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Thema: Schuldgefühle wegen meiner Tochter / Eigene Kindheit

  1. #1
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    Standard Schuldgefühle wegen meiner Tochter / Eigene Kindheit

    Hallo zusammen,

    ich wusste nicht, wie ich meinen Titel nennen sollte, ich denke so beschreibt er am besten, was mich bewegt.

    Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

    Ich habe eine 2 jährige Tochter. Seit sie geboren ist, kommen immer mehr Sachen aus meiner eigenen Kindheit hoch. Ich bin deswegen auch in therapeutischer Behandlung, dadurch habe ich auch schon viele Erkenntnisse gewonnen und Fortschritte gemacht.

    Trotzdem hatte ich heute einen Rückschlag, der mich ziemlich verwirrt hinterlässt und voll von schlechtem Gewissen.
    Ich hatte heute ziemlich viel zu tun, einen Berg von Arbeit vor mir. Gleichzeitig plagte mich das schlechte Gewissen, weil ich mich nicht so um meine Tochter kümmern und ihr Aufmerksamkeit widmen konnte, wie ich es gern wollte.
    Ich wurde ptzlich so wütend, dass ich mich selbst schlug. Das ist mir früher schon öfter passiert und durch die Therapie habe ich gelernt, das zu regulieren, wenn ganz plötzlich so eine unbändige Wut in mir aufflammt.
    Doch heute habe ich mich wieder selbst geschlagen. Ich tue das, weil ich auf keinen Fall meiner Tochter in irgendeiner Weise weh tun möchte. Ich habe das auch noch nie getan! Lieber ich als sie. Leider hat sie mitbekommen, wie aufgebracht ihre Mama war und hat kurz geweint, allerdings war ganz schnell alles wieder gut.
    Ich habe nun ein schlechtes Gewissen und habe Angst, dass sie Schaden dadurch nimmt.
    Wie kann ich ihr klar machen, dass das alles nicht ihre Schuld ist sondern allein mein eigenes Problem ist? Ich habe sie in den Arm genommen und es ihr zumindest gesagt. Ich weiß nur nicht, ob das bei einer 2 jährigen ankommt.
    Wie gesagt gab es solche Situationen früher auch ein wenig öfter, aber im Gesamten nicht so oft. Trotzdem ist das für mich jedes mal sehr sehr schlimm.

    Ansonsten bin ich sehr reflektiert in meinem Umgang mit meiner Tochter - ich will es anders machen, als in meiner Kindheit.
    Leider war meine Mutter aufgrund psychischer Probleme sehr lieblos und mein Vater war grenzüberschreitend.
    Ich hatte leider keine guten Vorbilder.
    Nun versuche ich durch Nachlesen in Büchern etc., alles richtig zu machen. Besonders in Sachen Bindung und Urvertrauen. Ich möchte, dass meine Tochter eine gute Bindung und ein Urvertrauen bekommt - alles, was ich nicht habe, und was mir heute sehr zu schaffen macht und mir vieles im Leben schwer macht.


    Gerade in den Momenten, in denen ich aus einem objektiv betrachet nichtigen Grund so wütend werde - dann verstehe ich mich nicht. Wird da irgendwas aus meiner eigenen Kindheit "angetriggert"? Leider habe ich total viel vergessen und erinnere mich nur oberflächlich und bruchstückhaft an die Zeit, die ich z.B. mit meiner Mutter verbracht habe. Und ja, sie hat mich manchmal geschlagen im Affekt.

    Ich bleibe auf jeden FAll in der Therapie bei dem Thema dran, das kommt leider gerade ziemlich kurz, weil ich noch so viele andere Baustellen habe.

    Vielleicht liest das ja jemand, der mir einen Rat geben kann, vor allem, wie ich meiner Tochter begreiflich machen kann, dass sie nicht Schuld ist, wenn Mama so komisch ist.


    Vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße
    Kahlerbaum

  2. #2
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    Standard

    Zitat Zitat von Kahlerbaum Beitrag anzeigen
    Leider hat sie mitbekommen, wie aufgebracht ihre Mama war und hat kurz geweint, allerdings war ganz schnell alles wieder gut.
    Ich habe nun ein schlechtes Gewissen und habe Angst, dass sie Schaden dadurch nimmt.
    Wie kann ich ihr klar machen, dass das alles nicht ihre Schuld ist sondern allein mein eigenes Problem ist? Ich habe sie in den Arm genommen und es ihr zumindest gesagt. Ich weiß nur nicht, ob das bei einer 2 jährigen ankommt.



    Nun versuche ich durch Nachlesen in Büchern etc., alles richtig zu machen.
    Hallo Kahlerbaum,

    Den Anspruch an dich selber alles richtig zu machen ist verdammt hoch, daran kannst du nur scheitern. Den niedriger zu stecken kann schon helfen so meine Erfahrung. Es besser machen sich jeden Tag neu bemühen, aus Fehlern lernen, aber sich auch Fehler zuzugestehen.

    Ich denke nicht das das Urvertrauen deiner Tochter von einem Vorfall wo du dich selber geschlagen hast verletzt wird, genauer wird dir deine Therapeutin dazu bestimmt was sagen können.

    Vielleicht kannst du dir überlegen wie du, beim nächsten Mal wenn sowas hochkommt in dir, reagieren kannst. Mir fällt erstmal ein auf die Toilette gehen, da bist du kurz für dich kannst dich sammeln oder wenn es gar nicht anders geht eben auch dich schlagen, aber alleine für dich. Oft hilft es einfach kurz aus der Situation raus zu gehen durchzuatmen bewusst und dann sich zu sammeln dann verpufft schon viel.

    Was ich nicht machen würde ist meinem Kind zu viel erklären zu wollen, das fasst eine zweijährige nicht und es ist ja auch deine Baustelle und nicht ihre, damit gibst du dem ganzen für sie viel zu viel Gewicht. Reagiere auf das was von ihr kommt, was du ja auch getan hast du hast sie in dem Arm genommen als sie geweint hat, das ist wichtig und wenn es dann wieder gut es las es gut sein.

  3. #3
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    Hallo Ricarda,

    vielen Dank für Deine Antwort und vielen Dank, dass Du mich nicht verurteilst.

    Ja, ich weiß. Da kommt wieder die Perfektionistin durch bei mir. Und ich weiß ja, dass ich nicht alles perfekt machen kann. Es ist verdammt schwer, da loszulassen. Denn ich weiß nicht,was kann ich meinem Kind an "alleinbeschäftigung" zumuten, wo fängt die Vernachlässigung an? Wobei ich - ganz objektiv betrachtet - mein Kind nicht vernachlässige.
    Allerdings habe ich tief in mir die Angst, dass ich das tue. Ich kann quasi nicht selbst einschätzen, was noch OK ist für mein Kind und wo ich besser sein muss.
    Total schwierig, das zu erklären. Woher kommt nur diese Unsicherheit und diese Zweifel?
    Wie machen es "gesunde" Menschen bei der Kindererziehung? Sie richten sich doch auch nach ihrem Gefühl und denken nicht so viel nach. Liegt das daran, dass sie in der Kindheit andere Vorbilder hatten?

    Nein, ich erkläre meiner Kleinen nicht im Detail warum ich manchmal so schräg bin. Ich sage ihr nur, dass es nichts mit ihr zu tun hat und dass sie so, wie sie ist in Ordnung ist.

    Viele Grüße
    Kahlerbaum

  4. #4
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    Kahlerbaum,

    Ich kann dich da schon verstehen wenn die eigene gute Mutter als Vorbild fehlt, dann wird es schwer. So ging es mir auch. Als Orientierung nur eine schlechte Mutter und alles besser manchen wollen, schwierig und das muss so auch scheitern oder ins andere extrem schlagen. Wo ist die Mitte zwischen den extremen war so meine Frage.

    Es ist schwierig da versteh ich dich gut. Aber du hast ja deine Therapeutin kann die dir da Orientierung geben? Hast du Kontakt zu ändern Müttern, Krabbelgruppe etc auch das kann ja helfen.

  5. #5
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    Hallo Kahlerbaum,

    schön mal wieder von Dir hier zu lesen... Dein gestartetes Thema über narzisstische Eltern kratzt so langsam an der 100-Seiten-Marke...

