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Thema: Was ist nur mit mir los?

  1. #1
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    Standard Was ist nur mit mir los?

    Hallo ...
    Vielleicht hat jemand von euch Ratschläge, die die Sache für mich etwas ins Licht der Klarheit rücken, ich verstehe mich mittlerweile nämlich selbst nicht mehr ...
    Man liest ja immer sehr viel und versucht sich umfassend zu bilden und eigentlich habe ich immer gedacht: "Depression - kann mich nicht treffen". Inzwischen alche ich über meine eigene Dummheit und frage mich ernsthaft, ob ich einfach nur verkorkst oder tatsächlich depressiv bin.
    Warum? Wie folgt.
    Seit Wochen schon plagen mich jetzt, wenn ich zuhause bin, die elenden Gefühle. Man sitzt allein im Dunkeln, manchmal auch vor einem Buch und dann kommen diese gnazen dummen Gedanken.
    Neuerdings habe ich jemanden kennengelernt, der für mich sehr wichtig geworden ist und ich bin mir etwas uneins mit mir selbst über meine Gefühle. Unabhängig davon aber gebe ich mir seit Wochen an allem die Schuld, an gescheiterten Freundschaften, an schlechter Stimmung auf Versammlungen und an überhaupt allem. Ich kann nirgends mehr wirklich ich selbst sein. Wenn ich irgendwo hin komme und es lustig ist, lache ich, aber es ist eine Maske. Eine eiserne Maske einer zweiten Persönlichkeit. Ach verdammt, ich fühle mich wie im Theater, wenn ich mich so verhalte. Und das schreckliche: Ich fühle mich in meiner "Rolle" als ich selbst unglaublich wohl. Charakterstark, diktatorisch auftretend, wenn ich das Sagen habe und intellektuell. Zynisch begegne ich anderen ständig, falle sie an. Ja, daraus kann man mir jetzt einen Strick drehen, bitte gern.
    Andererseits fühle ich mich schrecklich dreckig. Dieser Person, die ich neu kennenlernte, viel vor einiger Zeit das Mobiltelefon ordentlich auf den Boden, seitdem ist der Kontakt durch entsprechende Brüche nur noch sporadisch da. Und plötzlich greift in mir ein schrecklicher Egozentrismus. Ich bin schrecklich wütend, dass die Kommunikation nicht mehr läuft und ich hasse diese PErson, wenn wir trotz Absprachen für entsprechende Telefongespräche es nicht schaffen, einfach, weil das Handy nicht funktioniert.
    Und dann plötzlich kommt mir der Gedanke, dass derjenige nichts dafür kann und schlagartig fühle ich mich schrecklich.
    Dazu kommt dann noch, dass ich das Gefühl habe, in Schule, Job, Beziehung und Hobby zu versagen, weil ich es scheinbar einfach nicht kann. Ich weiß, dass meine Ansprüche zu hoch sind und ich daran leide, aber ich bekomme das nicht in den Griff.

    Manchmal weiß ich auch nicht ganz, was nun eine Rolle ist, die ich spiele. Der Versagende oder der Fiese, ich weiß es nicht. Alles verschwimmt vor meinem Auge, weil ich mich in einer der beiden Positionen gut fühle, sie aber so kaum mehr proklamiere. Ich habe mich in den letzten Wochen stark zurückgezogen und rede insgesamt eher wenig, wenngleich mir das in der anderen Position einfacher fällt und ich dort sehr viel reden kann.
    Somit gibt man auf Personen, die nicht direkt Freunde sind, sondern mit denen man vielleicht einfach arbeiten muss, natürlich ein komisches Bild, wenn man einmal so, ein andermal so auftritt und ein drittes Mal vielleicht mit gemischten Verhältnissen.
    Von meiner letzten Beziehung wurde ich auch stark wegen meiner Parteizugehörigkeit rund gemacht, weil man mir vorwarf, dass meine politischen Ansichten nicht zu meiner Parteiarbeit passen würden, was ich hingegen ganz und gar nicht so sehe. (Nur als Info, es ist eine große Volkspartei der gemäßigten linken Ecke, also keine extremistische, wie sich das hier vielleicht anhört.)
    Gleichzeitig versuche ich mir stets und ständig neues Wissen anzueignen und lasse keine Minute unverbraucht, auch deshalb wurden mir viele Vorwürfe gemacht, insgesamt ist es aktuell sehr stressig um mich herum und gerade für mich und immer wieder muss man sich anhören, wie schlecht man planen könne und dass man seine Termine gefälligst besser ordnen solle. Auch da kommt meine große, verachtenswerte Klappe durch und gibt Kontra, man kann einen Termin, der von anderen abhängt, nunmal nicht selbsttätig irgendwo hinplanen. Da platzt mir dann schon mal der Kragen.

