Wir haben in unserer Partnerschaft, die seit 5,5 Jahren besteht, immer wieder Probleme, weil wir in hohem Maße emotional voneinander abhängig und sehr verletzlich sind. Das wissen wir im Grunde seit unserer Paartherapie, schaffen aber nicht, groß etwas daran zu ändern.

Grob gesagt benutzt mich meine Freundin sehr häufig als Schulter zum Anlehnen und Ausheulen, weil sie es seit Jahren nicht schafft, sich aus einem unbefriedigenden Arbeitsverhältnis zu lösen. Sie wird teilweise von ihrer Kollegin gemobbt (wobei sie aber auch sehr empfindlich auf Kritik reagiert), schafft es aber nicht, den Job zu wechseln aus Angst vor örtlicher Veränderung, Verlust ihres Sozialnetzes, weil sie Angst hat, in einem neuen Umfeld zu versagen. All das sagt sie mir auch ganz offen. Ich ermutige sie dann immer, führe ihr ihre Stärken vor Augen und ermuntere sie vor allem zum Handeln. Mehr als ein paar halbherzige Bewerbungen sind bislang aber noch nicht dabei herausgekommen. Das Ergebnis: Sie ist oft launisch und gereizt, wirft mir vor, sie im Stich zu lassen, wenn es mir mal zu viel wird mit ihrer Jammerei und ich mich über ihre miese Laune beschwere, wobei sie auch ausfällig wird und mir unterstellt, dass ich genauso ein Ego-Schwein wie ihre mobbende Kollegin bin. Das verletzt mich schon sehr, da ich sie auch viel unterstützt habe. Sie meint dann nur, dass ich das aber nicht gerne tun würde (was nicht stimmt, solange das gesunde Maß nicht überschritten wird).

Jetzt kommt mein Part: Mir ist Humor in einer Beziehung sehr wichtig. Ich erzähle und unterhalte gerne und das am liebsten meine Freundin. Nur beiße ich mir dabei oft die Zähne aus, weil sie immer wieder unzufrieden ist. Wahrscheinlich wäre es hilfreich, diese meine Neigung mehr im Freundeskreis auszuleben, aber dem steht im Wege, dass ich nun mal durch und durch Beziehungsmensch bin. Ich ziehe also viel mehr Glück daraus, wenn ich meine Freundin glücklich mache oder zum Lachen bringe als jemand anderen. Dementsprechend frustriert werde ich, wenn es so schwerfällt. Die Folge davon: Es gelingt mir noch weniger, weil mit Frust geht es ja nicht usw. Schließlich stellt sich ein Gefühl des Versagens in mir ein, welche ich mit meinen Fähigkeiten nicht zu ihr durchdringe.

Umgekehrt will auch meine Freundin mich mit ihren Mitteln glücklich machen. So zum Beispiel richtet sich in ihrer Freizeitgestaltung und in der Sexualität stark nach meinen Wünschen. Aber sie hat denselben "Leistungsgedanken." Wenn es mir nicht gutgeht, weil sie z.B. wieder durchhängt, wird sie noch frustrierter. Das geht soweit, dass sie glaubt, sie müsse durch ihre alleinige Anwesenheit meinen Hautausschlag (Neurodermitis) heilen können. Das hört sich verrückt an, ist aber so. Letztens lagen wir kuschelnd iim Bett und ich hatte mal wieder starken Juckreiz und als der nicht sofort verging, brach sie den Körperkontakt ab und wurde richtig sauer auf mich. Das hat mich sehr verletzt, weil ich doch nichts für den Juckreiz kann und bereits sehr darunter leide. Sie meinte dann, der sei total unerotisch und wandte sich von mir ab.

Inzwischen hatten wir schon Streits, bei denen wir beide handgreiflich wurden. Wenn das Wort Trennung fällt, bekommen wir dann aber beide einen Schrecken und es gibt meist intensiven Versöhnungssex. Trotzdem ist das alles sehr kräftezehrend.