Ergebnis 1 bis 5 von 5

Thema: Trauma und das Gefühl diese Welt wäre nicht mehr real

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    19.01.2020
    Beiträge
    16
    Danke
    0
    1 Danke in einem Post erhalten.

    Standard Trauma und das Gefühl diese Welt wäre nicht mehr real

    Hallo...
    Vor genau einem Monat ist meine Oma schwerst gefallen, man geht von einem Hirnaneurysma aus. Ich hab sie vor unserer Tür (meine Oma wohnt gegenüber von mir und meiner Familie) bewusstlos, blutend und krampfend aufgefunden. Das Bild verfolgt mich seitdem, auch der metallige Geruch des Blutes, der an meiner Hand klebte, weil ich sie in die stabile Seitenlage gelegt hatte und ihren Kopf auf ein Kissen gelegt habe.
    Meine Eltern waren zu dem Zeitpunkt nicht zuhause.
    Am Anfang hatte man noch Hoffnungen. Nun heißt es, dass sie wahrscheinlich nächste Woche sterben wird, da sie zu wenig Nahrung ect zu sich nimmt und keine Magensonde haben wollte. Sie ist nicht ansprechbar, aber ich bin fest davon überzeugt dass sie unsere Stimmen erkennt und hören kann.
    Das alles geschah so plötzlich, ich habe seitdem das Gefühl ich befände mich in einem Traum, oder einer alternativen Zeitzone, nicht der realen Welt. Das fühlt sich nicht real an was passiert. Ich habe das Gefühl Verrückt zu werden, mir fällt es schwer zu weinen. Ich kann zwar weinen, aber puhhh das braucht Ewigkeiten. Ich starre vor mir hin und bin abwesend, mir fällt es schwer Emotionen zu zeigen, lächeln ist zudem ziemlich anstrengend geworden. Ich bin müde, obwohl ich genug schlafe, auch wenn ich in der Nacht mal eine Panikattacke bekomme oder Albträume habe. Ich könnt den ganzen Tag schlafen. Großen Hunger hab ich nicht, bin deswegen auch wieder im Untergewicht gelandet (1,70m mit 51kg, davor immer so 54kg) und mir ist schwindelig.
    Ja also keine Ahnung was ich hiermit erreichen wollte, aber ich wollt das mal loswerden. Ich fühle mich selbst komplett wie ein anderer Mensch, total verändert. Auch wenn man es mir von außen nicht ansehen mag...

  2. #2
    Neuling
    Registriert seit
    28.06.2020
    Ort
    Im Norden
    Beiträge
    17
    Danke
    0
    7 mal in 5 Beiträgen bedankt

    Standard

    So ein Erlebnis schüttelt man nicht einfach ab. Noch Jahre danach können Dir Ärzte von ihrem ersten Schwerkranken, Polizisten von ihrem ersten mißbrauchten Kind, Anwälte von der ersten geprügelten Ehefrau erzählen. Das brennt sich ein. Irgendwann gewöhnt man sich als "Profi" daran, oft hilft es, mit Kollegen darüber zu sprechen, und oft wirkt der Ton dann für Außenstehende ziemlich deplatziert.
    Du bist noch beim ersten Mal und dann bei einer geliebten Person - würdest Du einfach weiter machen wie bisher käme ich wohl ins Grübeln über deinen Geisteszustand. Einen ersten Schritt hast Du schon gemacht: du redest über deine Gefühle (siehe Profis). Und als ziemlich nüchterner Mensch will ich noch auf etwas hinweisen: Oma heißt, dass die Dame schon ein längeres, hoffentlich gutes Leben hinter sich hat. Und genau für den Fall, der jetzt eingetreten ist, hat sie offenbar vorgesorgt. Sie wollte keine Magensonde mit künstlicher Ernährung. Was jetzt passiert, ist ihr Wille, so schwer das auch für andere sein mag.

    Ohren steif halten
    Bombadil

  3. #3
    Schreibkraft Avatar von Cailynn
    Registriert seit
    27.10.2019
    Beiträge
    187
    Danke
    249
    286 mal in 133 Beiträgen bedankt

