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Thema: Recht haben müssen

  1. #1
    Nachwuchs Autor Avatar von Pluto
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    Standard Recht haben müssen

    Hallo liebes Forum,

    ich bin aktuell mal wieder an meiner Grenze und weiß nicht, warum das bei mir wieder so ist...

    Es geht ums Recht haben. Warum kann ich andere Meinungen schlecht vertragen und vor allem Meinungen, wo ich weiß, dass sie falsh sind.

    Beispiel: Meine Mutter erzählt so gut wie jedes mal, wenn ich sie sehe, dass sie in der Kita ja so viele Kinder hatte (sie ist jetzt in Rente) und schimpft, dass der Betreuungsschlüssel ja nur auf dem Papier steht usw. Ich habe selbst vor 10 Jahren einen Kindergarten gegründet und die Finanzen 9 Jahre lang geführt und weiß also, dass der Betreuungsschlüssel nicht auf dem Papier steht und dass der Betreuungsschlüssel umsetzbar ist (also x Kinder pro Erzieher). Es ist völlig sinnlos, das meiner Mutter zu erklären. Denn: dafür müsste man im Sommer zwei Wochen Schließzeit einführen und das geht nicht. Außerdem haben sie so einen hohen Krankenstand! Auch das ist ein Scheinargument, weil die Mitarbeiter ja nach 6 Wochen ins Krankengeld gehen. Man hat also 6 Wochen ein Problem und dann kann man sich Ersatz suchen. Ich habe noch nicht gehört, dass jemand 6 Wochen fehlt, eine Woche wieder kommt, dann wieder 6 Wochen fehlt und das über 5 Jahre lang?! Das wäre ja komplett irre. Also bei meiner Mutter ging es wirklich um Krebserkrankungen usw.

    Jetzt hatte ich das Thema am Wochenende wieder und ich schaffe es einfach nicht zu sagen. Mutter, lass es. Das haben wir schon tausend mal besprochen. Wir werden uns da nicht einig.

    Letztenendes habe ich das Gefühl, sie will eher Mitleid, weil sie ja immer so viel arbeiten musste. Und ich kapier das irgendwie nicht. Mein Problem ist aber vor allem, dass es mich so ärgert. Mich macht das richtig fertig. Ich habe scheinbar wieder das Gefühl, dass mir nicht zugehört wird. Und ich frage mich umgekehrt, wenn ich jemanden vor mir habe, der eine Kita mit anderen gegründet hat und bei dem der Betreuungsschlüssel eingehalten wird, dem erzähle ich permament, dass der Betreuungsschlüssel ja nicht einhaltbar ist. Was ist das? Ignoranz? Geht es eher ums Leiden, dass sie Zuspruch will. Ich kann doch nicht sagen. Ja Mutter, das ist wirklich schlimm, dass du so viele Kinder hattest. Ich habe dir ja immer gesagt, du musst mit deiner Leiterin sprechen, dass du so nicht weiter arbeitest, aber das wolltest du nicht und deswegen hat sich auch nichts geändert. Das bringt ja auch Null. Da stelle ich sie wieder als unfähig (was sie leider in diesem Berich auch ist) hin. (Ich habe sie auch immer gefragt, warum sie nicht zur Leiterin geht. Da hat sie dann immer gesagt, dass sie das schon gemacht hat und der Beteruungsschlüssel stehe ja nur auf dem Papier... Und da drehen wir uns im Kreis. Dann sage ich: Du glaubst also deiner Leiterin mehr als mir?! Dann kam von ihr: Naja, wir haben ja ganz andere Bedingungen als ihr in eurem KIGA. Und da steige ich geistig aus. Welche anderen bedingungen? Und dann geht die Leier wieder von vorne los. Wir haben ja so viel Krankenstand...usw)

    Mich hat auch wieder das Beispiel von Malembe zu Denken gegeben. Da ging es um die Männer, die meinten, dass man es im Leben geschafft hat, wenn man ein Auto hat. Meine Reaktion war wie immer. Idioten. Ich sehe solche Leute an und denke, oh Gott, wieder jemand, der nicht bis drei zählen kann. Denn (das habe ich bei Malembe auch geschrieben) wenn es so wäre, wäre Deutschland DAS Land der Menschen, die es geschafft haben, hat doch quasi jeder "letzte Typ" ein Auto. Auch Hartz 4 Empfänger haben Autos, wie man an meinem Schwager sehen kann...

    Letztenendes íst das aber arrogant von mir. Von Malembes Typen aber auch! Und meine Mutter? Warum komme ich nicht ins Miteinander und wie würde das dann aussehen? Dass man sich innerlich sagt, ach mensch, die sind eben so. Es ist nervig, wenn jemand immer Recht haben will. Aber es ist auch nervig, wenn Leute permament Müll von sich geben. Die ganze Sache mit Humor nehmen, Ja, nur fällt mir das irgendwie schwer. Man wurde ja sein ganzes Leben schon (insbesondere ich von meinen Eltern) mit so sinnlos Sachen genervt, sodass ich da immer angetriggert werde.

