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Thema: Selbstsabotage

  1. #1
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    Standard Selbstsabotage

    Hallo,

    Ich stelle bei mir seit sehr langer Zeit ein Verhaltensmuster fest:

    - Ich nehme mir etwas vor
    - Im kritischen Moment tue ich unbewusst Dinge, die mein Vorhaben gegen die Wand fahren

    Bei anderen Menschen in einer ähnlichen Situation wie meiner habe ich dasselbe Verhalten beobachtet. Lippenbekenntnisse, dass man sein Leben ändern möchte - und dann im entscheidenden Moment das große "Aber".

    Es ist bei mir so ausgeprägt, dass ich nicht mal imstande bin, Hilfe anzunehmen. Es ist, als ob ich mich selber zutiefst gefährdet fühle durch alles, was mein Leben verbessern könnte; hilfreiche Therapie, größere Kunden, eine Beziehung, Freunde, alles. Selbst Forenbeiträge aktivieren diesen Verteidigugnsmechanismus. Dadurch setze ich mich selber Schachmatt. Wie kann man sich selbst in den Griff bekommen, damit man zumindest Hilfe und Unterstützung zulassen kann?

    Grüße.

  2. #2
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    Hey,

    es sind ziemlich wenig Beschreibungen zu deinem Problem. Aber ich versuche dennoch, dir Tipps zu geben.

    Ich vermute jetzt erstmal, du fühlst dich in deiner Komfortzone einfach sehr sicher? Und möglicherweise kennst du nichts anderes? Während es natürlich ein Verlassen dieses sicheren Bereiches bedeuten würde, wenn du versuchst dein Problem anzugehen. Heißt um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehem - lässt dich der Gedanke ohnmächtig fühlen?

    Was mir aber als sicher erscheint, dass du es alleine nicht schaffen kannst. Zumindest lese ich das aus deinem Text heraus. Du musst dir also sicher sein, ob du wirklich etwas in deinem Leben ändern möchtest. Wenn es so ist, musst du deine inneren Mauern abtragen, den sicheren Bereich zeitweise verlassen um zu sehen, dass es noch etwas anderes gibt, als diese, für dich schon zur Gewohnheit gewordenen, Umstände.

    Versuche es vieleicht in kleinen Schritten. Hast du Freunde? Dann vertrau dich in geringeren Dosen erstmal einem an. Das kann dir helfen zu erkennen, dass es dir eigentlich nicht schaden kann. Das ganze kannst in dem dir möglichen Rahmen weiterführen, bis du es versuchen kannst, dich einer fremden Person, also vielleicht ein Therapeut, anzuvertrauen, der dir dann richtig helfen kann.

    Mehr kann ich erstmal nicht empfehlen, da ich nicht weiß, warum du dich so sehr gefährdet fühlst.

    Grüße und alles Gute

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Tears of sadness für den sinnvollen Beitrag:

    entwicklungshans (06.07.2018)

  4. #3
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    Danke erstmal.

    >es sind ziemlich wenig Beschreibungen zu deinem Problem

    Ich nenne mal ein paar Bespiele:

    -> Ein neuer Kunde ruft mich an. Er will von sich aus eine längerfristige Zusammenarbeit starten. Meine Vorgaben gefallen ihm sehr gut, der erste Teil des Gesprächs läuft daher super. Dann merke ich an, dass ich im Grunde genommen nur sehr wenig Zeit habe für etwaige Projekte. Ich formuliere es sogar so, dass ich nur 50% für die Arbeit geben könne. Insgesamt muss sich das für den Kunden so anhören, als hätte ich eine Menge Ambitionen, aber keine Lust, mich darauf auch einzulassen. Ich habe dann nichts mehr von ihm gehört. Dieser Fall hat sich so schon sehr oft zugetragen über die Jahre.

    -> Ich entschließe mich, den A2-Führerschein zu machen. Die theoretische Prüfung bestehe ich ohne einen Fehler. Durch die praktische Prüfung falle ich 2x durch, obwohl ich während den Übungsstunden genau so gut zurecht kam wie alle anderen. Durch das emotionale Loch, in das ich falle, schaffe ich es nicht, es ein 3. Mal zu versuchen.

    Ich komme daher nicht über ein "Überleben" hinaus, weil ich mir selber nur Dinge zu erlauben scheine, die zwar eben mein Überleben sichern, aber ansonsten keine "Gefahr" darstellen.


    >Ich vermute jetzt erstmal, du fühlst dich in deiner Komfortzone einfach sehr sicher? Und möglicherweise kennst du nichts anderes? Während es natürlich ein Verlassen dieses sicheren Bereiches bedeuten würde, wenn du versuchst dein Problem anzugehen. Heißt um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehem - lässt dich der Gedanke ohnmächtig fühlen?

