbeitszeiten vereinbaren. Kein Psychiater macht morgens vor 8:00 oder abends nach 20:00 seine Pforten für mich auf. Und ein mal die Woche krankschereiben kann ich mich auch nicht lassen. Also wurde damals der Weg mit den Medis weitergegangen. Eine Diagnose gab es zwar, die wurde aber direkt zu meinem Hausarzt geschickt. Damals war sie mir auch nicht wichtig, immerhin gings mir richtig gut danach. Die Medis wurden weiter verschrieben und ich hatte keine großen Sorgen.

    Chronifizierte Strukturen? Keine Ahnung. Aber es scheint fast so.

    Naja, eigentlich sollte der Umzug sich eher positiv auswirken. Mein Gedanke war eben, das ich alles hinter mir lasse. Und ohne die Medis gings mir manchmal sogar besser als mit.
    Die neue Beziehung sollte ja eben keine werden. Das ist ja eines meiner momentanen Probleme, das weder sie, noch ich eine haben wollten, mein Innerstes aber offensichtlich unkontrollierbar die Freundschaft falsch umsetzt.

    Die Therapiegespräche in der Klinik waren ein Witz. Jedes mal wenn ich etwas aus der Vergangenheit erzählen wollte, lenkte mein Therapeut ab, meinte ich solle nicht denjenigen die Schuld für meine Verfassung geben und ging zu Smaltalk über. Dazu brauch ich aber keine Therapie, im Smaltalk bin ich als Verkäufer Meister. Nach Abschluss der Behandlung dort kam ich mir vor, als wenn ich einen langen Urlaub gemacht hätte. Und letztendlich wars auch nichts anderes, nur das ich danach auch noch finanziell am Boden war, durch den Krankengeldbezug ab der 6. Woche. Merke: Nicht jeder der lange arbeitet und direkt an der Nordsee wohnt ist Reich...

    Ich fürchte eine Akutstelle muß mein nächster Anlaufpunkt sein. Aber da kommt wieder bei raus, das ich ellenlang krankgeschrieben werde und das würde dies mal meinen Job kosten. Auch wenn ich schon über 10 Jahre in der Firma bin, sind meine neuen Vorgesetzten nicht eben begeistert von meinen Leistungen, die ich bringe. Ich bange ja schon so täglich um meinen Job.
    Andererseits liesse sich durch die Therapie und eine längere Krankschreibung sicherlich einiges erklären, nur ob dieser Schuß nicht nach hinten losgeht? Erst bringt er nicht die erwartete Leistung und dann ist er Monatelang krank... da würde ich als Vorgesetzter auch stutzig werden.
    Grundsätzlich währe ich bereit für Therapeutische Massnahmen, kann aber nicht wie ich will oder möchte. Aber einen Allgemeinarzt muss ich mir hier dringend suchen, damit ich wieder zu Medis komme. Da ich im Aussendienst arbeite, könnte ich mir die Zeit zwischendurch mal abzwacken.

    Ja, ich fühle mich völlig überfordert und der Druck wird immer stärker.

    Natürlich nehme ich diese bösen Gedanken ernst. Ich möchte ja leben, es kommt doch noch so viel, was ich nicht kenne oder weiß...

    LG, Helmut

  4. #4
    Darkstar
    Gast

    Standard

    Hallo Helmut,

    erst mal Danke, dass Du geantwortet hast.
    Das zu ignorieren, was Dir zu intim erscheint, ist doch okay - wir sind ja hier nicht bei der Beichte
    Du schreibst, dass Du Verkäufer bist: umso besser, da kann ich ja Klartext reden, weil Du die Kommunikationstricks kennst

    In Deiner Antwort sind mir einige Stellen aufgefallen, die bestimmte Bilder in mir hochkommen lassen
    Du korrigierst mich, falls ich da jetzt in Projektion abgleiten sollte?!