    Allgemein habe ich gemerkt, dass ich in letzter Zeit ziemlich reizbar und aggressiv bin, insbesondere, wenn andere immer den gleichen Fehler wieder machen. Meine Geduldsschwelle liegt also neuerdings sehr niedrig, habe ich so das Gefühl.
    Und zu guter Letzt fühle ich mich, als müsste ich für meine Familie, Freunde und alle drumherum immer erreichbar sein und immer die richtige Antwort auf die richtige Frage geben, Dolmetscher spielen und den Supermotivierten mimen.


    Um das mal abzuschließen, das artet ja völlig aus, Verzeihung!
    Ich weiß nicht, ob ich in einem "depressiven Tief" bin oder einfach nur leer bin und nicht mehr kann oder was los ist, ich verwirre mich zusehends selbst und das macht mich ein wenig fertig. Ich weiß bereits, dass ich an Perfektionismus leide und mein Zynismus macht den Umgang mit anderen oft nicht einfach, aber vielleicht habt ihr ja trotzdem ein paar Tipps.
    Achso, noch nebenbei, auch der Tipp, ich sollte mich entspannen, hilft mir gar nichts. Ich lag letzte Woche mit ner dicken Erkälrtung flach und tat dabei im bett gar nichts. Spätestens nach drei Tagen war ich aufgeprungen und hatte wieder etwas gearbeitet, wenn ich nichts tue, fühle ich mich einfach sinn- und wertlos, also ich muss etwas Produktives zu tun haben.

    Ich bin mit meinem Latein ad finem, also am Ende. Ich hoffe jetzt auf euch!


    LG
    Johann
    Das spezifische deutsche Tempo ist das Andante.

    ~ Richard Wagner

  2. #2
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    Lieber Johann,

    es tut mir leid, dass Du Dich so unwohl und - ich drücke es mal so aus - orientierungslos/verloren vorkommst.

    Ich denke, der Mensch braucht nicht nur eine sinnvolle Aufgabe, sondern auch Ziele, die er anstrebt, von denen er überzeugt ist, dass es seine Ziele sind und keine Ersatzziele oder Ziele, die man anstrebt, weil viele dahin wollen. So ist z.B. das Erlangen von Wissen durchaus eine gute Sache. Aber auch hier stellt sich die Frage: um welches Ziel zu erreichen - brauche ich welches Wissen.

    Wie siehst Du das? Befindest Du Dich in einer Ausbildung oder hast Du bereits einen festen Beruf, der Dich zufrieden stellt?

    Dann - so schätze ich - befindest Du Dich vermutlich in einem Alter, in welchem man gerne seine Lebenspartnerin kennenlernen möchte. Solange Du da noch nicht gefunden hast, ist eine innere Unruhe durchaus verständlich. Und wenn man dann das Gefühl hat, evt. die Richtige gefunden zu haben, ist es einfach ärgerlich, wenn es mit der Kommunikation nicht klappt. Da hilft es wenig, sich zu ärgern. Du brauchst eine Lösung für das kaputte Handy. Kannst Du Dir nicht ein einfaches kaufen, welches so preiswert ist, dass Du wenigstens die Kommunikation sicher stellen kannst?

    Dein Perfektionismus ist möglicherweise Ausdruck für den Wunsch, alles richtig zu tun. Aber einerseits machen wir selten alles richtig, andererseits können wir auch unsere Ziele erreichen, auch wenn wir eben nicht alles richtig machen. Nur eben hilft auch das perfekte Tun nicht, wenn wir unsere Ziele nicht kennen. Und Dein Zynismus ist in meinen Augen lediglich ein Ausdruck Deiner inneren Unzufriedenheit.

    Helfen Dir diese Zeilen irgendwie etwas weiter?

    LG, Nordrheiner
    Wie glücklich ist der Mensch, der Weisheit gefunden und Erkenntnis erlangt hat. Weisheit besitzen ist besser als Silber, wertvoller als das reinste Gold. Sprüche 3, 13+14

    Das Leben der Menschen, die auf Gott hören, gleicht einem Sonnenaufgang. Es wird heller und heller, bis es völlig Tag geworden ist. Aber das Leben derer, die Gott mißachten, ist wie die finstere Nacht. Sie kommen zu Fall und wissen nicht, worüber sie gestolpert sind. Sprüche 4, 18+19

  3. #3
    Verleger Avatar von mops
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    Hallo,
    Ich habe gerade in SOZIALE PSYCHOLOGIE gelesen

    Wir spielen alle Theater
    Erving Goffman (1922–1982)



    Soziale Interaktion
    lässt sich mit der Ausführung eines Theaterstücks vergleichen.

