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Thema: Was ist das eigentliche Problem?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Was ist das eigentliche Problem?

    Hallo Community,

    ich bin neu hier, schönen Abend. Vielen Dank für eure Anregungen.

    Ich weiß nicht, was mein eigentliches Problem ist. Seit 3 bis 4 Jahren habe ich das Gefühl, Schritt für Schritt unglücklicher zu werden. Ich will nichts in der Geschichte werten, ich erzähle einfach, wie es mir erging. Die Geschichte:

    Vater arabisch, Mutter deutsch. Ich in Deutschland geboren und aufgewachsen.

    Eltern trennten sich als ich 6 war. Vater ging zurück in die Heimat, ich blieb bei meiner Mutter. In den folgenden Jahren war ich ein Musterschüler, nie Probleme bereitet, gutes Abitur, Medizinstudium in Regelstudienzeit , gleich angefangen als Arzt zu arbeiten.

    Ich habe meine Eltern vergöttert, sie haben nie viel mit mir über die Scheidung gesprochen. Ich war ein liebes, zurückhaltendes Kind, sehr höflich in der Schule, nie in dem Sinn "pubertär".

    Meine Mutter hat neuen Mann geheiratet, als ich 12 Jahre alt war wurden meine Schwestern geboren (Zwillinge). Somit vom früheren Einzelkind mit zwei sehr fürsorglichen Eltern zum "großen" Kind neben den zwei kleinen Babies. Nebeneffekt: Mein Stiefvater war ein sehr schlechter Vater. Meine Mutter musste sich um die zwei kleinen kümmern. In den folgenden 5 Jahren bis ich 17 war habe ich mich mit um meine Schwestern gekümmert. Sie angezogen, sie beruhigt wenn etwas war etc. Von meiner Mutter habe ich nicht mehr viel Aufmerksamkeit erhalten.

    Mein Stiefvater ist sozial nicht verträglich. Leicht reizbar bis cholerisch. Meine Mutter hat nichts gesagt, wenn er mir Dinge verboten hat oder er mich wegen irgendwas angemeckert hat. Das Geld verdient zu 90% meine Mutter.

    Als ich mit 19 Jahren ausgezogen bin war ich unglaublich glücklich, aber nicht wegen Frust zu meinen Eltern, ich war einfach froh, dass ein neuer Abschnitt begann.

    Mit 21 war ich von meinen akademischen Leistungen am Höhepunkt. Ich gehörte zu den 10% besten Studenten. Aber ich war innerlich sehr unzufrieden. Mein Leben fühlte sich so "ungelebt" an, wo waren all die Partys und Erfahrungen, die andere in der Jugend gemacht haben? Freunde haben mal harte Drogen probiert, schon längere Zeit. Ich hatte viel Respekt davor, aber keine Angst. Ich habe mir gesagt: Ich probiere es aus, ich werde es wenige Male ausprobieren und nach 1 Jahr ist damit wieder Schluss. Ich habe nach diesem Jahr keine harten Drogen mehr genommen, das ist nun über 3 Jahre her. Im Rahmen des horizont-erweiternden Effektes fiel mir viel von meinen früheren Lasten auf, die ich bis dahin auf naive Weise verdrängt habe.

    (Nebenfrage: Oder war ich einfach ein glücklicherer Mensch und konnte damit gut umgehen.. die Drogen einen langfristig schlechten Effekt gehabt? -> Ich empfand es nicht als Auslöser einer psychischen Störung. Ich empfand die Erfahrung eher als belebend & hilfreich, mich von früheren naiven Vorstellungen zu befreien und zu erkennen, dass ich nicht unwichtig bin und im Elternhaus von meiner Mutter mehr Unterstützung hätte erwarten können und mein Stiefvater mich unnötig schlecht gemacht hat. Ungünstiger Nebeneffekt natürlich: man muss mit den Erkenntnissen umgehen. aber eben die Frage.. sind die Schwierigkeiten durch die Erkenntnisse oder durch die Drogen verursacht?)