    Aber mir fehlt der liebevolle Umgang damit. Ach Muttichen, ich weiß, du erzählst es mir jedes mal, wenn ich da bin und weißt du noch, was ich dir jedes mal erzählt habe? Da behandel ich sie dann wie ein Kind. Oder eben gar nicht mehr reagieren. Einfach nur noch ja sagen. Dazu ärgert es mich zu sehr. und warum ärgert es mich überhaupt? Werde ich dann (gefühlt) wieder nicht gehört, wie schon immer in meinem Leben? Ich habe mal zum Spaß in einer Familienrunde gar nichts mehr gesagt. Da ging es um eine Veranstaltung. Keiner wusste, wann sie ist, ich habe gesagt, sie ist am xxxx und dann wurde eine halbe Stunde gerätselt, wann sie ist, bis jemand per Handy nachgesehen hat. Dann habe ich gesagt, müsst ihr echt erst ein Handy holen? Warum könnt ihr mir nicht glauben, dass der Termin am xxx ist? Da starrten mich alle völlig irritiert an. Meine Mutter hatte es gar nicht gehört, dass ich etwas gesagt habe und meine Schwester war der Meinung, dass ich nur einfach so einen Termin gesagt hätte. Ich bin so genervt davon, dass sich bei mir nur noch Fragezeichen auftun.

    Wie macht ihr das? Ich weiß jetzt schon, dass wenn ich das nächste mal bei meiner Mutter bin und sie wieder mit ihrem Betreuungsschlüssel anfängt, ich innerlich ausraste. ES KANN DOCH NICHT SEIN, ES NICHT ZU KAPIEREN. Ich werde da richtig aggressiv innerlich und ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN. (die letzten Worte könnten schon der Schlüssel für mein Problem sein, wahrscheinlich sokllte ich ihr das mal ganz genau so sagen!)

    Die generelle Thematik (auch in anderen Lebensbereichen) bleibt aber bei mir und ich weiß, dass es im Leben nicht darum geht, Recht zu haben. Es fällt mir immer so schwer im wertschätzenden Miteinander zu bleiben, wo ich ja auch Macken habe und nicht möchte, dass andere ausrasten.
    Geändert von Pluto (26.03.2019 um 09:17 Uhr)
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  2. #2
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    Es geht im Leben sicher nicht darum, immer Recht zu haben. Aber wenn man nie Recht hatte, immer übersehen wurde, kämpft man vielleicht umso mehr darum. Ich stelle bei mir oft fest, dass ich gesehen und gehört werden möchte und das Gefühl habe, dieses gelingt mir nur, wenn ich Zustimmung bekomme.
    Mein Mann sagt gelegentlich „Schau, wir bleiben unterschiedlicher Meinung, aber ich hab Deine Meinung trotzdem verstanden.“ Gottseidank kann er mich mit seiner Ruhe und seinem Humor oft erden, ich stelle aber bei mir auch häufig dieses innerliche Ausrasten fest. Meine Meinung war immer „falsch“ ... warum kann sie denn nicht wenigstens jetzt im Erwachsenenalter mal richtig sein ... sehr schwer zu ertragen.
    Allerdings ein Phänomen, das bei neuen Kontakten nicht so stark auftritt.

  3. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Solenne für den sinnvollen Beitrag:

    Malembe (26.03.2019),Pluto (26.03.2019)

  4. #3
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    Hallo Pluto, mir fällt dazu spontan ein, dass meine Mutter mich stets überzeugen wollte. Meine Meinung war "falsch", meine Gefühle waren "falsch", meine Bedürfnisse ebenso. Also ich war "falsch". Deshalb habe ich heute ein übersteigertes Bedürfnis danach mich zu erklären, mein Gegenüber zu überzeugen, mich zu rechtfertigen, dass ich richtig bin und kann im Gegenzug andere Meinungen, Gefühle schwerer als "berechtigt" akzeptieren, weil ich sie auf mich beziehe und nicht beim Gegenüber lasse. Ich denke da spielt auch mit rein, dass meine Mutter Macht damit ausüben wollte. So ist ein gleichwertiges Miteinander aller Beteiligten unmöglich, ein gleichwertiges Nebeneinander aller Meinungen. Da bin ich auch dran.