    Ich weiß jetzt nicht, ob das für Dich in irgendeiner Form hilfreich ist, aber in Youtube habe ich kürzlich ein Video der Sendung Quarks über Empathie bei Babies und Kleinkindern gesehen und das fand ich sehr interessant.

    Persönlich bin ich ja der Auffassung, dass das Urvertrauen in das eigene Gefühl durchaus da ist, aber womöglich nicht korrekt gefördert / entwickelt wird oder eben möglicherweise sogar bewusst manipuliert wird.

    Ich finde es gut, dass Du Fehler nicht weitergeben möchtest. Aber ich halte es für sehr sinnvoll, die von Dir beschriebene Angst mal in Deiner Therapie zu thematisieren. Die Angst halte ich nämlich für sehr wichtig in der Gesamtsituation - das war zumindest bei mir so.
    Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, verlang gleich noch Salz und Tequila mit dazu.

  6. #6
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    Hallo Ricarda, hallo Fafnir,

    Ja, das war und ist auch Thema in der Therapie. Ich habe da wirklich auch Fortschritte gemacht und bleibe mittlerweile in den meisten Situationen, die man so mit einem Kleinkind erlebt, sehr gelassen. Darum hat mich mein Rückschlag gestern umso mehr erschreckt.

    Ich gehe regelmäßig zur Krabbelgruppe. Doch Vergleiche ich mich meist mit den anderen Müttern und wie die mit ihren Kindern umgehen 😔
    Glaube das Grundproblem bei mir ist, dass ich meistens das Leben von anderen Menschen gelebt hatte, ihnen gefallen wollte und darüber mich selbst ganz vergessen habe und mir selbst und meinem Gefühl zu trauen.
    Am liebsten würde ich immer gern wissen, ob ich alles richtig mache mit meinem Kind. Aus Angst, es könnte so gestört werden wie ich.

    Fafnir, ja, ich bin auch ganz überrascht, wie gefragt das Thema Narzisstische Mütter ist. Ich hätte damals nie gedacht, dass es noch so viele andere "Betroffene" gibt.
    Nach einigen Monaten Therapie, die nun hinter mir liegen, seit ich das Thema eröffnet habe, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich meine Mutter als narzisstische Persönlichkeit bezeichnen soll. Sicher hat sie solche Wesenszüge, aber auch andere Störungen.
    Zwischen meinen Eltern und mir gab es schon immer eine unsichtbare Mauer, wie mir schmerzlich bewusst wurde. Und ich renne und renne immer wieder dagegen, um endlich diese Mutterliebe zu bekommen, aber das ist vergeblich.

    Liebe Grüße
    Kahlerbaum

  7. #7
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    Hallo Kahlerbaum,

    Zitat Zitat von Kahlerbaum Beitrag anzeigen
    Fafnir, ja, ich bin auch ganz überrascht, wie gefragt das Thema Narzisstische Mütter ist. Ich hätte damals nie gedacht, dass es noch so viele andere "Betroffene" gibt.
    Nach einigen Monaten Therapie, die nun hinter mir liegen, seit ich das Thema eröffnet habe, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich meine Mutter als narzisstische Persönlichkeit bezeichnen soll. Sicher hat sie solche Wesenszüge, aber auch andere Störungen.
    Zwischen meinen Eltern und mir gab es schon immer eine unsichtbare Mauer, wie mir schmerzlich bewusst wurde. Und ich renne und renne immer wieder dagegen, um endlich diese Mutterliebe zu bekommen, aber das ist vergeblich.
    diese Überraschung, dass es noch mehr (...so eine unglaubliche Menge...) Betroffene gibt, habe ich auch mal - offenbar ganz ähnlich wie Du - empfunden. Das hatte aber Gründe, die in meiner Erziehung und entsprechenden Prägung lagen.
    Meiner Therapeutin habe ich Anzeichen für verschiedene Störungen meiner Mutter beschrieben, und alle haben Einfluss auf mich (und mein Verhalten) gehabt - manche mehr manche weniger. Bestimmte "Komorbiditäten" scheint es häufiger zu geben...
    Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, verlang gleich noch Salz und Tequila mit dazu.

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