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Thema: Starke Minerwertigkeitsgefühle - das eigene Scheitern

  1. #1
    Neuling Avatar von Sonnenblume_81
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    Standard Starke Minerwertigkeitsgefühle - das eigene Scheitern

    Hallo zusammen,

    ich weiß nicht wirklich, wo ich mit meiner Geschichte anfangen soll. Es fällt mir schwer darüber zu reden und ich schäme mich dafür, dass ich allen die mir noch geblieben sind solchen Kummer bereite.
    Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich mich selbst unausstehlich finde. Ich will mir manchmal wehtun und sehe stets nur mein eigenes Scheitern – auf ganzer Linie. Ich versuche den Ursprung von allem zu finden und komme zu dem Schluss, dass ich schnell etwas gegen diese depressiven Gefühle unternehmen muss. Ich hoffe sehr, dass sich jemand die Zeit nimmt und mir vielleicht einen Rat mit auf den Weg geben kann.

    Mein Elternhaus ist ein sehr geborgenes und ich bin glücklich darüber. Eine normale Familie aus der Mittelschicht. Ich wurde so erzogen, empathisch durchs Leben zu gehen. Ich war fröhlich, witzig, clever und hatte sehr viele Freunde. Mein Selbstwertgefühl war nie besonders gut, aber ich fand mich früher ziemlich okay und hab mich normal entwickelt. Ich habe eine ältere Schwester, die an Depressionen leidet. Das hat schon früh angefangen und meine Eltern haben sich sehr um meine Schwester gekümmert. Ich war also das Kind, was klar kam, um das man sich nicht sorgen muss.
    Mit siebzehn hab ich meinen ersten Freund kennen gelernt. Aber, wie das in dem Alter wohl so ist, waren andere Mädchen auch interessant und er hat mich (sexuell) betrogen. Das war damals eine schlimme Erfahrung, aber heute denke ich, das Jungs in dem Alter nun einmal so sind. Ich hab meinem Freund verziehen (was blöd war) doch die „Beziehung“ endete nach zwei Jahren. Danach hat Jemand Bekanntes meine Gutmütigkeit ausgenutzt und mich einfach nur benutzt. Das waren bis dato meine Erfahrungen mit Männern.

    Dann traf ich ihn. Heute weiß ich, dass diese Beziehung krankhaft und falsch war. Damals habe ich gedacht, dass dieser Mann mich liebt und mit mir glücklich sein will... Er ist sieben Jahre älter als ich gewesen. Ich bin direkt nach einem halben Jahr mit ihm zusammen gezogen. Ich war 20 Jahre alt. Ich war flügge und wollte raus von zu Hause.

    Am Ende weiß ich, dass mein damaliger Freund wirklich krank ist und Hilfe braucht. Aber ich hab mich blenden lassen. Er brachte mir am Anfang Blumen. Er war aufmerksam, klug – er beeindruckte mich sehr. Zuerst fing er an meine Freunde zu vergraulen. (Später erfuhr ich z. B. , dass er von meinem Handy SMS an meine damals beste Freundin verschickte, sie solle sich aus meinem Leben raushalten, sonst gäbs' was aufs Maul...) Er sagte immer: wir sind so gut zusammen. Alle anderen sind nur neidisch auf uns und wollen uns auseinander bringen...Er hat mir gesagt, dass alles, was zu Hause passiert, niemanden etwas anzugehen hat. Und ich hielt mich daran. Ich redete nicht negativ von ihm. Nie. Ich sagte immer nur, wie toll er ist.
    Ich dachte damals, das sind Verlustängste. Beide Elternteile seinerseits waren Alkoholkrank gewesen und der Kontakt war abgebrochen. Ich erklärte mir sein Verhalten dadurch und entschuldigte innerlich so vieles was er zu mir sagte. Ich dachte: er hat es nie gelernt, er meint es nicht so, er liebt mich... Als er dann immer öfter grundlos Beschimpfungen gegen mich richtete, schob ich es auf seine Diabetis. Sie wurde am Anfang der Beziehung diagnostiziert. Ich dachte er fühlt sich unwohl in seiner Haut und ist unglücklich und unzufrieden. Zu dem Zeitpunkt hat er stark zugenommen und ca. 130 Kilo gewogen. Er war verbal sehr agressiv. Ich wollte nicht oberflächlich sein. Ich war mir sicher, ich liebte ihn und wollte alles gemeinsam mit ihm durchstehen...

