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Thema: Wie viel Selbstaufopferung / Egoismus ist ok?

  1. #1
    Neuling
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    Rotes Gesicht Wie viel Selbstaufopferung / Egoismus ist ok?

    Hallo zusammen,

    ich bin mit einem Menschen zusammen, der nüchtern betrachtet überhaupt nicht zu mir passt.
    Um es kurz auszudrücken, ist er eher so der "Einfache Mensch", wir haben wenig wirkliche gemeinsame Interessen.
    Ich bin mit diesem Menschen zusammen und wir haben ein Kind, die Beziehung an sich ist nicht wirklich sehr alt. Aber ich habe von Anfang an sehr starke Gefühle bei ihm gehabt und dies war mir immer schon sehr wichtig (andere Diskussion, ob das immer das Richtige ist).
    Menschen, die zu mir gepasst hätten, wollte ich meistens nicht und es haben sich keine Gefühle entwickelt. Ohne Gefühle geht bei mir beziehungstechnisch gar nichts.

    Es gibt immer wieder viele Ungereimtheiten. Er ist auch wirklich kein einfacher Mensch, hat eine schwierige Vorgeschichte (Haft wegen BTM) und hat auch 2 Frauen mit Kindern zurückgelassen.
    Ich wünsche mir für ihn, dass er es nun besser macht und sich bemüht. Er ist im Grunde auch kein schlechter Mensch, er hat ein sehr gutes Herz, was ich sehr an ihm schätze. ABER er hat viele negative Seiten und ist auch manipulativ, impulsiv, wird agressiv wenn er trinkt.
    Auf Dauer belastet das mich.

    Nun die Frage: wie viel "Aufopferung" ist möglich und vertretbar eurer Meinung nach?
    Ich will ihn nicht verlassen, 1. nicht wegen unserem Kind (er ist wirklich ein toller Vater!), und 2. weil ich mir für ihn auch wünsche dass er sich nun endlich mal "rafft". Mit Drogen usw. hat er absolut nichts mehr zutun, da ist er 100 % raus. Aber es ist seine manipulative Art, z.B. dass er mir vorwirft dass ich egoisitisch bin und ihn einenge und alles kaputt mache, und er ist nicht Schuld. Entschuldigen kann er sich NIE, auch wenn er weiß dass er Fehler gemacht hat. Er zeigt mir immer wieder dass er oft unglücklich ist. Ich weiß ich bin keine Therapeutin (vielleicht sollte ich ihm das mal vorschlagen). Aber ich will ihm eben helfen, ihn bei mir behalten (er bedeitet mir wirklich etwas und er liebt mich auch). Daher "opfere" ich quasi meine Nerven, mir tut es oftmals nicht gut. Es ist eine Berg und Talfahrt. Aber ich will daran festhalten und ich will auch keinesfalls eine Alleinerziehende sein. Das weiß er auch.

    Bin gespannt auf eure Meinungen.

  2. #2
    Moderator Avatar von GrayBear
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    Standard

    Damit eine Beziehung über einen längeren Zeitraum bestehen kann, muss man fast immer über manche Dinge "hinweg sehen". Es wird immer etwas geben, das einen am anderen stört oder gar nervt. Nicht selten hat dieses "genervt sein" mehr mit einem selbst zu tun, als mit dem Partner, aber das ist ein anderes Thema.

    Aber was Du ansprichst, ist aus meiner Sicht einer der Kernpunkte einer Beziehung: wie bewältigt man Fragen, Krisen und Probleme. Wie offen und zugewandt geht man mit einander um. Wie können Lösungen gefunden werden? Wie geht man mit Fehlern um? Wenn er seinen Anteil an einem Problem immer von sich weist, wenn er Dir die Schuld dafür gibt, dann kannst Du dieses Verhalten natürlich tolerieren und Dir Deinen Teil denken. Ist eine Entschuldigung so wichtig? Im Grunde nicht wirklich. Aber auf die längere Distanz gesehen ist und bleibt sein Verhalten ungerecht und unreif. Und wenn die nächste Krise kommt und Du wieder einmal als Buh-Frau herhalten musst, weil das schon zur Gewohnheit geworden ist, dann können bei Dir eben auch einmal die Sicherungen durchbrennen. Vielleicht bist Du es irgendwann leid, für seine Schwächen herhalten zu müssen und der Zeitpunkt für Dein Aufbegehren ist dann selten "günstig". Nach meiner Erfahrung stumpft man irgendwann innerlich ab und entfernt sich von einander. Auch Du hast es verdient, unterstützt zu werden. Auch Du hast verdient, dass man bei Dir hin und wieder ein Auge zudrückt. Wenn das zu einseitig ist, staut sich mit den Jahren etwas auf, das irgendwann an den Fundamenten eurer Beziehung nagt.

