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Thema: schüchtern ...

  1. #1
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    Standard schüchtern ...

    Seit der 5. Klasse (Anfang 80er) habe ich eine Freundin und zur damaligen Zeit waren wir beide recht schüchterne Mädchen. Nach der Schulzeit haben wir uns für einige Jahre aus den Augen verloren, bis wir uns so mit Mitte 20 zufällig wieder über den Weg liefen und seitdem haben wir regelmäßigen Kontakt (mittlerweile sind wir beide Ende 40).
    Ich selber habe mich über die Jahre zwar nicht zu jemanden entwickelt, die gerne im Mittelpunkt des Interesses steht, aber als schüchtern würde ich mich auch nicht mehr bezeichnen und ich denke mein Umfeld sieht mich ebenfalls als einigermaßen selbstbewussten Menschen!
    Meine Freundin ist allerdings völlig in dieser zurückhaltenden Rolle verharrt, was man ihr als Teil ihres Charakters wohl nicht vorwerfen kann, aber es macht die Kommunikation mit ihr doch oftmals recht schwierig und ich kann sie - auch nach all den Jahren - als Mensch oftmals gar nicht richtig einschätzen.

    Wenn wir uns treffen oder telefonieren, dann liegt es immer nur an mir das "Gespräch" zu lenken. Ich gebe die Themen vor, stelle Fragen, bekunde Interesse, gebe etwas über mich preis ... und letztendlich beende ich auch immer das "Gespräch". Es ist so, als würde ich ihr Bälle zuspielen, von denen sie die meisten einfach nur an sich vorbeifliegen lässt; einige fängt sie ... lässt sie aber gleich wieder zu Boden fallen, statt sie zurück zu werfen!
    Ich fühle mich nach so einem Treffen /Telefonat immer völlig ausgelaugt, unbefriedigt, genervt ... ich frag mich stets, ob sie sich überhaupt für mich interessiert, weil es ihrerseits nie über ein "wie geht´s denn so?" hinausgeht und ich komm mir auch nicht selten ziemlich blöd vor, weil ich manchmal irgendeinen Blödsinn daher fasel, nur um etwas zu sagen bzw. damit bloß kein unangenehmes Schweigen aufkommt! Solche Probleme habe ich mit anderen Leuten nicht!
    Ihrerseits erzählt sie allenfalls (auf Nachfrage meinerseits!) etwas über ihre Kinder, ihren Mann und näheres Umfeld. Das wir mal nen echtes Thema haben, was über Familie / Freunde hinausgeht, passiert eigentlich nie! Es ist nicht so, als ob ich es nicht immer wieder versuchen würde, aber das ist dann eben der besagte Ball, den sie einfach an sich vorbei fliegen lässt ... da kommt nix zurück!
    So ca. 3 bis 4mal im Jahr gehen wir ins Theater, Kabarett oder Konzert und auch das ist für mich mitterlweile ein wenig unbefriedigend geworden, denn nach so einer Veranstaltung kommt dann nur ein "es war schön!" ... und mehr auch nicht!
    Wenn ich so etwas mit anderen Leuten unternehme, dann tauscht man sich anschließend über das gerade Gesehene / Gehörte aus und erfreut sich so noch einmal an der ganzen Sache .... es findet halt ein reger Austausch statt ... Aber mit ihr verlässt man den Veranstaltungsort und die Freude verpufft regelrecht, weil man es gar nicht mehr als etwas gemeinsam Erlebtes empfindet!

    Und es ist auch nicht so, dass sie sich nur im Zusammensein mit mir so verhält. Was ihren Mann und ihre Kinder betrifft, kann ich es nicht genau sagen, wie es im rein familiären Bereich ist, aber zumindest in meinem Beisein verhält sie sich ihnen gegenüber auch nicht anders ... und genauso ist es mit Freunden, die sie viel häufiger sieht als mich! Sie steht - egal ob in größerer oder kleinerer Runde - nur still dabei. lächelt angestrengt und sagt absolut nichts oder auf Nachfrage vielleicht mal einen Satz!

