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Thema: Was benötigt ein Therapeut für eine richtige Diagnose?

  1. #1
    Fenchelstaub
    Gast

    Standard Was benötigt ein Therapeut für eine richtige Diagnose?

    Meine Frage ist, wie lange benötigt ein Therapeut für eine richtige Diagnose und was benötigt er dafür?


    Und dann gibt es ja noch unterschiedliche arten von Gesprächsformen. Entweder nur das zuhören und eventuell mit peinliche stille da zwischen oder mit vielen Fragen.


    Wie sieht es dann aus, wenn ein Therapeut wenig Fragen stellt und eher darauf hofft der Klient erzählt ihm alles, kann so überhaupt eine Diagnose gestellt werden?


    Erzählt ihr alles euren Therapeuten? Oder habt ihr Schamgrenzen und könnt es nicht von euch aus? Wäre es leichter wenn der Therapeut dann einfach die Richtigen Fragen stellt?

    Wenn man über sein Leben erzählt, wie wichtig ist der ganze Lebenslauf. Die Kindheit scheint ja recht wichtig zu sein, wie sieht es denn mit der Jugendzeit aus, oder die Zeit als junger Erwachsener, ist die auch wichtig?

  2. #2
    Verleger Avatar von Mirjam
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    Standard

    Mh....bei mir gab es meiner Ansicht nach nichts zu deuteln, was meine Diagnose betrifft....zudem ist es meiner Ansicht nach eine Momentaufnahme. Mir ist die “Schublade“ vergleichsweise egal -Hauptsache die Therapie bringt mich weiter.

    Mir selbst fällt das Reden nicht schwer - Geheimnisse habe ich gegenüber meinem Therapeuten nicht.

  3. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei Mirjam für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (23.01.2020),Sokige (22.01.2020)

  4. #3
    Schreibkraft Avatar von Abyssos
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    Zitat Zitat von Fenchelstaub Beitrag anzeigen
    Meine Frage ist, wie lange benötigt ein Therapeut für eine richtige Diagnose und was benötigt er dafür?
    Vorgehensweise und was der, der diagnostiziert, benötigt:
    Anamnesegespräche, Interviews, teils auch Fremdanamnese-Gespräche (mit Eltern oder nahen Bezugspersonen aus der Kindheit).
    Fragebögen.
    Beobachtungen.
    Manchmal auch IQ-Tests.
    Meistens werden auch körperliche Erkrankungen ausgeschlossen, deshalb: Blutbild, EEG, EKG, mitunter MRT usw.
    Unterlagen von Vorerkrankungen oder vorherigen psychologischen Untersuchungen, Behandlungen etc.
    Diagnosebriefe.

    Wie sieht es dann aus, wenn ein Therapeut wenig Fragen stellt und eher darauf hofft der Klient erzählt ihm alles, kann so überhaupt eine Diagnose gestellt werden?
    Hört sich eher nach Gesprächspsychotherapie an und nicht nach einem Diagnoseverfahren. Diagnoseverfahren sind sehr umfassend (siehe oben zur Vorgehensweise). Immer, wenn bei mir irgendwas diagnostisch abgeklärt wurde, habe ich zig Fragebögen ausgefüllt und zig Fragestunden durchlebt. Manchmal auch Tests am PC usw.

    Erzählt ihr alles euren Therapeuten? Oder habt ihr Schamgrenzen und könnt es nicht von euch aus?
    Unterschiedlich.
    Ich gebe das preis, was nicht dazu führt, dass ich zwangseingewiesen werde, das ist eine meiner Prinzipien.
    Früher habe ich Therapeuten wenig bis gar nichts erzählt. Zu viel Skepsis, kein Interesse, war mir zu blöd. Dann haben die mich gerne an Fragebögen an PCs gesetzt und dann habe ich ihnen das angeklickt, was ich gerade für eine Verdachtsdiagnose anstrebte.

    Wäre es leichter wenn der Therapeut dann einfach die Richtigen Fragen stellt?
    In einem Diagnoseverfahren werden meistens sehr konkret Fragen gestellt.
    Wenn Du zum Beispiel dahin gehst, weil Du selbst denkst, depressiv zu sein, dann wird eine Frage wahrscheinlich fallen: "Warum denken Sie, depressiv zu sein?" Und dann, wenn sie halbwegs gut sind oder professionell, werden die Leute da Sorge tragen, Differentialdiagnosen auszuschließen bzw. zu schauen, welche Komorbiditäten noch vorliegen (Zusatzerkrankungen, die sekundär sind).