    Das waren die Anfänge. Er hat es in kurzer Zeit geschafft mich zu isolieren und mein Selbstwertgefühl sehr klein zu halten. Wir hatten keinen wirklichen Freundeskreis. Selten trafen wir Bekannte. Ich hab studiert, er hat sich selbstständig gemacht. Ich habe ihn immer unterstützt, wie eine gute Frau es tut. Ich tat alles was er wollte. Ich war täglich einkaufen, hab täglich frisch gekocht, habe ihn als Sekretärin unterstützt (natürlich ohne Bezahlung). Als ich dann fertig studiert hatte und seine Selbstständigkeit ganz gut lief, wollte ich arbeiten gehen. Nichts war ihm gut genug. Er hat alles schlecht gemacht. Ständig redete er schlecht über andere. Auch über die Familie. Er beschimpfte mich, wenn es ihm passte... Ich sei dumm, ohne ihn würde ich unter einer Brücke schlafen usw. Es eskalierte, kurz nachdem wir geheiratet hatten. Ich dachte, dass alles besser wird, dass er mich liebt und sich ändert. Heute weiß ich, das man niemanden so verändert. Auch nicht mit Geduld und Liebe. Das Weinen hatte ich mir abgewöhnt. Ich lernte mich zu verstellen und sagte denen, die etwas mitbekamen, es seie nicht so schlimm. Für ihn war das anstrengend und ein Zeichen von Schwäche. Kurz nach der Hochzeit hab ich mir einen Job gesucht. Nichts besonderes, aber es war ein Job. Die Kollegen waren so anders zu mir. Alle waren nett, haben mich geschätzt und mein Selbstwertgefühl wuchs. Ich war nach zehn Stunden Arbeit immer noch bereit einzukaufen und frisch zu kochen. Er war so eifersüchtig auf alle meine positiven Erlebnisse, die ich ihm nach der Arbeit immer erzählte. Er sagte, ich solle aufhören da zu arbeiten, er beschimpfte mich nun täglich vorzugsweise als ****. Dabei habe ich ihm nie einen Anlass dazu gegeben. Ich wurde mutiger und sagte ihm: rede nicht so mit mir, ich bin deine Frau. Er wurde immer boshafter. Er kontrollierte mich nun noch mehr. Bis es an einem Abend völlig eskallierte. Er hat mir wehgetan und ich sagte ihm, dass ich zu meiner Schwester will. Er hat mich eingesperrt. Den Schlüssel weggenommen und das Telefon. Ich hatte Angst vor ihm. Er stand mit seiner Rasierklinge vor mir und sagte, schrei doch, dir wird sowieso niemand helfen. Ich weiß nicht warum, aber auf einmal war ich ganz ruhig. Ich hab ihn angelogen, dass ich ihn noch lieben würde und sich alles gibt. Nur um da raus zu kommen. Denn das war zu viel. Ich liebte ihn nicht mehr. Ich hab mein Handy geschnappt und meinen Papa angerufen. Er hat mit meinem Mann geredet und ihn überzeugt mich zu meiner Schwester gehen zu lassen. Als ich da war bin ich total zusammengebrochen und hab nur geheult. Mein Mann ließ nicht locker, er wollte mich sehen und abholen. Er versuchte alle zu überzeugen, ich seie nur gestresst... Ich blieb bei meiner Schwester. Er sagte, er nimmt sich das Leben, wenn ich nicht zurückkomme. Er hat noch einiges versucht, aber ich blieb stark. Zu meiner eigenen Verwunderung. Ich stellte mir eine Zukunft an seiner Seite vor, womöglich noch mit Kindern, die mich dann auch beschimpfen. Irgendwann hat er es akzeptiert und mir nicht mehr nachgestellt. Ich muss sagen, ich hatte an diesem Abend Todesangst und hatte sie danach auch noch vor ihm.

