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Thema: Sich Missbrauch einreden?

  1. #1
    Schreibkraft Avatar von Miraly
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    Standard Sich Missbrauch einreden?

    Hallo zusammen,

    kann man sich selbst sowas einreden?
    Irgendwie zeige und zeigte ich Verhaltensweisen, die auch Menschen mit Missbrauchserfahrung zeigen. Aber ich denke nicht, dass ich sowas erlebt habe, nur weiß ich einfach nicht, wo das her kommt.
    Daher frage ich mich, ob ich mir das vielleicht eingeredet habe, mir solche Verhaltensweisen antrainiert habe. Vielleicht, um mir selbst zu erklären, warum ich irgendwie nie irgendwo rein passte, irgendwie immer anders war.

    In der 9. Klasse sagte mir eine Freundin mal, ich würde mich auch so verhalten, wie jemand der missbraucht wurde. Woran sie das fest machte, weiß ich nicht mehr, mir ist von diesem Gespräch nur dieser eine Satz hängen geblieben.



    Es sind so viele Kleinigkeiten, die für mich dieses Bild erscheinen lassen, ich versuche, es mal alles zu schreiben.


    Ich kann mich dran erinnern, dass ich als Teeny ein Problem hatte, dass es üblich war, sich immer zu umarmen. Zur Begrüßung, zur Verabschiedung, unter Freunden und Klassenkameraden. Ich hatte eine Abneigung dagegen, habe es dann aber gemacht, wollte mich anpassen, habe meine innerliche Abwehr ignoriert. Gefühle unterdrücken kann ich sehr gut.
    Dieses Umarmen ist mir immer noch nicht ganz behaglich, aber eine Abwehr habe ich nicht mehr so. Außer bei meinem Freund teilweise, paradoxer Weise. Wir sind seid bald 10 Jahren zusammen und manchmal würde ich ihn am liebsten wegstoßen, wenn er mich umarmt. Im besten Fall finde ich die Umarmung nervig und warte ab, bis er „fertig“ ist.

    Als wir zusammen kamen, dauerte es eine ganze Weile, bis ich einen Kuss zulassen konnte. Bis heute mag ich Küsse auf den Mund nicht.

    Als Teeny habe ich mich und vor allem meinen Körper völlig abgelehnt, habe mich gehasst, fand mich eklig, habe mich selbst verletzt und eine Essstörung entwickelt.

    Ich hatte auch immer Angst, als eklig empfunden zu werden. Wenn ich hustete, redete, bei allem. Fand z.B. auch immer, ich putze mir besonders laut und eklig die Nase. Fragte mich immer, warum andere das so unauffällig können. Hatte Angst, dass ich stinke, etc.
    Diese Angst ist irgendwo noch heute (bin Ende 20) unterschwellig vorhanden.

    Duschte glaube ich manchmal mehrmals am Tag. Kann mich auch daran erinnern, dass ich mich mal mit nem Schwamm unter der Dusche so doll geschrubbt habe, dass meine Haut blutete.

    War nie verliebt, habe noch nie einen Menschen attraktiv gefunden, habe kein Verlangen nach körperlicher Nähe und vor Sex ekele ich mich sogar teilweise.
    Selbst nach fast 10 Jahren Beziehung komme ich mit manchen Berührungen nicht klar. Manchmal schalte ich dann auf gefühllos, dann ist es okay. So ist es auch beim Sex selbst. Wenn ich mich sehr konzentriere, ist es am Anfang sogar teilweise auch schön, aber dann wird ein Schalter umgelegt und ich fühle nix mehr.
    Am Anfang unserer Beziehung hatte ich sogar glaube ich sowas wie eine Panikattacke, verkrampfte mich plötzlich total, zitterte und es ging gar nix mehr, konnte auch nicht sprechen.
    Sowas wie eine dissoziative Erfahrung hatte ich auch mal, als er mit mir schlafen wollte.


    Ich weiß gerade nicht, ob das alles ist, was mir bisher aufgefallen ist.
    Das sind so die Sachen, die mir gerade einfallen. Vielleicht könnt ihr mir ja mal was dazu sagen, ob ich spinne oder woher das kommen könnte. Habe ich mir das ganze vielleicht einfach mal eingeredet? Ich verstehe mich nicht.

  2. #2
    Diogenes
    Gast

    Standard

    Deine Symptome passen glaube ich auch zu einer anderen Störung als nur zum Missbrauch. Sich vor Berührungen und physischen Interaktionen zu ekeln und das mit dem Schwamm unter der Dusche könnte zum Beispiel auch zu einer Angst oder Phobie vor Bakterien, Erregern und Schmutz im allgemeinen passen. Auch der Ekel beim Küssen oder Sex könnte dazu passen. Ist deine Wohnung/dein Haus sehr sauber? Wischst du sofort überall drüber wo du etwas bemerkst? Ich würde nicht zu viel auf die Meinung eines 9. Klässlers geben. Es ist meiner Meinung zwar möglich sich das Verhalten von Missbrauchsopfern 'anzutrainieren', das kommt drauf an ob du eine Person bist die sehr empathisch ist, doch glaube ich das dazu mehr gehört als sich nur nicht dazugehörig zu fühlen. Ich würde dir trotzdem raten vielleicht eine Therapie anzufangen. Wenn du dich vor physischen Interaktion mit deinem Freund ekelst und unwohl fühlst schadet das glaube ich auf Dauer eure Beziehung.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Diogenes für den sinnvollen Beitrag:

    Miraly (24.07.2018)

  4. #3
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    Vielen lieben Dank für deine Antwort!

    Nein, Angst vor Bakterien oder so habe ich nicht. Liebe zwar Ordnung und Sauberkeit, bin aber ein Chaot...
    Würde mich nicht als sonderlich empathisch beschreiben, komme zur Zeit auch gar nicht so recht an meine Emotionen ran, weshalb ich oft eher rational und logisch reagiere.
    Habe im April eine Therapie begonnen, habe bisher 5 Termine gehabt. Nur ist es so, dass ich nicht weiß, wann ich so weit sein werde, das, was ich hier geschrieben habe, ihr auch sagen zu können. Bin sehr verklemmt, was das Thema angeht und kann nicht offen darüber sprechen. Ich habe keine Ahnung, was ich dort besprechen soll, um herauszufinden, wo eigentlich mein Problem liegt.
    Mein Freund ist rücksichtsvoll, behandelt mich respektvoll und hilft mir dabei.

  5. #4
    Schreiberling Avatar von Milly
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    Ein heikles Thema, ein weites Feld.
    Ich kenne KEINEN Teenie, der sich nicht irgendwie eklig findet/fand.
    Es kann auch sein, dass dir einfach bestimmte Praktiken keine Freude machen.
    Kommunikation über Sex ist wichtig.
    Ich würde die Therapie dazu nutzen, ALLES anzusprechen, was mir so durch den Kopf geht.
    Die Leute werden dafür bezahlt und es muss dir nichts peinlich sein.
    Du siehst sie nach der Therapie nie wieder und sie machen echt nur ihren Job.
    Es ist schön, dass du einen liebevollen Freund hast.
    Das ist mehr als die halbe Miete.

  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Milly für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (24.07.2018),Miraly (25.07.2018)

  7. #5
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    Zitat Zitat von Milly Beitrag anzeigen
    Ich kenne KEINEN Teenie, der sich nicht irgendwie eklig findet/fand.
    Ich schon.
    Und es ist auch ein Unterschied zwischen 'sich (und die neuen Körperfunktionen) irgendwie eklig fühlen' und abgrundtief hassen.

    Zitat Zitat von Milly Beitrag anzeigen
    Es kann auch sein, dass dir einfach bestimmte Praktiken keine Freude machen.
    Nein. Es geht nicht einfach nur um Praktiken. Ich finde sexuelle Interaktion teilweise nur abstoßend, bekomme Fluchtgedanken bei bestimmten Berührungen (auch ganz harmlose), habe keinerlei Gefallen am Sex.

    Mein Freund und ich kommunizieren inzwischen sehr ehrlich, aber das ändert halt einfach nichts an dem fehlenden Verlangen meinerseits.
    Und du hast recht, ich wüsste nicht, wo ich ohne ihn heut wäre. Wobei mir in den letzten Tagen aufgefallen ist, wie viele Verletzungen es durch ihn in der Vergangenheit bereits gab. Es fällt mir aber dabei schwer, einzuordnen, ob ich nicht einfach nur extrem überempfindlich bin.

    Ich bekomme diese Dinge höchstens mal einzeln und verteilt in Andeutungen über meine Lippen. Ich weiß nicht, ob das reicht. Die Thera wird sich sicherlich nicht immerwieder alles aus den vergangenen Terminen durchlesen, oder?
    Das Gespäch musste sich bisher irdendwie in die Richtung entwickeln, sodass ich einzelne Sachen sagen konnte, die mir schwer fielen.