    Wenn man über sein Leben erzählt, wie wichtig ist der ganze Lebenslauf. Die Kindheit scheint ja recht wichtig zu sein, wie sieht es denn mit der Jugendzeit aus, oder die Zeit als junger Erwachsener, ist die auch wichtig?
    Bei einem Diagnoseverfahren habe ich Kindheit/Jugendzeit etc. immer als wichtig erlebt. In der letzten psychiatrischen Ambulanz, in der ich war, hat man sich ein umfassendes Bild von meiner Kindheit, meiner Jugend, meiner frühen Erwachsenenzeit und meinem aktuellen Leben gemacht. Da ich das schon kenne, habe ich mich darauf vorbereitet.

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Abyssos für den sinnvollen Beitrag:


  6. #4
    Fenchelstaub
    Gast

    Standard

    Lieben Dank Abyssos

    Du hast mir sehr weitergeholfen mit deinen Antworten, jetzt verstehe ich das ganze viel besser und auch die Unterschiede.

    Dann mache ich tatsächlich einfach nur Gesprächstherapie, also kann gar keine Diagnose gestellt werden.

    Ich hatte mal vor ein Paar Jahren einen Termin bei einem Psychiater, da musste ich einige Fragen beantworten, auch ein paar Papierbögen ausfüllen, es gab von seiner Seite aus schon einiges da zu, wie er das sieht, ich wusste nicht dass, das ein Diagnosetest war, er gab auch eine Diagnose, ich war insgesamt ein paar Stunden dort, ich wunderte mich auch danach, warum er in so kurzer Zeit eine Diagnose Stellen konnte und mein Therapeut kann es nicht, weil das also wohl ein Diagnosetest war.

    Wenn ich fragen darf, was gibt es denn alles für Therapieformen? Und was kann ein Psychiater der auch Psychotherapeut ist, welche Fähigkeit hat so eine Person?

  7. #5
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    Zitat Zitat von Abyssos Beitrag anzeigen
    Vorgehensweise und was der, der diagnostiziert, benötigt:
    Anamnesegespräche, Interviews, teils auch Fremdanamnese-Gespräche (mit Eltern oder nahen Bezugspersonen aus der Kindheit).
    Fragebögen.
    Beobachtungen.
    Manchmal auch IQ-Tests.
    Meistens werden auch körperliche Erkrankungen ausgeschlossen, deshalb: Blutbild, EEG, EKG, mitunter MRT usw.
    Unterlagen von Vorerkrankungen oder vorherigen psychologischen Untersuchungen, Behandlungen etc.
    Diagnosebriefe.
    Nein, das ist abhängig von Psychotherapiemethode.
    Z.B. Klassisch Analytisch ausgebildete Psychotherapeuten lassen von Angang an viel erzählen und stellen nur wenige Fragen. Und sie beobachten die Pat. bereits vor der Begrüßung. Das reicht ihnen vollkommen zur Diagnosestellung.



    Hört sich eher nach Gesprächspsychotherapie an und nicht nach einem Diagnoseverfahren. Diagnoseverfahren sind sehr umfassend (siehe oben zur Vorgehensweise). Immer, wenn bei mir irgendwas diagnostisch abgeklärt wurde, habe ich zig Fragebögen ausgefüllt und zig Fragestunden durchlebt. Manchmal auch Tests am PC usw.
    Gesprächspsychotherapien werden offiziell garnicht von den gesetzlichen KK finanziert. Für mich liest sich das bei der TE eher nach einer TfP, tiefenpsychlogisch fundierten Psychotherapie.

    Und Du machst Verhaltenstherapie.


    Unterschiedlich.
    Ich gebe das preis, was nicht dazu führt, dass ich zwangseingewiesen werde, das ist eine meiner Prinzipien.
    Ich habe bewust das thematisiert was mir Schwierigkeiten in Leben bereitet hat.