    Das alles ist nun zwei Jahre her. Ich war elf Jahre mit diesem Mann zusammen. Mittlerweile bin ich geschieden. Ich kann gar nicht alles aufzählen, was passiert ist, denn es ist so viel.
    Ich denke, dass mein momentaner Zustand damit zusammenhängt, dass er versuchte mich zu formen. Ich arbeite leider nicht mehr. Finde keinen neuen Job. Ich möchte so gerne arbeiten gehen. Mein Selbstwertgefühl ist im Keller. Ich bemühe mich, dass es bergauf geht. Doch scheitere ich immer wieder. Ich fange an mich selbst zu hassen, für das was ich bin.

    War jemand von euch schon einmal in einer Ähnlichen Situation? Was hat euch geholfen weiter zu machen? Wie konntet ihr wieder lachen? Ich habe mich erkundigt und Psychologen angerufen. Aber Termine gibt es erst in einem halben Jahr. Damals, kurz nach der Eskalation war ich bei der städtischen Krisenhilfe. Mir wurde zugehört und geholfen. Ich bekam Nummern vom weißen Ring und erste psychologische Hilfe. Das ist nun zwei Jahre her. Ich verstehe nicht, dass das jetzt alles aus mir herausbricht. Und ich möchte nicht meine neue Beziehung belasten, da ich nun endlich jemanden an meiner Seite habe, der unglaublich toll ist. So anders, so liebevoll. Ich kann manchmal gar nicht glauben, wie gut mein neuer Freund zu mir ist... Ich will das nicht kaputt machen. Bitte helft mir und gebt mir einen Rat, was ich tun kann. Wie kann ich an mir arbeiten?

    Vielen Dank, euch allen
    Es tut mir leid, dass ihr so viel lesen musstet. Aber, wenn es nur einer tut und mir weiterhelfen könnte, würde es mir die Welt bedeuten.

  2. #2
    Ringelblume
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    Liebe Sonnenblume,

    du bist sehr mutig deine Geschichte hier zu erzählen. Dass du einen Mann gefunden hast der dich liebt ist ein großer Schritt und zeigt dass du dich positiv verändert hast.

    Psychologen müssten mindestens einen Termin im Monat anbieten können, meine ich. Es müsste Beratungsstellen in deiner Nähe geben, mit denen du vorerst sprechen kannst, bis ein Therapeut dir einen Platz anbieten kann. ½ Jahr, das ist noch relativ überschaubar, bleib am Besten am Ball und warte ab. Vielleicht solltest du in eine psychosomatische Klinik gehen, frag am Besten deinen Hausarzt. Beratungsstellen können dir genauere weitere Hilfsangebote sagen, die es in deiner Nähe gibt.

    Dass du unter großem innerlichen Druck leidest kann ich gut nachvollziehen. Du bist sehr traumatisiert und möchtest deine neue Beziehung nicht belasten. Hast du ihm erzählt was dir dein Ex- Mann angetan hat? Er wird dich sicherlich unterstützen, wenn er erfährt aus welchen „Verhältnissen“ du es geschafft hast herauszufinden. Alle Achtung! Und du bist nicht zu ihm zurück gegangen, das wird er dir hoch anrechnen, da bin ich mir sicher.

    In akuten Krisen setzen wir alles dran um zu überleben. Da können wir gut funktionieren, genau planen was als nächstes zu tun ist. Deinen Ex z.B. anlügen, damit du von ihm wegkommst. Wir können unsere Aufmerksamkeit geziehlt einsetzen. Vielleicht können wir in der Situation vielleicht sogar gut oder einigermaßen gut schlafen, weil wir alle Kraft brauchen da herauszukommen. Es geht nur ums hier und jetzt, was danach ist, ist vorerst egal.