    Vielleicht ist es auch einfach die Angst davor, dass ich doch sowas erlebt haben könnte. Die Thera, bei der ich zur Sprechstunde war, sagte es auch, dass sowas dahinter stecken könnte. Vielleicht hat mich das auch so getroffen.
    Denn an sich habe ich keine schlimme Vergangenheit, habe absolut keine Ahnung, wo das her kommt.

  8. #6
    Verleger Avatar von mops
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    Zitat Zitat von Miraly Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen,

    kann man sich selbst so was einreden?
    Irgendwie sind es zu viel, worüber du schreibst.

    „Ich lerne ja Sprechen. Was ist wichtiger? Sprechen lernen!“
    passierte mal in meiner Kindheit im Schreibunterricht.
    Ich hörte ein Wort zum ersten mal. Das bewusste Erleben neue Wörter kennen zu lernen. Fast so: Das habe ich schon mal gehört. Das habe ich noch nie gehört.
    „Du redest dir da was ein!“ - hatte ich damals gehört. Ist da was wahres dran? Wenn man immer an das selbe denkt, kann es sein, dass man Wirklichkeit und Glaube nicht mehr trennen kann. – „Ich glaube ...“ im Sinne von Vermutung, Spekulation. Noch ist nichts bewiesen. Behauptungen aufstellen. Etwa so – wenn man zu lange darüber nachdenkt „Kann ich ...?“

    Bloß geht es bei dir nicht nur um eins.
    Irgendwie hat es daher nicht nur um eins zu tun.

    Ich hatte auch immer Angst, als eklig empfunden zu werden. Wenn ich hustete, redete, bei allem. Fand z.B. auch immer, ich putze mir besonders laut und eklig die Nase. Fragte mich immer, warum andere das so unauffällig können. Hatte Angst, dass ich stinke, etc.

    „Laut die Nase putzen.“ – sagen dir das die anderen oder werfen sie es dir die anderen vor?
    glaubst du das nur oder machst du das wirklich?
    Wirst du für dein Verhalten von anderen kritisiert oder werfen es dir andere vor?


    gruss mops

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mops für den sinnvollen Beitrag:

    Miraly (26.07.2018)

  10. #7
    Schreibkraft
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    Zitat Zitat von mops Beitrag anzeigen
    Bloß geht es bei dir nicht nur um eins.
    Irgendwie hat es daher nicht nur um eins zu tun.
    Nee, stimmt. Es sind eher so grundlegene 'Wesenszüge' (?), oder sowas.

    Zitat Zitat von mops Beitrag anzeigen
    „Laut die Nase putzen.“ – sagen dir das die anderen oder werfen sie es dir die anderen vor?
    glaubst du das nur oder machst du das wirklich?
    Wirst du für dein Verhalten von anderen kritisiert oder werfen es dir andere vor?
    Nee, ich glaube, gesagt hat mir das noch niemand. Aber sicher bin ich mir da nicht, erinnere mich allgemein eher schlecht (besonders negatives vergesse ich ganz gut).
    Und ob ich das wirklich mache oder nur glaube? Keine Ahnung. Meine Wahrnehmung ist so, aber die muss ja nicht richtig sein. (Wie ich im Zusammenhang mit der Essstörung schon bemerkt habe)

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Miraly für den sinnvollen Beitrag:

    mops (26.07.2018)

  12. #8
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    Hallo Miraly,

    zur generellen Frage, ob man sich Missbrauch einreden kann: ja, kann man.
    Es gibt das weite Thema der "falschen Erinnerungen", was man auch auf solche sich festsetzenden Vermutungen übertragen kann.
    Aufgekommen ist das Thema, soweit mir bekannt, da in Therapien die Anzahl der teilweise völlig ausufernden surrealen Schilderungen und Menge an betroffenen Patienten jede Wahrscheinlichkeit sprengte und auch die Überprüfung der Beschreibungen zu den Umständen der Situationen teilweise ergaben, dass es schlicht diese Umstände nie gegeben hat.
    Man hat damals die Kombination der Therapie Methoden: suggestive Fragen nach ganz bestimmten Vorfällen und freies assoziieren dafür verantwortlich gemacht.
    Soweit mir gekannt wird daher heute in Therapien versucht zu vermeiden dem Patienten bereits suggestiv und indirekt vorzugeben was gewesen sein könnte.
    Leider ist es relativ schwer falsche Erinnerungen wieder weg zu kriegen oder als falsch zu entdecken.
    Man sollte also durchaus kritisch sein was Therapeut und therapiemethoden angeht und den realitätsabgleich nie vergessen.
    Vg
    Undjetzt

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