    Auf jedenfall nehme ich die Zeit dieses Beginns der rebellischen Phase mit den harten Drogen als Beginn der abnehmenden Zufriedenheits in meinem Leben wahr. Meine Leistungen im Studium nahmen ab. Ich habe mich von einigen Freunden entfernt, neue gefunden. Partnerschaft ging zu Ende. Ich habe angefangen, mich mit meiner Familie zu streiten, jeder hat was abbekommen, hab alles gesagt, was ich von ihnen denke. Meinem Stiefvater taten die letzten Jahre sehr Leid, er hat seine Fehler eingesehen. Meine Mutter war über mich schockiert. Als ich meiner Mutter unter Tränen gesagt habe, wie schlecht es mir in der Schulzeit in meinem Inneren ging, hat sie auch angefangen zu weinen und mir gesagt, dass es ihr Leid tut. Sie habe nicht geahnt, dass es mir an etwas fehlt. Ich habe es auch nicht gewusst.. mein Gefühl sagt mir, ich war in dieser Zeit für sie und die Familie stark, weil ich gesehen habe, wie viel sie mit der Arbeit und meinen Schwestern zu tun hatte, also einfach aus Liebe, aber es war zu viel für einen 12 bis 17 Jährigen, es fühlt sich an, als hätte ich die Liebe aus meiner Kindheit dafür "aufgebraucht". Ich habe mich in diesen Jahre mehr und mehr in mich zurückgekehrt, wurde immer ruhiger, habe eine Zeit lang gestottert, das wurde später wieder besser.

    Partnerschaft: Ich hatte 2 längere Beziehungen, je 2 und 3 Jahre. Freunde sagten mir, sobald ich eine Freundin hatte war ich vom Erdboden verschluckt, habe mich in dieser Liebe verloren und sehr viel von mir aufgeopfert. Ich empfand es als sehr schöne Zeiten. Aber ich konnte mich wirklich nie auf gesunde Art von der Beziehung distanzieren. Ich habe gerne viel Zeit in den Familien meiner Freundinnen verbracht, alles wirkte so "heil" und mit Liebe.

    Ich habe oft in meinem Leben nach einer neuen Vaterfigur gesucht. Habe sie in verschiedenen Person kurz- oder langfristiger gefunden.

    Zu meinem Vater: Ich habe als Junge meine Ferien bis zum 10. Lebensjahr in seinem arabischen Heimatland verbracht. Das war wunderschön. Unendlich viel Aufmerksamkeit, Spielpartner, Freiheit. Der Bruch mit 12 Jahren, er wollte mir die Religion näher bringen, Spaß vorbei, ich sollte lesen und schreiben lernen in seiner Sprache. Viele Jahre Funkstille. Ab 19. Lebensjahr wieder ab und zu hingefahren. Alles fühlte sich fremd an. Aber ihn wiederzusehen hat mich im ersten Moment unglaublich glücklich gemacht. Der Abschied und das Dasein dort war eigenartig, andere Kultur. Mit 23 Jahren bin ich hingefahren, um Schluss zu machen mit der Religion, ich bin Atheist, er musste es verstehen. Unglaubliche verbale Reaktion bis hin zu "Du bist nicht mehr mein Sohn". Er war kurz davor, mich zu schlagen. ich sagte wenn er das tut sieht er mich nie wieder. Kein Kontakt für eine Weile. Bis er ihn wieder gesucht hat. Das Verhältnis ist besser, wir sind darüber hinweg. Wir haben unsere Differenzen ausgesprochen.

    Aktuell:

    Ich fühle mich meinem Alter nicht entsprechend entwickelt. Als ob ich immer irgendeiner Sache hinterhergeeifert bin, um meine Eltern zufriedenzustellen, um sie wieder zurückzubekommen.. (so, wie es früher war?) Fehlende Reife, durch fehlende Pubertät? Ich habe das Gefühl, mir ist viel egal im Leben. Ich habe seit einigen Wochen nur das nötigste an Kontakt zu meiner Familie. Ich bin auf meine Familie sauer, wieso ich so vergessen werden konnte, v.a. auf meine Mutter. Zu allem unnötigen obendrauf, was mich zur Zeit am meisten belastet: Ich habe etwas mit einer Kollegin angefangen. Ein auf und ab für circa 8 bis 10 Monate. Sie ist ein paar Jahre älter als ich. Ich finde sie toll dafür, dass sie gleichzeitig ein naiv kindliches Glücksempfinden hat, dieses Leuchten in den Augen... auf der anderen Seite klare Ansagen macht im Beruf und Stärke hat, sich von dem was ich über ihre familiäre Situation weiß sich nicht hat unterkriegen lassen und weiterhin an das gute im leben glaubt.