    Ich weiß auch, dass sie unter ihrer Schüchternheit leidet und vor kurzem erzählt sie mir, dass sie aber zumindest die gute Eigenschaft habe "gut zuhören" zu können (mir war gleich klar, dass sie diese Erkenntnis aus einem Selbsthilfe-Ratgeber hatte, mit dem sie sich gerade befasste) .... und ich dachte nur bei mir: "Nö, - bist Du nicht!" Gut zuhören heißt für mich, nicht nur still bzw. völlig passiv da zu sitzen, sondern, dass man auch mal Interesse bekundet und so zeigt, dass man überhaupt registriert, was das Gegenüber sagt!

    Ich weiß echt nicht, ob ich diese Freundschaft noch aufrecht erhalten soll ... klar, - wir kennen uns über so lange Jahre und haben auch so einiges miteinander erlebt und auch erlitten ... aber ich bin mittlerweile überwiegend nur noch genervt! Und ich weiß, sie kann nicht wirklich etwas dafür bzw. nicht raus aus ihrer Haut ... aber der Umgang mit ihr ist halt extrem anstrengend und frustrierend für mich!

    Und das Ganze mal ansprechen ... tja, - das ist halt so eine Sache. Ich weiß, dass sie es sehr verletzen würde und dann vermutlich in Tränen aufgelöst vor mir sitzen würde ... sie weint ohnehin schon bei jeder Kleinigkeit.
    Ich habe / hatte in meinem Umfeld auch Leute, die das genaue Gegenteil waren: halt sehr "laut", von sich eingenommen und solche, die non-stop nur über sich reden ...
    ... die hab ich mittlerweile größtenteils aussortiert, ganz ohne mir über deren Befindlichkeiten Gedanken zu machen. Aber bei ihr weiß ich echt nicht, wie und ob ich den Schnitt setzen soll ... :-(

    Wahrscheinlich ist es aber auch utopisch zu denken, dass ich sie mit fast 50 J. noch einmal aus ihrem Schneckenhaus locken kann ...
    ... wobei ich dazu auch noch einmal sagen muß, dass meine Freundin alles andere als zu dumm ist, um ne Meinung zu haben - ganz im Gegenteil - sie mag nur ums Verrecken nirgendswo anecken!

    Vielleicht hat ja hier jemand nen Tipp wie mit solchen Leuten umzugehen ist ... auch, damit es für einen selber etwas entspannter und weniger frustrierend wird!
    Geändert von Trallafitti (01.12.2019 um 16:22 Uhr)

  2. #2
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    Ich wurde in meiner Jugend auch als "schüchtern" abgestempelt weil ich wenig sprach, und lange Zeit glaubte ich anderen, dass mein Selbstvertrauen zu gering sei.

    Seit einigen Monaten kenne ich mich besser: ich bin eine HSP, hochsensible Person. Stillschweigend ging ich davon aus dass man über vieles gar nicht reden muß, denn
    meine Wahrnehmung muß sich ja mit der Wahrnehmung der anderen decken, also worüber reden? Jemanden zu fragen wie es der Person geht erübrigte sich, denn ein Blick in das Gesicht meines Gegenüber genügte um mir die Frage zu beantworten. Ich redete wenig, aber nicht weil ich nichts verstand, sondern weil ich viel verstand und es meinen Kopf komplett ausfüllte.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Vermutender für den sinnvollen Beitrag:

    Mona-Lisa (02.12.2019)

  4. #3
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    Mener Einschätzung nach hat meine Freundin keine guten Antennen für andere Menschen! Ich hab eher den Eindruck, dass sie sehr mit sich selber und ihrer Innenwelt beschäftigt ist und gar nicht so sehr empfänglich für Stimmungen Anderer. Und sie ist sehr schnell gekränkt, absolut nicht konfliktfähig bzw. harmoniesüchtig ... man muß sie im Grunde wie ein rohes Ei behandeln, was mitunter halt recht anstrengend ist.
    Und Selbstvertrauen ist da auch nicht viel vorhanden ... sie ist sehr ängstlich, hat Angst vor allem Neuen ... bloß nicht die Comfort-Zone verlassen und die ist bei ihr ohnehin schon sehr eng gesteckt!