    Leider oder erfreulicherweise ist jeder Mensch für sein eigenes Glück auch alleine verantwortlich. Wer das nicht begreifen kann oder will, wird immer andere dafür verantwortlich machen. Dies bedeutet, dass Du immer wieder Vorwürfen ausgesetzt sein wirst, warum Du dies oder jenes nicht so gemacht hast, dass er glücklich sein kann. Aber woher sollst Du wissen, wie Du dies oder jenes machen sollst? Auch seine Bedürfnisse und Vorgehensweisen ändern sich. Musst Du nun jeden Moment an seinen Lippen hängen um ja nichts zu verpassen? Musst Du spüren, was er denkt? Manchmal und in glücklichen Momenten mag das gelingen, aber erwachsen ist das nicht. Auch Du wirst Phasen haben, wo Du mit Dir und der Welt genug zu tun haben wirst und dann?

    Die negativen Seiten eines Menschen treten mit wachsendem Alter und vor allem bei wachsenden Problemen eher deutlicher zutage, als umgekehrt. Trinken und Aggressivität ist eine üble Mischung. Wenn DU mit alledem bewusst umgehst (und das scheinst Du zu tun) und es für Dich gerade noch erträglich ist, dann bleibt trotz alledem die Frage, ob Du genug Einfluss auf sein Verhalten hast, und es so bleibt. Sobald Du eine Grenze fühlst ("Bis hierher und nicht weiter.") besteht das Risiko, dass ihr auf genau auf diese Grenze zutreibt. Wenn er mehr oder öfter trinkt, wenn ihr finanzielle Sorgen habt, wenn, wenn, wenn. Es wird immer so sein, dass man den Anderen hin und wieder ertragen muss, dass man schwere Zeiten durch macht. Wenn man dann schon den Crash mit einplant: "Wenn Du das oder das machst, wenn Du Dich so oder so verhältst, wenn Du dies oder jenes sagst, dann verlasse ich Dich!", dann kannst Du davon ausgehen, dass es zu einer solchen Situation kommen wird. Und dann?

    Diese Verantwortung solltest Du nicht alleine tragen müssen. Die schöne Ausrede: "Aber ich kann doch nicht anders?!" mag für ihn Sinn machen, aber er verlangt von Dir, dass Du dieses Problem erträgst. Wie war das mit dem Krug, der so lange zum Brunnen geht, bis er bricht?

    Dass wir alle hin und wieder des Anderen Last mit tragen müssen ist nun einmal so. Aber alles hat einmal ein Ende, auch jede Beziehung. Solange Du dafür sorgst, dass in eurer Beziehung alles "glatt läuft", sorgst Du auch dafür, dass er sich nicht entwickeln muss. Du hältst das aus, also ist doch alles bestens! Ja, es gibt bei jedem Menschen Schatten, über die sie/er nicht springen kann oder zumindest nicht auf Dauer. Ob es nur das "Rauchen" ist, das Trinken, die vernagelte Weltsicht, die Aggression, die Faulheit, das Ego, was auch immer. DU musst Dich prüfen, ob Du mit seinen Schattenseiten leben willst und sie wirklich akzeptieren kannst. Was andere Menschen davon halten, ist vollkommen nebensächlich. Sobald Du anfängst mit der Meinung anderer zu vergleichen, wird genau diese Grenze entstehen, hinter der eure Beziehung scheitert. Nur Du kannst und solltest entscheiden, was für Dich ok ist und was nicht. Aber das hat auch den Nachteil, dass Du das selbst tun MUSST. Es gibt keine allgemein gültigen Regeln, die jeder akzeptiert und automatisch versteht.

