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Thema: Zeitgefühl und Erinnerungen

  1. #1
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    Standard Zeitgefühl und Erinnerungen

    Hallo zusammen,

    mich verfolgt schon länger, dass ich kein richtiges Zeitgefühl mehr habe.
    Ich kann zwar Zeiträume sehr gut einschätzen (also wenn man mich bspw. fragt, ob ich jemanden in 10 min an etwas erinnern soll, würde ich das können, ohne auf die Uhr zu gucken) aber irgendwie bin ich unterbewusst immer auf der Suche nach meinem früheren Gefühl.

    Bsp. Wochentage: Kennt ihr das Samstags Gefühl? (Oder irgend einen anderen Wochentag) Das ist bei mir irgendwie weg. Ich kann mich noch genau dran erinnern wie es sich anfühlt aber wenn Samstag ist, habe ich das einfach nicht mehr.

    Bsp. 2: ich bin im Urlaub und heute bin ich einen halben Tag snowboard gefahren. Ich erinnere mich auch zu 100 % an alles, was ich heute gemacht habe, nur ich fühle es nicht. Blicke ich auf den Tag zurück sind dort nur Bilder von mir, wie ich aus meinen Augen schaue aber ich fühle irgendwie rückwirkend nichts... Das geht nun schon seit nem Jahr so... Auch gab es bei mir immer das Januar, Februar, etc. Gefühl. Das ist auch weg. Ich kann mich aber auch daran noch erinnern, als ich es noch gehabt hatte.

    Vielleicht mache ich mir auch einfach zu viele Gedanken darüber und es ist deshalb so.

    Kennt das jemand oder hat jemand eine Meinung dazu?

    Freue mich auf Antworten :-)

    LG
    Tiffey

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von Argus
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    Hallo Tiffey,

    ich würde dir mal meine Meinung dazu erzählen

    Es gibt Menschen, die eher Visuell geprägt sind. Dann gibt es welche die eher von Gefühlen geprägt sind und andere eher von Geräuschen. Jetzt ist das natürlich nichts das man in die Wiege gelegt bekommen hat, sondern eben ein priorisierende, vom Gehirn gelernte, art und weiße wie es Erinnerungen abspeichert.

    Wie ein Mensch geprägt ist, lässt sich gut herausfinden.

    Stell dir eine Reisegruppe vor, die gerade wieder zuhause angekommen sind und aus dem Bus steigen. Nun Fragst du jeden einzelnen, was er im Urlaub ganz besonder schön empfunden hat.

    Einer würde vielleicht sagen: Am schönsten hat mir der Sonnenuntergang am 2. Tag gefallen. Wobei das Meer und er Strand auch echt toll waren. Das Wasser hatte ein sehr helles blau was super zu dem weißen Sandstrand gepasst hat.
    Ein andere würde vielleicht sagen: Am aller schönsten fand ich die wärme. Jedesmal wenn ich Barfuß in den Sand gestiegen bin, spielte ich mit den warmen Sandkörnern zwischen den Zehen und wenn dann die Welle den Sand unter meinen Füßen weggezogen hat, kitzelte das immer ein bisschen.

    Das sind 2 sehr plakative Beispiele, das ist mir bewusst. Kein Mensch Lebt nur in einem Sinneskanal.. Gleichzeitig hat jeder so seinen Lieblingskanal

    Aus deinen Erzählungen würde ich nun die erste These aufstellen, dass dein Lieblingskanal eben der Visuelle ist. Ob Bewusst oder Unbewusst.

    Diese Kanäle welche Erinnert werden, sind auch nicht in Stein gemeißelt. Heißt man kann das Trainieren.

    Solltest du also einmal ein bisschen Zeit haben, könntest du vielleicht mal versuchen, dich irgendwo hin zu setzen oder zu legen, oder auch zu stehen.. Und dann die Augen schließen. Dann achte einmal wie sich der Boden unter deinen Füßen anfühlt.. oder der Stuhl unter deinem Hintern oder das Bett unter deinem Rücken. Fühlt es sich hart oder weich an, rau oder glatt, warm oder kalt, .. Wie fühlt sich die Luft an, die durch deine Nase, die Nebenhöhlen, den Hals, in die Lunge strömt. Eher warm? eher Kalt? Dort wo du dann stehst, sitzt oder liegst.. fühlst du dich da wohl oder unwohl? Was müsste sich ändern vom Gefühl her, dass du dich wohl oder einfach noch wohler fühlst. Ist dein Körper angespannt, oder entspannt,.. Solche Dinge

    Wenn du einige Antworten hast, geh sie noch ein paar mal durch und dann öffne die Augen wieder.
    Sobald der nächste Tag angebrochen ist, versuche dich daran zu erinnere was du alles Gefühlt hast. Auf diese Art könntest du das Tranieren, wenn du das wollen würdest.