    Wenn wir heraus sind, es uns besser geht können wir uns von dem Stress erholen- eigentlich. Dann hat der Körper und unsere Psyche Zeit und Raum, alles was uns Angst bereitet hatte bricht aus uns heraus. Nachts träumen wir von diesen fürchterlichen Situationen. Eigentlich erholen wir uns in dieser Zeit, so verrückt es klingt, wir holen bzw. versuchen wir uns was zu holen. – Wenigstens im Nachhinein Unterstützung von anderen. Wir sind keine Computer, wir müssen und wollen letztendlich verstehen, was uns da widerfahren ist. – Eine sehr normale Reaktion- Ich hoffe es stimmt, was ich mir denke, ich bin keine Fachfrau, ich kann „nur“ in transformierter Form von mir sprechen.
    PTBS, habe ich heute gehört nach extrem belastenden Situationen, posttraumatische Belastungsstörung.

    Es wird dir wieder besser gehen, es dauert leider, vor allen Dingen brauchst du dringend Therapie um das alles besser verarbeiten zu können. Wenn du momentan keine Arbeitsstelle findest, soll es vielleicht jetzt nicht sein. Mir wurde damals geraten Wünsche auch mal nach oben zu schicken. – Der wird’s schon richten- Der richtige Zeitpunkt wird kommen. Vielleicht bist du im Moment nicht offen für neue Situationen, neue Menschen.
    Mache dich nicht für alles im Leben verantwortlich was dir widerfährt oder besser momentan nicht widerfährt. Hab Geduld mit dir, manchmal braucht es Zeit damit wieder Vieles ins Lot kommt.

    Dir ganz, ganz liebe Grüße!

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    Sonnenblume_81 (10.07.2014)

  4. #3
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    Liebe Sonnenblume,

    ich habe geweint, als ich Deine Geschichte las. Ich war 23 Jahre mit solche einem Mann verheiratet. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich erholt habe.
    Meine Therapie dazu: ich sass so oft es ging am Meer und habe die Wellen beobachtet. Wenn eine Welle kam, habe ich ihr immer etwas von der Vergangenheit mit auf
    dem Weg gegeben und sie ging. Irgendwann brauchte ich diese Art der Verarbeitung nicht mehr. Finde aber heute immer noch das "Wellenrauschen" sehr entspannend
    für die Nerven. Später habe ich noch eine Traumatherapie gemacht.

    Ich wünsche Dir alles Gute!
    lg AnJa21

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    Sonnenblume_81 (10.07.2014)

  6. #4
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    Liebe Ringelblume,

    ich danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast um alles zu lesen und mir eine Antwort schreibst. Ich nehme mir zu Herzen, was du sagst. Auch wenn du keine Fachfrau bist, schätze ich, dass du eine hohe emotionale Intelligenz besitzt, wenn du dich so in das Geschehen und in mich hineinversetzten kannst.

    Mich iritiert vorallem, dass meine Gefühle plötzlich so unkontrolliert aus mir herausbrechen. Ich habe gelernt alles zu unterdrücken und mir selbst einzureden, dass alles nicht so schlimm ist... das war es doch. Ich weine heute viel mehr. Aber, weinen ist ja auch gut. Gut wenn's rauskommt, denke ich... Du sagst, es wird mir besser gehen, aber es braucht Zeit. Ich denke, du hast recht. Es gibt mir Auftrieb, dass du an mich glaubst. Ich möchte gere wieder so unbeschwert sein... oder unbeschwerter. Das mit den Träumen stimmt. Anfangs konnte ich kaum schlafen. Heute träume ich oft schlecht. Sehr oft. Ich setzte mich halt gerne unter Druck, schätze ich. Mit sich selbst ist man kritischer als mit anderen und ich bin ein Mensch, der lieber gestern schon alles erledigt und hinter sich hat (ungeduldiger Widder).

    Vielen Dank für deine guten Ratschläge, liebe Ringelblume. Ich werde sie beherzigen. Du bist ein toller Mensch

  7. #5
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    Avatar von Sonnenblume_81
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    Liebe AnJa21,

    auch ich habe Tränen in den Augen, wenn ich höre, dass auch du diese Situationen kennst. 23 Jahre sind eine lange Zeit und ich bin sehr stolz auf dich, dass du auch den Absprung geschafft hast, bevor es dich zerstört. Ich weiß genau, wieviel Angst man hat und wieviel Kraft es kostet... Vielen Dank auch dir, dass du dir die Zeit genommen hast - für mich. Es macht mir Mut, dass du sagst, du bist nun erholt. Ich sehe einen Ausweg. Das ich mich irgendwann nicht mehr so schlecht fühle.