    Nach der Tagesklinik hätte eine weitere Behandlung stattfinden sollen, das liess sich aber nicht mit meinen Arbeitszeiten vereinbaren. [...] Und ein mal die Woche krankschereiben kann ich mich auch nicht lassen
    Wieso krankschreiben lassen? Ich weiß jetzt nicht, wie da Deine Vorgesetzten oder Dein Arbeitgeber ticken: eine Firma muss dem Mitarbeiter den Arztbesuch ermöglichen - und für diese Zeiten musst Du auch keinen Urlaub einreichen. Mal ganz davon abgesehen: Du verbringst ohnehin sehr viel Zeit dort. Meinst Du nicht, dass diese paar Stunden im Monat nicht locker durch die Überstunden aufgewogen werden, die Du machst?
    So, wie Du es nämlich begründet hast, warum da keine Therapietermine "machbar" sind, hast Du keine 40-Stunden-Woche ... Ist bei Dir die erste Ziffer da noch eine 5 oder tendiert es in noch höhere Regionen?

    Aber da kommt wieder bei raus, das ich ellenlang krankgeschrieben werde und das würde dies mal meinen Job kosten
    Mit dem nötigen Abstand zu meinem eigenen Job damals und den "Zwängen", in denen ich mich dadurch befunden habe, dass ich unter allen Umständen vermeiden wollte, dass es wegen meiner "Empfindlichkeiten" (!) Stress gab, frage ich mich heute: war es das wirklich wert??
    Den Job habe ich lange Zeit behalten - dafür aber jede Lebensqualität verloren (u.a.) ...

    Wenn der innere Druck (den Du schon lange spürst) erst einmal groß genug geworden ist, dann kannst Du keine perfekte Leistung mehr erbringen, im Gegenteil! Es schaukelt sich im Laufe der Zeit immer mehr gegenseitig hoch: Druck - Angst - verringerte Konzentration - Fehler - deswegen wieder mehr Angst - mehr Druck - mehr fehlende Konzentration - mehr Fehler ... Und irgendwann knallts dann mal, weil Du überhaupt nichts mehr auf die Reihe bekommen kannst: nicht im Job und nicht im Privatleben - sofern Du an diesem Punkt überhaupt noch eines hast ...
    Wo willst Du denn da noch Kraft und Energie tanken?

    So sehr ich die Logik in Deinen Gründen auch nachvollziehen kann: was würde sich dadurch wirklich vermeiden lassen, dass Du auf eine effektive Therapie verzichtest? Nichts ... Nicht, wenn Du dies langfristig betrachtest - wäre da nicht die Angst, würdest Du dies nicht nur erkennen (was Du ja aber machst ), sondern auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen können, oder?
    Ohne aus dem Kreislauf auszubrechen, in dem Du wieder drin bist, wird die Wand kommen, gegen die Du rennen wirst - wenn nicht morgen, dann eben nächsten Monat ... Nur, dass es dann umso mehr weh tun wird, je länger Du zögerst.

    Indiskrete (aber nicht: intime ) Frage:
    Was hat Dich damals in die Klinik gebracht? Unbedingt "freiwillig" dürftest Du da ja nicht hingegangen sein, oder?
    Riecht es nach Burn out - oder nach Darki-Projektion?

    Damals war sie mir auch nicht wichtig, immerhin gings mir richtig gut danach. Die Medis wurden weiter verschrieben und ich hatte keine großen Sorgen.
    Die Macht der Euphorie ...
    Ich habe es für mich im Nachhinein mal so ausgedrückt: ich habe Land gesehen, das nahende Ufer gespürt - dies aber mit "ich stehe bereits auf festem, sicheren Boden" verwechselt. Laut meiner Theras die normale Reaktion ...
    Was dann auch nur allzu leicht folgende Illusion nach sich zieht:
    Mein Gedanke war eben, das ich alles hinter mir lasse. Und ohne die Medis gings mir manchmal sogar besser als mit.
    Kann man denn wirklich alles hinter sich lassen? Oder sind es nur die Dinge, von denen man sich auch physisch trennen kann - alles andere nimmt man aber mit: einiges bewusst, vieles aber unbemerkt.

