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Thema: Warum erkläre und rechtfertige ich jeden Piepapo?

  1. #1
    Neuling
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    Frage Warum erkläre und rechtfertige ich jeden Piepapo?

    Hallo Forum.

    Ich bin männlich, 38 und arbeite nach meinem Studium freiberuflich als Grafiker. Läuft auch recht gut, ich habe mit vielen unterschiedlichen Leuten zu tun, von arm bis reich von unbekannt bis prominent. In meinem Berufs- und Privatleben tut sich mir (schon länger, vielleicht schon immer) ein Problem auf: Ich rechtfertige immer alles was ich tue, entscheide, wünsche, erbitte, bestimme, befehle, tue, plane, getan habe.

    Ich neige wirklich dazu, jeden Furz zu erklären und zu rechtfertigen. Beispiel eben: Ich rief einen Bekannten an, dieser hatte gerade keine Zeit, ob er zurückrufen könne. Ich sagte ja, aber bitte erst ab 19.30 Uhr, WEIL ...

    Auch in Geschäften, banale Situationen: Ich sage zur Kassiererin: "Können Sie mir bitte dieses Kleingeld wechseln, WEIL oder DAMIT ICH ..."
    Ganz ehrlich: Das geht doch niemanden was an, WARUM ich um erst ab 19.30 Uhr zurückgerufen werden will, oder warum ich das Kleingeld gewechselt haben will.
    Ich fühle mich dabei so schwach und hilflos wenn ich was erkläre ... ich komme mir dabei auch "zu nett" vor. Ineffizient. Zu redselig und zu vertrauensselig.

    Ich sage auch meist nie: "Ich habe dann und dann schon einen Termin, sondern ich nenne konkret die Details des Termins oder des Verhinderungsgrundes".

    Oft begründe ich Dinge vor Leuten, vor denen ich gar nichts begründen müsste, weil sie "rangniedriger" oder mir "untergeben" sind.
    Beispielsweise in der Autowerkstatt: ICH bin der Kunde, ICH muss gar nichts erklären oder rechtfertigen, wenn ich bspw. das Auto dann und dann nicht vorbeibringen kann. Die Autowerkstatt muss sich nach mir "richten" (mehr oder weniger), weil ICH der KUNDE bin.

    Oder beispielsweise habe ich ein Dame, die zweimal in der Woche mein Büro in der Innenstadt putzt. Ich wollte, dass sie ein paar Dinge anders macht, aber statt einfach zu sagen: Liebe Frau Maier, bitte vergessen Sie freundlicherweise nicht, den Monitor abzustauben, sage ich: "Liebe Frau Meier, bitte vergessen Sie freundlicherweise nicht den Monitor abzustauben, WEIL der Staub sonst reflektiert und WEIL ich dann nicht richtig gucken kann und DAMIT ich besser sehen kann ..."

    Ich persönlich will gar nicht soviel von mir preisgeben. Ich will auch nicht wegen jedem Furz so ein Fass aufmachen. Ich wäre gerne bestimmter, eigentlich (so dachte ich immer) habe ich auch kein Problem damit, bestimmt aufzutreten. So hätte ich beispielsweise in einem Restaurant oder Geschäft kein Problem damit, etwas energisch zu bemängeln, den Service oder so.

    Ich würde gerne sagen: "Bitte ruf mich erst ab 19.30 Uhr zurück. PUNKT". Oder: "Frau Meier, wischen bitte auch den Monitor ab. PUNKT".

    Aber nein ... ich ende mit Begründungen und Rechtfertigungen und Erklärungen, WEIL ... DAMIT ... ... es ist schon ein Automatismus bei mir, eine Angewohnheit, ich merke das gar nicht mehr!

    Ein anderes Beispiel - an der Käsetheke: "Ich hätte gerne 200g Gouda, 200g Emmentaler und was von dem Gorgonzala, aber bitte nur 50g WEIL ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn überhaupt mag".
    Oder im Taxi: "Lassen Sie mich bitte schon hier raus, WEIL ich noch schnell gucken will, ob der Friseur noch auf hat."

    Oder es sind sogar lange, komplexe Begründungen:
    Im Taxi (ein wenig übertrieben): "Lassen Sie mich bitte schon hier raus, WEIL ich noch schnell gucken will, ob der Friseur noch auf hat. Ich habe es letzte Woche nicht mehr zum Friseur geschaft und nächste Woche muss ich auf eine Taufe, und das Haar ist recht lang, mein Haar wächst immer sehr schnell, weil das wohl genetisch bedingt ist".

    Manchmal begründe ich meine Begründungen und erkläre meine Erklärungen.