    Als ob du es wüsstest, ich liebe das Meer es ist nur leider zu weit weg.
    Danke für deine guten Ratschläge. Ich werde an mir arbeiten und habe nun einige Ansätze, wie ich das anstellen kann.

    Ich drück dich ganz feste!

  8. #6
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    Liebe Sonnenblume,

    ich freue mich, dass ich Dir auch ein bischen Mut machen kann. Du wirst es schaffen, nur ist jeder Mensch anders. Ich bin sehr sensibel, Du wirkst auch so auf mich, ich erinnere mich heute noch,
    wenn mir solche Menschen begegnen. Du solltest trotzdem immer aufpassen, auf Zeichen achten. Trotzdem ich heute weiss, auf welchen Typ von Mann ich nicht "abfahren darf", ziehe ich genau
    die an! Ich hatte in meiner Ehe das weinen verlernt, später flossen umso mehr die Tränen, aber auch Wut tut gut! Lass beides zu, umso besser wirst Du Dich fühlen!
    Ich habe mir angewöhnt, mich immer wieder zu fragen, (lebe heute in einer Partnerschaft, aber nicht verheirat), "Tut dieser Mann mir noch gut". Das würde ich Dir auch empfehlen.

    Danke für Deine Zeilen. Sei unbekannterweise auch ganz lieb umarmt!

    lg An Ja21

  9. #7
    Ringelblume
    Gast

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    Liebe Sonnenblume,

    ich kann mich gut in dich hineinversetzen auch wenn ich nicht so etwas erlebt habe. Eher das Gegenteil, war auch Horror.

    Ich war mit einen Mann über 6 Jahre zusammen, wobei er einmal/ Jahr eine Psychose bekam. Es ist fürchterlich wenn man abends nach Hause kommt und nicht weiß ob der Freund noch am Leben ist. Und noch schlimmer, wenn man sich verantwortlich für ihn fühlt - einen erwachsenen Mann.
    Ich bin da hineingerutscht, ich wusste am Anfang gar nichts, ich kannte keine Psychosen, hatte noch nie etwas davon gehört, zumindest konnte ich mir darunter nichts genaues vorstellen, wenn jemand für verrückt erklärt wurde hatte derjenige vielleicht verrückte, ungewöhnliche Ideen, aber auch nicht mehr.

    Man glaubt doch seinem Partner erst einmal- Als er mir Verfolgungsgeschichten erzählte, die damals momentan ablaufen sollten.
    Als er eines Morgens mit dem Messer vor mir stand und sagte, ich wolle ihm was Böses tun war es klar- zum Glück hatte mich eine Freundin am Abend zuvor gewarnt, dass er so etwas machen könnte und in dem Fall ruhig bleiben soll. Sie hatte Recht, er wollte mir nichts antun.

    Ich kam mit der Zeit langsam aus meiner „selbst auferlegten“ Verantwortung heraus. Habe nochmal das Gleiche an Zeit gebraucht, damit ich auf solche Männer nicht mehr abfahre. Ich schrieb das in „“ weil es schon ein Muster aus meiner Herkunftsfamilie war. Ich hatte Verantwortung als sehr kleines Mädchen für meine Mutter zu tragen, das erlernte Verhaltensmuster trug ich verständlicher Weise als Erwachsene mit mir.

    Ich war mit 20 psychisch sehr krank und habe sehr lange gebraucht, dass ich aus meinen Dingen herausgefunden hatte, auch nachdem ich mich von dem Mann getrennt hatte. Mir wurde immer gesagt, dass ich das schaffe, auch wenn ich es mir damals überhaupt nicht vorstellen konnte.

