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Thema: Wenn der Körper die Psyche zerstört

  1. #1
    Neuling
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    Standard Wenn der Körper die Psyche zerstört

    Mein Problem ist kompliziert, also Achtung: langer Text.
    In meinem Vorstellungsbeitrag habe ich ja bereits erwähnt: meine psychischen Probleme sind Emetophobie, Depressionen und somatoforme Beschwerden. Und aktuell sehe ich mein Leben den Bach runter gehen. Nicht aufgrund dieser Störungen. Ich war jahrelang in Therapie, und habe es als Wohltat empfunden. Ich kenne alle Tricks. Ich habe alles ausprobiert. Und ich war erfolgreich: meine Depressionen habe ich bekämpft und gelernt, mit ihnen umzugehen. Die Emetophobie war härter zu knacken:
    Aufgrund meiner Angst vorm Erbrechen (ausgelöst von einer akuten Magenschleimhautentzündung die mich fast umbrachte) hatte ich Angst vor allen Lebensmitteln, Angst in Fahrzeugen, sogar Angst davor, raus zu gehen oder auf dem Bauch zu liegen. Druck auf der Magengegend? Niemals. Aber auch das hatte ich nach Jahren der Psychotherapie (2014-2017) in eine Richtung gebracht, die vielversprechend war. Ich aß saure Äpfel, Süßigkeiten, aß sogar unterwegs. Vor der Therapie nahm ich an meinen tiefsten Punkten nur eine Schüssel Reis am Tag zu mir. Ich hatte also Erfolg. Ich hatte es geschafft. Ich War bereit, mit meinem absolut wundervollen Partner zusammen zu ziehen und mir eine neue Ausbildung oder zumindest einen kleinen Job zu suchen. Meine Therapeutin War so stolz.
    Dann kam der Schock, der alles wieder veränderte:
    Ich bekam immer öfter Schmerzen im Magenbereich. Ich hatte furchtbares Sodbrennen. Etwas stimmte eindeutig nicht, und mir wurde ständig schlecht.
    Diagnose chronische Magenschleimhautentzündung.
    Das bedeutet die Hölle für mich. Jeden Tag schmerzen. Jeden Tag Übelkeit. Ich liege seit Mitte letzten Jahres etwa alle 2 Wochen in einer Notaufnahme. Ich kann nichts dagegen tun, und kann auch nichts dafür. All meine Erfolge... dahin. Weg.
    Und ich kann nichts tun. Denn ich kann all die Dinge, die ich mir so hart erkämpft habe - Äpfel, Gummibärchen, Tomatensauce, Rindfleisch, Milchprodukte, Salat - einfach nicht mehr essen, ohne das ich Schmerzen habe und mir schlecht wird. Wovon ich wieder Panikattacken bekommen habe. Ich meine, kann man es mir verübeln? Wer wäre nicht vorsichtig oder ängstlich, wenn er ständig überlegen muss, was man jetzt noch zu sich nehmen kann oder nicht? Und dann noch eine Angststörung obendrauf... das perfekte Rezept für einen Rückschlag.
    Ich esse mittlerweile nur noch Hühnersuppe. Seit 2 Monaten. Tag ein, Tag aus, 3 Mahlzeiten am Tag. Das einzige, was ich noch vertrage, und selbst davon bekomme ich manchmal Magenkrämpfe. Ich bin in ärztlicher Behandlung und habe mich trotz aller Angst der Herausforderung gestellt und eine Magenspiegelung durchführen lassen. Mein letzter Hoffnungsschimmer. Denn am Donnerstag bekomme ich die Ergebnisse der Laborproben. Dann stellt sich heraus, ob man etwas dagegen tun kann. Denn es ist wohl möglich, das es rein an den nervlichen Belastungen aus der Vergangenheit liegt. Womit mein Leben für mich gelaufen wäre:
    Mein aktueller Zustand ist nicht lebenswert. Und das sage ich objektiv. Ich kann keine Termine mehr zusagen, denn ich weiß nie, wie es mir an dem geplanten Tag geht. Verreisen, Dinge unternehmen? Wie, wenn ich selbst bei der schonendsten Kost noch ständig mit Krämpfen im Bett liege? Zu meinen Reitstunden schaffe ich es auch nicht, denn es ist permanent diese Angst da: was, wenn es mir heute wieder schlecht geht? Es kommt ja komplett zufällig. Manchmal gleich nach dem Essen. Manchmal mitten in der Nacht. Manchmal mitten am Tag, obwohl gerade noch alles gut war. Ich war immer ein Genussmensch. Aber ich will mittlerweile nicht mehr essen. Ich freue mich nicht mehr über meine wunderschöne Küche, die ich und mein Partner individuell geplant hatten. Ich genieße es nicht mehr, wieder raus gehen zu können. Nichtmal mein schönes zu hause, meine Haustiere oder mein Partner können mich noch aus meinem Tief ziehen. Denn meine Unbeschwertheit nach all meinen Erfolgen wurde mir genommen. Ich weine jeden Abend. Ich will doch einfach nur wieder einen Tag erleben, an dem ich keine Schmerzen habe (Schmerzmittel sind keine Option, legen sich auf den Magen). Einen Tag, an dem ich keine 4 Tebletten brauche, um durch den Tag zu kommen. Ich bin Anfang zwanzig, verdammt. Ich will nach draußen gehen. Ich will auch mal einen Keks naschen. Ich will wieder zum Reitunterricht. Ich will Freunde finden. Ich will doch nur ein kleines Stückchen Normalität. Und wenn ich nie mehr arbeiten kann: das nähme ich hin. Aber ich will leben. Wenigstens ein bisschen.
    Doch all diese Dinge, die so viele Menschen jeden Tag tun, sind für mich unerreichbar. Es ist ein Erfolg, wenn ich Einkaufen gehe. Wenn es mir gut genug geht, einen Spaziergang zu machen. Wenn ich mir einen 2. Teller Suppe nehme, ohne das mir hinterher schlecht wird.
    So will und kann ich nicht mein restliches Leben verbringen. Wenn es keinen Weg gibt, diese körperlichen Ursachen zu beheben, sehe ich keine Chance, meine Psyche jemals wieder zu heilen. Ich habe es einmal geschafft. Und ich würde wieder kämpfen. Aber ich weiß nicht was ich mit meinem Leben noch anfangen soll, wenn es keine Möglichkeit gibt meine körperlichen Beschwerden zu behandeln. Ich will keine Schmerzen mehr haben. Ich will keine Tabletten mehr schlucken. Ich habe es so satt. Wie lebenswert ist das noch, frage ich mich, und alle die das hier lesen. Ich trauere sehr um die kurze, unbeschwerte Zeit. Denn nach außen hin mag es nichtig erscheinen. Es mag lachhaft wirken, wie viel es mir bedeutet hat;
    Aber es war mal das schönste Gefühl der Welt, in einen sauren Apfel zu beißen. Mit dem Wissen das nie wieder zu können... ich weiß nicht, ob ich dann noch weiter machen könnte.
    Ich brauche Ideen. Ich brauche... Irgendetwas. Ich muss bis Donnerstag durchhalten. Ich habe Angst davor und gleichzeitig will ich es hinter mich bringen. Ich will wissen ob das alles noch einen Sinn hat. Ob ich jemals wieder frei bin. Oder für immer gefangen.