    Standard

    Du wirst nicht verrückt, SapphireWing. Gib dir Zeit das alles zu verarbeiten. Es ist noch nicht lange her und jeder Mensch reagiert auf solch ein Erlebnis anders. Das, was du da erlebst, ist eine Schutzreaktion deiner Psyche. Eigentlich sehr schlau gemacht von der Natur. Menschen, die ähnliches erlebt haben, kennen das auch. Es ist ja auch ein Schock wenn man einen geliebten Menschen so vorfindet und erst Mal völlig allein mit der Situation ist, bevor weitere Hilfe eintrifft.
    Da hilft nur Zeit. Gönne dir Zeit und Ruhe um das zu realisieren, zu verarbeiten. Sei geduldig mit dir und tue, was immer dir gut tut. Wenn es dir hilft dann sprich ganz viel darüber.
    Eine Mitschülerin von mir hat auch mal auf dem Schulflur gekrampft und ich stand hilflos und ratlos daneben. Und als meine Oma 2016 starb, es war das erste Mal das ich einen Toten Menschen gesehen habe, hat mich der Anblick auch in meinen Träumen verfolgt und ich habe viel Aufarbeitung gebraucht.
    All das, was du gerade erlebst ist eine natürliche und normale Reaktion auf eine extreme Belastung. Wenn du das Gefühl hast damit nicht mehr alleine klar zu kommen würde ich mich nach professioneller Hilfe umschauen. Sei da etwas wachsam mit dir.

    Alles Liebe, lg Cailynn

  4. #4
    Neuling
    Themenstarter

    Registriert seit
    19.01.2020
    Beiträge
    16
    Danke
    0
    1 Danke in einem Post erhalten.

    Standard

    Danke für eure Worte!
    Sie ist heute früh verstorben.
    Ich hatte in der Nacht schon 2 Albträume, aus denen ich aufgewacht bin. Da war die ganze Zeit dieses Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, und ich konnte mir schon denken, was die Träume bedeuten (ja ich glaube an so etwas). Jedenfalls kam meine Mama heute früh in mein Zimmer und hat mir gesagt, dass meine Oma heute Nacht eingeschlafen ist.
    Nun, ich fühl mich jetzt etwas wie ein Alien, ich würde ja gerne weinen oder Trauer empfinden. Aber da ist nur dieses Gefühl von Taubheit und Leere in mir drin.
    Es ist eigentlich nicht meine Art, so zu reagieren, wenn jemand dem ich sehr nahe stand, verstirbt. Deswegen verwirrt mich das etwas..

  5. #5
    Neuling
    Registriert seit
    07.07.2020
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo SapphireWing, ich kenne mich (leider, aus eigener Erfahrung) mit dem Thema Trauer aus. Es ist völlig normal, wenn Du Dich leer fühlst und nicht weinen oder die „typische“ Trauer empfinden kannst, verwirrt bist und Albträume hast. Im Film brechen die Leute sofort in Tränen aus, trauern zwei Wochen, und dann geht das Leben weiter – das ist ein Klischee und von der Realität weit entfernt.

    Trauer braucht Zeit und entwickelt und verändert sich auf völlig unvorhersehbare Weise. Mich selbst hat die „typische“ Trauer manchmal erst nach über einem Jahr überrollt. Alles, was Du empfindest ist gut und richtig, auch wenn Du zeitweise nicht das empfindest, was man landläufig unter „Trauer“ versteht! Auch Verwirrung gehört dazu: Nicht mehr zu sein ist für uns Menschen unvorstellbar. Hinterbliebene sind in der „unmöglichen“ Situation, wo jemand nicht mehr auf der Welt ist, sie selbst aber immer noch, und es kann eine ganze Weile dauern, um wirklich zu verstehen, was das bedeutet, und wie das eigene Leben angesichts dessen weitergehen kann. So gesehen ist das Alien-Gefühl passend für Deine Situation (ich kenne es auch sehr gut).

    Das Wichtigste ist, dass Du zulässt und annimmst, was von alleine in Dir hochkommt, und auch zulässt, wenn Du gerade nichts zu empfinden scheinst und verwirrt bist. Wichtig ist auch, über Deine Gedanken und Empfindungen zu sprechen, am besten mit den anderen Hinterbliebenen wie Deiner Familie.

Ähnliche Themen

  1. Ich verstehe diese Generation/Welt nicht mehr
    Von Anonymous06 im Forum Depression
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 22.10.2019, 11:41
  2. Was wäre, wenn unsere Welt morgen nicht mehr die Gleiche ist?
    Von moehin alias: italienerin, Penner, Püppsie, chanelle , Werwolf, Lady lux, halbes Hähnchen , im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 35
    Letzter Beitrag: 16.03.2016, 19:23
  3. Das Gefühl nicht in diese Welt zu gehören
    Von Gelsenkirchen1995 im Forum Ängste
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 17.11.2015, 22:51
  4. Diese Welt ist nicht meine..
    Von Knox im Forum Depression
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 18.04.2012, 10:55

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •