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Thema: Wenn Erfahrungen zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden

  1. #1
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    Standard Wenn Erfahrungen zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden

    Hallo, ihr Lieben.

    Ich stolpere immer wieder über einen Satz: Ich hab da schlechte Erfahrungen gemacht.

    Dieser einfache Satz ist oft eine große Aussage. Und dazu eine Rechtfertigung eigener Handlungen per se.
    Und um von mir selbst zu reden: er nervt mich manchmal.

    Erfahrungen helfen uns ja nun erstmal, Dinge zu lernen - aus Fehlern zu lernen.
    So weiß ich, wenn ich zu schnell aus meiner Einfahrt fahre, setze ich mit dem Auto auf. Diese Erfahrung hilft mir, meinen Unterboden zu schonen.

    Aber grad im menschlichen Umgang miteinander erscheinen mir so einige Erfahrungen eher zu hindern, als zu helfen.
    Schwupps hat ein Mensch eine Mütze übergestülpt bekommen, die aus Verhaltensweisen ganz anderer Menschen besteht.

    Ein enger Freund hat eine neue Partnerin gehabt und zweifelte stets an ihrer Aufrichtigkeit und dass sie ihn liebe, da er ja schlechte Erfahrung mit Frauen hatte.
    Am Ende hat sie die Zweifel an ihr nicht ertragen und ging, da seine Erfahrung die Liebe zu arg belastet hat.
    Dabei war es nicht sie, die ihm wehgetan hatte, sondern eine ganz andere Frau.
    Ich verstehe sie! Ich mag mich auch nicht für etwas "bezweifeln" lassen, was ich nicht mal verbrochen hab.

    Dennoch scheint dann der Satz "schlechte Erfahrungen" auszureichen, dass Freunde und Verwandte verständnisvoll nicken.

    Wieso wird aus Erfahrung sooft Angst?
    Und ein Mensch mit den "Taten" anderer Menschen iin Verbindung gebracht?
    Was ist denn so schwer daran, mal zu differenzieren?

    Mein erwähnter Freund und ich reden sehr offen und freundschaftlich darüber, aber wir verstehen uns nicht.
    Er nicht, dass ich obwohl ich mal betrogen wurde, vertraue und ich nicht, dass er es nicht tut.

    Wie geht ihr mit Erfahrungen um?
    Bin mal interessiert, da einfach Gedankenn auszutauschen.

    LG Tigre

  2. #2
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    Schlechte Erfahrungen schützen einen halt. Einer Person zu Vertrauen ist ein Risiko. Beim ersten mal denkt man nicht drüber nach, dann fällt man auf die Nase und dann vertraut man nicht mehr so leicht. Ich sehe daran nichts schlechtes, denn es verhindert nochmal auf die Nase zu fallen.

    Ich finde auch Angst an sich ist nichts Schlechtes, sondern eher etwas Schützendes. Eine Angst wird nur dann zum Problem, wenn sie für einen selbst belastend wird, weil man sich in etwas reinsteigert was nicht real ist.

  3. #3
    snowbird
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    Zitat Zitat von Rya.Reisender Beitrag anzeigen
    Schlechte Erfahrungen schützen einen halt. Einer Person zu Vertrauen ist ein Risiko. Beim ersten mal denkt man nicht drüber nach, dann fällt man auf die Nase und dann vertraut man nicht mehr so leicht. Ich sehe daran nichts schlechtes, denn es verhindert nochmal auf die Nase zu fallen.

    Ich finde auch Angst an sich ist nichts Schlechtes, sondern eher etwas Schützendes. Eine Angst wird nur dann zum Problem, wenn sie für einen selbst belastend wird, weil man sich in etwas reinsteigert was nicht real ist.
    Ja die Angst schützt dich vor negativen, aber leider auch vor guten Erfahrungen. Wenn man in einee Beziehung schlechte Erfahrungen gemacht hat und dann jedem neuen Freund oder Partner mißtrauisch begegnet, wird man immer wieder schlechte Erfahrungnen machen. Einen endlose Spirale.Jeder hat es erst mal verdient, das man ihm vertraut, ohne ihm den Ballast von früher überzustülpen sonst geht es meiner Meinung nach nicht. Man muss das Risiko eingehen,Es gibt keine Garantien im Leben. Wenn man gelernt hat , dass man auch schlechte Erfahrungen überleben kann, hat man nicht mehr so viel Angst davor.
    Schlechte Erfahrungen werden von manchen Leuten, als Rechtfertigung, benutzt für jede Art von Verhalten.Ich könnte so nicht leben immer mutlos in meinen schlechten Erfahrungen verharren und ängstlich das Leben vermeiden, aus lauter Angst auf die Nase zu fallen. Ich denke das Leben belohnt die Mutigen, die sich immer wieder aufraffen, neu anfangen und die Vergangenheit hinter sich lassen können.
    Ich hatte auch 2 schlechte Beziehungen, die mich sehr mitgenommen haben, wenn ich dann für immer mit dem Thema Partnerchaft abgeschlossen hätte, hätte ich heute nicht meinen wunderbaren Mann und meine süßen Kinder.

  4. #4
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    Snowbird, ebenso sehe und empfinde ich das auch.

    LG Tigre

  5. #5
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    Ich denke, dass Erfahrungen dann zur sich selbsterfüllenden Prophezeihung werden, wenn wir sie als "Glaubenssatz" in unserem Bewusstein verinnerlicht haben.

    Es lohnt sich, aus meiner Erfahrung - grins, diese Glaubensätze von Zeit zu Zeit genauer zu betrachten und sie zu hinterfragen und sie gegebenenfalls umzuwandeln in neue bzw. bessere Glaubenssätze.