  2. #2
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    Um ehrlich zu sein, bisher kannte diese Phobie noch nicht. Aber wie es bei den meisten Phobien so ist, steht häufig eine symbolische Bedeutung dahinter.
    Darüberhinaus wirken sich Ängste ohnehin gerne auf das Verdauungssystem aus. Bauchschmerzen oder Übelkeit begleiten den Stress unter den ein Mensch steht, der Ängste hat. Ich kann davon ein Lied singen und kenne das seit meiner Kindheit.
    So wie Du dein Leid schilderst, kann ich für dich natürlich nicht entscheiden, ob alles noch einen Sinn hat. Ich selber denke natürlich, ja klar hat es Sinn durchzuhalten und an dem Problem weiter zu arbeiten. Und es wird dir auch wieder besser gehen und Du wirst das Leben auch wieder geniesen.
    Neben der körperlichen Therapie für deinen Magen, solltest Du aber unbedingt weiterhin psychologische Hilfe suchen, ich denke das machst Du ja auch. Was hälst Du von Hypnose? Vielleicht kommst Du über die koknitive Ebene nicht an das Problem heran, dann gibt es die Möglichkeit die Psyche "auszutricksen" und Hypnose kann ganz gut funktionieren, wenn man sich darauf einlässt. Gerade bei Ängsten. Besprich das doch mal mit deinem Psychologen oder Hausarzt.
    Alles Gute