    Bin ich zu freundlich? Bin ich zu schwach? Traue ich meinen eigenen Statements und Anweisungen nicht? Will ich Bestätigung, dass ich das Richtige tue? Habe ich Angst, dass die Leute was komisches von mir denken, wenn ich nur 50g Gorgonzola will? Habe ich Angst, die Leute unfreudlich zu behandeln?
    Geändert von Hirnfreund (01.02.2020 um 17:57 Uhr)

  2. #2
    Neuling
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    Hallo Hirnfreund,

    zuerst möchte ich gern sagen, daß ich es – unter der Voraussetzung, daß kein Problem oder Unwohlsein dahinter steckt – sehr schön finde, wenn etwas begründet wird. Was soll daran falsch sein, dem anderen auch mal ein Wort zu gönnen.

    Ich finde es schön, wenn wir nicht alles kurz abhandeln und uns nur auf das nötigste beschränken. Was ist dabei, wenn die Verkäuferin an der Käsetheke etwas über meine Vorlieben und Abneigungen von Käse erfährt?

    Das ist also die eine Seite und da finde ich Dein Verhalten eher sympathisch.

    Dann schreibst Du, daß Du kein Problem hättest in einem Geschäft etwas energisch zu bemänteln.

    Du fragst Dich aber auch, ob Du zu freundlich oder zu schwach bist und hast Angst, daß die Leute Dein Verhalten komisch finden könnten. Das sehe ich als eigentliches Thema an.

    Bist Du dafür kritisiert worden? Werfen Dir ständig andere vor, Du würdest Dich rechtfertigen, obwohl es für Dich in bestimmten Fällen nur eine Frage des guten Miteinanders ist? Werden manche Leute ungeduldig, weil Du in ihren Augen drei Sekunden zu lange geredet hast?

    Oder fühlst Du Dich in den Momenten, in denen Du eine Erklärung abgibst, innerlich unsicher? Gibst Du eine Erklärung ab, um eine innere Unsicherheit zu überdecken? Das wäre für mich selbst der entscheidende Punkt.

    Schönen Abend
    Farideh

  3. #3
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    Ich war gestern auch in einer Situation (Email an einen Kollegen/Teammitglied) in der mir bewusst wurde, dass ich mich gerade rechtfertige, warum ich eine bestimmte Aufgabe zeitlich verschieben muss bzw. ich nicht bereit war, (weitere) Überstunden an dem Tag zu machen ....ich war eh schon zwei Stunden länger da als normal.

    Mir ist bewusst, dass ich....hm....irgendwie gut dastehen will....nicht möchte, dass er denkt, dass ich eventuell etwas auf seine Schultern laden will....oder er schlecht über mich denkt.

    Ich habe mich dann doch entschieden, mich kurz zu erklären. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass es mir z. T. nicht wurscht ist, wie andere über mich denken und ich mein Verhalten dahingehend (etwas) anpasse.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mirjam für den sinnvollen Beitrag:

    Mona-Lisa (03.02.2020)

  5. #4
    Neuling
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    Hallo "Hirnfreund",

    An der Käsetheke, auch beim Taxi macht es durchaus Sinn.

    Sonst könnte der Taxifahrer zum Beispiel weiterfahren, nachdem Du ausgestiegen bist.

    Wenn der Mitarbeiter (m/w/d) an der Käsetheke freundlich gewesen wäre, hättest Du vielleicht ein wenig probieren können. Oder Du hättest selbst den Wunsch eines Probestücks nennen können. WEIL Du den Geschmack herausfinden magst.


    Auch, wie Du schreibst, Mitarbeiter die "unter Dir" sind, werden es vielleicht auch zu schätzen wissen, dass sie etwas mehr an Transparenz erfahren dürfen.
    Denn mit Begründung klingen bitten auch weicher... also freundlicher.

    Aber ja, offenbar ist es eher das Problem, Dass Du Dein Verhalten nicht steuern kannst.

    Das kann mehrere Ursachen haben
    - Überarbeitung
    (Du agierst, reagierst nur noch. Ohne zu überlegen, was Du machst. Ganz automatisch)

    - Unsicherheit
    (Verständnis suchen.... kann ein Grune sein. Aus der Angst vor einem "Nein".)

    - Erfahrungen
    (vielleicht hast Du Dich in der Vergangenheit massiv erklären müssen.
    Oder Du hast in der Vergangenheit Dich ganz oft unverstanden gefühlt...... sodass Du in diesem Moment gar nicht "Vorgesetzter" (als Beispiel) bist, sondern 'das Kind', was Du einst gewesen bist und noch immer auf Verständnis hofft. Vielleicht auch Angst vor Konflikte hat - was ein guter Maßstab ist, um die These zu überprüfen. Also je mehr Konflikte Du meidest, desto mehr wird dieser Punkt Dein Problem sein.)