  6. #6
    SternSeele*
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    Ich finde Angst per se nicht negativ besetzt. Die Angst hat durchaus positive Komponenten. Ich habe neulich eine Doku über einen Klippensteiger gesehen. Er wurde gefragt ob er keine Angst habe. Selbstverständlich habe er Angst, nur diese sehe er eben als positiv an, da sie ihn achtsam auf und absteigen lasse. Ein anderes Beispiel wäre das Kind, welches nach links und rechts schaut, ehe es über die Straße geht. So ist es eben auch in Beziehungen für mich, achtsam mit mir umzugehen und die kleinen Boten auch anzusehen.

    Was das Vertrauen allerdings anbelangt, sehe ich es ebenso - eine Garantie haben wir freilich nie - in der schlechten Vergangenheit hängenzubleiben und diese dann gegebenenfalls als Rechtfertigung für Eifersucht oder dergleichen zu missbrauchen, ist der Beziehungskiller schlechthin.

    Ich persönlich habe ein gutes Urvertrauen in mir verankert - aber ich habe eben auch in der Vergangenheit kleine Boten übersehen, wollte sie vielleicht sogar nicht ansehen - daher spielen für mich auch oft mehrere Faktoren eine Rolle. Allen voran, was ich möchte, wo meine Bedürfnisse liegen, welche Grenzen ich habe und all dies auch zu kommunizieren usw. usf. - ich kam aus einer katastrophalen Beziehung und ging Monate später in meine heutige Ehe - die schlechten Dinge habe ich freilich mitgenommen, nicht in die Beziehung, aber in dem Gewissen, es so eben nicht mehr zu handhaben, zu wollen. Wäre ich wieder an einen übermäßig eifersüchtigen Mann geraten, so hätte ich meine Grenze diesbezüglich viel eher und direkter kommuniziert.

    LG
    *

  7. #7
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    Ja die Angst schützt dich vor negativen, aber leider auch vor guten Erfahrungen. Wenn man in einee Beziehung schlechte Erfahrungen gemacht hat und dann jedem neuen Freund oder Partner mißtrauisch begegnet, wird man immer wieder schlechte Erfahrungnen machen.
    Also ich kann dir sofern zustimmen, dass man durch Ängste eventuell auch positive Erfahrungen verpasst (alle positiven Erfahrungen, die nur durch ein Risiko erlebt werden können). Aber das man "immer wieder schlechte Erfahrungen" macht ist Blödsinn. Angst schützt einen ja gerade dafür.

    Zum Beispiel: Jemand wird auf der Straße zusammengeschlagen. Danach verlässt er nie wieder seine Wohnung. Ergebnis: Er wird nie wieder zusammengeschlagen. Es gibt also kein negatives Erlebnis mehr. Gleichzeitig natürlich könnte ihm etwas entgegen indem er nicht vor die Tür geht, aber solange dies eine bewusste rationale Entscheidung ist, ist sie kein Problem an sich.
    Erst wenn die Person wirklich rausgehen will, aber sich nicht traut und darunter dann leidet, dann wird es zu einem Problem, was man ggf. durch Therapie lösen muss.

    Bei Beziehungen ist es genauso. Wenn man keine Beziehung mehr hat weil man keiner Person vertrauen kann ist das erstmal völlig in Ordnung als rationale Entscheidung. Wenn man sich aber nun nach ner Beziehung sehnt und sie trotzdem nicht klappt wegen mangelndem Vertrauen, dann leider man darunter und jetzt wird es wieder zu einem Problem.


    Das mit dem Vertrauen kann man meiner Meinung auch gar nicht so schwarz/weiß sehen. Es ist NICHT so, dass man prinzipiell in einer Beziehung gleich vertrauen soll, solange sich die Person nichts zu schulden kommen lassen hat. Wenn man so reingeht, fällt man oft auf die Nase. Gleichzeitig sollte man nicht prinzipiell allen misstrauen. Man kann seine Ängste sinnvoll nutzen - man weiß wovor man Angst hat, also weiß man auf was man achten muss. Je öfter man auf die Nase fällt, je besser lernt man es diese "Zeichen" zu lesen. Vertrauen ist im Endeffekt halt etwas, was man sich auch verdienen muss. Der Idealfall ist doch, dass man innerhalb kürzester Zeit einschätzen kann wem man Vertrauen kann und wem nicht.

    Solange Ängste rational und kontrolliert sind und man durch diese nicht leidet, sind sie immer gut und hilfreich. Auch bei Beziehungen.

  8. #8
    Verleger
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    Rya, ich stimme Dir in Teilen zu, sehe aber auch das Problem, dass Angst oft irrational wird. Oder sie uns dennoch nicht schützt.

    So kann dem Mann im Haus ein Einbrecher begegnen und ihn zusammenschlagen. Dann bringt eh alles nichts. Und andersherum kann die angst sich auf Dinge ausbreiten, die nur noch hemmen, nicht schützen.
    Siehe den Freund von dem ich redete.

    Was das Vertrauen angeht meine ich auch, dass man nicht gleich jedem voll vertrauen muss, aber man muss auch nicht mißtrauen.
    Man kann erstmal neutral beobachten und es ist doch schon bald klar, ob Dinge zusammenpassen.
    Gesagtes und Getanes passen zusammen, Empfindungen und Gefühle stimmen dazu? Wieso dann mißtrauen?
    Angst kann einen MEnschen aber eben dazu bringen, Umstimmigkeiten wahrzunehmen, wo keine sind.
    Ich kann verstehen, wenn das auf Dauer belastet.

    LG Tigre

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