    Aber wie gesagt, ich erwarte ja gar nicht, dass sie sich großartig ändert ... ich fände es nur schön, wenn unsere Kommunikation etwas besser würde. Sie sich vielleicht auch mal trauen würde, ne Meinung zu irgendetwas zu haben. Wir kennen uns nun seit 37 Jahren und sie hat mich noch nie auch nur ansatzweise kritisiert!
    Ich hab andere Freunde, mit denen ich häufiger mal kontrovers diskutiere oder die mich auch mal auf Dinge hinweisen, die ihnen nicht an mir gefallen und das sind halt lebendige Freundschaften, die über die Zeit stetig gewachsen sind, weil man sich durch Reibung auch viel besser kennen und schätzen lernt; weil man aneinander wächst!
    Aber mit dieser Freundin bin ich sozusagen irgendwo steckengeblieben ... da fand nie Entwicklung statt und sie ist das gleiche schüchterne Mädchen wie zu Schulzeiten geblieben! Und manchmal ist es halt nett mit ihr, nicht selten aber auch frustrierend und es tut mir auch für sie leid, denn ich weiß, dass sie mit sich selber auch so gar nicht zufrieden ist!

  5. #4
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    Wir vergleichen andere mit uns selbst und bemerken gar nicht, dass wir uns laufend verändern. Bis die anderen uns plötzlich seltsam erscheinen.

    Vielleicht weiß sie bei dir was sie hat: Einen erfahrenen Pfadfinder, dem sie voll und ganz vertrauen kann, der sie bei einem Treffen durch alle Wiedrigkeiten leiten wird, egal was kommt.
    Also kann sie dir vertrauen und sich selbst ganz zurück nehmen.
    Du kennst Strategien um neuen Herausforderungen zu begegnen, hast Erfahrung im Umgang mit Kritik, bist offen für Neues. Sie hat nach deinen Schilderungen nicht so viel davon, hat einen anderen Weg gefunden das Leben zu meistern: Keine Veränderung, festhalten an bewährten Mustern und Skepsis gegenüber allem Neuen.

    Wie wäre es, wenn ihr mal gemeinsam was neues angeht? Etwas, was du auch nicht kennst. Ein neues Rezept gemeinsam kochen, ein gemeinsamer Ausflug in eine fremde Stadt, einen schwierigen Liedtext zur "Mitsingreife" bringen,...
    Es ist Weihnachtszeit, da fallen mir Weihnachtsplätzchen ein oder wenn es ein Ausflug werden soll warten diverse Weihnachtsmärkte auf euren Besuch. Es muß ja nicht gleich ein 5-Gänge-Menü oder eine Alpin-Tour sein. Die Planung einer Tour durch eine Stadt (und sei es die eigene) per ÖPNV ist für jemanden der das nicht kennt auch eine Herausforderung, aber wenn ihr beide was trinken wollt...
    Meine Frau hat gestern abend mit ihrem Chor unter anderem "Adiemus" von Enya gesungen. Wunderschön, aber ein seeeehr schwieriger Text.
    Plant gemeinsam, aber zügle dich selbst, lass sie selber machen und wenn es sein muß auch scheitern. Berate sie wenn sie fragt, aber gib keine Lösung vor. Gib ihr die Chance, zu lernen. Wem etwas auf Anhieb gelingt, der hat überhaupt nichts dabei gelernt, kann selber gar nicht sagen was jetzt richtig war. Wenn wir lernen, schmeißt unser Hirn 'ne Runde Glückshormone raus, die Appetit auf mehr machen.

    Wäre so etwas nicht ein nettes Weihnachtsgeschenk unter Freunden? Ich wünsch euch viel Spass bei diesen ersten Schritten in eine neue Richtung.

  6. #5
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    Hallo trallafitti,

    als ehemals - fast lebenslänglich - ziemlich schüchterner Mensch, der ich heute auch noch in manchen Situationen bin, tut es mir fast ein wenig weh, wie wenig Wertschätzung Du ihr Gegenüber hast. Ich kann schon nachvollziehen, wie es ist, wenn man selbst der aktivere Part ist gegenüber einem schüchternen. Weil selbst oft erlebt. Allerdings habe ich diesbezüglich (in beiden Positionen) festgestellt, dass Vieles aus Gewohnheit geschieht, irgendwann nicht mehr hinterfragt wird, man gewöhnt sich daran, der aktivere oder passivere Part zu sein. So als hätte man eine Rolle inne. Solange nicht einer von beiden oder beide etwas verändern, verharrt man in dieser Rolle.

    Ich nehme durchaus wahr, dass Du ihr nur das Beste wünschst, mehr Selbstvertrauen, mehr Kritik- und Konfliktfähigkeit, mehr Interessen über ihren Tellerrand der eigenen Probleme und Familie hinaus und ich verstehe auch, dass einen sowas nerven kann. Kenne aber durchaus seit Neusestem, dass einem ein kleines Glück unendlich viel bedeuten kann und man gar kein soo großes Interesse mehr an vielem hat, was andere interessiert oder einen selbst mal interessiert hat. Aber ich sehe das mittlerweile auch so, dass man sich manchmal als scheinbar stärkerer und aktiverer Teil denkt, dass man den Anderen irgendwie "retten" kann und dass es einem irgendwie durch sein Sosein gelingt, den anderen aus dem Schneckenhaus zu locken. Aber oft überfordert man Menschen damit. Dein Hinweis auf das Selbsthilfebuch zeigt doch eigentlich schon, dass sie an Veränderung interessiert ist, sich verändern will. Ich finde das Klasse!

    Vermutender hat schon HSP erwähnt, den Eindruck habe ich von mir auch manchmal, weil ich soviel Zeit zum Nachdenken brauche, der Kopf ist voll und man kommt gar nicht hinterher mit dem Redetempo derer, die gerne und viel Erzählen. Mir ging es dabei oft so in Gruppen, bis ich für mich innerlich eine Antwort gefunden habe, das Thema längst durch ein Anderes ersetzt wurde. Oder ich im Zweiergespräch so sehr damit beschäftigt war, zu verdauen, was das Gegenüber gesagt hat, dass kein Platz war für eigene Gedanken und auch kein Raum, um diese auszudrücken. Gesprächspausen sind für Gerne- und/oder Vielredner oft schwer auszuhalten, aber genau diese Gesprächspausen sind für Schüchterne oft wichtig, um sich zu sammeln und zu sprechen. Ob Du das ausprobieren magst, weiß ich nicht.

    Wie kommen denn Eure Telefonate und Treffen zustande? Ist sie da initiativ oder Du?

    Natürlich ist es okay, sich zu trennen, wenn es nicht mehr passt, aber jedes Problem, das man löst, ist doch eine gute Sache. Und ich glaube auch nicht, dass für Dich das Problem "Genervt sein von schüchternem Gegenüber" erledigt ist, wenn Du die Freundschaft beendest. Nach meiner Erfahrung treten Probleme so lange wieder auf, bis man eine Lösung gefunden hat. Es bringt nicht immer was, wenn man sich trennt, manchmal ist ein seltener Kontakt haben, weil es gerade nicht passt, viel schöner, weil etwas kann man nie ersetzen: eine über so lange Zeit gewachsene Freundschaft. Schüchterne Menschen mögen oft nicht so unterhaltsam und lustig sein, aber sie sind oft sehr treue Seelen, etwas was ich finde, dass leider immer weniger wertgeschätzt wird, es muss immer alles passen und wenn nicht, dann trennt man sich leichten Herzens. Sowas finde ich immer sehr schade.

    Von etwas oder jemandem genervt zu sein hat oft mehr mit einem selbst als einem Anderen zu tun. Mir hat da das Buch "Das Kind in dir muss Heimat finden" sehr wertvolle Impulse gegeben, um mich und Andere ein wenig besser zu verstehen.

    Ich wünsche Euch, dass ihr wieder zueinander findet und noch die ein oder andere schöne Unternehmung gemeinsam genießen könnt und das ein oder andere angenehme Telefonat führt.

    viele Grüße
    Mona-Lisa
    Man muß mit Allem rechnen, sogar mit dem Schönen!
    Es gibt tausend Gründe, alles beim Alten zu belassen, aber nur einen, etwas zu ändern, Du hältst es einfach nicht mehr aus!