    Was ich wichtig finde hier zu sagen ist, dass es keinen Falls besser oder schlechter ist, wenn man einen Bestimmten Sinneskanal mehr oder weniger ausgeprägt hat als einen anderen. Das gehört einfach zu der Individualität des Menschen dazu

    Hilft dir das vielleicht schon ein wenig?

    Wir können uns gerne weiter über das Thema austauschen.

    Herzliche Grüße
    Argus

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Argus für den sinnvollen Beitrag:

    tiffey (21.01.2020)

  4. #3
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    Hallo Tiffey, hast du mal was Schlimmes erlebt? Bei einem Trauma kommt es danach manchmal zu Derealisationserscheinungen bzw Depersonalisationserscheinungen. Das Zeitgefühl zu verlieren wäre demnach eine Selbstschutzfunktion.

  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mobila für den sinnvollen Beitrag:

    tiffey (21.01.2020)

  6. #4
    Verleger Avatar von Mirjam
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    Hallo,

    hat sich vor bzw. seit einem Jahr sonst noch etwas verändert? Wie geht es dir ansonsten? Hast du Stress?

    Ich hatte eine Phase von ein paar Jahren, in denen ich das ähnlich empfunden....bzw. genauer genommen nicht viel empfunden habe, sondern eher im Funktionier- Modus war.

    Gemerkt habe ich das bewusst, als ich Unterlagen für eine psychosomatische Reha ausfüllen musste, u. a. eine Art ausführlicher Lebenslauf. Ich wusste zwar, was in den Jahren passiert ist (Hausbau, Kinder klein....beide erhöhter Förderbedarf, Probleme im Job, finanziell ziemlich eng, kein Ausgleich/keine Zeit für mich).

    Wahrscheinlich hätte ich die Phase damals nicht ohne weiteres durchgestanden, wenn meine Gefühle präsent gewesen wären - andererseits kam viele Jahre später all das Verdrängte geballt hoch.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mirjam für den sinnvollen Beitrag:

    tiffey (21.01.2020)

  8. #5
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    Erstmal danke euch für die ausführlichen Antworten :-)

    @Argus: so habe ich das noch gar nicht betrachtet... Ich versuche es mal mit den Übungen. Ich komme mir nur immer noch etwas doof dabei vor (man soll ja ehrlich sein &#128584, wenn ich solche Übungen mache. Habe auch mal eine Zeit lang PMR in einem Kurs gemacht. Da habe ich es auch sehr gebraucht aber ich konnte mich da auch nie 100 % drauf einlassen. Ich arbeite da aber dran :-)
    Es ist schwer, wenn man immer der harte bzw. der war, der die Antworten gegeben hat und jetzt der ist, der die Hilfe braucht.

    @Mobila: ich weiß es nicht genau. Vielleicht kann man das aber so sagen. Meine Kindheit war zwar schön, aber meine Eltern ließen sich mit 12 Jahren scheiden und dann war ich oft bei meinem Vater, der wiederum Alkoholiker und Kiffer war. Dementsprechend habe ich viele Sachen erlebt, die leider irgendwie manchmal hochkommen.. Das paart sich dann leider mit Erinnerungen an meinen Auslandsaufenthalt von der Firma in der ich arbeite. Ich habe jeden Montag morgen geweint als ich dort hingefahren bin und hatte Freitags auf dem Rückweg wieder Angst vor Montag. Das ging ein Jahr so. Zwischendurch war ich noch 6 Wochen in Neuseeland und 3 Wochen in Irland. Da hat sich mein Leben ganz schön schnell umgekrempelt. Dazu noch der Umzug mit meiner Freundin zusammen. Ich glaube mit all den Dingen komme ich noch immer nicht klar (war 2016/2017). Fortgesetzt hat sich das dann mit nem von meinem Chef gewollten Jobwechsel innerhalb meines dualen Studiums und dem Auszug meiner Freundin fürs Studium (nur 1 Stunde weit weg aber für mich sehr belastend) in 2018. 2019 war dann das letzte Semester und die Bachelorarbeit und ein erneuter Jobwechsel.

    @Mirjam: ich glaube das was ich gerade beschrieben habe passt ganz gut zu dem was du sagtest. Ich hatte in der ganzen Zeit puren Stress doch habe ich es immer für normal gehalten... Ich merke gerade, dass ich quasi aufwache.. Und merke, was eigl so alles passiert ist in den letzten Jahren. Übrigens hatte ich zudem auch noch den Anspruch, immer in allem gut zu sein. Leider immer ohne dabei auf Ausgleich oder Spaß zu achten... Meine Ausbildung im Groß und Außenhandel habe ich mit ner 1 abgeschlossen und das duale BWL Studium letztes Jahr mit 1,49... Obwohl es mir nicht gut ging.. Ich habe das Gefühl, dass ich dem allen gerade Rechnung trage... Und das wie bei dir gerade alles geballt aber eben in Schüben hochkommt...

    Es tut sehr gut, darüber zu sprechen und zu hören, dass andere Menschen ähnliches durchgemacht haben.