  5. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei Schneider007 für den sinnvollen Beitrag:

    Circe_ (26.03.2019),Malembe (26.03.2019),Pluto (26.03.2019),Solenne (26.03.2019)

  6. #4
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    @Solenne: Ja Solenne, meine Eltern haben (zumindest bei mir) immer mit Hohn und Spott reagiert. Auf mich eingegangen wurde nie. Wahrscheinlich habe ich nicht gelernt, dass meine Meinung respektiert wird und kann daher andere Meinungen jetzt auch nicht respektieren, einfach, weil ich es nicht gelernt habe. Man hat ja das Phänomen auch bei kleinen Männern, die sich "übersehen" fühlen und sich dann auf andere Weise groß machen (nicht bei allen kleinen Männern, aber bei einigen fällt das wirklich auf)

    @Schneider: Thema Abgrenzung. Ja, das fällt mir auch sehr schwer.

    Ich sehe mich auch mit 40 Jahren noch nicht gesehen...
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  7. #5
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    Zitat Zitat von Schneider007 Beitrag anzeigen
    Hallo Pluto, mir fällt dazu spontan ein, dass meine Mutter mich stets überzeugen wollte. Meine Meinung war "falsch", meine Gefühle waren "falsch", meine Bedürfnisse ebenso. Also ich war "falsch". Deshalb habe ich heute ein übersteigertes Bedürfnis danach mich zu erklären, mein Gegenüber zu überzeugen, mich zu rechtfertigen, dass ich richtig bin und kann im Gegenzug andere Meinungen, Gefühle schwerer als "berechtigt" akzeptieren, weil ich sie auf mich beziehe und nicht beim Gegenüber lasse. Ich denke da spielt auch mit rein, dass meine Mutter Macht damit ausüben wollte. So ist ein gleichwertiges Miteinander aller Beteiligten unmöglich, ein gleichwertiges Nebeneinander aller Meinungen. Da bin ich auch dran.

    Dieser „Rechtfertigungsdrang“ hat bei mir dazu geführt, dass ich erst mal richtig eins drüber bekommen habe. Kennt das jemand?

    Ich habe ellenlange Erklärungen für meine Gefühle und meine Probleme mit verschiedenen Situationen abgegeben ... immer auf mich selbst bezogen, Situationsbeschreibungen und bewusst ohne mein Gegenüber zu verletzen oder anzugreifen ... zurückgekommen sind so massive persönliche Angriffe und Verletzungen.
    Man bietet viel Angriffsfläche mit zuvielen Erklärungen. Das mag dem geschuldet sein, dass man sich immer übersehen gefühlt hat, aber ein „Jaja“ und sich seinen Teil denken, ist vielleicht gesünder?

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Solenne für den sinnvollen Beitrag:

    Pluto (26.03.2019)

  9. #6
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    Hallo Pluto,

    ich würde dieses Gespräch eventuell so führen, wenn es wieder auf die Schine läuft:

    "Ich habe hier eine andere Meinung wie du und so lange du diese Meinung entgegen den realen Tatsachen (siehe Kita xxxxx) aufrecht hältst, bin ich nicht mehr bereit mit dir über dieses Thema zu sprechen. Es macht mich jedesmal traurig und wütend, wenn jemand -entgegen der Tatsachen- an seiner falschen Meinung festhält. Es macht mich traurig und wütend, wenn ich diese falsche Tatsachen immer wieder von dir als gebildetem Menschen hören muss und es macht mich wütend und müde, immer und immer wieder über deine falschen Meinungen diskutieren zu müssen. Bitte akzeptier das und fang nicht mehr mit diesem Thema an, wenn du dich entgegen der Tatsachen weiterhin an deiner falschen Meinung und deinen falschen Thesen zu diesem Thema festhalten möchtest. Wenn du trotzdem weiter mit mir über deine falschen Ansichten diskutieren möchtest, werde ich unseren Kontakt einschränken, weil es mich einfach zu sehr belastet."
    Ich bin kein Arzt, Therapeut oder Rechtsanwalt. Meine Postings entsprechen meiner (momentanen) Meinung zu einem Thema und können auch falsch sein. Wenn jemand etwas aus meinen Postings umsetzt / umsetzen möchte, dann ist er / sie für die Folgen selbst verantwortlich und sollte dies nur nach vorherigem Nachdenken tun.

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei simonjohannes für den sinnvollen Beitrag:

    Pluto (26.03.2019)

  11. #7
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    Hallo Pluto,

    das ist ein super Thema und noch am Wochenende habe ich überlegt, ein ähnliches Thema hier aufzumachen. Es entspricht nicht zu 100 % Deinem Thema, geht aber in die gleiche Richtung.

    Ich werde mich hier später noch einbringen und freue mich drauf .