    Nochmals Projektion: ich habe feststellen müssen, dass ich vieles nicht hinter mir gelassen habe, indem ich mich räumlich verändert habe. Es war zu oft auch kein wirkliches Loslassen, sondern eher eine Flucht - und da die Wurzeln meiner Probleme eben in mir selbst verankert und so ein Teil von mir waren, den ich noch nicht weit genug (wenn überhaupt) aufgearbeitet hatte, habe ich sie eben immer mit mir mitnehmen müssen.

    Grundsätzlich währe ich bereit für Therapeutische Massnahmen, kann aber nicht wie ich will oder möchte.
    Können schon - wäre da nicht die Angst vor den möglichen "Konsequenzen", oder?
    Mal böse formuliert: was ist Dir wichtiger? Weiterhin im Interesse der Firma zu funktionieren, bis es eben nicht mehr weitergeht, oder wieder ein Leben führen zu können, das sich für Dich auch lebenswert anfühlt?
    Ist ein heftiger Konflikt, ich weiß ...
    Beantworten wirst Du ihn aber wohl erst dann können, wenn Du genügend Abstand zu den Zwängen gewinnen kannst, in denen Du jetzt noch gefangen bist.
    Denk mal an die Hochstimmung während und nach Deiner Klinikzeit zurück: war das vielleicht nicht ein Vorgeschmack auf das Gefühl, das Du Dir für jeden Tag wünschen würdest?

    Zu den Medis: sie sind halt keine Lösung - nur ein Hilfsmittel, um wieder die Luft und Freiheit ein Stück weit zurück bekommen zu können, die Du brauchst, um überhaupt eine Lösung erarbeiten zu können
    Der Boden wird tragfähiger - bauen musst Du aber nachwievor selbst.

    Da ich im Aussendienst arbeite, könnte ich mir die Zeit zwischendurch mal abzwacken.
    Warum dann nicht auch die Zeit für ambulante Therapieeinheiten? Ist kompliziert, sicher, aber wirklich nicht machbar?

    Ich weiß, dass es sich so leicht sagt für einen Außenstehenden: vergiss mal das, wie Deine Firma reagieren könnte - ob sie wirklich so reagieren werden, wie Du es Dir jetzt ausmalst, kannst Du nicht wissen, solange Du es nicht gemacht hast.
    Kannst Du denn nicht nur gewinnen, wenn Du Dich erst einmal darum kümmerst, wieder Boden unter die Füße zu bekommen?
    Und wenn Dir die "Bedürfnisse" Deines Arbeitgebers wichtig sind: läge es denn nicht auch in seinem Interesse?

    Wie würde sich (die Bedenken wegen des Jobs jetzt mal ausgeblendet) der Gedanke an einen regulären stationären Aufenthalt anfühlen - so als eine Art intensives Trainigslager?
    Täusche ich mich, oder hast Du dies schon mal angedacht?


    lg

  5. #5
    Neuling
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    Standard

    Wenn sich hier einer für eine Antwort bedanken muß, dann bin ich es doch

    In Deiner Antwort sind mir einige Stellen aufgefallen, die bestimmte Bilder in mir hochkommen lassen
    Du korrigierst mich, falls ich da jetzt in Projektion abgleiten sollte?!
    Klaro

    Wieso krankschreiben lassen? Ich weiß jetzt nicht, wie da Deine Vorgesetzten oder Dein Arbeitgeber ticken: eine Firma muss dem Mitarbeiter den Arztbesuch ermöglichen - und für diese Zeiten musst Du auch keinen Urlaub einreichen. Mal ganz davon abgesehen: Du verbringst ohnehin sehr viel Zeit dort. Meinst Du nicht, dass diese paar Stunden im Monat nicht locker durch die Überstunden aufgewogen werden, die Du machst?
    So, wie Du es nämlich begründet hast, warum da keine Therapietermine "machbar" sind, hast Du keine 40-Stunden-Woche ... Ist bei Dir die erste Ziffer da noch eine 5 oder tendiert es in noch höhere Regionen?
    Die reden sich da ganz einfach raus, indem sie sagen das man sich die Zeit nahezu frei einteilen kann. Das stimmt auch in gewissem Masse. Wenn ich das allerdings mache, schaffe ich mein Quantum nicht und bekomme so nicht genug Umsatz zusammen. Überstunden giebt es auch nicht, da nach Umsatz bezahlt wird. wenn die sowas bezahlen würden, dann währ ich mit 60 bis 70 Stunden in der Woche sicher ein reicher Mann. Bei meinem letzten Hausarzt konnte ich immer mal zwischendurch reinschauen, der hat keine Termine vergeben und hatte immer ein wenig Zeit meine Rezepte zu unterschreiben. Bei einem Psychologen muss ich im Voraus Termine machen, von denen ich nie weiss ob ich überhaupt in der Lage bin, sie einzuhalten.

    Mit dem nötigen Abstand zu meinem eigenen Job damals und den "Zwängen", in denen ich mich dadurch befunden habe, dass ich unter allen Umständen vermeiden wollte, dass es wegen meiner "Empfindlichkeiten" (!) Stress gab, frage ich mich heute: war es das wirklich wert??
    Den Job habe ich lange Zeit behalten - dafür aber jede Lebensqualität verloren (u.a.) ...
    Du scheinst einen ähnlichen Job wie ich gehabt zu haben. Um der Firma, welche nahezu weltweit einen hervorragenden Ruf besitzt, nicht zu schaden, möchte ich meinen Arbeitgeber auch lieber nicht öffentlich nennen. Immerhin soll ich noch ein wenig für die arbeiten... hoffentlich auch noch länger. Ein Arbeitgeberwechsel würde ja auch wieder Stress mit sich bringen. Ausserdem soll man erst mal was finden, wo man als über 40 Jahre alter Verkäufer genommen wird. Heute glauben die Arbeitgeber ja, das billige junge Leute sich eher lohnen, als erfahrene Verkäufer, die auch noch richtig beraten können.
    Lebensqualität habe ich schon lange nicht mehr. Ich habe täglich kaum Freizeit und an den Wochenenden bin ich so kaputt, das ich kaum vor die Tür gehe, weil ich fast nur schlafe. Selbst mein Hobby, welches ich mir in der Tagesklinik angeeignet habe (Tiffanny) übe ich kaum noch aus. Ich könnte allerdings damit eine Arbeitslosigkeit überbrücken, wenn ich mich da wieder richtig reinarbeite und die Produkte auf der Straße an Touristen verkaufe.

    Wo willst Du denn da noch Kraft und Energie tanken?
    Keine Ahnung, ich weiss nur, das andere das doch auch können.

    So sehr ich die Logik in Deinen Gründen auch nachvollziehen kann: was würde sich dadurch wirklich vermeiden lassen, dass Du auf eine effektive Therapie verzichtest? Nichts ... Nicht, wenn Du dies langfristig betrachtest - wäre da nicht die Angst, würdest Du dies nicht nur erkennen (was Du ja aber machst ), sondern auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen können, oder?
    Ohne aus dem Kreislauf auszubrechen, in dem Du wieder drin bist, wird die Wand kommen, gegen die Du rennen wirst - wenn nicht morgen, dann eben nächsten Monat ... Nur, dass es dann umso mehr weh tun wird, je länger Du zögerst.
    Ich kann aber versuchen die Wand, gegen die ich warscheinlich laufen werde, so weit wie möglich wegzuschieben.

    Indiskrete (aber nicht: intime ) Frage:
    Was hat Dich damals in die Klinik gebracht? Unbedingt "freiwillig" dürftest Du da ja nicht hingegangen sein, oder?
    Riecht es nach Burn out - oder nach Darki-Projektion?
    Damals bin ich in die Klinik gegangen, weil ich ganze Wochenenden damit verbrachte, mich vom Suizid abzuhalten. Mein Hausarzt machte mir den Vorschlag, ich wurde innerhalb von 3 Wochen aufgenommen und war dann für fast 4 Monate nicht mehr arbeiten.
    Burn out kann ich mirvorstellen und weiss das das wohl auf mich zutrifft. Darki- Projektion kenn ich nicht. Nie gehört den Begriff. Habe zwar eben flüchtig bei Google danach gesucht, nur leider nichts gefunden.