    Daran glaube ich oft nicht mehr. Wer soll mir die Zeit zwischen 10 und 20. Lebensjahr zurückgeben? Diese persönliche Entwicklung, bei der ich ganz stark spüre, dass sie mir fehlt. Ich bin todunglücklich darüber. Ich wollte nie so ein Leben, wo ich zurückgucke und etwas hinterhertrauere und jetzt ist genau das da. In einem Strudel aus Selbstbemitleidung und Überforderung über die aktuelle Situation. Und sich ohnmächtig fühlen vor dem Wunsch, eine glückliches Verhältnis zur Familie haben zu wollen, aber nicht über den Schatten springen zu können sie zu lieben wegen meiner sehr braven nicht lehrreichen Jugend, der geringen Aufmerksamkeit.

    Diese Arbeitskollegin sehe ich jeden Tag. Sehe, wie sie glücklich wirkt/ ist nacht außen, natürlich hat sie auch zusammenbrüche gehabt in den letzten Monaten, schwere Selbstzweifel über den Job. Aber was mich zerstört hat: Sie hat mich abgelehnt, obwohl ich ihr viel Liebe und Aufmerksamkeit geschenkt habe. Wir haben einfach nicht zusammengepasst. Aber ich konnte das nicht akzeptieren, ich wollte sie behalten, habe Geschenke gemacht, etwas getan, um von ihr Aufmerksamkeit zu bekommen. ( So ein Muster wie mit meinen Eltern, der fehlenden Liebe, der Angst, wieder Jemanden zu verlieren, den ich gern habe?) Auf jedenfall hat sie kein Interesse mehr an mir.. sie guckt sich nach anderen Männern um.. es tut weh. Wenn ich sie sehe.. es bringt mich durcheinander. Sie ist weiterhin nett zu mir, aber wir passen einfach nicht.. das tut mir weh.. noch vor eins zwei Wochen haben wir uns regelmäßig geküsst. Ja. Ich bin traurig. Ich mag mein Leben nicht. Ich weiß nicht ob ich es nur zur Zeit nicht mag oder generell nicht. Auf jedenfallsehe ich dunkle Schatten über meinem Leben. Sie ist der aktuell unangenehmste. Das Problem ist, dass sie das geschafft hat, was ich mir wünsche, aber mich nicht traue, nicht über meinen Schatten springen kann.

    Manchmal will man einfach traurig sein, ich komme da gerade nicht raus, ich traue mich nicht.. wenn ich es einfach tue, was passiert dann mit mir? es tut mir selber weh, wenn ich ich darüber nachdenke, zu ihr nett zu sein, zu meinen Eltern, zu meinen Großeltern.. ich bin auf sie alle sauer, fühle mich im Stich gelassen und wie "vergessen".

    Manchmal denke ich einfach etwas Geld zu sparen und abzuhauen. So kann man doch kaum 40 Jahre Berufsleben überstehen. Das geht soweit, dass ich merke wie nervig ich Patienten finde, schlecht gelaunt bin und mich immer wieder an Dingen aufhänge.. Menschen "dumm" finde und selber langsam arbeite.. ich fühle mich einfach schlecht und habe wenig Antrieb, schlechte Gedanken, fühle mich faul. keine Lust auf die Arbeit. Suche einfach Hedonismus. Ausruhen. Dates. Mich mal endlich gut und toll fühlen im Leben, all das, was ich die Jahre versäumt habe.