    Menschen versuchen – wie Schauspieler – mithilfe eines selbst gewählten Drehbuchs Garderobe und Bühnenbilds und der Darbietung ihres Könnens einen guten Eindruck zu hinterlassen.

    Auf der »Vorderbühne« spielen sie ihre öffentlichen Rollen, auf der »Hinterbühne« spielt sich das Privatleben ab.

    Jeder Aufführung wohnt ein
    Publikum bei.

    Das Leben ist ein Theaterspiel.


    Ich kann das hier nicht wie im Buch darstellen.
    Die erste Zeile ist in der Breite dargestellt. Hier gehen von dem Kasten 3 Pfeile nach unten.
    Die 3 Sätze sind in drei Rechtecken nebeneinander dargestellt, worauf die Pfeile verweisen. Von den Rechtecken gehe Pfeile nach unten auf die letzte Zeile.
    Die ist wie die 1. In einem Rechteck über die Breite der Seite dargestellt. Der Hintergrund ist lila.


    In der Öffentlichkeit wollen wir einen guten Eindruck hinterlassen.


    In der Öffentlichkeit einen guten Eindruck hinterlassen. Und wie bin ich wirklich?
    Für mich ist es fast so, als bist du hier mit etwas durcheinander gekommen?


    gruss mops
    Geändert von mops (14.05.2018 um 10:41 Uhr)

  4. #4
    Schreiberling
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    Hi Johann
    Natürlich kannst du du selbst sein.
    Sobald du anfängst jemand anders zu sein-bis auf die ein oder andere Ausnahme-beginnt Leid.
    Steh zu dem was du bist und du wirst ein aufregendes und erfülltes Leben haben.
    Lg

  5. #5
    Neuling
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    Hallo Johann,
    Das mit der zweiten Persönlichkeit (oder das aufgesetzte Verhalten gegenüber anderen) kenne ich nur allzu gut. Ich habe seit ca. 10 Jahren Probleme mit depressiven Schüben. Die haben letztendlich sogar dafür gesorgt das ich eine Wohnung verloren habe. Davon wissen jedoch nur wenige Personen, weil ich wenn ich unter Bekannten bin sofort beginne einen halbwegs glücklichen Eindruck zumachen und ich beteilige mich stark an allen Gesprächen. Auch ich lese viel in gewissen Bereichen und kann schnell gereizt werden wenn jemand Halbwahrheiten kund gibt. Dann werde ich schnell zynisch und etwas lauter. Meiner Meinung nach solltest du dich vielleicht einer Person zuwenden die du schon sehr lange kennst und die trotz deines Verhaltens zu dir hält und ihr deine Sorgen erzählen. Wenn du noch nicht depressiv bist, bist du auf einem unangenehmen Weg es werden zu können. Übermäßiger Zynismus/Sarkasmus sind erste Anzeichen, Verhaltensweisen die sich während einer Depression zum Schutz entwickeln. Selbstzweifel hat jeder Mensch, es ist vollkommen normal sich selber für Dinge verantwortlich zu machen. Auch ich habe schon enge Freunde verloren und hab mir gedacht das ich es einfach Schuld sein muss. Bei objektiver Betrachtung und Einbeziehung jedes Faktors lösten sich jedoch einige dieser Selbstvorwürfe in Luft auf. Daher empfehle ich, auch wenn es schwer fällt: Versetze dich in die Lage der anderen und frage dich dann nochmal, wenn du wirklich alle Punkte die eine aktive Rolle gespielt haben mit einbeziehst, ob es tatsächlich deine Schuld ist oder ob die Sache letztendlich andere Gründe hat als dir zu Beginn bewusst war.
    Depressionen sind heutzutage weit verbreitet und sollten nicht unterschätzt werden. Viele tun sie als vorübergehend ab oder behaupten das man aktuell nur eine schlechte Phase hat. Daher haben die meisten Angst über ihre Empfindungen und ihre Situation zu sprechen. Man könnte missverstanden oder ignoriert werden. Diese Ausgangslage setzt depressive Menschen noch mehr unter Druck. Solltest du niemanden in deinem Umfeld haben an den du dich wenden kannst, empfiehlt es sich zu einem Therapeuten zu gehen. Selbst wenn dieser keine Auffälligkeiten bemerkt hilft es vermutlich sich einfach mal Luft machen zu können und sich Verstanden zu fühlen.
    Solltest du über etwas schreiben wollen kannst du mir gerne privat schreiben. Ich kenne deine Empfindungen zum Teil aus eigener Erfahrung und kann vielleicht eine objektive Ansicht bieten.

    MfG

    Diogenes
    Efficiut Daemones, ut qua non sunt, sic tamen quasi sint, conspicienda hominibus exhibeant.

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