    In einem Diagnoseverfahren werden meistens sehr konkret Fragen gestellt.
    Wenn Du zum Beispiel dahin gehst, weil Du selbst denkst, depressiv zu sein, dann wird eine Frage wahrscheinlich fallen: "Warum denken Sie, depressiv zu sein?" Und dann, wenn sie halbwegs gut sind oder professionell, werden die Leute da Sorge tragen, Differentialdiagnosen auszuschließen bzw. zu schauen, welche Komorbiditäten noch vorliegen (Zusatzerkrankungen, die sekundär sind).
    S.o., ist abhängig von der Methode.
    Grüße
    Beinwell

    (Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.)

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  9. #6
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    Zitat Zitat von Fenchelstaub Beitrag anzeigen

    Dann mache ich tatsächlich einfach nur Gesprächstherapie, also kann gar keine Diagnose gestellt werden.
    Wenn Du in Deutschland lebst und die KK deine Psychotherapie bezahlt, ist es mit Sicherheit keine Gesprächspsychotherapie.
    Vielleicht solltest du mal deinen Psychotherapeuten nach der Methode fragen, oder aber auf dem Kostenübernahmebescheid der KK nachschauen.
    Und wenn die KK die Kosten übernimmt, hast Du selbstverständlich eine Diagnose gestellt bekommen.

    Ich hatte mal vor ein Paar Jahren einen Termin bei einem Psychiater, da musste ich einige Fragen beantworten, auch ein paar Papierbögen ausfüllen, es gab von seiner Seite aus schon einiges da zu, wie er das sieht, ich wusste nicht dass, das ein Diagnosetest war, er gab auch eine Diagnose, ich war insgesamt ein paar Stunden dort, ich wunderte mich auch danach, warum er in so kurzer Zeit eine Diagnose Stellen konnte und mein Therapeut kann es nicht, weil das also wohl ein Diagnosetest war.
    Mindestens eine Verdachtsdiagnose bekommst Du bereits beim ersten Termin, auch wenn dieser nur 5 Min. gedauert hat. Ohne Diagnose keine Abrechung mit der KK.

    Wenn ich fragen darf, was gibt es denn alles für Therapieformen? Und was kann ein Psychiater der auch Psychotherapeut ist, welche Fähigkeit hat so eine Person?
    Therapiemethoden gibt es Tausende. Psychotherapiemthoden allein schon ca. 400.
    Aber von den Psychotherapiemethoden werden nur AT, TfP, VT von den KK in Deutschalnd übernommen!

    Schau mal hier: www.therapie.de
    Geändert von Beinwell (22.01.2020 um 22:51 Uhr)
    Grüße
    Beinwell

    (Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.)

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    Abyssos (22.01.2020)

  11. #7
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    Zitat Zitat von Beinwell Beitrag anzeigen
    Nein, das ist abhängig von Psychotherapiemethode.
    Z.B. Klassisch Analytisch ausgebildete Psychotherapeuten lassen von Angang an viel erzählen und stellen nur wenige Fragen. Und sie beobachten die Pat. bereits vor der Begrüßung. Das reicht ihnen vollkommen zur Diagnosestellung.
    Ich habe nirgends geschrieben, dass alles, was ich da aufliste, für ein Diagnoseverfahren benötigt wird.

    Gesprächspsychotherapien werden offiziell garnicht von den gesetzlichen KK finanziert. Für mich liest sich das bei der TE eher nach einer TfP, tiefenpsychlogisch fundierten Psychotherapie.
    Meines Erachtens stand auch nirgends, welche Form der Therapie die TE macht.

    Und Du machst Verhaltenstherapie.
    Nein, aber ich kenne Verhaltenstherapie und viele andere Methoden.


    Zusatz: Je nachdem, um welche "Störung" es sich handelt, kann der Aufwand einer Diagnostik sehr unterschiedlich sein. Die Abweichungen, mit denen ich (persönlich) zu tun habe, werden vorrangig in Unikliniken oder psychiatrischen Ambulanzen diagnostiziert, vor allem, weil es um Fachpersonal geht. Die meisten Therapeuten, die ich außerhalb von Forschung und fachspezifischer Qualifikation kennengelernt habe, hatten von gewissen "Störungs"bildern keine Ahnung, da wäre mit "nur zuhören" nix diagnostiziert worden.

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  13. #8
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    Ja, die Methode muss zur Störung passen. Und das beginnt bereits mit der Diagnostik. Ist in meinem Bereich nicht anders.
    Grüße
    Beinwell

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