  12. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Physalis für den sinnvollen Beitrag:

    Malembe (26.03.2019)

  13. #8
    Der rote Faden
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    @ Pluto Von außen und als emotional unbeteiligter Mensch sehe ich es so, dass sich deine Mutter in einer Denkspirale verfangen hat, aus der sie nicht mehr heraus kommt.
    Ich denke, sie ist gefangen in einem Gespinst aus Ohnmachtsgefühl und Schuldgefühl bzw. der Frage nach der eigenen Verantwortung, der sie sich nicht stellen möchte oder kann.
    Dazu hat sie nicht gelernt, das eine vom anderen zu unterscheiden, ebenso wenig wie eine Unterscheidung zu treffen zwischen eigenen Emotionen und äußeren Realitäten bzw. Fakten.

    Du hast mal geschrieben, in eurer Familie ging es nur ums Funktionieren. Beide Eltern waren voll berufstätig, und ihr Kinder mußtet euch ins System einfügen und schon extrem früh selbstständig und reibungslos funktionieren.
    Deine Mutter hat ihr Leben lang im Beruf funktioniert und daraus wahrscheinlich ihre (Lebens-)berechtigung und Bedeutung gezogen - auch verbunden mit einer gewissen Aufopferungsbereitschaft für den Beruf.
    Die Aufopferungsbereitschaft (für den Beruf, der Bedeutung verleiht) lag ihr näher als das Durchsetzen des Betreuungsschlüssels. Das hat sie sich nicht getraut, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, die sie entlastet hätten.
    Vielleicht wollte sie es auch gar nicht, denn sonst wäre sie nicht mehr die reibungslos aufpopfernd Funktionierende gewesen.

    Auf der anderen Seite sieht sie (auch wenn sie sich nicht allzu intensiv damit beschäftigen will), dass sie euch Kinder dabei vernachlässigt hat. Dafür muß sie einen zwingenden Grund finden. Es ging nicht anders, denn "der Betreuungsschlüssel steht nur auf dem Papier", und sie hatte deswegen keine Möglichkeit, sich vom Beruf zu entlasten, und sich dafür mehr um euch Kinder zu kümmern.

    Wenn du ihr nun sagst, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, den Betreuungsschlüssel praktisch durchzusetzen, kann sie das gar nicht annehmen, denn dann fällt ihr ganzes emotionales Konstrukt zusammen.

    Mit dieser Erklärung möchte ich nicht bewirken, dass du emotionales Verständnis für deine Mutter aufbringst, sondern einfach nur rationales Verständnis.

    Wenn du halbwegs verstehst, wie sie funktioniert, kannst du vielleicht auch deine eigenen Emotionen etwas davon lösen.
    Die Geschichte mit dem "Betreuungsschlüssel" ist ein Symbol für die darunter liegende Problematik, nämlich die mütterliche Vernachlässigung.
    Das weiß sowohl deine Mutter als auch du, aber darüber könnt ihr nicht offen reden.

    Ach ja, und was Meinungen angeht, so sind diese immer mehr oder minder gefilterte Interpretationen der Realität.
    Je mehr diese Interpretationen mit intensiven Emotionen, zwischenmenschlichen Beziehungserfahrungen und eigener Identifikation verknüpft sind (positiv wie negativ), desto "wahrer" erscheinen sie einem und desto blinder oder ablehnender wird man gegenüber anderen Interpretationen.
    Wenn ich mich mit einem Thema beschäftige, versuche ich immer das ganze Spektrum von Meinungen zu lesen, die es darüber gibt, auch welche, die mir völlig abwegig erscheinen.
    Ich denke mir aber, wenn jemand davon ernsthaft überzeugt ist, muß ja irgendwas dran sein.
    Es spiegelt immer eine innere Realität wieder, und diese ist halt oft nicht rational. Sie ist aber dennoch irgendwie "wahr", denn sie wird gefühlt.
    Deswegen geht es bei Meinungen immer sowohl um Emotionen als auch um Fakten.
    Hat jemand eine stark von Emotionen geprägte Meinung, so ist er mit reinen Fakten nicht von etwas anderem zu überzeugen.
    Man muß erst mal dahinter kommen, welche inneren Wahrheiten und Gefühle ihn zu dieser Filterung/Interpretation bringen, welche Erlebnisse er damit verknüpft.
    Die dahinter liegenden Emotionen sind immer ernst zu nehmen, denn sie sind "wahr", wenn auch nicht unbedingt "richtig" in dem Sinne, dass es sich um die (rational betrachtet) einzig sinnvolle Art der Interpretation handelt.
    Dennoch hat es sich bei diesem Menschen entsprechend ausgebildet, also schien es ihm bzw. seinem Gehirn irgendwann mal (unbewußt) sinnvoll zu sein, eine solche Gefühls- und Denkstruktur aufzubauen. Sonst wäre es nicht so, wie es ist.
    Das ist eigentlich meistens das, worum es geht.
    Geändert von Der rote Faden (26.03.2019 um 10:53 Uhr)

  14. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Der rote Faden für den sinnvollen Beitrag:

    Pluto (26.03.2019)

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