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Blase für den sinnvollen Beitrag:

    Marianne H. (02.05.2018)

  4. #3
    Milly
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    Du denkst aber sehr weit - du schreibst mit Anfang 20, dass du aufgrund deiner Magenprobleme damit leben könntest, nicht arbeiten gehen zu können. Aber dass du "leben willst".
    Was bedeutet die Berufswelt für dich?
    Wo bist du außerhalb deiner Phobie thematisch drin, was macht dein Leben aus?

  5. #4
    Neuling
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    @Milly: in der Berufswelt stehe ich nirgends. Ich hatte mal eine Ausbildung angefangen, dann kam die Phobie... ich musste abbrechen. Es War nicht machbar.
    Aber einen Job, den ich wirklich machen möchte, scheint es nicht zu geben. Ich habe viele Interessen und auch Talente. Aber es scheint keine Berufe zu geben, die dazu passen, und die ich psychisch meistern kann. Aktuell ist mein Stand dazu der, das ich mir einfach erstmal einen Minijob suchen würde, wenn ich könnte. Das ich etwas sinnvolles mache. Aber einen Beruf der wirklich zu mir passt... habe ich noch nie gefunden. Ich habe den Katalog für Ausbildungsberufe gewälzt und schaue regelmäßig in die Stellenangebote. Etwas, das mich reizen würde habe ich dabei aber noch nie gefunden.
    Meine Stärken liegen eindeutig im kreativen Bereich. Ich bastle viel. Ich kann auch sehr gut Englisch sprechen. Außerdem interessiere ich mich sehr für Genetik und Tiere, bei mir leben 2 Katzen und 3 Geckos. Meine Schwächen liegen gabz klar im mathematischen bereich, in Physik und Chemie war ich auch nie gut. Und ich bim relativ chaotisch. Klar liegt da nahe, irgendwas mit Tieren zu machen. Aber für diese Berufe liegt die Berufsschule meist sonstwo. Und soweit bin ich therapeutisch noch nicht, 1 Stunde oder länger regelmäßig irgendwohin zu fahren. Ganz zu schweigen davon, daß ich wirklich zu introvertiert bin, als das ich es aushalten könnte, mit fremden Menschen zusammengepfercht zu leben.
    Einige Leute mögen da jetzt meinen, das ich zu wählerisch bin und sie haben wohl ein bisschen recht;
    Andererseits will ich einfach keinen Job der mich wieder meine psychische Gesundheit kostet. Wenn ich jemals wieder Vollzeit arbeite, dann nur so, das es mir dabei gut geht, und ich die Arbeit gerne mache.
    Könnte ich bei einem Reptilienzüchter als Pfleger arbeiten wäre ich sofort an Bord. Habe aber auch überlegt, es als freier Künstler zu versuchen. Ich weiß das diese Vorstellungen in der heutigen Welt viel gewollt sind. Aber... ich komme nicht aus meiner Haut. Ich kann mich nicht verbiegen und in einen tristen Bürojob gehen, mal ganz davon abgesehen das ich dafür auch absolut kein Talent habe.