    Ein befreundetes Pärchen hat sich getrennt. Sie leidet an Borderline. Er konnte diese "Sprünge" einfach nicht mehr aushalten. Ich glaube beiden, dass sie sich lieben, aber es ging einfach nicht mehr. Jeder Mensch hat seine Grenzen und dann bricht dieser Krug. Du würdest Deine Zeilen in Deinem Eingangsbeitrag nicht geschrieben haben, vermute ich, wenn Du nicht jetzt solche Grenzen in Dir fühlen könntest. Also sei ehrlich zu Dir selbst. Auch Du darfst Grenzen haben, darfst sagen, wozu Du bereit bist und wozu nicht. Du musst nicht sein Leid auf Deine Schultern nehmen und Dir dann auch noch den Vorwurf machen lassen, warum Du so wenig lächelst. Sich aufzuopfern erscheint im Film als eine noble Geste. Aber die Schauspieler gehen dann nach Hause und werden dafür bezahlt. Deine Geschichte geht weiter und der Zahltag fällt für "aufopferndes Verhalten" eher mager aus. Und das "nur", weil er es nicht besser auf die Reihe bekommt und sich nicht ändern will? Jede Entscheidung kostet ihren Preis. Der Deine kommt mir ziemlich hoch vor. Kein Ding, wenn Du dazu bereit bist, wenn es Dir wert ist. Auch Du wächst mit Deinen Aufgaben. Nur sollte er mit wachsen (können), sonst wächst Du über ihn hinaus und stellst irgendwann fest, dass Du so manchen Sch...ß nicht mehr mit Dir machen lassen musst und willst. Vielleicht gibt es ihn nur so und er wird sich nicht ändern. Dann mag er für Dich trotzdem liebens- und begehrenswert bleiben. Wenn das so ist, pfeif auf die Meinung anderer. Aber belüge Dich nicht selbst, wenn es nicht so ist, denn auch Deine Wahrheit zählt, auch Du hast ein Recht auf Dein Glücklichsein, Deine Geborgenheit und dass man Dich so annimmt, wie Du bist.
    Geändert von GrayBear (18.06.2020 um 17:48 Uhr)

  3. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei GrayBear für den sinnvollen Beitrag:

    Malembe (18.06.2020),monkey (18.06.2020),Schnutti (30.06.2020)

  4. #3
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    Hallo GrayBear,

    vielen Dank für deine Zeilen, da ist viel Wahrheit drin und vieles hast du sehr gut dargestellt.
    Du hast Recht. "Dass wir alle hin und wieder des Anderen Last mit tragen müssen ist nun einmal so. Aber alles hat einmal ein Ende, auch jede Beziehung. Solange Du dafür sorgst, dass in eurer Beziehung alles "glatt läuft", sorgst Du auch dafür, dass er sich nicht entwickeln muss. Du hältst das aus, also ist doch alles bestens!"
    So ist es eben zurzeit. Nur frage ich mich, KANN ICH ihn ändern? Nein. Ich kann ihm nur aufzeigen was ich will und wie er es machen könnte. WILL er sich denn wirklich ändern? Oder lebt er eben so in den Tag und findet es eigentlich richtig so, wie es ist?

    Ich grübel ehrlichgesagt schon, ob ich vielleicht bei jemanden gelandet bin, der wirklich "destruktiv" ist. Er hat mir diese Seiten am Anfang unserer Beziehung (natürlich) nicht gezeigt. Wir haben auch sehr schnell ein Kind bekommen, das würde ich auch NIEMALS bereuen, es ist das beste was mir je passiert ist. Aber Er... ich liebe ihn, aber so langsam habe ich wirklich Zweifel. So wie er mir im Moment überhaupt keine Liebe zeigt und mit mir umgeht.
    Ich ertrage das nur sehr schwer. Und kann es auch nicht wirklich verstehen, wie man so sein kann. Er ist ein Mensch der schon so viel verloren hat und scheinbar würde es ihn nicht interessieren, wenn er mich mit dem Kind zurücklässt. Diesen Eindruck macht er auf mich. Er hat schon viel durchgemacht, das eine hin oder her.
    Was alles aber NOCH schwieriger macht: ich KENNE seine tollen, gutmütigen, großzügigen, liebevollen gentlemen Seiten. Also die hat er definitiv IN SICH. Nur wo sind sie gerade hin? Es zieht sich nun schon einige Wochen so. Mal ist es einen Tag sehr gut, und dann folgen Tage an denen es wirklich kaum Nähe zwischen uns gibt, wie aktuell.
    Und das schon, obwohl wir eigentlich nur so kurz zusammen sind.
    Manchmal hab ich auch wirklich das Gefühl dass das, wie er ist, vielleicht ein "Krankheitsbild" ist?! Bipolar oder sowas, meine ich mal gelesen zu haben, würde glaube ich gut passen...

  5. #4
    Neuling
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    Ich will mich auch nicht immer zurücknehmen müssen, nur damit wir nicht streiten, oder ich nicht will dass wir vor dem Kind streiten. Ich bin auch schon oft richtig ausgeflippt, ich habe auch eine sehr aufbrausende und emotionale und impulsive Seite, nur braucht es bei mir in der Regel viel, damit ich das so zeige. Normal bin ich ein Mensch mit viel Toleranz. Aber ich will auch nicht immer nur runterschlucken...

    Er zeigt mir oft Seiten an mir auf, die ihn stören, zB dass ich ihn nicht in Ruhe lasse wenn er rausgeht, dass ich immer will dass es nach meiner Nase geht. Das stimmt bestimmt auch zum Teil. Aber das wären für mich niemals Gründe sich so zu verhalten.

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