    - soziale Komponente
    (Das heißt, je kommunikativer Du bist, desto mehr wirst Du auch erzählen.... "offen sein".)


    Hm....
    Vielleicht im Bekanntenkreis üben.
    Oder einen "Arbeitscoach" hinzuziehen.

    Vielleicht auch achtsam reden.
    Das heißt, dass Du bei jedem Punkt tatsächlich eine kleine Pause machst, um diesen Punkt wahrzunehmen.
    Es gibt gewiss verschiedene Techniken. Und ob die "Punkt-Technik" geeignet ist.... die habe ich mir gerade ausgedacht....

    Ja, vielleicht stecken auch ganz andere Gründe dahinter.....
    Um geeignete Möglichkeiten zu finden, wird es aber den Grund brauchen.

    Und offenbar ist es ein Problem, weil sonst würdest Du nicht darüber schreiben....

  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei teusler für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (02.02.2020),Mona-Lisa (03.02.2020)

  7. #5
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    Ich kenne / kannte das nur zu gut.

    Bei mir kommt es aus der Kindheit. Mir wurde nie etwas erklärt (also in dem Sinne, wenn es zB Verbot e, Anweisungen etc gab). Ich hab vieles einfach nicht verstanden u nachgefragt. Antwort war meist: Keine Diskussion, wenn ich das sage, ist das so.
    Nichts fand ich schlimmer damals, als die Gründe zu verstehen.

    Weil ich es so gehasst habe, hab ichs zukünftig anders gemacht.
    Ob mit Jugendlichen in der Arbeit, mit meiner Tochter, mit Freunden.
    Es gibt ne Begründung für mein Handeln (wenns komisch erscheint), ansonsten lasse ich es weg.

    War aber auch ein Lernprozess, das da auszuschalten, wo es nicht hingehört.

    Wenn ich das merke, schalte ich kurz die Bremse ein und fahre zurück.

  8. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Else08/15 für den sinnvollen Beitrag:

    AnnDe (03.02.2020),Blase (02.02.2020),Mirjam (01.02.2020)

  9. #6
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    Ich frag´mich auch manchmal, warum ich das mache, aber was Du Else schreibst, ergibt für mich einen Sinn, dieses Andere nicht im Unklaren zu lassen aufgrund anderer früherer Erfahrung und es besser machen zu wollen. Je näher mir jemand ist, desto mehr. Ist bei mir schon fast eine Art Zwang, ist aber, wenn einseitig, gar nicht gut.

    @hirnfreund: vielleicht kommst Du näher an Deine dahinter liegenden Beweggründe, wenn Du versuchst, es zu unterlass? Oft entsteht durch das Unterlassen von Gewohntem ein Gefühl oder Leere oder ein Gedanke.

    Ich find´s übrigens auch sympathisch, wenn Menschen nicht gar so kurz angebunden sind und es ist doch auch manchmal ein guter Einstieg in ein Gespräch, finde ich.

    Alles Gute
    Mona-Lisa
    Man muß mit Allem rechnen, sogar mit dem Schönen!
    Es gibt tausend Gründe, alles beim Alten zu belassen, aber nur einen, etwas zu ändern, Du hältst es einfach nicht mehr aus!

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mona-Lisa für den sinnvollen Beitrag:

    AnnDe (03.02.2020)

  11. #7
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    Ich finde es auch nicht unsympathisch u auch kein Grund von Unsicherheit o Schwäche.

    Was spricht dagegen, einem Kind zu sagen, dass man sich sorgt o einer Reinigungskraft, warum man den Bildschirm sauber haben will?

    Die Frage ist wohl eher wieder das Maß.

    Warum fühlt man sich verpflichtet, obwohl nicht gefordert u auch niemanden interessiert?

    Und da denke ich oft: einfach mal zurück rudern, nachdenken.Der ganze Schmonz interessiert keinen Menschen

  12. #8
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    Lieber Hirnfreund
    so wie Du dich verhälst bist mir wesendlich angenehmer, als mit dem Verhalten was Du anstrebst.

    Würdest Du mir gegenüber das von dir angestrebte Verhalten zeigen, würde ich den Kontakt zu dir meiden oder auf das aller notwendigste beschränken.
    Freiwillig würde ich kein Wort mit dir wechseln
    und als Pat. dich am liebsten von hinten sehen.
    Grüße
    Beinwell

    (Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.)

  13. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Beinwell für den sinnvollen Beitrag:

    Mona-Lisa (03.02.2020)

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