  7. #6
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    Zitat Zitat von Vermutender Beitrag anzeigen
    Wir vergleichen andere mit uns selbst und bemerken gar nicht, dass wir uns laufend verändern. Bis die anderen uns plötzlich seltsam erscheinen.
    Wie erwähnt, war ich in meiner Schulzeit selber ziemlich schüchtern und von daher weiß ich heute auch noch, wie sich das anfühlt ... das hat sich dann im Laufe der Jahre so ziemlich gegeben. Vor ein paar Jahren hat es dann einen ziemlichen Umbruch in meinem Leben gegeben, der mich diesbezüglich noch einmal selbstsicherer werden ließ ... und ich denke das war auch der Punkt, an dem ich meine Freundin so langsam mehr und mehr anders sah bzw. ihre zurückhaltende Art anfing mich zu nerven!
    Und das "nerven" bezieht sich hauptsächlich auf unsere Kommunikation, in der ICH mich halt überhaupt nicht von ihr wahrgenommen fühle.
    Wir hatten z.B. gestern ein Telefonat und zunächst erzählt sie mir von dem, was in letzter Zeit bei ihr so los war und was sie für Wochenendpläne hat ... und ich stelle - wie das halt bei einem normalen Gespräch ja auch üblich ist, mal ne Zwischenfrage, mache ne Anmerkung oder nen Kommentar; zeige halt Interesse.
    Und dann berichte ich von mir ... und es läuft wieder so, wie in meinem Eingangstext bereits beschrieben: ich spiele ihr nen Ball zu und sie lässt ihn einfach an sich vorbeifliegen bzw. macht sie keine Anstalten ihn zu fangen. Jede Aussage von mir fliegt einfach ins Leere!
    Und als wir dann schließlich auflegten, kam ich mir mal wieder total blöd vor ... und ich frag mich, ist das Desinteresse ihrerseits, Egoismus, Teil iher zurückhaltenden Art (wenn man keine Meinung zu etwas hat, kann man ja auch nicht anecken) oder einfach Unfähigkeit normal zu kommunizieren.
    Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das schon seit Schulzeiten so ist ... aber über lange Jahre ist es mir nicht so negativ aufgestoßen, wie es nun seit ca. 7 Jahren mehr und mehr der Fall ist .... das ist eben der Zeitraum, in dem sich in meinem Leben sehr viel verändert hat.

    Und was gemeinsame Unternehmungen betrifft ... also, alles was mit Kochen/Backen und Kreativität zu tun hat, lehnt sie kategorisch ab ... aber ansonsten unternehmen wir durchaus ab und an etwas miteinander ... Konzerte, Theater, Essen gehen, etc. ...
    Wobei - man mag es kaum glauben - hat sie einen viel größeren Freundes- und Bekanntenkreis als ich! Sie ist Mitglied in Vereinen, bei Stammtischen (mit denen sie auch Urlaube verbringt) ... ja, sie ist jedes Wochenende unterwegs oder sie laden sich Leute nach Hause ein. Sie ist nicht das Mauerblümchen, welches nur daheim im stillen Kämmerchen sitzt.
    Aber zum Teil erlebe ich sie dann ja auch mit diesen anderen Leuten und da läuft es genauso ... sie steht größtenteils still dabei oder die Kommunikation läuft eingleisig: jemand stellt ihr Fragen, sie antwortet, aber umgekehrt kommt nix!

    Zitat Zitat von Vermutender Beitrag anzeigen
    "aber zügle dich selbst, lass sie selber machen und wenn es sein muß auch scheitern. Berate sie wenn sie fragt, aber gib keine Lösung vor."
    Wäre schön, wenn das funktioniert, aber dem ist leider nicht so ... etwas zu entscheiden, zu organisieren oder überhaupt nur etwas anzuregen - wenn es eben nur geht, macht sie um solche Dinge nen Riesenbogen oder drückt es anderen auf! Und ich weiß, dass das nicht nur bei mir zu Frust führt. Ihr Mann ist auch genervt! ... Und dann beklagt sie sich bei mir, dass sie sich von ihrem Mann gar nicht mehr wahrgenommen fühlt ... ähm, das ist ja auch kein Wunder, wenn man sich über Jahre quasi unsichtbar macht und er alle wichtigen Entscheidungen in der Familie treffen muß.

    Vor einiger Zeit saßen wir in ihrem Garten und die Kinder kamen an und sagten, dass sie sich um die 80-jährige Oma (ihre Schwiegermutter, die nebenan wohnt) Sorgen machten, da diese nicht die Haustür öffnen würde. Sie baten ihre Mutter mal nachzuschauen. Meine Freundin lehnte dies aber ab, da sie unmöglich die Privatsphäre dieser Frau stören könne.
    Ich war völlig fassungslos und kurz davor selber mal rüber zu gehen und nach dem Rechten zu sehen ... glücklicherweise hat sich die Situation dann fix aufgelöst; mit der Schwiegermutter war alles in Ordnung!
    Aber ich war echt schockiert ... da liegt ne alte Frau evtl. hilflos in ihrem Haus - die Kinder machen sich Sorgen - und meine Freundin entscheidet in so einem Moment, dass ihr die Wahrung der Privatsphäre wichtiger ist als evtl. Hilfe zu leisten.
    Ich finde diese Situation zeigt sehr deutlich wie starr sie in ihrem "bloss nicht anecken", "bloß keine Regeln übertreten" ja quasi einzementiert ist.

  8. #7
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    Zitat Zitat von Mona-Lisa Beitrag anzeigen
    tut es mir fast ein wenig weh, wie wenig Wertschätzung Du ihr Gegenüber hast.
    mag sein, dass man das aus meinem Text - den ich gerade nach so einem frustrierend-anstrengendem Telefonat geschrieben habe - folgern kann. Aber eigentlich fühle ich mich von IHR so gar nicht wertgeschätzt.
    Ich bin über die Jahr immer diejenige gewesen, die aktiv zuhört, die Interesse zeigt und nicht selten auch der Kummerkasten für sie war und umgekehrt funktioniert das so gar nicht!
    Zum Teil frage ich mich auch, ob es wirklich nur ihre Schüchternheit ist, welches unsere Kommunikation so schwierig macht oder ob es schlichtweg Desinteresse oder auch Egoismus ist ... ob ich eigentlich nur dazu diene ihre Sorgen und Probleme bei mir abzuladen, aber umgekehrt will sie gar nicht wissen, was bei mir so los ist. Mir ist das wirklich ein Rätsel!

    Zitat Zitat von Mona-Lisa Beitrag anzeigen
    Dein Hinweis auf das Selbsthilfebuch zeigt doch eigentlich schon, dass sie an Veränderung interessiert ist, sich verändern will. Ich finde das Klasse!
    Ich weiß, dass es sie selber nervt, dass sie so schüchtern ist, aber bei dem Ratgeber geht es um Beziehungsprobleme (ihre Ehe funktioniert schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich) und da wurde das Thema "Schüchternheit" halt auch behandelt!
    Ansonsten habe ich es aber noch nie beobachten können, dass sie sich mal aus iher Comfort-Zone herausbewegt ... und das finde ich schon sehr merkwürdig, denn gerade als Mutter von 3 Kinder sollte man doch echt meinen, dass allein dadurch über die Jahre zwangsläufig ne Entwicklung stattfindet. Kenne es auch von mir selber: wenn man Verantwortung trägt, dann wächst man auch daran! Aber bei ihr hat das überhaupt nicht stattgefunden ... sie ist immer noch das stille 11-jährige Mädchen, das ich damals in der Schule kennengelernt habe!

    Zitat Zitat von Mona-Lisa Beitrag anzeigen
    Gesprächspausen sind für Gerne- und/oder Vielredner oft schwer auszuhalten, aber genau diese Gesprächspausen sind für Schüchterne oft wichtig, um sich zu sammeln und zu sprechen. Ob Du das ausprobieren magst, weiß ich nicht.