  6. #5
    Milly
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    Kannst du mit dem Begriff "Krankheitsgewinn" etwas anfangen?
    So etwas geschieht eigentlich unterbewusst, aber vielleicht sagt es dir etwas.
    Solange dein Magen bockt und du diese Angst vorm Erbrechen hast, bist du -zumindest laut deiner Deutung- vor den Zwängen der Erwerbstätigkeit geschützt.
    Sehen deine Eltern deine Erkrankung auch als dramatisch an? Als so schlimm, dass du EU-Rente beziehen müsstest?
    Wie stellen sie sich dein Leben vor?

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Milly für den sinnvollen Beitrag:

    Mirjam (02.05.2018)

  8. #6
    Neuling
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    @Milly
    Meine Eltern? Zu meiner Mutter habe ich kaum Kontakt, und die hat in meinem Leben auch nichts mitzureden. Ich lebe schon seit einer ganzen Weile selbstständig.
    Und nein, es ist nicht so, das ich nicht arbeiten will. Ich möchte mich nur nicht in etwas zwängen, was nicht zu mir passt. Ich bekomme das oft zu hören, das ich nicht arbeiten will. Aber das stimmt so nicht. Ich will es einfach "richtig" machen. Langsam wieder einsteigen. Einen Minijob will ich, damit ich schauen kann, wie belastbar ich bin. Vielleicht finde ich beim Minijobben ja auch etwas, das ich gern Vollzeit machen möchte. Ich kann mir aktuell einfach keinen Job für mich vorstellen. Ich hatte als Kind auch nie so Phasen wo ich gesagt hätte: "Wenn ich groß bin, will ich XYZ werden."
    Dieses Problem das ich nichts für mich finde habe ich eigentlich schon immer, und schon lange bevor ich psychische Probleme bekam.

  9. #7
    Milly
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    Wenn du keinen Kontakt zu deiner Mutter hast und dir elternseits niemand "reinreden" darf, wie finanzierst du dich?
    Manchmal hilft es bei der Gesundung, wenn man sich ein Ziel setzt.
    Finanziell eigenständig zu leben wäre eins.

  10. #8
    Neuling
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    Ich lebe mit meinem Partner und eben von der staatlichen Hilfe. Klar will ich möglichst ohne diese staatliche Hilfe auskommen, aber doch nicht nach jahrelanger Pause von 0 auf 100! Ein Minijob würde auch vollkommen ausreichen, um auszugleichen was mir dann ab August fehlt (darf nur 1 Jahr mit meinem Partner leben und Hilfen beziehen).
    Ich hatte ja schon einen Job sicher, auf den ich mich gefreut hatte. Leichte Arbeit, nicht weit von zu hause. Ich bin nicht faul.
    Trotz meiner Beschwerden erledige ich meine wöchentliche Hausarbeit, versorge täglich meine Tiere und gehe zu Terminen, wann immer es möglich ist. Es ist schwer, aber selbst mit Magenkrämpfen erledige ich alles, was erledigt werden muss.

    Mein Punkt in Sachen Arbeit ist einfach, das ich zum einen keinen Wunschberuf habe. Das kann natürlich schlecht sein, muss es aber nicht. Deshalb und weil ich einen vorsichtigen Wiedereinstieg machen möchte, will ich es mit Minijobs versuchen. Auf dem Weg finde ich ja vielleicht etwas, das passt. Oder einfach einen Betrieb, der passt. Ich verschließe mich nicht grundsätzlich. Ich habe nur schon einmal dem Druck nachgegeben ein "funktionierendes Mitglied der Gesellschaft" sein zu müssen. Und damals bin ich krank geworden, weil ich unbedingt diese Ausbildung schaffen wollte, um jeden Preis, statt mich von der Krankheit zu erholen. Was mich fast mein Leben gekostet hätte. Ich halte es da für sehr natürlich, nicht nochmal das gleiche tun zu wollen.

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