    Für jeden der bis hierhin gelesen hat, oder überflogen hat: Respekt und Dankbarkeit.
    Geändert von JJJJJJJ7 (06.07.2018 um 23:48 Uhr)

  2. #2
    Verleger Avatar von mops
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    Zitat Zitat von JJJJJJJ7 Beitrag anzeigen
    Hallo Community,

    Ich habe oft in meinem Leben nach einer neuen Vaterfigur gesucht. Habe sie in verschiedenen Person kurz- oder langfristiger gefunden.
    @nach einer neuen Vaterfigur

    Die Zwillinge haben tiefe Spuren in dir hinterlassen. Durch das Kümmern um deine Schwestern hast du vieles gelernt. Aber wohl eine frühere Reife bekommen.

    Es wird oft darüber berichtet, welche Folgen das hat, wenn sich Kinder um jüngere Geschwister kümmern müssen.
    Irgendwie liegt es hier. Andere können sich mehr dazu sagen.


    gruss mops

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mops für den sinnvollen Beitrag:

    JJJJJJJ7 (07.07.2018)

  4. #3
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    Was genau meinst du "in der Jugend verpasst zu haben"?
    Wer sagt, wie Jugend zu sein hat?
    Zum Glücklichsein gehört die Passende Brille:
    Mit der ""Alle-waren-so-doof-zu-mir"-Brille wirst du immer nur wahrnehmen, was nicht optimal gelaufen ist.
    Und es mit einer Fantasievorstellung vergleichen.
    Mit der "Meine-Güte-hab-ich-Schwein-gehabt"-Brille sieht das ganz anders aus:
    Was gut gelaufen ist, und zwar richtig gut:
    Dein leiblicher Vater hat dich NICHT ins Ausland entführt. Du musstest NICHT zum Islam konvertieren. Der Neue deiner Mutter hat dich nicht geschlagen. Deine Mutter hat dir einen guten Schulabschluss und ein Medizinstudium ermöglicht. Du hast eine Anstellung gefunden. Du bist in der Lage, Beziehungen einzugehen. Du hast durch den Konsum diverser Drogen keine schwere Sucht entwickelt und keine Psychose.
    Das ist alles sehr viel.
    Nun musst du dich entscheiden: Möchtest du die nächsten 55 Jahre die Zeit zwischen 10und 20 betrauern und sauer sein, weil deine Mutter sich nicht nur auf dich konzentriert hat? Oder möchtest du die Verantwortung für dein Leben selbst in die Hand nehmen und in der Gegenwart ankommen?
    Es gibt keine optimale Kindheit und Jugend. Es gibt keine fehlerlosen Mütter. Sei froh, dass dein leiblicher Vater so ehrlich war, seine Verbohrtheit so klar zu formulieren. Du bist ihm nichts schuldig. Ich wäre echt jeden tag dankbar, dass du nicht irgendwo in eine Moschee gezwungen wirst, sondern hier bleiben konntest.
    Klar ist es eine tiefe Kränkung, wenn der leibliche Vater Sachen sagt wie "Du bist nicht mehr mein Sohn!", aber du weißt jetzt, woran du bist.
    Ich würde jetzt kleinschrittiges Folgendes tun:
    Mich mit meiner Mutter aussöhnen. Meine Erwartungen an den leiblichen Vater begraben. Mir eine Freundin suchen, die mich will. Entscheiden, ob der Beruf, den ich gelernt habe, nicht doch wunderbar ist. Falls er das nicht sein sollte, verlagere deinen Schwerpunkt. Behandel keine Patienten mehr, sondern geh in die Forschung oder Lehre, denn kein patient hat es verdient, von einem lustlosen Arzt behandelt zu werden, der nur genervt ist.
    Was ich auf keinen Fall tun würde: Weiterhin bejammern, dass ich keine aktionreiche, wilde Jugend hatte.
    Du musst lernen, mit Kränkungen umzugehen.

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Milly für den sinnvollen Beitrag:

    JJJJJJJ7 (07.07.2018)

  6. #4
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    Das waren klare Worte, danke. Du hast sicher Recht damit.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei JJJJJJJ7 für den sinnvollen Beitrag:

    Milly (07.07.2018)

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