    Habt ihr noch Tipps oder Dinge, Aktivitäten oder Medikamente (bspw. Baldrian) die euch geholfen haben, durch die Zeiten zu kommen?

    Freue mich wieder auf eure Antworten :-)

    LG Tiffey

  9. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei tiffey für den sinnvollen Beitrag:

    Argus (21.01.2020),mobila (20.01.2020)

  10. #6
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    Dann klingt es so, wie ich vorschlug: Dass es ein psychischer Schutzmechanismus ist.
    Deine Psyche kommt bei all den Erlebnissen, und Gefühlen vielleicht gar nicht richtig mit dem Verarbeiten hinterher. Und "nimmt" dir als Resultat das Zeitgefühl.
    So in etwa wirkt das beim Lesen auf mich.
    Was du tun kannst, ist, dich bei deiner Psyche bedanken und den Warnhinweis beachten. Schone dich etwas. Gönne dir ganz bewusst viel Ruhe-Auszeiten. zB morgens, oder abends mal 30 min auf dem Sofa die Beine ausstrecken, und nichts weiter tun. Den Kopf nicht mit irgendetwas beschäftigen, sondern die Gedanken sich selbst überlassen. Bewusst Leerlauf lassen also. Das ist eine Wohltat für eine überreizte Psyche.

    Ansonsten, darüber hinaus, wenn du ein Körper-Typ bist, helfen leichte Körperübungen. Yoga, achtsames Atmen, Tai Chi, Qi Gong oder leichte Fitness-und Spürübungen. Es gibt davon so viele....
    Wenn das alles nix hilft .... kannst du natürlich auch über pflanzliche Beigaben wie CBD Öl oder Baldrian nachdenken. Das ist ein ebenso guter "Runterholer".
    Aber "nur" ein Mittel nehmen halte ich für zu wenig. Ich denke, dir diese bewussten Auszeiten nehmen und diese mit Leerlauf "füllen" oder auch vielleicht später mit kreativem, verarbeitendem Schreiben, oder Zeichnen? , sind die besten Mittel. Ein Wellnesstag pro Woche/Monat mit schwimmen und Sauna? Massage?

    Wer viel erlebt, muss viel verarbeiten. Auch ein Tagebuch wäre eine gute Sache.

    Glg
    mobila

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei mobila für den sinnvollen Beitrag:

    Argus (21.01.2020)

  12. #7
    Verleger Avatar von Draugr
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    Möglicherweise jagt man etwas hinterher, eben einem bestimmten Gefühl, kann es aber nicht mehr erfahren, die emotionale Ebene wird nicht mehr erreicht. Man stützt sich auf Erinnerungen, aber diese stehen eben für die Vergangenheit.
    Mir kommt das in etwa so wie von mir beschrieben bekannt vor.
    Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen,
    Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,
    April und Mai und Julius sind ferne
    Ich bin nichts mehr; ich lebe nicht mehr gerne!
    (Friedrich Hölderlin)

  13. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Draugr für den sinnvollen Beitrag:

    tiffey (21.01.2020)

  14. #8
    Schreibkraft Avatar von Argus
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    Hey Tiffey,

    ich habe so das Gefühl, dass du auf dem richtigen Weg bist

    Auch mit dem was mobila noch geschrieben hat, hast du jetzt schon viele Möglichkeiten bekommen etwas zu tun Ich verstehe und kenne das nur zu gut von mir selbst, dass man gerne eine unendliche Anzahl an Möglichkeiten hat Doch egal ob es 10 Vorschläge sind oder 100, irgendwann musst du ins tun kommen um zu überprüfen was funktioniert und was nicht

    Das ist auch mein Rat, Fang doch einfach mal mit irgendwas an und berichte auch gerne wie es für dich war, wenn du magst Ich denke dass die meisten hier Bereit sind auch noch mehr Ideen und Vorschläge zu geben. Das kann ja alles parallel passieren

    Was ich noch anmerken wollen würde, wäre dein aktueller Stand Wie ich gelesen habe, hast du schon einiges an Lebenserfahrung gesammelt. Egal ob diese hilfreich oder unterstützend waren, so bist du doch in meinen Augen ein sehr sympatisches Forum-Mitglied Was ich sagen will, dass du natürlich alles bewusste ausprobieren kannst, gleichzeitig gehört auch das gewisse Vertrauen dazu, dass du das schon hin bekommst

    In den aller meisten Fällen merkt man erst sehr viel später, manchmal auch Jahre oder Jahrzehnte, was einem im Leben zu diesem tollen Menschen gemacht hat der man ist
    Du hast alles was es dazu braucht

    Ich bin auf jeden Fall gespannt wie lange es geht, bis du eine Entwicklung wahrnehmen kannst und freue mich über deine Ergebnisse

    Herzliche Grüße
    Argus

  15. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Argus für den sinnvollen Beitrag:

    tiffey (21.01.2020)

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