    Wie kommen denn Eure Telefonate und Treffen zustande? Ist sie da initiativ oder Du?
    Ich würde mich gar nicht als Vielredner bezeichnen ... ich bin auch nicht sehr laut und dominant und in anderen Gesprächen höre ich genauso gerne zu bzw. hab ich nicht den Zwang ständig nur von mir zu reden!
    Also, ich überrolle niemanden im Gespräch ...
    Und Gesprächspausen sind okay ... wobei das bei Telefonaten sicherlich schwieriger ist, als wenn man sich gegenübersitzt, aber von ihr kommt halt wirklich gar nichts mehr bzw. überlege ich mir in den Gesprächspausen, was ich denn noch für ein Thema aus dem Hut zaubern kann, damit wir uns nicht nur anschweigen! Umgekehrt könnte sie sich ja auch mal bemühen ... passiert aber nie!
    Im Beisammensein ist das dann auch nicht anders, aber da kann man dann mal aus dem Fenster schauen und vorgeben etwas Interessantes zu sehen oder so ... da ist Schweigen dann nicht ganz so anstrengend!
    @Initiative ... bei Telefonaten hält sich das in etwa die Waage.
    Aber was Aktivitäten angeht, bin allein ich dafür verantwortlich! Wir schenken und schon seit Jahren zum Geburtstag immer Tickets für irgendeine Veranstaltung, die wir dann gemeinsam besuchen und insofern wird sie wenigstens 1x im Jahr aktiv ... und ich schlage dann immer noch das ein oder andere vor. Ich weiß auch, dass sie gerne etwas mit mir unternimmt bzw. liebt sie es ins Theater oder Konzert zu gehen, aber ich hab das mit den Vorschlägen nun einfach mal bewusst seit dem Frühjahr abgestellt - halt um mal zu warten, ob ihrerseits etwas kommt - aber nix bislang! :-(

    Ich finde es ja auch schade, dass ich jetzt an diesem Punkt stehe - gerade auch, weil wir uns so lange kennen, aber der Frust überwiegt bei mir doch gerade sehr und ich sehe leider auch so gar keinen Ansatz, wie es sich bessern könnte. Klar, ich könnte ein offenes Gespräch mit ihr suchen und normalerweise halte ich auch viel von ehrlichen Worten, aber ich weiß auch, dass sie das sehr verletzen und es schlußendlich alles nur schlimmer machen würde. :-(

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Trallafitti für den sinnvollen Beitrag:

    Mona-Lisa (06.12.2019)

  10. #8
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    Was mir dazu durch den Kopf geht:
    Einwürfe von deiner Seite werden nicht aufgegriffen? Vielleicht ist es so wie du sagst. Oder sie hat lange an dem was sie dir in diesem Moment sagt gebastelt, ist wie in einem Tunnel und spult innerlich hoch konzentriert ein Tonband ab das erzählt was sie bewegt. Wenn ihr beide schüchtern wart und du einen Weg heraus gefunden hast, dann bist du vielleicht ihr heimliches Vorbild, zu dem sie Kontakt hält weil sie hofft dass der bloße Kontakt ihr irgendwie hilft. Ohne ihre Strategien zu ändern wird das aber nicht passieren.
    In Vereinen Mitglied zu sein bedeutet nicht automatisch sich auch einzubringen. "Dabei sein" genügt manchen schon. Sie scheint "Frontalveranstaltungen" zu bevorzugen: Hinsetzen und genießen. Ob man sich dann mit dem gerade Erlebten auseinander setzt oder es nur im Kopf "abheftet", das ist ein eigene Fragestellung. Hat sie Kummer der ihr auf der Seele liegt?

    Mir scheint es nicht so dass es ihre Schüchternheit ist die sie nervt, sondern eher dass es um sie herum plötzlich nicht mehr wie bisher weiter geht. Ihre klar strukturierte Welt inklusive ihrer Beziehung ist bedroht, und sie ist deshalb gestresst, aber an dem Punkt dass ihr eigenes Verhalten reflektiert ist sie glaube ich noch nicht. Sie hält an ihren bewährten Regeln fest. Warum auch nicht, die haben sie ja lange gut durchs Leben gebracht.

    Du hast dich weiterentwickelt, und jetzt missfällt dir ihr Verhalten. Ihr Verhalten hat sich aber wie du selber schreibst nicht geändert. Es ist deine Sicht die sich geändert hat. Sie ist die Freundin die du damals kennengelernt hast.

    Schreib dir doch mal auf ein Blatt Papier was du an ihr gut findest, warum sie deine Freundin ist.

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