    Ich habe wirklich sehr viel Hilfe benötigt- Und ich fand es zwischendurch sch… dass ich dem Staat so viel Geld koste und kein ordentlich zahlendes Mitglied sein konnte- ohne dass ich einen Zeitraum abschätzen konnte.
    Ich kann daher auch einigermaßen sagen, was es an Hilfen in etwa gibt- weil ich alles durch habe- Ha, ha! Außer die Kliniken, vor denen hatte ich immer Panik- einige kannte ich von meinem Ex-, die reichten mir schon vom Anschauen. Homöopathie hatte mir sehr lange geholfen, gegen meine gesamten psychosomatischen Beschwerden.

    Vielen Dank, dass du gesagt hast ich sei ein toller Mensch!
    Wenn ich das im Gegensatz zu damals lese, was ich da über mich dachte!...

    Ich glaube nicht, dass man sich „gerne“ unter Druck setzt, auch das hat seine Geschichte.

    Wenn du schon mal eine Zeit in deinem Leben hattest, wo du unbeschwert warst, dann wirst du wieder eines Tages unbeschwerter sein können, daran glaube ich felsenfest bei dir! Und dass du sehr fleißig in allem bist, hast du eigentlich auch schon gesagt!

    Ich habe einen Spruch, der gab mir jahrelang Kraft, auch wenn ich ihn anfangs kaum verstand. Ich weiß nicht, ob du ihn kennst?

    Erlösung kommt von innen, nicht von außen
    Und wird erworben nur und nicht geschenkt,
    Sie ist die Kraft des Innern, die von draußen
    Rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.
    Was fürchtest du? Es kann dir nur begegnen,
    was dir gemäß und was dir dienlich ist.
    Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen,
    das dich gelehrt zu werden, was du bist.

    Ephides, Band VII

    Wie wahr, wie wahr!!

    Oder der Spruch von meiner Oma, kurz und bündig, der Jahrzehnte in ihrer Küche hing und den ich erst im Erwachsenen Alter verstand:

    Nimm dir Zeit und nicht das Leben!


    Sei ganz lieb umarmt auch von mir!

  10. #8
    Ringelblume
    Gast

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    Dazu wollte ich ja noch was schreiben, tut mir leid, das richtige Kopieren kapier ich hier nicht:

    Mich irritiert vor allem, dass meine Gefühle plötzlich so unkontrolliert aus mir herausbrechen

    Du hast Vieles noch nicht verarbeiten können, deshalb wäre Therapie wichtig. Unterdrücken ist nicht gut, klar man passt sich an, damit man seiner Umwelt keinen "Schaden" zufügt und man sich letztendlich selbst weh tut, wenn sich die anderen von einem zurückziehen.

    Verstehen wäre gut, verstehen was in dem Moment in einem selbst abläuft. Dazu muss man über die vielen Gefühle, vielen Situationen sprechen können, die in einem drin stecken, über die man nicht sprechen konnte, die aber weiterhin belasten. Es passieren immer wieder Flashbacks (Trigger) oder wie man sie nennt. Ohne dass sie ins Bewusstsein treten versteht man Dinge, die früher gewesen sind.
    Man versteht z.B. einen Satz von jmd. als Drohung, dabei ist sie in keinster Weise von demjenigen als Drohung gedacht. "Nur" man versteht es leider so, weil vielleicht genau der gleiche Satz z.B. von jemandem früher mit einem ironischen, abfälligen Grinsen im Gesicht gesagt wurde.
    Oder man fühlt sich "einfach" schuldig momentan für seine Situation. Plötzlich empfindet man alles was jemand sagt als Anschuldigung. Am nächsten Tag scheint die Sonne, es ist wärmer, der innerer Druck ist nicht ganz so stark und man versteht nichts oder weniger von anderen als Schuldzuweisung.

    Ich könnte mir vorstellen, dass du durch die Vergangenheit sehr unter innerem Druck stehst- habe ich schon geschrieben-
    Deshalb vielleicht die plötzlichen Gefühlsausbrüche. Das sind nun mal Symptome, dafür sollte man sich nicht schuldig fühlen.

    Liebe Grüße!

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