    Die Macht der Euphorie ...
    Ich habe es für mich im Nachhinein mal so ausgedrückt: ich habe Land gesehen, das nahende Ufer gespürt - dies aber mit "ich stehe bereits auf festem, sicheren Boden" verwechselt. Laut meiner Theras die normale Reaktion ...
    Was dann auch nur allzu leicht folgende Illusion nach sich zieht:
    Zitat:
    Mein Gedanke war eben, das ich alles hinter mir lasse. Und ohne die Medis gings mir manchmal sogar besser als mit.
    Kann man denn wirklich alles hinter sich lassen? Oder sind es nur die Dinge, von denen man sich auch physisch trennen kann - alles andere nimmt man aber mit: einiges bewusst, vieles aber unbemerkt.

    Nochmals Projektion: ich habe feststellen müssen, dass ich vieles nicht hinter mir gelassen habe, indem ich mich räumlich verändert habe. Es war zu oft auch kein wirkliches Loslassen, sondern eher eine Flucht - und da die Wurzeln meiner Probleme eben in mir selbst verankert und so ein Teil von mir waren, den ich noch nicht weit genug (wenn überhaupt) aufgearbeitet hatte, habe ich sie eben immer mit mir mitnehmen müssen.
    Natürlich habe ich meine Probleme nicht an meiner alten Postadresse gelassen. Das währe auch nicht nett meinem Nachmieter gegenüber... Aber ich habe die Chancse (wird das so geschrieben???) genutzt, in diese herrliche Urlaubsregion versetzt zu werden. Wenn ich gewusst hätte, das ich hier noch weniger Freizeit habe, als zuvor, dann währe ich nie umgezogen. Jetzt ist das Kind im Brunnen, ich kann mir keinen weiteren Umzug mehr leisten und muss jetzt mit der Situation klarkommen.

    Warum dann nicht auch die Zeit für ambulante Therapieeinheiten? Ist kompliziert, sicher, aber wirklich nicht machbar?
    Hab ich oben schon geschrieben...

    Ich weiß, dass es sich so leicht sagt für einen Außenstehenden: vergiss mal das, wie Deine Firma reagieren könnte - ob sie wirklich so reagieren werden, wie Du es Dir jetzt ausmalst, kannst Du nicht wissen, solange Du es nicht gemacht hast.
    Kannst Du denn nicht nur gewinnen, wenn Du Dich erst einmal darum kümmerst, wieder Boden unter die Füße zu bekommen?
    Und wenn Dir die "Bedürfnisse" Deines Arbeitgebers wichtig sind: läge es denn nicht auch in seinem Interesse?
    Natürlichwähre das auch in deren Interesse. Allerdings müssen die damit rechnen, das in 2 Jahren dann wieder das selbe passiert. Andererseits haben wir in letzter Zeit einige Langzeitkranke, die aber alle körperliche Gebrechen haben. Ich wüsste nicht, was ich denen sagen sollte, die werden ja sicher fragen. Bei meinem alten Vorgesetzten konnte ich das offen sagen, heute würde ich mich das nicht trauen. Die sind hier um einiges "herzhafter" als meine ersten Chefs. Dabei glauben sie noch, das sie so Freunde unter den Mitarbeitern finden... mag ja sein, bei mir kommts nicht an, im gegenteil.

    Wie würde sich (die Bedenken wegen des Jobs jetzt mal ausgeblendet) der Gedanke an einen regulären stationären Aufenthalt anfühlen - so als eine Art intensives Trainigslager?
    Täusche ich mich, oder hast Du dies schon mal angedacht?
    Ja, hab ich schon drüber nachgedacht und werde ich wohl auch nicht drum herum kommen. Allerdings passt es jetzt noch nicht in den Zeitplan, 2011 siehts damit besser aus, dann ist die Probezeit vorbei.

    Jetzt ist das Ding hier aber ganz schön lang geworden. Ich merke aber auch, das es mir gut tut, wenn ich mir mal alles von der Seele schreibe. Vielen Dank dafür.

    LG Helmut

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