    Ich glaube, es ist ein Gefühl des Überfordertseins und der Gefahr.


    >Versuche es vieleicht in kleinen Schritten. Hast du Freunde? Dann vertrau dich in geringeren Dosen erstmal einem an. Das kann dir helfen zu erkennen, dass es dir eigentlich nicht schaden kann. Das ganze kannst in dem dir möglichen Rahmen weiterführen, bis du es versuchen kannst, dich einer fremden Person, also vielleicht ein Therapeut, anzuvertrauen, der dir dann richtig helfen kann.

    Ich habe leider keine vertrauten Menschen um mich, auf die ich mich in kleinen Schritten zubewegen könnte. Die wenigen Freunde sind mit ihren eigenen Problemen zu beschäftigt, wie ich erfahren musste - z.B. ihrem Beruf oder ihren Kindern. Eine Beziehung kann ich nicht aufbauen, aus demselben Grund, weshalb auch alles andere nicht zustande kommt - das Gefühl von Nähe ist mir unangenehm. Und die Familie ist die Wurzel des Übels, denke ich, also nicht unbedingt geeignet, mir weiterzuhelfen.
    Geändert von entwicklungshans (06.07.2018 um 16:09 Uhr)

  5. #4
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    Darf ich fragen in welcher Branche du arbeitest?

    Die Situation mit deinen Kunden ist tatsächlich eine schwierige. Ist es für dich existenzgefährdend auf größere Kunden zu verzichten? Oder schlecht für die Firma, falls du angestellt bist?

    "Ich komme daher nicht über ein "Überleben" hinaus, weil ich mir selber nur Dinge zu erlauben scheine, die zwar eben mein Überleben sichern, aber ansonsten keine "Gefahr" darstellen."
    Das scheint der eigentliche Knackpunkt zu sein. Aber das 'Warum' liegt scheinbar ziemlich tief vergraben.

    Dass du niemand Vertrauten um dich hast, macht die Sache echt nicht einfach. Wie waren denn deine bisherigen Erfahrungen, als du erfahren musstest, dass deine Freunde zu sehr mit sich selber beschäftigt sind? Haben sie das direkt gesagt?

    "Und die Familie ist die Wurzel des Übels, denke ich, also nicht unbedingt geeignet, mir weiterzuhelfen. "
    Deine Familie? Wenn das die Wurzel ist, dann ist es bestimmt schwer darüber zu schreiben? Zumindest öffentlich?

    Was ich merke, du verschließt dich anscheinend nicht vollkommen der Hilfe anderer, immerhin hast du dich schon meinen Fragen gestellt . Das ist ein guter Anfang. Natürlich kannst du noch auf weitere Tipps anderer Forum-User hoffen. Ich denke aber, du brauchst wirklich erstmal eine Person, zu der du ein Vertrauensverhältnis aufbauen kannst.

  6. #5
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    >Darf ich fragen in welcher Branche du arbeitest? Die Situation mit deinen Kunden ist tatsächlich eine schwierige. Ist es für dich existenzgefährdend auf größere Kunden zu verzichten? Oder schlecht für die Firma, falls du angestellt bist?

    IT. Aber ich habe auch ein Kurzfilmprojekt, mit dem ich mehr persönliche Ambitionen verbinden, und dort sind die Probleme sehr ähnlich bzw. identisch. Existenzgefährdend ist es eben nicht, wenn sich mein Gewerbe nicht weiterentwickelt. Ich brauche auch keine Beziehung oder Freunde zum Überleben. Ich kann theoretisch bis ans Ende meines Lebens ein kleines Süppchen kochen. In Wirklichkeit ist das nur schwer ertragbar und nicht selten die nackte Hölle.

    >Das scheint der eigentliche Knackpunkt zu sein. Aber das 'Warum' liegt scheinbar ziemlich tief vergraben.

    Ist das "Warum" denn so wichtig?

    >Deine Familie? Wenn das die Wurzel ist, dann ist es bestimmt schwer darüber zu schreiben? Zumindest öffentlich?

    Meine Mutter hatte nach meiner Geburt eine fünf Jahre dauernde postnatale Depression. Es gab keine Personen, die ihre Rolle zumindest zum Teil hätten ausfüllen können. Das ist aus meiner Sicht der Beginn von vielen Problemen, mit denen ich bis heute kämpfe (bin 41).

    >Was ich merke, du verschließt dich anscheinend nicht vollkommen der Hilfe anderer, immerhin hast du dich schon meinen Fragen gestellt . Das ist ein guter Anfang.

    Ja. Bis ich wieder das Gefühl bekomme, dass nun das eigentliche Problem angesprochen wird. Dann kommt üblicherweise die Verteidigungsreaktion, die das Ziel hat, alle und alles von mir wegzustoßen, was ich auch immer sehr effizient schaffe.

  7. #6
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    >Dass du niemand Vertrauten um dich hast, macht die Sache echt nicht einfach. Wie waren denn deine bisherigen Erfahrungen, als du erfahren musstest, dass deine Freunde zu sehr mit sich selber beschäftigt sind? Haben sie das direkt gesagt?

    Entweder haben sie den Kontakt abgebrochen (dann waren das auch keine echten Freunde), oder es wurde sehr deutlich, dass sie jetzt damit überfordert sind, auch noch mit meinen Schwierigkeiten klarzukommen.

  8. #7
    Neuling
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    Ich finde, das 'Warum' ist schon ziemlich wichtig. Ein Problem an seiner Ursache zu erkennen ist anders, als ein Problem nur anhand seiner Symptome zu beurteilen.

    Zu deiner Mutter - es kann tatsächlich der Beginn gewesen sein. Gerade in den ersten Jahren wird ein Kind sehr stark geprägt. Wenn du deine Mutter 5 lange Jahre lang in einer Depression erlebt hast, hast auch du darunter gelitten. Es fehlten eventuell wichtige Grundpfeiler in deiner Persönlichkeitsentwicklung. Wie z.B. Bindungen, Zuneigung. Das kann durchaus für dein heutiges Unwohlsein bei Nähe verantwortlich sein. Es können eventuell noch andere (ich nenne es jetzt einmal so für ein besseres Verständnis ohne diagnostisch zu sein) Traumata in deinem nachfolgendem Leben gewesen sein. Aber wirklich kann das nur ein Fachmann in Bezug zu dir beurteilen. Ich kann nur raten, Erzählungen vergleichen und eigene Schlüsse ziehen. Meine Mutter hatte zwar keine postnatale Depression (zumindest ist es mir nicht bekannt), aber auch mir fehlen durch meine Kindheit einige wichtige dieser Grundpfeiler, die meine Persönlichkeit noch heute beeinflussen.

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Tears of sadness für den sinnvollen Beitrag:

    entwicklungshans (Gestern)

  10. #8
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    Zitat Zitat von entwicklungshans Beitrag anzeigen
    Hallo,

    Ich stelle bei mir seit sehr langer Zeit ein Verhaltensmuster fest:

    - Ich nehme mir etwas vor
    - Im kritischen Moment tue ich unbewusst Dinge, die mein Vorhaben gegen die Wand fahren

    Bei anderen Menschen in einer ähnlichen Situation wie meiner habe ich dasselbe Verhalten beobachtet. Lippenbekenntnisse, dass man sein Leben ändern möchte - und dann im entscheidenden Moment das große "Aber".


    Grüße.
    Es hängt wohl damit zusammen.

    Stress – Woher kommt er?
    fragte ich mal in meiner Schulzeit. "Zeitgefühl" in der Werkstatt hat man ein sogenanntes Zeitgefühl. Wie das Gefühl wie lange was man für was braucht.

    „lernen“ - ist für viele keine Tätigkeit. Es steckt keine Zeit dahinter.
    Wie lange lerne ich? - danach ist ,lernen' mit Zeit verbunden
    Ich fing an, wenn ich in den Deutschunterricht ging mir zu sagen „Ich lerne Deutsch.“ Bei einigen anderen auch. Später bekam ich mit, dass die Anstrengungen in den einzelnen Fächern unterschiedlich waren. Das eine lernte ich leicht, das andere schwer. Was ich noch mitbekam: Die Hausaufgaben und was noch alles am Lernen steckt.

    „Selbst wenn wir nichts tun, tun wir was!“ Das wir nicht alles bewusst mitbekommen, was wir noch machen.
    Vor längerer Zeit. Das regelmäßige Saugen des Teppichs lief nicht.
    „Ich sauge den Teppich.“ sagte ich vor beginn. „Ich gehe einkaufen.“ sagte ich vor beginn. „Ich fahre in die Gruppe“ und ging los.
    Irgendwie bekam ich nach und nach mehr mit, was ich den Tag über gemacht habe.

    „Sie hin was du machst!“ -- als bekam ich nach und nach mehr mit, was ich den Tag über mache.
    „Du hörst mir ja gar nicht zu!“ -- als nehme wir vieles was wir machen, nur flüchtig wahr. Alles auf die Schnelle!
    Als nahm ich mehr wahr, was ich den Tag über machte.


    gruss mops

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